Freitag 17. November 2017

Dialog im Stift Schlägl: "Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen"

Am 21. September 2016 fand im Stift Schlägl die 7. "Dialog"-Veranstaltung statt. Das Thema war ein Satz aus Jesu Gerichtsrede im Matthäus-Evangelium: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ – Staat, Kirche und Flüchtlinge im Gespräch.

Um 17.30 Uhr wurde in der Stiftskirche gemeinsam die Vesper gefeiert. Dann nahm Abt Mag. Martin Felhofer in der bis auf den letzten Platz besetzten Stiftsbibliothek die Begrüßung und Eröffnung vor.

 

Abt Martin Felhofer

Abt Martin Felhofer. © Stift Schlägl / Prügl

 

Unter der bewährten Moderation von Mag. Matthäus Fellinger, Chefredakteur der KirchenZeitung der Diözese Linz, gab es zunächst Impulsreferate seitens der ReferentInnen Mag. Thomas Stelzer, Landeshauptmann-Stellvertreter von OÖ – ein Schwerpunkt seiner Aufgaben ist Bildung und somit auch die Integrationsthematik von AsylwerberInnen und Flüchtlingen –, Franz Kehrer MAS, Direktor der Caritas in OÖ, und Sevinc Allahverdiyeva, Caritas-Mitarbeiterin in der Flüchtlingshilfe mit Rot-Weiß-Rot-Karte. Sie erzählte eingehend und aufrüttelnd von ihrer Flucht nach Österreich mit ihrer Familie. Sevinc heißt auf Deutsch „Glück“; Sevinc sagte, sie habe in Österreich Glück gehabt.

 

Sevinc Allahverdiyeva, Caritas-Mitarbeiterin in der Flüchtlingshilfe. © Stift Schlägl / Prügl


Chefredakteur Matthäus Fellinger sprach zu Beginn seiner Moderation über den Eindruck, dass es in Österreich nicht nur Berge, sondern in den letzten Monaten auch viele Gräben gebe, die von Polarisierungen in Bezug auf die großen Flüchtlingsbewegungen aufgerissen worden seien und die einer Zuschüttung und Überbrückung bedürften. Österreich und Europa erlebten 2015 Flüchtlings-Völkerwanderungen mit 1,3 Millionen Menschen. So etwas habe es auch nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben, aber die jetzigen Bewegungen wirkten auf viele bedrohlich und erzeugten Ängste vor meist muslimischen Fremden. Staat und Kirche seien aufgerufen, Ängste abbauen zu helfen und realistische Problemlösungen und Integrationsstrategien zu entwickeln. Es gehe auch darum, die Ursachen der Fluchtbewegungen in den Flüchtlingsländern zu beheben und auf Grund des christlichen Glaubens menschenwürdige Engagements zu finden.

 

V. l.: Caritas-OÖ-Direktor Franz Kehrer, Abt Martin Felhofer, Caritas-Mitarbeiterin Sevinc Allahverdiyeva, LH-Stv. Thomas Stelzer und KiZ-Chefredakteur Matthäus Fellinger.

V. l.: Caritas-OÖ-Direktor Franz Kehrer, Abt Martin Felhofer, Caritas-Mitarbeiterin Sevinc Allahverdiyeva, LH-Stv. Thomas Stelzer und KiZ-Chefredakteur Matthäus Fellinger. © Stift Schlägl / Prügl


Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer schilderte die Herausforderungen, vor denen Oberösterreich steht: steigende Arbeitslosenzahlen, Flüchtlingsbewegungen 2015 ohne Registrierung und Sicherheitschecks, Versagen der EU – hauptsächlich Österreich, Deutschland und Schweden nahmen Flüchtlinge auf –, Grundversorgungskosten für Flüchtlinge 2016 in der Höhe von 117 Millionen Euro u. a. So ist die Obergrenze von AsylwerberInnen-Aufnahmen in Österreich von 37.500 für 2016 zu sehen. Das Land tue viel: Quartierbesorgung mit Einbindung der Bezirkshauptmannschaften und Gemeinden, Deutschkurse, Einschulungen, Werteseminare, Arbeitsplatzangebote. Es gehe allerdings nur unter dem Grundanspruch „Flüchtlinge fördern und Regeln fordern“. Der Förderung müsse auch eine Einhaltung der Werte-Standards folgen, die in (Ober-)Österreich gelten.

 

LH-Stv. Thomas Stelzer

LH-Stv. Thomas Stelzer. © Stift Schlägl / Prügl


Caritas-OÖ-Direktor Franz Kehrer zeigte die Arbeit der Caritas im In- und krisengeschüttelten Ausland auf und betonte, dass von ungemein vielen und engagierten Menschen hier vor Ort privat und öffentlich geholfen werde. Freilich gingen Spaltungen und Polarisierungen bezüglich der Flüchtlingsprobleme auch durch die Gesellschaft. Man müsse sich als ChristIn manchmal fest für das Helfen rechtfertigen, so Kehrer. Es gebe viel unbürokratisches Engagement für Menschen in Not. Feindbilder und Gräben-Mentalität brauchten eine Entschärfung, und Christsein stehe genau dafür, so Kehrer.

 

Caritas-OÖ-Direktor Franz Kehrer

Caritas-OÖ-Direktor Franz Kehrer.  © Stift Schlägl / Prügl


Eine Reihe von Fragen aus dem Publikum schlossen sich an, die von den ReferentInnen beantwortet wurden. Abt Martin Felhofer dankte in seinem Schlusswort allen für ihr Kommen und wies auf das gute Klima dieses Dialoges hin mit dem zuversichtlichen Wunsch, dass die Gesellschaft insgesamt eine solche Atmosphäre entwickeln möge, um die Flüchtlingsproblematik mit all ihren Schwierigkeiten in christlichem und humanem Geist lösen zu können.

 

Viele Interessierte waren in die Stiftsbibliothek gekommen.

Die Stiftsbibliothek war bis auf den letzten Platz gefüllt. © Stift Schlägl / Prügl


Am Anfang und am Schluss des Dialoges spielte Novize fr. Ewald Nathanael Werke von Johann Jakob Froberger auf dem Cembalo. Der Dialog klang mit einer Agape – teilweise von Asylwerbern zubereitet – mit Begegnung und Gesprächen im Seminarzentrum aus.

 

fr. Ewald Nathanael am Cembalo.
Die Agape wurde von Asylwerbern vorbereitet.

© Stift Schlägl / Prügl

 

H. Stephan Prügl / Stift Schlägl

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