Montag 19. November 2018

Kinderarbeit: Die dunkle Seite des Konsums

Mindestens 139 Produkte aus 75 Ländern enthalten Kinderarbeit. Anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni weist die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt auf die besondere Verantwortung der KonsumentInnen hin.

Sie sammeln Müll, schuften in Bergwerken, in der Landwirtschaft, in Fabriken oder müssen als Prostituierte für Einkommen sorgen. Rund 152 Millionen Mädchen und Jungen im Alter zwischen 5 und 17 Jahren sind laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von Kinderarbeit betroffen. Etwa 73 Millionen arbeiten unter besonders ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen.


Kinderarbeit hat vielfältige Ursachen, der Hauptgrund ist Armut. Hinzu kommen Krankheiten, Epidemien, Kriege und Klimakatastrophen sowie das Fehlen sozialer Sicherungssysteme. Ein elfjähriger Junge in Bangalore (Indien) begründete seine Arbeit so: „Ich arbeite vor allem wegen der Armut. Meine Eltern zwingen mich zu arbeiten, jeder in unserer Familie arbeitet.“

 

Kinder als Minenarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo.

Kinder als Minenarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo. © Salesianer Don Boscos.
 

 

Mehr Aufklärung notwendig


Die Wahrscheinlichkeit, beim Einkauf auf Produkte zu stoßen, in denen Kinderarbeit steckt, ist relativ hoch. Schokolade, Kaffee, Zucker, Tee, Nüsse, Palmöl, Gold, Handys, Tabak oder Kleidung sind die am stärksten betroffenen Warengruppen. Insgesamt listet das United States Department of Labour 139 Produkte auf, in denen Kinderarbeit eine wesentliche Rolle spielt. „Leider ist das Bewusstsein für die Problematik missbräuchlicher Kinderarbeit noch wenig ausgeprägt, es bräuchte mehr Aufklärung und eine bessere Kennzeichnung der Produkte. Statt über die Allmacht großer Konzerne oder die untätige Politik zu jammern, können wir aber auch selbst aktiv werden“, appelliert Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, an die Verantwortung jedes und jeder Einzelnen. KonsumentInnen sollten sich besser informieren, lokal hergestellten Produkten bzw. solchen aus Fairem Handel den Vorzug geben und mehr Druck auf Unternehmen ausüben, damit diese missbräuchliche Kinderarbeit in ihrer Produktions- und Lieferkette ausschließen. Immerhin hat Österreich sich dazu verpflichtet, die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung umzusetzen, die eine Beendigung von Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 vorsieht. Bis dahin ist noch viel zu tun.

 

 

Syrische Flüchtlingskinder bei der Haselnussernte


Die gute Nachricht: Die Anzahl der KinderarbeiterInnen ist von geschätzten 246 Millionen im Jahr 2000 auf rund 152 Millionen zurückgegangen. Doch leider gibt es auch einen umgekehrten Trend: So stieg der Missbrauch von Kindern im Zusammenhang mit Online-Pornografie und „Mikro“-Drogenhandel, bei dem Kinder Kleinstmengen transportieren, in den vergangenen Jahren an. Zudem haben Konflikte wie insbesondere der Syrienkrieg zu einem Anstieg der Kinderarbeit geführt. In Jordanien, der Türkei oder dem Libanon sind zahlreiche geflüchtete syrische Familien vom Zuverdienst ihrer Kinder abhängig. Beispielsweise arbeiten im Libanon tausende Kinder zwischen 7 und 17 Jahren in der Landwirtschaft und helfen bei der Kartoffelernte mit. In der Türkei werden Flüchtlingskinder u. a. bei der Haselnussernte eingesetzt, wo sie Gefahren durch Arbeitsunfälle, extreme Hitze, Schlangen und Skorpione sowie chemischen Dünger ausgeliefert sind.



Problem Handy-Rohstoffe


Besonders problematisch ist der Abbau von Rohstoffen für Elektronikgeräte in Afrika. Vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, dem weltweit wichtigsten Herkunftsland der für Mobiltelefone nötigen Rohstoffe Coltan und Kobalt, verrichten oft schon Achtjährige Schwerstarbeit. Laut UNICEF muss im District Nord-Kivu jedes 5. Kind arbeiten. Abhilfe schafft ein Don Bosco-Hilfsprojekt in Goma, das von Jugend Eine Welt unterstützt wird. Bis 2021 sollen 19 neue Schulklassen und Werkstätten entstehen, die benachteiligten Kindern und Jugendlichen über hochwertige Bildung einen Ausweg aus dem Teufelskreis Armut/Kinderarbeit ermöglichen.

 

 

Hilfe für die „Ziegelkinder“


Auch im Jhajjar District im indischen Bundesstaat Haryana ist die Hilfe von Jugend Eine Welt bitter nötig: Kinder, die in den hier gelegenen rund 500 Ziegelfabriken arbeiten, leben in größter Armut, in erbärmlichen Behausungen. Inmitten der qualmenden Fabriksschlote erhalten rund 150 „Ziegelkinder“ im von Jugend Eine Welt mitfinanzierten Don Bosco-Kinderdorf Essen, medizinische Hilfe, Unterricht und einen Platz zum Spielen. „Unser Kinderdorf schafft eine bessere Zukunft für diese Kinder,“ freute sich Salesianerpater Alingjor Kujur während eines 2017 von Jugend Eine Welt organisierten Informations- und Aufklärungsbesuches.

 

Ziegelkinder in Jhajjar.

Ziegelkinder in Jhajjar © Jugend Eine Welt 

 

Missbrauch junger Mädchen


Ebenso kritisch ist der Einsatz junger Mädchen als billige Haushaltshilfen, die oftmals vielfältigem Missbrauch ausgesetzt sind. In einem von Jugend Eine Welt unterstützten Hilfsprojekt im indischen Vijayawada werden Haushalte, die Minderjährige anstellen, ausgeforscht. Zahlreiche Mädchen konnten bereits befreit werden. Das Projekt setzt zudem auf Aufklärung, da sich viele Haushalte ihres Unrechts gar nicht bewusst sind.


Missbräuchliche Kinderarbeit muss beendet werden! Mit diesen und zahlreichen weiteren Projekten setzt sich Jugend Eine Welt für ein Ende der Ausbeutung von Minderjährigen ein und gibt betroffenen Kindern eine neue Zukunft.

 

Indische Hausmädchen

Indische Hausmädchen. © Salesianer Don Boscos.


Jugend Eine Welt Spendenkonto
IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000
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Angelika Gerstacker | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jugend Eine Welt

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