Freitag 19. Oktober 2018

„Mutter Teresa und die Armut des Westens“: Ausstellung im Linzer Mariendom

Zu einem Perspektivenwechsel lädt die Ausstellung „Mutter Teresa und die Armut des Westens“ ein. Die von der Friedensbibliothek Berlin gestaltete Ausstellung wurde am 20. April eröffnet und ist noch bis 6. Juni 2018 im Linzer Mariendom zu sehen.

„In Indien und anderen unterentwickelten Ländern sind wir materiell arm. In vielen Ländern dagegen, in Europa, Amerika und anderswo, gibt es die geistige Armut. Da sind die Reichen arm, ja in einem gewissen Sinn erheblich ärmer als unsere Leute in Kalkutta, die nur materiell arm, aber reich an Liebe sind.“ Diese Worte von Mutter Teresa bringen auf den Punkt, worum es in der Ausstellung geht. Rund 250 Fotos und Texte werfen ein Licht auf das, was Mutter Teresa „die Lepra des Westens“ nennt.

 

Anjezë (Agnes) Gonxha Bojaxhiu (*1910, †1997), heute bekannt als Mutter Teresa, war eine indische Ordensschwester albanischer Abstammung. Sie wirkte in Kalkutta fast zwei Jahrzehnte als Lehrerin und Schulleiterin, bis sie eines Tages den inneren Ruf verspürte, sich um die Ärmsten der Armen zu kümmern. Ehemalige Schülerinnen schlossen sich ihr an, bald viele Frauen und Männer. Sie gründete 1950 die Gemeinschaft der „Missionarinnen der Nächstenliebe“, die sich dem Dienst an Armen, Obdachlosen, (Lepra-)Kranken und Sterbenden widmete. Die Missionarinnen und Missionare der Nächstenliebe sind heute auf allen Kontinenten vertreten. 1979 erhielt Mutter Teresa für ihr Tun den Friedensnobelpreis. In der Begründung hieß es unter anderem: „Das, was ihre Arbeit kennzeichnet, ist der Respekt vor dem Wert und vor der Würde des einzelnen Menschen (…) Die Einsamsten, Elendsten und die Sterbenden haben Mitgefühl ohne Herablassung, gegründet auf die Ehrfurcht vor dem Menschen, bekommen.“ Mutter Teresa wurde am 19. Oktober 2003 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ihr Gedenktag in der römisch-katholischen Kirche ist der 5. September.

 

Zur Ausstellungseröffnung am Abend des 20. April 2018 konnte Bischofsvikar Mag. Maximilian Mittendorfer im Linzer Mariendom zahlreiche Gäste begrüßen, unter ihnen Bischof Dr. Manfred Scheuer, Dr. Meinrad Schneckenleithner und Elisabeth Jungmeier von Pax Christi Österreich, Jägerstätter-Biografin Dr.in Erna Putz sowie Jochen Schmidt und André Vogel, beide von der Friedensbibliothek Berlin. Auch etwa 35 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Das Trio „Maunaleit“ aus Lichtenberg unter der Leitung von Gottfried Glechner übernahm die musikalische Gestaltung der Ausstellungseröffnung.

 

Die Ausstellung „Mutter Teresa und die Armut des Westens“ im Linzer Mariendom
Jägerstätter-Biografin Erna Putz und Dompfarrer Maximilian Strasser
Ausstellungseröffnung
Die Ausstellung „Mutter Teresa und die Armut des Westens“ im Linzer Mariendom
V. l.: Jochen Schmidt (Friedensbibliothek Berlin), Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer, André Vogel (Friedensbibliothek Berlin), Bischof Manfred Scheuer, Jägerstätter-Biografin Erna Putz, Meinrad Schneckenleithner & Elisabeth Jungmeier (Pax Christi
Das Trio „Maunaleit“ aus Lichtenberg unter der Leitung von Gottfried Glechner

© Diözese Linz / Franz Reischl

 

 

Die Armut Europas: Gleichgültigkeit, Egoismus und Konsumverhalten

 

In seinen einführenden Worten vor der Eröffnung der Ausstellung betonte Bischof Scheuer, Mutter Teresa habe die Armut in Europa und die Armen auf diesem Kontinent durchaus gekannt: „Es waren für sie die Obdachlosen, die Vereinsamten und die Alten, die Drogenabhängigen. Sie hat die Armut Europas aber auch in der großen Gleichgültigkeit gesehen, im Egoismus und im Konsumverhalten. Und sie hat beklagt, dass der Wert und die Würde des Menschen in Europa mit Füßen getreten werden. Wie schaut es auf diesem Kontinent mit der Ehrfurcht vor dem Leben aus?“

 

Für einen gerechten Frieden, so Scheuer, dürfe weder Gewalt verharmlost noch ein berechtigtes Sicherheitsbedürfnis ignoriert werden. Es braucht eine „Überwindung der Einäugigkeit“ durch das Wahrnehmen des Leidens sowie der Ängste der jeweils anderen. Mit dem Theologen Johann Baptist Metz plädierte Scheuer für eine Mystik der politischen und sozialen Compassion. Jesus lehre nicht eine Mystik der geschlossenen Augen, sondern eine Mystik der offenen Augen und damit der unbedingten Wahrnehmungspflicht für fremdes Leid, betonte Scheuer.

 

Mutter Teresa habe die Option für die Armen, die Schwachen und die Sterbenden immer mit der Anbetung des je größeren Gottes verbunden, so der Diözesanbischof. Sie habe dabei auch Nächte und Dunkelheit erlebt. Scheuer wörtlich: „Sie hat dabei Jesus in Leere hinein geliebt, ohne Resonanz, ohne spürbare Erfahrung und ohne Erfolg. Anbetung als Anerkennung Gottes stellt den Mensch radikal vor die Frage: Vor wem gehst du in die Knie? Vor Gott oder vor Götzen? Es ist dem Menschen versagt, sich mit irgendetwas zufrieden zu geben, sich irgendwo zu verschanzen, das weniger ist als Gott. Weder Arbeit, noch Beruf, weder Ehe noch Familie, auch nicht Macht, Ehre, Geld, Anerkennung und vieles sind genug. Gott allein genügt, wie es Teresa von Avila formuliert.“ Mutter Teresa habe den Friedensnobelpreis zu Recht erhalten, unterstrich Scheuer, denn: „Die Radikalisierung der Gottesfrage und die Kritik an allen Götzen – den Götzen der Herrschsucht, des Übermenschen, des Kapitals, des Nationalismus, des Rassismus, des Militarismus – ist ein Dienst am Frieden.

 

Ansprache von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer

Bischof Manfred Scheuer. © Diözese Linz / Franz Reischl

 

Reichtum als Versuchung des Westens

 

Jochen Schmidt von der Friedensbibliothek Berlin, einer der Initiatoren und Umsetzer der Ausstellung, zur Idee hinter der Ausstellung: „Wir suchten nach Vorbildern, nach Menschen, die bewegen. Es mag erstaunen, dass wir dabei auf eine katholische Ordensfrau kamen. Mutter Teresa ist eine kleine Frau, aber sie hat einen Glauben, der Berge versetzt. Sie war Europäerin, aber ihre Entwicklung war getragen von indischer Mentalität und Lebenskultur. Sie hat sich ganz mit den Menschen identifiziert, denen sie nahe war.“ Mutter Teresa habe erlebt und thematisiert, dass der Reichtum die Versuchung des Westens darstellt. „Die Armut des Westens zeigt sich darin, dass Menschen in ihrer Not und Einsamkeit allein gelassen werden, trotz des großen vorhandenen Reichtums“, so Schmidt.

 

Jochen Schmidt von der Friedensbibliothek Berlin

Jochen Schmidt von der Friedensbibliothek Berlin. © Diözese Linz / Franz Reischl

 

„Mutter Teresa und die Armut des Westens“

Ausstellung von Jochen Schmidt und André Vogel

(Friedensbibliothek Berlin)

Linzer Mariendom

21. April – 6. Juni 2018

 

Zu sehen ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Domes
(außer während der Gottesdienste)

Eintritt frei

 

www.friedensbibliothek.de

 

Die Ausstellung „Mutter Teresa und die Armut des Westens“ im Linzer Mariendom

© Diözese Linz / Franz Reischl

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