Samstag 18. November 2017

Schönborn: Kirche muss einladend und offen sein

Für eine einladende Kirche, die von offenen Herzen und Freude am Miteinander geprägt ist, plädierte Kardinal Christoph Schönborn am 7. November 2017 beim Gottesdienst im Wiener Stephansdom im Rahmen der Vollversammlung der Bischofskonferenz.

Denn "Gott ist ein Gott der einlädt, nicht einer, der die Menschen zu sich zwingt oder sie unterdrückt", so der Kardinal in seiner Predigt am Abend des 7. November 2017 im Wiener Stephansdom. Die heimischen Bischöfe feierten den traditionellen öffentlichen Gottesdienst im Rahmen der Vollversammlung der Bischofskonferenz.

Mit den Bischöfen feierten u. a. auch die Caritasdirektoren aller österreichischen Diözesen. Diese hatten vor dem Gottesdienst gemeinsam mit den Bischöfen einen Studiennachmittag zum Thema Caritas abgehalten. Caritas-Präsident Michael Landau konzelebrierte bei der Messe im Dom.

Die Bibel vergleiche das Reich Gottes oft mit einem Gast- und Festmahl, zu dem Gott einlade, sagte Kardinal Schönborn in seiner Predigt. Umso erschütternder sei es freilich auch, wenn die Menschen, vom Alltag getrieben, dieser Einladung Gottes nicht Folge leisten würden.

Caritas bedeute, sich selbstlos einladend und offen vor allem auch jenen zuzuwenden, die diese Zuwendung nicht in gleicher Weise erwidern könnten. Die tiefste Erfahrung der Caritas liege darin, dass alle Menschen zusammengehörten, "die Wohlhabenden wie die Armen, die Gesunden wie die Kranken, denn wir alle sind in Christus ein Leib".

Im Rahmen der Fürbitten wurde beim Gottesdienst u. a. auch für Russland gebetet. Vor genau hundert Jahren habe die kommunistische Oktoberrevolution großes Leid gebracht. Er bete um Frieden und Eintracht für Russland und die Erneuerung des Landes bzw. seiner Menschen durch die Kraft des Glaubens, so Schönborn.

 

Gottesdienst der Bischofskonferenz im Wiener Stephansdom
Kardinal Christoph Schönborn

© Kathpress / Paul Wuthe, Georg Pulling

 

 

Van der Bellen an Bischöfe: "Konkordat hat sich sehr bewährt"

 

Dienstagmittag empfing Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz in der Hofburg. Dabei würdigte er die Beziehungen zwischen Staat und Kirche stellte und die rechtlichen Grundlagen sowie die Ausgestaltung dieses Beziehung außer Streit. "Das Konkordat hat sich sehr bewährt", so Van der Bellen wörtlich. Kardinal Christoph Schönborn dankte in seiner Funktion als Vorsitzender der Bischofskonferenz dem Staatsoberhaupt für die Einladung in die Hofburg, diese Einladung drücke "Wohlwollen" aus. "Dafür sind wir dankbar und es ist eine Ermutigung für die Bischöfe", so Schönborn wörtlich in Richtung Van der Bellens.

"Bei uns in Österreich kann man die Beziehungen zwischen dem Staat und den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften insgesamt als harmonisch und vertrauensvoll bezeichnen", sagte der Bundespräsident in seiner Ansprache  wörtlich. Das gelte ganz besonders bezüglich der römisch-katholischen Kirche. Van der Bellen sprach von einem "vernünftigen Mittelweg", der sich bewährt habe. Es gebe in Österreich keine bevorzugte "Staatskirche", man sei aber auch nicht den Weg  des radikalen Laizismus gegangen.

Die sogenannte "Trennung von Kirche und Staat" sei in Österreich in dem Sinne zu verstehen, dass jede der beiden Institutionen ihre Angelegenheiten autonom regelt. Bezüglich der katholischen Kirche würden dies das zwischen der Republik Österreich und dem Heiligen Stuhl abgeschlossene Konkordat, sowie diverse innerstaatliche und innerkirchliche Rechtsnormen so vorsehen, führte Van der Bellen aus.

Dies führe in der Praxis zu einer bewährten "partnerschaftliche Zusammenarbeit" von Kirche und Staat "im gemeinsamen Bemühen um das Wohlergehen der in unserem Land lebenden Menschen". Dazu gehöre auch die gemeinsame Sorge um Flüchtlinge und Migranten, vor allem im Bereich der "Integration der vielen Frauen, Männer und Kinder, die aus fernen Ländern zu uns gekommen sind und voraussichtlich auch bei uns bleiben werden". Für den Staat und für die in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften würden sich auf diesem Gebiet zahlreiche zusätzliche Aufgaben und neue Herausforderungen ergeben.

Ausdrücklich würdigte Van der Bellen auch die Flüchtlings- und Integrationsarbeit der kirchlichen Caritas. Und er strich hervor, dass diese Hilfe allen Flüchtlingen, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit zukomme.

 

Empfang in der Hofburg bei Bundespräsident Van der Bellen
Empfang in der Hofburg bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen. © Kathpress / Paul Wuthe


"Unverzichtbarer Beitrag zum Gemeinwohl"

Die katholische Kirche sei zudem Trägerin wichtiger sozialer Einrichtungen wie Krankenhäusern, Altersheimen, Städten der Behindertenbetreuung und palliativen Einrichtungen, sagte Van der Bellen. Auch auf dem Bildungssektor leisteten kirchliche Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Institutionen der Erwachsenenbildung "wertvolle Arbeit".

Der Bundespräsident erinnerte in seiner Rede spontan daran, dass er über 25 Jahre regelmäßig Gastreferent der Katholischen Sozialakademie gewesen war. Dabei habe er den "ethisch hoch motivierten" KursteilnehmerInnen beibringen sollen, "wie ein Ökonom denkt". Eine "große Herausforderung für beide Seiten", wie Van der Bellen sagte.

Die Kirche hüte und pflege zudem einen großen Schatz von Kulturgütern und sei auch ein wichtiger Arbeitgeber, fuhr das Staatsoberhaupt fort: "Alle diese Aktivitäten der katholischen Kirche kommen auch den Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zugute. Sie sind ein unverzichtbarer Beitrag zum Gemeinwohl."

Vorfreude auf Papstbesuch

Van der Bellen kam auch auf seinen bevorstehenden Besuch bei Papst Franziskus zu sprechen. "Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit dem Papst, der während seiner bisherigen Amtszeit zahlreiche Akzente gesetzt hat, die weit über die katholische Kirche hinaus weltweit Beachtung gefunden haben", so der Präsident wörtlich. Vor allem zu den brandaktuellen Themen der Flüchtlingsbewegungen, der Migration, der sozialen Gerechtigkeit und des Klimawandels habe Papst Franziskus sehr engagiert Stellung genommen und Wegweisendes gesagt und geschrieben. Seine bescheidenes öffentliches Auftreten und die spontane Aufnahme einer syrischen Flüchtlingsfamilie, mit der der Papst bei seinem Besuch in Griechenland viele überrascht habe, hätte ihn, Van der Bellen, sehr beeindruckt.

Van der Bellen wird in Begleitung seiner Gattin Doris Schmidauer am 16. November nach Rom reisen und im Vatikan von Papst Franziskus zu einem Vier-Augen-Gespräch empfangen. Der Bundespräsident wird bei seinem zweitägigen Rombesuch u.a. den Souveränen Malteser Ritterorden besuchen, der seine internationalen humanitären Aktivitäten vorstellen wird.

Kardinal Schönborn griff in seiner Dankesrede den Vatikanbesuch des Präsidenten auf und zeigte sich erfreut, dass er diesen bei einem Teil seines Besuchsprogramms begleiten könne.

"Wertschätzung nicht selbstverständlich"

Wie Van der Bellen würdigte auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz das gute  Verhältnis von Staat und Religionen in Österreich. Dieses "Klima des Miteinanders und der wechselseitigen Wertschätzung" sei keine Selbstverständlichkeit. "Es braucht wechselseitiges Wohlwollen in der Gesellschaft und zwischen den Religionen. Das ist der soziale Kitt der Gesellschaft und dafür setzen wir uns als Kirche ein" so Schönborn wörtlich und weiter: "Wir sind alle aufgerufen, als Moderatoren zu wirken, Maß zu halten, maßvoll den gesellschaftlichen Diskurs zu führen." Der Kardinal erinnerte an den US-amerikanischen Philosophen John Rawls, wonach eine Gesellschaft so stark sei wie ihr schwächstes Glied.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz erläuterte auch einige Themen der aktuellen Vollversammlung der Bischöfe, so das Wirken der kirchlichen Caritas, aber auch die Sorge um das soziale Klima im Land, um den Schutz der Umwelt oder das Zukunftsthema Bildung. Und Schönborn fügte hinzu: "Wir beten für unser Staatsoberhaupt, wie wir auch für unser Land beten. Das ist für einen Christen selbstverständlich."

 

Die Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz findet von 6. bis 9. November in Laab am Walde statt. Sie begann am 6. November mit einem Gebet in der Kapelle der Nuntiatur in Wien und einem Empfang durch den Apostolischen Nuntius Erzbischof Peter Stefan Zurbriggen in den Räumlichkeiten der vatikanischen Botschaft in Wien.

 

Empfang in der Nuntiatur in Wien

Empfang in der Nuntiatur in Wien. © Kathpress / Paul Wuthe


Am Dienstag fand im Anschluss an den Empfang mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Hofburg ein Studiennachmittag mit allen diözesanen Caritas-DirektorInnen statt. Daran anschließend war für 18 Uhr der traditionelle Festgottesdienst mit den Bischöfen im Stephansdom angesetzt.

 

Studientag mit den österreichischen Caritas-DirektorInnen

Studiennachmittag mit den diözesanen Caritas-DirektorInnen. © Kathpress / Paul Wuthe

 

Am Mittwoch tagen die Bischöfe wieder im Kloster Laab im Walde der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul im Wienerwald. Die Vollversammlung der Bischofskonferenz endet am Donnerstag, 9. November 2017.

 

Kathpress

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