Tuesday 22. October 2019

Dabei sein lohnt sich

Das Gespräch mit vier ehrenamtlichen PGR-Obleuten zeigt: Ihr Engagement ist vielfältig, spannend, bereichernd und von Idealismus geprägt.

Österreich wählt 2017. In allen Diözesen findet am 19. März die Pfarrgemeinderatswahl statt und die Vorbereitungen laufen. Aber was treibt PfarrgemeinderätInnen an?

Von der Diözesanleitung bis zur Pfarrgemeinde sind in der Diözese Linz bereits viele mit der Wahlvorbereitung beschäftigt. Schließlich geht es um die Neu- oder Wiederwahl von etwa 5.000 Ehrenamtlichen, ohne die es in den Pfarren nicht ginge. Sie und weitere 3.000 hauptamtliche und berufene Mitglieder beteiligen sich an der Leitung der 487 Pfarrgemeinden der Diözese Linz – und machen ihre Pfarre zum Lebens- und Glaubensraum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

 

Zwei Frauen und zwei Männer wurden zu ihrer Arbeit als Obleute des Pfarrgemeinderates (PGR) ihrer Pfarre befragt. Wollte man die Aussagen der vier auf Schlagworte verdichten, so käme man auf sieben Wörter: Heimat. Gestalten. Glaube. Nehmen. Geben. Menschen. Vielfalt.

 

Glaube leben, Heimat anbieten

 

„Für mich ist meine Bereitschaft, mich im Pfarrgemeinderat zu engagieren, Ausdruck dafür, mein Glaubensleben an eine Ge­mein­­­schaft zu binden. In ihr will ich meinen Glauben zum Ausdruck bringen und habe die Chance, mich über Ausdrucksformen auszutauschen“, erklärt Mag. Hannes Lackinger, Pfarr­gemeinde­­ratsobmann in Steyr-Ennsleite. „Aber ich sehe mich nicht nur als Mitglied eines Gremiums. Ich möchte für andere da sein – mit Rat und Tat.“

 

Ähnlich formuliert es Dr.in Irene Melot de Beauregard-Jeryczynski. Die Richterin ist Obfrau des Pfarrgemeinderates der in die Martinskirche übersiedelten Pfarre St. Martin am Römerberg. „Für mich als ‚zuag’roaste‘ Salzburgerin – die über die Pfarre in der neuen Heimat angekommen ist – ist es eine besondere Aufgabe, den Menschen die Pfarre als Heimat anbieten zu können. Das Verlassen der Kapuzinerkirche, die Übersiedlung in die Martinskirche verunsicherte viele, war ein Abschied von Liebgewonnenem: Zu sehen, wie viele Menschen am Sonntag in den Gottesdienst kommen und danach unser Angebot zum gemütlichen Beisammensein im Pfarrcafé annehmen, erfüllt mich mit großer Freude.“ Beide möchten etwas von dem zurückgeben, was sie dank ihrer Arbeit im Pfarrgemeinderat gewonnen haben.  

 

Pfarre ermöglicht Vernetzung

 

Das Zusammenlaufen der Fäden motiviert die Pfarr­gemeinde­rats­obleute Mag. Bernhard Leitner und Lucia Weber. Weber gehört zur Pfarre Wels-St. Franziskus. Sie sagt: „Die Arbeit im Pfarr­gemeinderat eröffnet mir einen Gesamtblick auf die Pfarre. Ich lerne Menschen kennen, mit denen ich vielleicht weniger zu tun hätte.“ Bernhard Leitner: „Unsere Pfarre ist quasi das Herz von Pergkirchen, da wir politisch der Stadtgemeinde Perg zugeordnet sind. Viele gesellschaftliche Fäden laufen in der Pfarre zusammen. Kirche wird zu einem Treffpunkt der Menschen – wenngleich nicht mehr im gleichen Ausmaß wie noch vor etwa 30 Jahren.“

 

Das Gespräch mit vier ehrenamtlichen PGR-Obleuten zeigt: Ihr Engagement ist vielfältig, spannend, bereichernd und von Idealismus geprägt.

Das Gespräch mit vier ehrenamtlichen PGR-Obleuten zeigt: Ihr Engagement ist vielfältig, spannend, bereichernd und von Idealismus geprägt. © Afra Hämmerle-Loidl; Konferenz der PGR-ReferentInnen der Diözesen Österreichs


Blick voraus: Pfarre in fünf Jahren

 

Herausforderungen wird es geben. So sehen es Lackinger, Melot de Beauregard-Jeryczynski, Leitner und Weber, wenn sie an die kommende Amtsperiode des Pfarrgemeinderates ab 2017 denken. Diese haben mit der größeren Verantwortung für Laien durch den Priestermangel zu tun. Aber nicht nur. Hannes Lackinger: „In der Pfarre Steyr-Ennsleite haben wir in den letzten beiden Jahren einen begleiteten Pfarr­entwicklungs­prozess vorangetrieben. Die Treffen sind über den PGR hinaus­gegangen und haben zur Erkenntis geführt: Die sinkende Anzahl hauptamtlich Angestellter führt dazu, dass Pfarrmitglieder die Ausdrucksformen ihres Glaubens selbst stärker einbringen sollen. Die frohe Botschaft ist, dass das in der Diözese Linz gewünscht und gut möglich ist.“

 

Tatsächlich sind in der Diözese Linz 46 Seelsorgeteams mit der Leitung von Pfarren betraut. Die Pfarre Pergkirchen war die erste auf Diözesangebiet mit Seelsorgeteam. Bernhard Leitner resümiert: „Da Pergkirchen seit mehr als zehn Jahren keinen eigenen Priester hat, mussten Laien seit Längerem Leitungsfunktionen übernehmen. In einigen Funktionen ist die zweite oder dritte Generation im Amt. Die Vielfalt an Angeboten zu erhalten, wird eine Herausforderung sein.“

 

Lucia Weber aus Wels-St. Franziskus betont einen anderen Aspekt: „Aus spiritueller Sicht sehe ich die Herausforderung, wieder mehr Menschen den Zugang oder die Rückkehr zur Kirche zu ermöglichen, für sie spürbar zu machen, warum es sich lohnen kann, dabei zu sein.“ Mehr Glaubensarbeit bei weniger Hauptamtlichen bedeutet mehr Arbeit für Ehrenamliche. Irene Melot de Beauregard-Jeryczynski: „Wenn man die Mitarbeit ernst nimmt, stößt man auch an zeitliche Kapazitätsgrenzen. Ich bin überzeugt: Wichtig ist, zu vermitteln, dass die gemeinsame Feier der Gemeinde am Sonntag wertvoll ist. Aber auch, dass wir zum Beispiel andere Formen des Feierns als bereichernde Abwechslung sehen sollen, wie Wortgottesdienste. Es kann interessant sein, wenn andere Liturgen aushelfen. Einen Exklusivanspruch an einen Pfarrer und die ¸Vollversorgung‘ gibt es eben nicht mehr.“

 

Egal, ob junge oder ältere Menschen: In der Pfarrgemeinde engagieren sich alle. © Afra Hämmerle-Loidl; Konferenz der PGR-ReferentInnen der Diözesen Österreichs

 

Wie Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam ...

 

... arbeiten, ist entscheidend. Ehrenamtlich, in der Freizeit enga­gierte Menschen ziehen ihre Motivation aus einem guten Verhältnis zu den Hauptamtlichen. „Ich habe das Gefühl, dass wir in unserer Mitarbeit ernst genommen und wertgeschätzt werden“, erzählt Irene Melot de Beauregard-Jeryczynski über ihr Ehren­amt als Obfrau des Pfarrgemeinderates von St. Martin am Römer­berg. Beim Umzug der Pfarre aus der Kapuzinerkiche in die Martinskirche war ihr Engagement stark gefragt.

 

Bernhard Leitner aus Pergkirchen: „In unserem Fall haben wir eine sehr gute Begleitung durch den Pfarrprovisor, der zugleich Dechant und Seelsorger für drei weitere Pfarren ist. Laien dürfen und sollen deshalb viele Bereiche abdecken, bis hin zu Wort-Gottes-Feiern. Dieses Bewusstsein wünsche ich mir weiterhin auch in der Führungsebene in der Diözese.“ Hannes Lackinger aus Steyr-Ennsleite sieht das Positive: „Dass Ehrenamtliche ihre Fähigkeiten zum Aufbau des Glaubens in die Pfarre einbringen, kann den Effekt haben, dass Hauptamtliche mehr Zeit für das haben, was wir wirklich von ihnen brauchen und wollen: Seelsorge und nicht Verwaltung.“

 

Demokratie in der Pfarrgemeinde: Auswirkung

 

Pfarrgemeinderäte gibt es nicht schon seit Ewigkeiten. Vor 43 Jahren wurden in Oberösterreich die ersten Pfarrgemeinderäte als Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils gewält. War die Demo­kratisierung der Pfarren eine gute Entwicklung? Lackinger: „Mir geht es weniger um die Demokratisierung, als um die Steigerung der persönlichen Vielfalt, unseren Glauben auszudrücken. Ich glaube, da hat sich etwas bewegt.“


Ähnlich sieht es Lucia Weber: „Von brav konsumierenden und gehorchenden KatholikInnen hin zu mündigen, mitgestaltenden gläubigen Menschen – diese Auswirkung finde ich auf jeden Fall positiv.“ Irene Melot de Beauregard-Jeryczynski: „Wahrscheinlich gibt es Pfarren, in denen es – abhängig von der Person des Pfarrers – etwas monokratischer zugeht. Wichtig ist das Statut für einen Pfarrgemeinderat in der Diözese Linz. Hier ist von ‚mitverantwortlicher Unterstützung‘ bei der Leitung der Pfarre und vom ‚Entscheiden mit dem Pfarrer‘ die Rede. Das gibt uns Ehrenamtlichen die Möglichkeit zu wirklicher Mitgestaltung.“

 

Am 19. März 2017 wählen die Diözesen Österreichs neue Pfarrgemeinderäte.

Am 19. März 2017 wählen die Diözesen Österreichs neue Pfarrgemeinderäte. © Konferenz der PGR-ReferentInnen der Diözesen Österreichs

 

Einfache KandidatInnen-Suche?

 

Mitgestalten zu können, erfüllt alle vier. Im Hinblick auf die Neuwahlen im März 2017 tut sich die Frage auf, ob es leicht fällt, KandidatInnen zu finden, die mitgestalten wollen und können. Die Antworten fallen verschieden aus. Irene Melot de Beauregard-Jeryczynski: „Ich fürchte, dass es nicht einfach wird.  Zeit, Engagement und Kreativität sind gefragt. Wer hat das neben anderen Verpflichtungen im Übermaß?“ Leitner sieht es ähnlich und merkt noch an: „Offene Information ist daher im Gespräch das Um und Auf.“ Lucia Weber ist entspannt: „Bis jetzt war es nicht schwierig, Personen für die Wahl zu gewinnen.“

 

Anwachsende Foto-Galerie von engagierten Pfarren zur Pfarrgemeinderatswahl: www.dioezese-linz.at/gutbeschirmt

 

Zur Pfarrgemeinderatswahl 2017

 

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 11/2016 des „informiert“, der MitarbeiterInnen-Zeitung der Diözese Linz. Verfasserin ist Maria Appenzeller, sie führte die Interviews und Recherchen.

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