Montag 18. Juni 2018

Österreichische Bischofskonferenz in Sarajewo

Seit dem Abend des 4. März 2018 tagt die Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz statt, die erstmals in Bosnien-Herzegowina stattfindet.

Schönborn: Kreuz ist Friedenszeichen

 

Mit einem Festgottesdienst in der Kathedrale von Sarajewo wurde am Sonntagabend die Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz eröffnet, die erstmals in Bosnien und Herzegowina stattfindet. Vorsteher und Prediger bei der Messe war Kardinal Christoph Schönborn, der sie gemeinsam mit den Bischöfen beider Länder feierte.

 

"Jesus hat nicht Gewalt gepredigt und Leben genommen, sondern sein Leben hingegeben am Kreuz, das damit ein Zeichen des Friedens ist." Diesen Gedanken stellte Kardinal Christoph Schönborn in das Zentrum seiner Predigt. Die Menschen dieser Stadt hätten im letzten Krieg während der Belagerung "das Kreuz erlebt, und wir sind dankbar für dieses Zeugnis", so der Vorsitzende des österreichischen Episkopats bei der Feier in der Kathedrale. Weil in Bosnien-Herzegowina der Frieden aber noch nicht vollendet sei, "beten wir dafür, dass Frieden und Gerechtigkeit kommen und die Kirche in diesem Land eine Auferstehung erlebt."

 

Der Wiener Erzbischof thematisierte die Frage, inwieweit Religion im Allgemeinen und das Christentum im Speziellen ein Gewaltpotential in sich tragen würde. Die Geschichte zeige leider, dass es viele Kriege mit religiösen Elementen gegeben habe. Unter Bezugnahme auf das Tagesevangelium müsse man feststellen, dass die "Tempelreinigung keine friedliche Aktion" war. Wenn man aber genau hinhöre, dann habe Jesus damit niemanden verletzt und sein Motiv war nicht Hass oder Gewalt, sondern die Reinigung des Hauses Gottes vom Kommerz. Anders als bei totalitären Ideologien wie Kommunismus und Nationalsozialismus mit Millionen Toten habe sich Jesus selbst hingegeben. "Reinigung im christlichen Sinn ist Lebenshingabe und Kreuzesopfer", so der Kardinal. Die Torheit der Kreuzesbotschaft sei die Mitte des christlichen Glaubens und der Weg zur Überwindung von Gewalt.

 

Kardinal Christoph Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn: "Jesus hat sein Leben hingegeben am Kreuz, das damit ein Zeichen des Friedens ist." © Kathpress / Paul Wuthe

 

Beratungen zur Lage der Kirche in Bosnien-Herzegowina

 

Am Montag, 5. März 2018 tauschten sich die Mitglieder beider Bischofskonferenzen über die Herausforderungen von Kirche und Gesellschaft in beiden Ländern aus. Auffällig ist der Rückgang der Katholiken in Bosnien und Herzegowina: Verzeichnete die Kirche 1991 noch über 800.000 Katholiken, so hat sich deren Zahl bis 2017 mehr als halbiert. Eröffnet wurden die Beratungen am Montag durch Kardinal Christoph Schönborn und den Erzbischof von Sarajewo, Kardinal Vinko Puljic, an dessen Amtssitz die Gespräche stattfinden. Teilnehmer sind neben den Bischöfen beider Länder auch die Nuntien für Österreich sowie für Bosnien-Herzegowina, die Erzbischöfe Peter Stephan Zurbriggen und Luigi Pezzuto.

 

Im Rahmen der Beratungen präsentierte der Generalsekretär der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina, Ivo Tomasevic, Details zur Kirchenstatistik: Lebten 1991 noch 812.256 Katholiken in ganz Bosnien und Herzegowina, so waren es 2017 nur mehr 376.134, was einem Rückgang von 53 Prozent entspricht. Besonders dramatisch ist die Lage in der Republika Srpska: Dort ging die Katholikenzahl von 152.856 (1991) auf nur mehr 8.369 (2017) zurück, was einen Rückgang von fast 95 Prozent bedeutet. In der zweiten politischen Entität des Landes, der Föderation, ging die Zahl der Katholiken von 631.535 auf 362.702 zurück, was einer Abnahme von 42 Prozent in der Zeit von 1991 bis 2017 entspricht. In der größten Diözese des Landes, der Erzdiözese Sarajewo lebten 1991 noch 529.049 Katholiken, 2017 waren es nur mehr 154.263 Gläubige, was einem Rückgang an Katholiken von 70 Prozent entspricht.

 

Vollversammlung der Bischofskonferenzen von Österreich und Bosnien-Herzegowina in Sarajewo

Vollversammlung der Bischofskonferenzen von Österreich und Bosnien-Herzegowina in Sarajewo. © Kathpress / Paul Wuthe

 

Im Zuge des erstmaligen Zusammentreffens beider Bischofskonferenzen wurde auch der neue Amtssitz des Erzbischofs von Sarajewo gesegnet. Auf Bitte von Kardinal Puljic stand der Kärntner Bischof Alois Schwarz der Segensfeier vor. Die Diözese Gurk-Klagenfurt ist in Folge des Mitteleuropäischen Katholikentages von 2004 mit der Erzdiözese Sarajewo in einer Partnerschaft verbunden.

 

Bischof Hermann Glettler rief beim Gottesdienst am Montagabend dazu auf, für die Heilung der "vielen seelischen Wunden unserer Zeit" zu beten und "alles zu tun, um Prozesse der Versöhnung zu stärken": Dies gehöre zum Auftrag der Christen, sagte der Innsbrucker Oberhirte. Die bei dem Treffen gewachsene innere Verbundenheit zur bosnischen Ortskirche verpflichte dazu, "die Schwestern und Brüder unserer Kirche, die sich seit über 20 Jahren in einer besonderen Bedrängnis befinden, nicht zu vergessen", so Glettler bei der Messe. Der Staat Bosnien und Herzegowina und insbesondere die katholische Kirche vor Ort hätten mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, hielt der Bischof fest. Trotz einer "momentan wie gelähmt agierenden Politik" bestehe dennoch in Gott die "Hoffnung, dass die Wunden der Vergangenheit eines Tages gänzlich geheilt sein werden". Die nötige Therapie, um unheilvolle Situationen verändern zu können, sei die Demut, konkretisiert in kleinen, konkreten Schritte im Alltag, sowie in der Bereitschaft zur Versöhnung. Die lokale und internationale Politik dürfe dabei freilich nicht aus der Verantwortung entlassen werden, "für ein Plus an Gerechtigkeit und reale Zukunftschancen besonders für die Jugend in diesem Land zu kämpfen".

 

V. l.: Kardinal Vinko Puljic, Bischof Hermann Glettler und Kardinal Christoph Schönborn

V. l.: Kardinal Vinko Puljic, Bischof Hermann Glettler und Kardinal Christoph Schönborn. © Kathpress / Paul Wuthe

 

Lackner: Christliches Verzeihen kennt keine Ausnahmen

 

Die Bereitschaft zur Vergebung und zum Verzeihen gehört zur Mitte des christlichen Glaubens – und sie kennt keine Ausnahmen. Das hat Erzbischof Lackner bei der Messe mit den österreichischen Bischöfen am Dienstagmorgen in Sarajewo betont. Das Tagesevangelium mit der Weisung Jesu "siebenundsiebzigmal zu vergeben", mache das deutlich und markiere auch einen Unterschied zum Denken in der Antike, denn die bedingungslose Verpflichtung zum Verzeihen kannten weder die Philosophen Seneca noch Sokrates, so der Salzburger Erzbischof. "Verzeihen ist die schönste Blüte der Liebe", führte Lackner weiter aus und sagte mit Verweis auf den Schriftsteller Jean Paul: "Niemals ist der Mensch schöner, als wenn er verzeiht oder um Verzeihung bittet."

 

Damit Verzeihung und Barmherzigkeit gewährt werden, brauche es aber auch ein Mittun: Beides müsse erbeten werden und man müsse auch daran unerschütterlich glauben. Um Barmherzigkeit zu erlangen, müsse man mitunter bereit sein, unübliche Wege zu gehen, so der Erzbischof im Blick auf Heilungsgeschichten im Neuen Testament. Die Menschen hätten aufgrund ihres festen Glaubens Jesus um die erbetene Heilung geradezu drängen müssen. Wenn sogar einmal ein Dach von einem Haus abgedeckt wurde, in dem Jesus lehrte, um seinen barmherzigen Blick auf einen Kranken zu ziehen, mache dies deutlich, welch ungewöhnliche Wege ein fester Glaube an Gottes Barmherzigkeit gehen könne.

 

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner

Erzbischof Franz Lackner: "Verzeihen ist die schönste Blüte der Liebe." © Kathpress / Paul Wuthe

 

Hochrangige Begegnungen

 

Das Programm der Bischöfe sieht weiter vor, dass es am Mittwoch zu hochrangigen Begegnungen mit den politischen und religiösen Autoritäten des Landes kommt. So wird Kardinal Schönborn mit einer bischöflichen Delegation die Präsidentschaft von Bosnien und Herzegowina sowie anschließend islamische, orthodoxe und jüdische Amtsträger besuchen. Auf dem Programm der Bischöfe stehen neben einem Gespräch mit dem Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzegowina, dem Österreicher Valentin Inzko, Besuche im Hauptquartier der EUFOR-Truppen sowie bei kirchlichen und karitativen Einrichtungen.

 

Weitere Themen bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe sind die Vorbereitungen auf die Jugendsynode, die im Oktober im Vatikan stattfindet und an der Österreich durch Jugendbischof Stephan Turnovszky vertreten sein wird. Darüber hinaus gilt es auch die künftige Zusammenarbeit der deutschsprachigen Bischofskonferenzen bei der Herausgabe liturgischer Texte zu klären. Grund dafür ist ein Dokument des Papstes, das in diesen Fragen den Bischofskonferenzen mehr Eigenverantwortung als bisher einräumt.

 

Gastgeber für den österreichischen Episkopat ist der Erzbischof von Sarajewo, Kardinal Vinko Puljic. Ort der Beratungen ist die Erzbischöfliche Residenz im Zentrum Sarajewos. Im benachbarten Priesterheim (Josipa Stadlera 11) findet am Ende der Vollversammlung der Bischofskonferenz, am Donnerstag, 8. März, um 11 Uhr, eine Pressekonferenz mit den Kardinälen Schönborn und Puljic statt.

 

Kathpress

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