Tuesday 22. October 2019

725 Jahre Stift Engelszell und Markt Engelhartszell

725 Jahre Stift Engelszell und Markt Engelhartszell

Am Samstag, 6. Oktober 2018 feierten das Stift Engelszell und der Markt Engelhartszell ihr 725-jähriges Bestehen mit Bischof Manfred Scheuer und dem Wilheringer Abt Reinhold Dessl OCist, der die Festpredigt hielt.

Mit den anwesenden Festgästen feierten Nuntius Erzbischof Peter Zurbriggen, Bischof Manfred Scheuer, die Bischöfe em. Ludwig Schwarz und Maximilian Aichern, der Generalvikar von Passau Klaus Metzl, der Abt von Oelenberg Dominique-Marie Schoch, der Abtpräses der Österreichischen Zisterzienserkongregation Maximilian Heim, der Wilheringer Abt Reinhold Dessl, Patres, geistliche Brüder und Schwestern aus Engelszell und anderen Gemeinschaften und Orten sowie VertreterInnen der Marktgemeinde und des öffentlichen Lebens.

 

Abt P. Reinhold Dessl OCist: Dankbar auf die Vergangenheit schauen, die Gegenwart mit Leidenschaft leben, die Zukunft voll Hoffnung ergreifen

 

Abt Pater Reinhold Dessl OCist zitierte in seiner Festpredigt Papst Franziskus, der anlässlich des Jahres der Orden 2015 in seinem apostolischen Schreiben drei Ziele genannt hatte:

Dankbar auf die Vergangenheit schauen, die Gegenwart mit Leidenschaft leben, die Zukunft voll Hoffnung ergreifen. Angesichts der dramatischen Veränderungen in der Ordenslandschaft und der „kleinen Herde“, die in vielen Klöstern und Gemeinschaften Realität geworden ist, falle es nicht immer leicht, diese drei Ziele zu leben, so Dessl.

 

Kirche, Politik und Öffentlichkeit: Sorge um den Menschen in seiner Ganzheit

 

„Und doch schauen wir heute in Dankbarkeit zurück auf die Gründung Stiftes Engelszell vor 725 Jahren zurück. Engelszell ist eine Gründung des damaligen Bischofs Wernhart von Passau im Jahre 1293 und wurde 1295 mit Mönchen des Stiftes Wilhering unter Leitung des ersten Engelszeller Abtes Berthold besiedelt. Wenn Dom Dominikus der Vaterabt der trappistischen Wiederbesiedelung durch Ölenberg 1925 ist, dann bin ich so etwas wie der ,Großvaterabt‘ der ersten Wilheringer Besiedelung.

Wir freuen uns natürlich auch über die erste urkundliche Erwähnung der Marktgemeinde Engelhartszell in der Stiftungsurkunde des Klosters von 1293 und wissen um die Schicksalsgemeinschaft von Kloster und Marktgemeinde in den Jahrhunderten seither. Im gemeinsamen Mittelpunkt von Kirche, Politik und Öffentlichkeit stand die Sorge um den Menschen in seiner Ganzheit.“

 

Dessl schaute in seiner Predigt in Dankbarkeit zurück auf die Gründung des Klosters Engelszell und auf das Auf und Ab der Geschichte dieses Hauses in den 725 Jahren. Es sei wirklich ein Auf und Ab gewesen, bei dem auch das Mutterkloster Wilhering der Tochtergründung immer wieder hilfreich zur Seite gestsanden war.

 

1791 wurde das Stift aufgehoben, erst ca 140 Jahre später, im Jahr 1931, kehrte wieder klösterliches Leben in Engelszell ein durch die aus Ölenberg vertriebenen trappistischen Mönche. Der erste neue Abt von Engelszell wurde 1931 in der Stiftskirche von Wilhering zum Abt geweiht. Eine neue Schicksalsgemeinschaft zwischen Wilhering und Engelszell entstand in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als beide Klöster aufgehoben waren und unter der nationalsozialistischen Herrschaft zu leiden hatten.

 

Auf die „Anfangsmelodie“ des Ortes hören

 

Rückblickend auf die „geistige Gründung“ von Engelszell sagte Dessl: „Dankbar auf die Vergangenheit schauen, mit Leidenschaft die Gegenwart leben und mit Hoffnung auf die Zukunft zugehen, wie immer sie auch ausschauen mag. Hoffnung und Leidenschaft können vielleicht auch geweckt werden, indem wir uns sozusagen auf die ,Anfangsmelodie‘ eines Ortes besinnen.“

Der Festprediger nannte den ersten Beweggrund des Gründungsbischofs Wernhart:

„Das Lob Gottes nach dem Vorbild der Engel im Himmel. Das hat sich ja auch im Namen der Gründung ,Engelszell‘ niedergeschlagen.“

 

Mönche sind „Anwälte des inneren und geistlichen Lebens“

 

Dessl betonte, dass Menschen, die ein Leben des Gebetes führen, so etwas wie „Anwälte des inneren und geistlichen Lebens“ seien. „Es besteht heute bei vielen Menschen eine große Sehnsucht danach, gerade in einer Zeit, wo oft ein ,Kult des Äußeren und des Aktivismus‘ betrieben wird.“

In Anlehnung an ein Zitat von Meister Eckhart, einem großen Mystiker, meinte der Wilheringer Abt:

„Es geht also darum, in den Weinkeller des eigenen Inneren hinabzusteigen und gleichsam die Gegenwart Gottes zu verkosten. Der Geschmack dieses Weines ist nicht von vorherein immer zu erkennen. Oft ist es auch erst der ,Nachgeschmack‘ eines Tuns, das uns im Sinne der ,Unterscheidung der Geister' auch wirklich erfüllt und weiterbringt."

 

Ort des Friedens und der Gastfreundschaft

 

Dessl erinnerte auch an den zweiten Punkt in der Stiftungsurkunde: Dass an diesem Ort „wahre Söhne des Friedens“ einziehen sollen und dass es ein Ort der Gastfreundschaft sein soll. Weil – Zitat - „besser gestellte Leute, die nach Passau reisen wollen, bislang auf dem ganzen weiten Weg zwischen Eferding und Passau keine Gaststätte, arme Reisende aber keine Herberge und keine Verpflegung fanden und darum die Reise dorthin arg beschwerlich war, so haben wir hiemit weislich vorgesorgt, dass etwa auf halbem Wege ein Gotteshaus errichtet würde, wo müde Wanderer ihr Haupt zur Ruhe legen könnten.“

 

Feierlichkeiten 725 Jahre Stift Engelszell und Markt Engelhartszell am 6. Oktober 2018. Fotos (c) Markt Engelhartszell / Karin Wundsam

Getauft und Gesandt
Tobias Renoldner

Tobias Renoldner

Durch meine Taufe bin ich von kleinsten Kinderbeinen an in einer Gemeinschaft angenommen und geliebt.
Katholische Kirche in Oberösterreich
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