Montag 21. Mai 2018

Konsistorialrat Univ.-Prof. em. DDr. Günter Rombold verstorben

DDr. Günter Rombold, emeritierter Universitäts-Professor für Philosophie und Kunstwissenschaft an der nunmehrigen Katholischen Privat-Universität Linz, ist am 10. Dezember 2017 im 93. Lebensjahr in Linz verstorben.

Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz, zum Tod von Prof. Rombold:

 

„Die KU Linz trauert um KonsR Prof. em. DDr. Günter Rombold. Sein Tod bedeutet für unser Haus den Verlust einer großen intellektuellen und wissenschaftlichen Persönlichkeit. Ab dem Studienjahr 1969 begann Rombold an der vormaligen Linzer Diözesanlehranstalt Kunst zu lehren, ab 1971 auch Philosophie. Er gründete 1984 das Institut für Kunst und Kirchenbau und war maßgeblich an der Entwicklung unserer Institution beteiligt. Vor allem aber ist Günter Rombold als Doyen des Dialogs von Theologie, Kirche und Kunst zu würdigen. Eines seiner Grundanliegen war, dass die Kirche – Priester und TheologInnen – in einen Dialog mit der modernen Kunst treten möge, um sich mit diesem elementaren Bereich gegenwärtiger menschlicher Äußerungen auseinanderzusetzen. Seine Impulse, die er an unserer Hochschule und Universität gesetzt hat, strahlten und strahlen jedoch noch weiter aus: Er agierte – nicht zuletzt durch Redaktion und Herausgeberschaft von „kunst und kirche“ – international bestens vernetzt, ließ Kirche in verschiedensten Kontexten als Gesprächspartnerin attraktiv werden und führte damit immer wieder aufs Neue religiös konnotierte Lebensthemen als virulente Fragen auch und gerade für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler vor Augen.


Auch nach seiner Emeritierung als Ordinarius für Kunstwissenschaft und Ästhetik (1995) blieb Günter Rombold der KU Linz und dem Fachbereich Kunstwissenschaft vielfach verbunden. Nicht nur unterstützte er die Institution nachhaltig durch die Einrichtung einer privaten Stiftung zur Förderung des Fachbereichs, er nahm auch weiterhin regen Anteil an den Entwicklungen und wissenschaftlichen Diskussionen.


Als „spiritus rector“ war er bis wenige Monate vor seinem Tod gern und häufig gesehener Gast bei Veranstaltungen des Hauses, immer offen für Dialoge, immer neugierig auf künstlerische Positionen in all ihrer Vielfalt – als wacher, kritischer Geist, dabei aber immer auch ein herausfordernder Gesprächspartner.“

 

 

Auch Bischof em. Dr. Maximilian Aichern würdigt den Verstorbenen:

 

„Univ.-Prof. DDr. Rombold war ein hervorragender Professor im Unterrichtsfach Philosophie und hat durch Jahrzehnte in unserer Diözese Linz auch für Kunst, Kultur und dazugehörige Forschung und Literatur hervorragend Sorge getragen. Kunstsammlungen, die er im Laufe seines Lebens erworben hatte, hat er dem Kunst-Lehrstuhl unserer Katholisch-Theologischen Privatuniversität, jetzt KU Linz, vermacht. In seiner Zeit als Rektor unserer Philosophisch-Theologischen Fakultät hat er sich intensiv dafür eingesetzt, dass diese hohe Linzer Schule auch von Seiten der vatikanischen Bildungskongregation als kirchliche Universität anerkannt wird. Mehrmals sind Prof. Rombold und ich deshalb auch zu Gesprächen in Rom gewesen, und es ist schließlich gelungen. Auch der Staat hat später nachgezogen, sodass wir jetzt eine Katholische Privat-Universität haben, an der Theologie, Philosophie und auch Kunstwissenschaft gelehrt werden.

 

Die wissenschaftlichen Gespräche mit Univ.-Prof. DDr. Rombold sind immer sehr interessant gewesen. Ich war ihm gerade deshalb in meiner Amtszeit als Diözesanbischof und danach immer sehr dankbar verbunden. Er verdient sich unseren Dank und bleibt uns in dankbarster Erinnerung.“

 

 

Landeshauptmann Stelzer zum Tod von Günter Rombold:

 

„Günter Rombold hat unendlich viel bewegt: als Theologe, vor allem aber als Experte für moderne, zeitgenössische Kunst. Sein Wort hatte Gewicht, seine Meinung war prägend. Mit seiner Arbeit, die stets Theologie, Philosophie und Kunst im Blick hatte und verknüpfte, hat er in Oberösterreich Wegweisendes geschaffen. Das mit seiner großzügigen Schenkung an die Landesgalerie dauerhaft ermöglichte Kunststudium an der Katholischen Privat-Universität wird sein Vermächtnis in die Zukunft tragen.“

 

Prof.em. DDr. Günter Rombold wurde unter anderem mit der Kulturmedaille des Landes Oberösterreich (1999), dem Konsulententitel für Kunstpflege und dem Landeskulturpreis für Wissenschaften (2002) ausgezeichnet.

 

 

Gebet und Begräbnis


Für den Verstorbenen wird am Donnerstag, 14. Dezember 2017 um 8.00 Uhr in der Pfarrkirche Hellmonsödt und am Freitag, 15. Dezember um 18.00 Uhr in der Pfarrkirche Linz-St. Konrad (Froschberg) gebetet.


Der Begräbnisgottesdienst wird am Samstag, 16. Dezember 2017 um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche Linz-St. Konrad gefeiert. Anschließend erfolgt die Beisetzung am St. Barbara-Friedhof Linz.

 

Parte DDr. Günter Rombold

 

 

Priester, die den Begräbnisgottesdienst mitfeiern möchten, werden gebeten, Tunika und violette Stola mitzubringen!

 

 

KonsR Univ.-Prof. em. DDr. Günter Rombold

KonsR Univ.-Prof. em. DDr. Günter Rombold © Land OÖ/Linschinger

 

 

Lebenslauf

 

Günter Rombold wurde am 2. Jänner 1925 in Stuttgart geboren und kam 1941 mit seiner Familie nach Linz. Nach der Matura 1943 an der Khevenhüllerschule in Linz leistete er bis 1945 Kriegsdienst, studierte dann an der Phil.-Theol. Lehranstalt Linz Theologie und wurde am 29. Juni 1949 zum Priester geweiht. Anschließend folgten das Doktoratsstudium der Theologie in Graz (Promotion 1954) und das Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in München, das er 1958 mit dem Doktor der Philosophie abschloss.


Während seines Studiums war er Kooperator in Uttendorf-Helpfau (1950 ¬– 1951) und in der Stadtpfarre Linz (1951 – 1955). Ab 1958 unterrichtete Günter Rombold als Religionsprofessor am BRG Hummelhof Linz (heute: BRG Ramsauerstraße) und von 1959 bis 1975 am Akademischen Gymnasium Linz. Zugleich war er auch als Seelsorger in Linz-Hl. Familie tätig.
Über Jahrzehnte hat er sich an Wochenenden und im Sommer gern in Hellmonsödt aufgehalten und dort auch seelsorglich gewirkt.

 

DDr. Rombolds akademische Laufbahn begann zunächst mit einem Lehrauftrag für Christliche Kunst an der Universität Graz (1969 – 1971) und einem Lehrauftrag für kirchliche Kunst an der Phil.-Theol. Diösesanlehranstalt Linz. 1972 wurde er zum ordentlichen Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Hochschule Linz (heute: Katholische Privat-Universität Linz) ernannt. 1984 gründete er das Institut für Kunst und Kirchenbau, welches 2005 in das Institut für Kunstwissenschaft und Philosophie mit Graduierungsrecht übergeführt wurde (heute: Fakultät für Philosophie und für Kunstwissenschaft). In den Studienjahren 1984 bis 1986 war er Rektor der Hochschule. 1991 emeritierte Prof. Rombold als Ordinarius für Philosophie, 1995 als Ordinarius für Kunstwissenschaft und Ästhetik.

 

Von 1992 bis 2003 war Prof. Günter Rombold auch Obmann des Diözesankunstvereins, dessen wesentliches Ziel heute die Förderung von jungen, zeitgenössischen KünstlerInnen ist. Von 1981 –1996 war er Vorsitzender der Jury des Otto Mauer-Preises.

DDr. Rombold war über die Landesgrenzen hinaus bekannt als Kunstfachmann und Autor. Der Brückenschlag zwischen der Kirche und der modernen bildenden Kunst war ihm ein besonderes Anliegen. Dazu dienten ihm u. a. seine jahrzehntelange redaktionelle Tätigkeit für die Zeitschrift „kunst und kirche“ (er war von 1958 bis 1970 Redakteur der Christlichen Kunstblätter, blieb in der „Nachfolge“-Zeitschrift „kunst und kirche“ bis 1990 Redakteur und war anschließend bis 1999 deren Herausgeber). Vielfache Aktivitäten bestanden in Ausstellungen und Künstlerbegegnungen.


Prof. Rombold initiierte und betreute bedeutende Kunstausstellungen (u. a. „Christusbild im 20. Jahrhundert“, Neue Galerie Linz) und war ein bedeutender Sammler, dessen Kunstwerke in mehreren Ländern gezeigt wurden. 2002 übergab er seine Kunstsammlung dem Land Oberösterreich.

 

Für sein jahrzehntelanges Wirken im Dienste eines Brückenschlags zwischen Kunst und Kirche erhielt er eine Reihe von Auszeichnungen: Wissenschaftsmedaille der Stadt Linz (1992), Kulturmedaille des Landes Oberösterreich (1999), Kulturpreis des Landes Oberösterreich (2001), Heinrich-Gleißner-Preis (2001), Landeskulturpreis für Theologie (2002).

 

 

Würdigung durch den Diözesankunstverein Linz

 

Auf Einladung von Bischof Maximilian Aichern übernahm Günter Rombold im Jahr 1992 die Leitung des 1859 gegründeten Diözesankunstvereins Linz als Obmann. Über 11 Jahre lang – bis 2003 - lenkte er die Geschicke des Vereins. Im Jahr 2003 wurde er zum Ehrenobmann ernannt.


Als langjähriger Redakteur der Christlichen Kunstblätter und der Nachfolge-Zeitschrift kunst und kirche bzw. als deren Herausgeber von 1991 bis 1999 stand Günter Rombold bereits seit den 1960er Jahren mit dem Diözesankunstverein Linz in Verbindung.

 

Im Diözesankunstverein erfuhr sein Profil – das interessierte, wache Eintreten für zeitgenössische Kunst und den steten Dialog von Kunst und Kirche, wissenschaftlich-forschend – eine Breitenwirksamkeit in der Diözese sowie eine Verankerung im Regionalen.  

Für den Diözesankunstverein Linz initiierte Günter Rombold im Jahr 1995 Veranstaltungen in Form von Künstlerbegegnungen, Ausstellungsbesuchen und Besichtigungen von aktuellen Kirchen- Neu- bzw. Umgestaltungen in Linz und in den Regionen, die mittlerweile seit mehr als zwei Jahrzehnten Tradition haben. Bei den Exkursionen und mehrtägigen Kunstfahrten (u.a. gemeinsam mit P. Maurus Behrens OSB) zeigten sich auch seine  Kenntnis und Begeisterung für historische Kunstwerke; für eine Gruppe des DKV zählten diese Fahrten zu den Fixpunkten im Jahreskreislauf.


Auf die Initiative von Günter Rombold und dem DKV-Vorstandsmitglied und damaligen Rektor der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, Wolfgang Stifter, wurde ebenfalls im Jahr 1995 ein jährlicher Förderpreis für Absolvent/innen der Kunstuniversität Linz ins Leben gerufen. Der/die Preisträger/in wird durch eine Fachjury ausgewählt. 2001 wurde der Preis für bildende Kunst durch einen Architekturpreis erweitert.

Die Erfahrungen von Günter Rombold als Leiter der Jury des Otto Mauer Preises (von 1981 bis 1996) fließen hier ebenso ein wie  sein Engagement für Kunst der 1980er Jahre und ihre Protagonisten (u.a. Siegfried Anzinger und Gunter Damisch) , die er  gefördert, begleitet und für den Dialog mit Kirche und Theologie interessiert hat. Sein Wunsch war es, auch der nachfolgenden Künstler/innengeneration „Kirche“ als Partner vorzustellen.

 

Mit seiner Offenheit und seiner Begeisterung für zeitgenössische Kunst, die bereits in seinen Jugendjahren grundgelegt wurde und die ihn durch sein Leben begleitet hat, eröffnete er vielen Menschen „eine Schule des Sehens“.

 

Facetten seiner Persönlichkeit zeigen sich auch in seiner Autobiographie Im Spannungsfeld zwischen Kunst und Kirche. Ein außergewöhnliches Leben aus dem Jahr 2008. In der Schilderung der wesentlichen Stationen und Begegnungen seines Lebens blitzen sein Humor und sein Temperament immer wieder hervor.

 

Als Priester und Seelsorger verfolgte er sehr genau die Entwicklungen und Veränderungen von Kirche und Gesellschaft. Diese waren ihm auch Anlass, immer wieder Stellung zu beziehen. Anregung für sich und für den Austausch mit anderen fand Günter Rombold bis zuletzt in der Auseinandersetzung mit Kunst und bei seiner geliebten Lektüre.

 

Martina Gelsinger/Beate Gschwendtner-Leitner, für den Vorstand des Diözesankunstvereins Linz

 

 

Würdigung durch das Kunstreferat und Diözesankonservatorat der Diözese Linz

 

Kunst ist die Sprache der Religion. Auf sie verzichten heißt sprachlos werden.
Dieses pointierte und aussagekräftige Zitat stammt von Günter Rombold, als ihn das Kunstreferat der Diözese Linz um ein kurzes Statement für die Publikation „Kunst und Kirche auf Augenhöhe. Künstlerische Gestaltungen in der Diözese Linz 2000 bis 2010“ gebeten hat.
Günter Rombold verstand es, durch die Vermittlung und Begegnung mit Werken zeitgenössischer Kunst Religion und den gelebten Glauben in den Pfarren zu bereichern. Die durch das Zweite Vatikanische Konzil geöffneten Türen und Fenster nutzte er in vielfältiger Weise - als Priester, Lehrer, Universitätsprofessor - für die Begegnung von Kunst, Kunstschaffenden und Kirche, Glaube und Wissenschaft.

 

Günter Rombold war ein wichtiger Wegbereiter, der den Boden für vieles, was in der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen KünstlerInnen, den Dialog und die künstlerischen Gestaltungen in der Diözese Linz heute selbstverständlich ist, bereitet hat. Seine Kontakte zu Museen, Sammlungen, Galerien, KunstexpertInnen und wissenschaftlichen Institutionen verstärkten die öffentliche Wahrnehmung von Kirche als Kulturträgerin und befruchteten den Dialog mit der Gesellschaft.

 

Bedeutende Werke in Kirchen der Diözese Linz, die auf seine Vermittlung und sein Engagement zurückgehen, sind die Altarraumgestaltungen von Karl Prantl in den Pfarrkirchen Wernstein am Inn und Langholzfeld (1967) sowie die Farbglasfenster in der Pfarrkirche Enns-St. Marien von Markus Prachensky (1975). Vor dem Hintergrund ihrer Zeit zählen sie zu den Meilensteinen von Kirche als Auftraggeber an zeitgenössische KünstlerInnen.

 

In der Begegnung mit Kirchenbauten und Kunstwerken vermittelte Günter Rombold in seinen Lehrveranstaltungen und Exkursionen auch ein Grundverständnis für zeitgenössische Kunst, Architektur und Raumqualitäten an spätere Verantwortungsträger in Pfarren und kirchlichen Einrichtungen sowie an ReligionslehrerInnen.

 

Wachsam und wertschätzend verfolgte er bis zu seinem Lebensende die Aufträge und Gestaltungen an Künstlerinnen und Künstler in der Diözese Linz.

 

Seine offene, wertschätzende und interessierte Haltung, der bereits von Jugendzeiten an geschulte Blick für künstlerische Qualität und der immerwährende Dialog mit Kunstschaffenden als Anriebfläche an die Gesellschaft als sein Erbe ist uns im Kunstreferat/Diözesankonservatorat Vorbild und Auftrag für die Arbeit in den Pfarren und kirchlichen Einrichtungen in der Diözese Linz.

 

Hubert Nitsch/Martina Gelsinger für das Kunstreferat und Diözesankonservatorat der Diözese Linz Linz

 

 

 

 

 

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