Bewegende Gedenkfeier in Spital am Pyhrn

In Spital/Pyhrn befand sich in der NS-Zeit ein sogenanntes „fremdvölkisches Kinderheim“, in dem Kinder von Zwangsarbeiterinnen untergebracht waren. Von März 1943 bis Jänner 1945 wuchsen dort beinahe 100 Kinder von meist polnischen Zwangsarbeiterinnen unter widrigsten Bedingungen ohne ausreichende Ernährung auf. Sie waren krank, hungrig und entkräftet und bekamen kaum Zuneigung. Mehr als ein Drittel von ihnen starb. Einige dieser Kinder sind am Friedhof St. Leonhard namenlos und ohne Grabstein begraben. Erst seit wenigen Jahren ist dieses Geschehen verstärkt im Bewusstsein der Geschichtsforschung – in Spital/Pyhrn sind die Ereignisse im „fremdvölkischen Kinderheim“ bei vielen kaum bekannt. Erst im Mai 2014 wurden seitens des Landes OÖ und der polnischen Botschaft Gedenktafeln am Friedhof angebracht.
Unter der Leitung von Susanne Lammer setzt sich eine lokale Gedenkinitiative aus Kath. Frauenbewegung, Kath. Männerbewegung, Kath. Jungschar, Kath. Jugend und der Burg Altpernstein gemeinsam mit dem Mauthausen-Komitee Österreich und einigen ZeitzeugInnen für eine aktive Erinnerungskultur in Spital/Pyhrn ein. Mit der Abhaltung einer jährlichen Gedenkfeier sollen zum einen die Opfer nicht vergessen werden, zum anderen die Geschehnisse aber auch mehr ins Bewusstsein gerufen werden.
Die heurige Gedenkfeier war sehr gut besucht. Besonders erfreulich war die hohe Anzahlt an TeilnehmerInnen aus dem öffentlichen Leben und die Anwesenheit von VertreterInnen des Vereins der in deutscher Gefangenschaft geborener Kinder aus Polen. Neben dem polnischen Botschafter in Österreich, Artur Lorkowski, und dem Bürgermeister von Spital/P., Ägidius Exenberger, richtete auch Landtagspräsident Viktor Sigl Grußworte an die versammelten Gäste. Er mahnte eindringlich, dass man alles tun müsse, um jene Fehlentwicklungen zu verhindern, die den Aufstieg von Radikalen ermöglichen und ein undemokratisches Regime zulassen. In der Gedenkrede lenkte die Vorsitzende der Kath. Frauenbewegung OÖ, Erika Kirchweger, den Blick auf die Mütter der in Spital/P. untergebrachten Kinder und das sich in der Geschichte wandelnde gesellschaftliche Verständnis der Mutterrolle. Den Kindern von Zwangsarbeiterinnen wurde im NS-Regime das Recht auf Leben abgesprochen. Erika Kirchweger entgegnet zum Abschluss ihrer Rede: „Jedes Leben ist es wert gelebt, gefördert und geliebt zu werden. Dazu braucht es mütterliche Menschen.“
Während in einer symbolischen Aktion Murmeln in eine Schale gelegt wurden, verlas Katharina Brandstetter, eine Überlebende des „fremdvölkischen Kinderheims“, die Namen der verstorbenen Kinder. Zum Abschluss der Feier wurden schließlich unter den Gedenktafeln Kränze niedergelegt.
Haijes








