Donnerstag 1. Oktober 2026

Quartals.Gespräch: Farbe ins Schwarz-Weiß-Denken

 

 

Mit dem Publikum diskutierten die Prof.in für Moraltheologie Dr.in Edeltraud Koller (Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen/Frankfurt a. Main) und MMag.a (FH) Brigitte Egartner, Fach- und Forschungsstelle für Migration, Integration und interkulturelle Bildung der Caritas Oberösterreich, unter der Moderation von Mag.a Gabriele Eder-Cakl / Bildungszentrum Haus der Frau Linz.

 

Stress verursacht Schwarz-Weiß Denken

 

Erst jüngst geschehene Ereignisse sowie Aussagen von PolitikerInnen zeigen, dass persönliche und öffentliche Grenzen überschreitende Handlungen zunehmen. Die Themen Migration, Asyl und Fremdenfeindlichkeit waren beim Quartals.Gespräch Beispiele anhand dessen die Frage nach einem zusehends wahrnehmbaren Schwarz-Weiß-Denken erörtert wurde. 

Die Polarisierung in der Gesellschaft nimmt zu, weil Menschen Stress, Angst und Ohnmacht erleben. Kommen jedoch die konkreten Geschichten und Geschicke von je Einzelnen in den Blick, wird die Situation häufig ganz anders wahrgenommen. Not und Bedrängnis bekommen plötzlich ein konkretes Antlitz, das Menschen bewegt, sich zu engagieren, gerade auch aus christlichen Motiven heraus.

 

Polarisierung aufbrechen

 

Es geht also darum, Polarisierungen aufzubrechen und hinzuschauen, wo die Ursachen für das Schwarz-Weiß-Denken liegen könnten. Dies eröffnet gezielte Perspektiven für ein gelingendes Miteinander. Dabei gilt es vor allem dort anzusetzen, wo sich noch keine ausgeprägten extremen Positionen verfestigt haben. Es bedürfte des Suchens und Aufzeigens von konkret gangbaren Wegen für die möglichen VerliererInnen und die scheinbaren GewinnerInnen. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die Förderung von Bildungsprozessen, die ein differenziertes Hinschauen auf die je vorfindlichen Situationen ermöglichen. Anders gesagt: Das Thema darf nicht abstrakt diskutiert werden. Nur so füllen sich Schlagworte mit tatsächlich vorfindlichem Inhalt! Wesentlich ist demnach Begegnung. Im Rahmen der angesprochenen Bildungsprozesse geht es ebenso um ein Stillen des Bedürfnisses nach Identitätsfindung. Nur eine gefestigte Identität sieht sich konkreten Herausforderungen gegenüber gewachsen.

 

 

Aus der Ohnmacht hinaustreten

 

Ein speziell christlicher Beitrag liegt im Engagement für eine menschenfreundliche Welt. Es ist genau diese Hoffnung, die es ChristInnen ermöglicht, angesichts der erfahrenen und mitunter auszuhaltenden Ohnmacht aus dem Alltag herauszutreten, um zu handeln, Leben zu ermöglichen. So kann Glaube gerade in Situationen schier übermenschlichen Einsatzes zur Kraftquelle und zum Sinngrund eigener Existenz werden. 

Von herausragender Bedeutung ist es, immer wieder differenziert darauf hinzuweisen, dass derzeit in der Welt alle mit allen verwoben sind (Globalisierung). Papst Franziskus spricht dies in seiner Enzyklika deutlich an. Das Sprechen, Handeln, Wirtschaften, Wahlverhalten hat Folgen für den Anderen. Unzweifelhaft etwa beruht das derzeitige Wirtschaftssystem auf den Opfern anderer. Diese Opfer stehen nun vor der Tür. Es gilt diese Zusammenhänge medial der Öffentlichkeit bewusst zu machen, nicht in reißerischen Schlagzeilen, vielmehr im differenzierten und sprach- und themensensiblen Diskurs. Erst dadurch lässt sich die Praxis verändern!

 

Zum Nachhören: Prof.in Edeltraud Koller zum Beitrag des Christlichen gegen Polarisierung

 

Zum Nachören: Mag.a Brigitte Egartner zum Engagement der Ehrenamtlichen und unterschiedlichen Sichtweisen auf die derzeitige Migrationssituation.

 

Zum Nachhören: Mag.a Brigitte Egartner benennt die Urachen der derzeitigen Situation.

 

Zum Nachhören: Prof.in Edeltraud Koller empfielt auf die Rhetorik zu achten

 

Quartals.Gespräch

 

Das Quartals.Gespräch ist „Wissenschaft zum Angreifen“ – so nennt sich das neue Diskussionsformat im Solaris in Linz, initiiert von der Katholischen Privat-Universität Linz (KU) / Theologisch-praktischer Quartalschrift, dem Institut Pastorale Fortbildung, dem Bildungszentrum Haus der Frau sowie der Personalentwicklung der Diözese Linz. Wissenschaft und Praxis bewusst im nicht-akademischen Rahmen ins Gespräch zu bringen, ist das Anliegen.

 

Segen mit der Patchworkdecke: Neue Rituale heute

 

10. Mai 2016, 16.00-17.30 Uhr

Solaris, Bar/Cafe im oö Kulturquartier, OK Platz 1, Linz
Ob der wöchentliche Kaffeehausbesuch im Einkaufszentrum, das Engelbild oder die Segensfeier. Neue Rituale bewegen sich zwischen profanen und religiösen Traditionen. Das kirchliche Monopol ist seit Jahren im Umbruch. Wohin geht der rituelle Weg?
Dazu diskutieren mit Ihnen Univ. Prof.in Ulrike Bechmann, Institut für Religionswissenschaften an der Universität Graz und Pfarrassistentin Mag.a Irmgard Lehner, Pfarre Wels St. Franziskus.

 

gec, Bernhard Kagerer

 

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