Mittwoch 26. Juli 2017

Höhepunkte der Äthiopien-Reise von Bischof Scheuer mit "Pro Oriente"

Ökumenische Begegnungen prägten die Reise nach Äthiopien, die Bischof Manfred Scheuer mit einer Delegation von "Pro Oriente" von 18. Februar bis 25. Februar 2016 unternahm. 

Von drei Höhepunkten war die Äthiopien-Reise einer offiziellen „Pro Oriente“-Delegation unter Leitung des Linzer Diözesanbischofs Manfred Scheuer in den letzten Tagen geprägt: von der Begegnung mit Abuna Mathias, dem Patriarchen der äthiopisch-orthodoxen Kirche, vom Gottesdienst mit dem äthiopisch-katholischen Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, und vom "Ecumenical Encounter on 'Unity in Faith'", einer ökumenischen Begegnung hochrangiger Vertreter beider Kirchen auf Einladung des österreichischen Botschafters Andreas Melan.

 

 

Einladung von Kardinal Schönborn an Patriarch Abuna Mathias

 

Im Rahmen der Begegnung mit Abuna Mathias überreichte Bischof Scheuer eine Einladung von Kardinal Christoph Schönborn an den Patriarchen zu einem Besuch in Wien. In dem Schreiben von Kardinal Schönborn wurde an die „tiefen Wurzeln der äthiopischen Kirche in der Frühzeit des Christentums“ erinnert. Wörtlich heißt es in dem Schreiben des Wiener Erzbischofs weiter: „Als Österreicher bewundern wir immer die Standfestigkeit Ihrer Kirche sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart, was dazu geführt hat, dass Äthiopien eine wahrhaft christliche Nation auf dem afrikanischen Kontinent geblieben ist, eine Nation mit einer großen Geschichte und einer leuchtenden Zukunft.“ Zugleich würdigte Kardinal Schönborn die Präsenz einer lebendigen äthiopisch-orthodoxen Gemeinde in Wien.

 

Der Patriarch erinnerte in seinem Grußwort an die Rolle der äthopisch-orthodoxen Kirche in der Gründungsphase des Ökumenischen Rates der Kirchen und an ihre Teilnahme an den inoffiziellen „Pro Oriente“-Konsultationen sowie an den Besuch des Patriarchen Abuna Paulos in Wien. Der Patriarch würdigte den "wichtigen Beitrag der Stiftung ‚Pro Oriente‘ zu einem tieferen theologischen Verständnis der beiden Kirchen füreinander und zum Vorantreiben des offiziellen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen". In diesem Zusammenhang betonte er außerdem die Wichtigkeit der Arbeit der neuen „Pro Oriente“- Commission for Ecumenical Encounter between the Catholic Church and the Oriental Orthodox Churches“. Abuna Mathias zeigte sich sehr gut informiert über die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde in Wien und bedankte sich für die Unterstützung seiner Kirche - auf Gemeindeebene wie auch im Hinblick auf die Förderung äthiopisch-orthodoxer Studierender durch Stipendien. Der Patriarch und die Delegationsmitglieder stimmten darin überein, dass die Förderung durch Stipendien und die Unterstützung durch Ausbildung ein wichtiges und zukunftsträchtiges „Modell ökumenischer Zusammenarbeit“ darstellt.

 

Bischof Manfred Scheuer und das Oberhaupt der äthiopisch-orthodoxen Kirche, S.H. Patriarch Abuna Mathias

Bischof Manfred Scheuer und das Oberhaupt der äthiopisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Abuna Mathias. © Hofrichter

 

"Ecumenical Encounter"

 

Auf Einladung des österreichischen Botschafters Andreas Melan fand am 22. Februar in der Botschaftsresidenz das „Ecumenical Encounter on 'Unity in Faith'" unter Teilnahme von rund 30 Vertreterinnen und Vertretern der äthiopisch-orthodoxen Kirche und der äthiopisch-katholischen Kirche (Kardinal Souraphiel), des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Luigi Bianco, und der „Pro Oriente“-Delegation statt. Nach dem Grußwort von Bischof Scheuer berichtete Präsident Johann Marte über die „Pro Oriente“-Errungenschaften im Dialog zwischen katholischen und orientalisch-orthodoxen Christen. Marte erinnerte an die Gründung der Stiftung durch Kardinal Franz König vor mehr als 50 Jahren und unterstrich, dass angesichts der weltweiten Verfolgung und Diskriminierung von Christen sowie anderer heutiger Herausforderungen die Tätigkeit von „Pro Oriente“ notwendiger denn je sei.

 

"Ökumene der Märtyrer ist heute Realität"

 

Der Linzer Bischof Scheuer erinnerte bei der Veranstaltung an die Hinrichtung von 28 christlichen Äthiopier durch Jihadisten des "Islamischen Staats" (IS) vor einem Jahr und zog Parallelen zu den Märtyrern der Nazizeit. Scheuer ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für Ökumene und Caritas zuständig. 

IS-Jihadisten hatten im April 2015 ein Video über die Exekution der Äthiopier veröffentlicht. Aus dem Video geht hervor, dass sie zwölf junge Äthiopier an einem Strand der Cirenaica köpften und 16 Äthiopier in der libyschen Wüstenprovinz Fezzan durch Genickschüsse ermordeten.

Scheuer sagte in Addis Abeba, der äthiopisch-orthodoxe Patriarch Mathias I. habe damals einen Besuch in Ägypten geplant, von wo aus er zusammen mit dem koptischen Patriarchen Tawadros II. zu den Gedenkfeiern des armenischen Genozids anreisen wollte. Dieses Vorhaben habe er im letzten Moment wegen der Hinrichtungen absagen müssen.

"Er entschuldigte sich dafür, betonte aber, dass er in Äthiopien bleiben müsse. Die Geschichten der Märtyrer von gestern überkreuzen sich mit den Geschichten der Märtyrer von heute. Doch trotz großer Schmerzen betrachten wir diese Ereignisse mit den Augen des Glaubens. Die Kette der Märtyrer reißt nicht ab, und sie werden die Geschichte bis zu ihrem Ende begleiten. Die Kirche hat nie über das Martyrium geklagt, sondern die Märtyrer stets als jene gefeiert, die gerade weil sie ermordet werden, den Sieg Christi bezeugen", so der Linzer Bischof.      

Die "Ökumene der Märtyrer" sei heute Realität, sagte Scheuer. Er erinnerte auch, dass die Ökumene als gemeinsames Zeichen eine stark sozial-diakonische Verantwortung hat. Dabei erwähnte der Bischof das "Ökumenische Sozialwort" der Kirchen in Österreich, das die soziale Verantwortung der Christen einfordere.

Bischof Scheuer betonte, dass der "große Respekt" gegenüber der äthiopischen Tradition dafür sensibilisieren müsse, dass "die Ökumene auch der Reinigung des Gedächtnisses bedarf". Das Unrecht von Seiten der lateinischen Christen gegenüber der äthiopischen Kirche müsse eingestanden werden. "Auch der Kolonialismus im 19. Jh. unter italienischen Farben hatte massive Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Er hinterließ letztlich bis heute eine katholische Ostkirche und eine lateinische Missionskirche. Die Sünden aus der Vergangenheit wirken sich in ihren Konsequenzen bis zum heutigen Tag belastend aus und stellen auch in der Gegenwart eine Versuchung dar", erinnerte der Bischof.

 

Grußwort von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer im Gespräch mit einem jungen äthiopischen Mönch

Bischof Manfred Scheuer im Gespräch mit einem jungen äthiopischen Mönch. © Hofrichter

 

"Communio" ist mehrdimensional

 

P. Frans Bouwen (Jerusalem) gab eine Einschätzung der aktuellen Situation des offiziellen theologischen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen (er ist Mitglied der entsprechenden internationalen Kommission): "Im Zuge unserer Studien und unseres theologischen Austausches im Dialog sind wir zur Erkenntnis gelangt, dass ‚communio‘ (Gemeinschaft) mehrdimensional ist und nicht nur auf eine offizielle, hierarchische ‚communio‘ reduziert werden darf. Wir haben gelernt, dass ‚communio‘ sich in verschiedenen und charakteristischen Weisen ausdrückt: in gegenseitiger Verantwortung, durch den Austausch von Briefen und wechselseitige Besuche, in Liturgie und Gebet, durch gemeinsame Zeugenschaft und Martyrium, im Mönchtum und durch die Heiligenverehrung. Viele der Verbindungen, die unter den Kirchen in den ersten Jahrhunderten bestanden, bestehen trotz der Trennungen bis heute oder wurden in letzter Zeit neu belebt. Die Aufgabe der Kommissionsmitglieder wird darin bestehen, in positiver Weise noch bestehende Divergenzen in Lehre und Praxis zwischen den Kirchen zu untersuchen und sorgfältig zu prüfen, inwieweit diese Divergenzen als legitim und die Essenz des Glaubens nicht gefährdend gelten dürfen. Sie werden sich die Frage stellen müssen, wie weit die Wiederherstellung der Beziehungen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten existierten, für eine Wiedergewinnung der vollen sakramentalen Gemeinschaft heute ausreichend ist“. Im Auftrag des Patriarchen referierte Daniel Seifemicahel die äthiopisch-orthodoxe Perspektive zur jüngst in Kairo stattgefundenen Vollversammlung der internationalen Dialogkommission und zur Situation der Ökumene in Äthiopien.

 

 

Würdigung der Arbeit von "Pro Oriente"

 

Am Sonntag, 21. Februar, feierte die „Pro Oriente“-Delegation die von Kardinal Souraphiel geleitete Liturgie in der äthiopisch-katholischen Kathedrale von Addis Abeba mit. Bei der anschließenden Begegnung würdigte der Kardinal die wertvolle Arbeit von „Pro Oriente“ in den letzten 50 Jahren: "‘Pro Oriente‘ hat einen wesentlichen Beitrag für die ökumenische Bewegung erbracht und das bessere Verständnis und die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen im Nahen Osten und hier in Äthiopien gefördert“. Der Kardinal sieht eine wesentliche Aufgabe von „Pro Oriente“ darin, zur Festigung der christlichen Solidarität beizutragen und die Bestrebungen nach Einheit und enger Kooperation der beiden Kirchen in Äthiopien zu unterstützen. Wörtlich meinte der äthiopische Kardinal: „Wir möchten Solidarität, Einheit und enge Zusammenarbeit mit der äthiopisch-orthodoxen Kirche vorantreiben, mit der wir so viel gemeinsam haben. Es ist wichtig, auf lokaler Ebene zusammenzuarbeiten und unser gemeinsames Erbe zu schützen und zu nützen, damit wir die Herausforderungen der Gegenwart, einschließlich der Auswirkungen der Globalisierung, bestehen können“.

 

 Bischof Scheuer mit dem äthiopisch-katholischen Erzbischof und Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel in der Kathedrale von Addis Abeba

Bischof Scheuer mit dem äthiopisch-katholischen Erzbischof und Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel in der Kathedrale von Addis Abeba. © Hofrichter

 

Zum Abschluss ihrer Äthiopien-Reise besuchte die „Pro Oriente“-Delegation die berühmten Felsenkirchen von Lalibela.

 

Bischof Scheuer bei einem Bergkloster in Lalibela auf 3.090 m Seehöhe
Bischof Scheuer bei einem Bergkloster in Lalibela auf 3.090 m Seehöhe
Bischof Scheuer bei den Felsenkirchen von Lalibela
Bischof Scheuer bei den Felsenkirchen von Lalibela

© Hofrichter

 

Erich Leitenberger, Pressesprecher Stiftung "Pro Oriente" / Kathpress

 

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