Mittwoch 28. Juni 2017

Und doch lässt Gott das Leben siegen

 

Gedanken zum Osterfest von Bischof Manfred Scheuer

 

„Was an Ostern geschah und was es bedeutet – wir werden nicht fertig, darüber nachzudenken: in unserer Lebenszeit nicht und in der Weltzeit nicht.“ 

 

So hat es unlängst der Bibliker Walter Kirchschläger formuliert. Ostern stellt alles auf den Kopf. Das verdeutlichen die Geschehnisse in der Karwoche: Auf einem Esel reitet Jesus in Jerusalem ein, nicht auf hohem Ross. Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße, anstatt umgekehrt. Das Kreuz beendet auf grausame und schändliche Art das Leben dessen, den seine Anhänger als Messias, als Retter, bekennen. Nach menschlichem Ermessen waren er und seine Botschaft endgültig gescheitert. Und doch lässt Gott das Leben über den Tod siegen. Das ist die alles umstürzende Botschaft von Ostern. 

 

Gedanken zum Osterfest von Bischof Manfred Scheuer

© YvetteNatuurfotografie/pixabay.com/CC0

 

Niemand hat die Auferstehung Jesu beobachtet. Die Evangelien berichten vom leeren Grab, vom Engel, der den ­Frauen die Botschaft der Auferstehung mitteilt. Die Frauen werden von Freude erfasst, aber auch von Ratlosigkeit und Verwirrung: Das Handeln Gottes ist nicht einfach „erwartbar“ oder selbstverständlich. Und auch heute noch geht es uns nicht wirklich anders: So sehr der Glaube an die Auferstehung Jesu uns erst zu Christen macht und uns von klein auf vertraut ist, so sehr rüttelt er an das Eingemachte unserer menschlichen Existenz:

 

Erleben wir nicht auch die Karfreitage in unserem eigenen Leben, die seelischen und körperlichen Verletzungen? Wie oft erleben wir die Leere des Karsamstages in aller Banalität in so vielen Situationen unseres Alltags? Die Logik, dass am Ende alles gut werden wird, ist uns nicht ins Herz eingeschrieben. Es ist ein fundamentaler Glaubensakt, wenn wir Gott zutrauen, aus dem Tod aufzuerwecken. Das Handeln Gottes fordert uns heraus, es irritiert uns bisweilen. Es ruft uns aber in ein neues, nicht vorausgeplantes Leben. Ostern stellt eben alles auf den Kopf.

 

Wenn es in den Osterliedern heißt, dass Jesus „lebt“, so ist damit nicht das bloße Dasein oder die nackte Existenz gemeint. „Leben“ im biblischen Sinne meint immer ein „Leben in Fülle“ – erfüllt mit Liebe, Glück, Frieden, Gesundheit, kurzum: mit Heil. Im Unterschied zum vergänglichen irdischen Leben währt dieses Leben in Fülle „ewig“, grenzenlos, ohne Abbruch, ohne Ausgeliefertsein an das Vergehen und Verwesen. Auferstehung ist im übertragenen Sinn Identitätsfindung durch die „beglückende“ Liebe Gottes. Darin erst ist die Freiheit des Menschen von aller Unfreiheit und aller Unwahrheit befreit. Erst diese Identität der auf die unendliche Weite der Liebe Gottes hin ausgeweiteten Freiheit bringt die schönsten und somit auch die menschlichsten Möglichkeiten eines Lebens zur Erfüllung. Auferstehung ist eine soziale Größe. Der Mensch findet seine Erfüllung als Mensch nur, wenn er nicht bei sich bleibt, sondern aus sich heraustritt und liebt, wenn er also seine Freiheit nicht zum eigenen Vorteil benutzt, sondern sie zum Dienst für die anderen einsetzt. Auferstehung und Vollendung sind also kein privates „Tête-à-tête“ der Einzelnen mit Gott, sondern wesentlich eine soziale Größe, die Wirklichkeit einer Gemeinschaft. Wenn Jesus vom Himmel spricht, kennt er vor allem das Bild des gemeinsamen Mahles, also ein Bild, das auf eine soziale Größe hinweist. Zu Recht hat Gabriel Marcel gegen Jean Paul Sartres Wort „Die Hölle, das sind die anderen“ den Satz gestellt: „Der Himmel, das sind die anderen.“ 

 

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest im Glauben an die lebensschaffende Kraft Gottes.

 

Bischof Manfred Scheuer

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