Montag 10. Dezember 2018

Armenier-Genozid: Gemeinsames Gedenken der christlichen Kirchen in Österreich

Am 24. April 2015 findet im Stephansdom ein ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an den Völkermordes an den Armeniern und den Massakern an weiteren Christen syrischer und griechischer Tradition statt.

Bischöfe gedenken des Armenier-Genozids vor 100 Jahren

 

Die österreichischen Bischöfe gedenken der Opfer des Genozids an den Armeniern und den Christen syrischer Tradition vor 100 Jahren im Osmanischen Reich. Was sich damals in Anatolien und anderen Teilen des Osmanischen Reichs ereignete, "war eine der größten Katastrophen der Christenheit in ihrer ganzen Geschichte", heißt es in einer offiziellen Erklärung der Bischofskonferenz. Noch seien viele Archive in unterschiedlichen Ländern nicht zur Gänze ausgewertet, aber es zeichne sich ab, dass die von armenischen Historikern seit jeher genannte Zahl von 1,5 Millionen in den Jahren 1915 bis 1923 getöteten Armeniern der Realität entspricht, ebenso wie die Zahl von 500.000 syrisch-christlichen Opfern. Die Bischöfe bekennen zudem die Mitschuld Österreich-Ungarns am Genozid und kritisieren jede Leugnung des Völkermordes.

Mit der menschlichen Katastrophe der Jahre 1915 bis 1923 sei auch eine kulturelle Katastrophe ungeheuren Ausmaßes einhergegangen, heißt es weiter in der Erklärung: Im kleinasiatischen Raum seien tausende Kirchen und hunderte Klöster zerstört und entweiht worden, in denen seit den ersten Jahrhunderten des Christentums nie das Gotteslob verstummt war. Heute kündeten vielfach nur mehr Ruinen "von einer der eindrucksvollsten christlichen Kulturlandschaften, die unendlich viel im Bereich von Architektur, Musik, Wissenschaft zur Weltkultur beigetragen hat. Damals versank auch endgültig die armenisch-osmanische Symbiose, die trotz aller Spannungen und Ungerechtigkeiten doch eine Möglichkeit des Zusammenlebens von Christen und Muslimen darstellte."

Die führenden Politiker des "Komitees für Einheit und Fortschritt", das damals die osmanische Regierung stellte, seien zwar nach ihrem eigenen Zeugnis überwiegend Agnostiker oder Atheisten, aber sie benützten das islamische Argument, um die Ausrottungskampagne gegen die Christen populär zu machen, halten die Bischöfe weiter fest. Das zeige auch die Tatsache, dass sich retten konnte, wer bereit war, zum Islam zu konvertieren. Zugleich weisen die Bischöfe auch auf die Hilfsbereitschaft gläubiger Muslime für die verfolgten armenischen und syrischen Christen hin.

"Bemühungen um neue Objektivität"

Kritisch merken die heimischen Bischöfe an, dass in der Türkei der Völkermord an den armenischen und den syrischen Christen "bedauerlicherweise Jahrzehnte hindurch geleugnet" wurde. Es zeigten sich aber in der türkischen Zivilgesellschaft neue Entwicklungen, "die Auswirkungen auch im politischen Bereich haben und Hoffnung auf Versöhnung geben". So orten die österreichischen Bischöfe in der türkischen Geschichtsschreibung "Bemühungen um eine neue Objektivität". Zudem sei es in den letzten Jahren üblich geworden, dass in türkischen Städten am 24. April Solidaritätsmärsche zum Gedenken an die "verschwundenen" armenischen Mitbürger stattfinden.

"Die Leugnung des Völkermords an den Armeniern - und den syrischen Christen - hat bis heute dramatische Auswirkungen", halten die Bischöfe weiter fest. Es solle nicht vergessen werden, dass die Begrifflichkeit und juristische Definition des Völkermords auf das tragische Geschick des armenischen Volkes ab 1915 zurückgeht.

Ebensowenig dürfe man aber auch vergessen, dass die Nazis bei ihren Plänen zur Vernichtung des jüdischen Volkes in Europa bewusst auf die Vergesslichkeit der Weltmeinung spekulierten, wie dies bei den Armeniern der Fall gewesen war.

Wörtlich schreiben die Bischöfe: "Es stellt sich die Frage, ob weitere Völkermorde hätten verhindert oder eingedämmt werden können, wenn nach Ende des Ersten Weltkriegs das Schicksal der armenischen und syrischen Christen nicht dem Vergessen anheimgegeben worden wäre."

Armenische Präsenz in Österreich

Als österreichische Christen habe man zudem ein mehrfaches Motiv, mit den armenischen und syrischen Christen zu trauern "und uns ihren Ruf nach Wahrheit und Gerechtigkeit anlässlich des 100-Jahr-Gedenkens der schrecklichen Ereignisse zu eigen zu machen", betonen die Bischöfe weiter. Sie führen erstens die Tatsache, dass es in Österreich seit Jahrhunderten eine starke armenische Präsenz gibt. Zudem hätten seit 40 Jahren auch viele syrische Christen in Österreich eine neue Heimat gefunden. Zweitens könne man auch nicht vergessen, dass das einstige Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg ein Verbündeter des Osmanischen Reiches gewesen und so gut wie gar nicht gegen den Völkermord eingeschritten war.

Entsprechend heißt es in der Erklärung: "Österreichische Funktionäre und Soldaten waren Augenzeugen der Vorgänge, viele berichteten nach Wien, andere versuchten, sich der Maschinerie entgegenzustellen, insgesamt waren wohl politisch-militärische Opportunitätserwägungen stärker als menschliche oder christliche Solidarität."

Die Bischöfe erinnern weiters auch an den österreichischen Schriftsteller Franz Werfel, der mit seinem Roman "Die 40 Tage des Musa Dagh" eine als gültig angesehene literarische Bewältigung der armenischen Tragödie vorgelegt hat.

Abschließend halten die Bischöfe fest: "Die katholische Kirche in Österreich neigt sich damit - gemeinsam mit allen anderen Kirchen - in Ehrfurcht vor dem Zeugnis der armenischen und syrischen Märtyrer." Die armenisch-apostolische Kirche spricht am 23. April die 1,5 Millionen armenischen Genozidopfer kumulativ heilig. Dieser Akt nähre die Hoffnung, "dass die Fürsprache der Märtyrer den Menschen des Orients (...) den lang ersehnten Frieden und die so notwendige Versöhnung bringen wird" .

 

 

"Eine der größten Katastrophen der Christenheit"

 

Die Österreichische Bischofskonferenz hat in einer Erklärung zum 100. Jahrestag des Beginns des Völkermordes an den armenisch (und syrischen) Christen im damaligen Osmanischen Reich an die Opfer erinnert, die Mitschuld Österreich-Ungarns betont und jede Leugnung des Völkermordes kritisiert. "Kathpress" dokumentiert den Wortlaut der Erklärung:

Die dramatischen Berichte der letzten Monate über die Verfolgung der orientalischen Christen durch islamistische Terrormilizen und über den drohenden Genozid an den Erben des frühen Christentums waren gleichsam der Auftakt zum Gedenken an einen ähnlichen Vorgang vor 100 Jahren im damaligen Osmanischen Reich: Die blutige und offensichtlich geplante Verfolgung der Armenier und der Christen der syrischen Tradition. Die Stätten der damaligen Ereignisse sind teilweise nur ein paar Kilometer von jenen Orten entfernt, deren Namen heute in den düsteren Nachrichten aus dem Nahen Osten vorkommen.

Was sich damals vor allem in Anatolien, aber auch in anderen Teilen des Osmanischen Reichs ereignete, war eine der größten Katastrophen der Christenheit in ihrer ganzen Geschichte. Noch sind viele Archive in unterschiedlichen Ländern nicht zur Gänze ausgewertet, aber es zeichnet sich ab, dass die von armenischen Historikern seit jeher genannte Zahl von 1,5 Millionen in den Jahren 1915 bis 1923 getöteten Armeniern der Realität entspricht, ebenso wie die Zahl von 500.000 syrisch-christlichen Opfern des "Seyfo", der "Zeit des Schwerts", wie dieser furchtbare Vorgang der Verachtung der ursprünglichsten Menschenrechte in der syrischen Tradition genannt wird. Mit der menschlichen Katastrophe der Jahre 1915 bis 1923 ging eine kulturelle Katastrophe ungeheuren Ausmaßes einher: Im kleinasiatischen Raum wurden tausende Kirchen und hunderte Klöster zerstört und entweiht, in denen seit den ersten Jahrhunderten des Christentums nie das Gotteslob verstummt war. Heute künden vielfach nur mehr Ruinen von einer der eindrucksvollsten christlichen Kulturlandschaften, die unendlich viel im Bereich von Architektur, Musik, Wissenschaft zur Weltkultur beigetragen hat. Damals versank auch endgültig die armenisch-osmanische Symbiose, die trotz aller Spannungen und Ungerechtigkeiten doch eine Möglichkeit des Zusammenlebens von Christen und Muslimen darstellte.

Die führenden Politiker des "Komitees für Einheit und Fortschritt", das damals die kaiserlich-osmanische Regierung stellte, waren zwar nach ihrem eigenen Zeugnis überwiegend Agnostiker oder Atheisten, aber sie benützten das islamische Argument, um die Ausrottungskampagne gegen die Christen populär zu machen. Das erhellt auch aus der Tatsache, dass sich retten konnte, wer bereit war, zum Islam zu konvertieren. Zugleich darf nicht vergessen werden, dass es beeindruckende Zeugnisse von der Hilfsbereitschaft gläubiger Muslime für die verfolgten armenischen und syrischen Christen gibt. Diese Menschen zögerten nicht, ihre christlichen Mitbürger aus Todesgefahr zu retten.

In der republikanischen Türkei ist der Völkermord an den armenischen und den syrischen Christen bedauerlicherweise Jahrzehnte hindurch geleugnet worden. Es zeigen sich aber in der türkischen Zivilgesellschaft neue Entwicklungen, die Auswirkungen auch im politischen Bereich haben und Hoffnung auf Versöhnung geben: In der Historiographie gibt es Bemühungen um eine neue Objektivität; in den letzten Jahren ist es üblich geworden, dass in türkischen Städten am 24. April - dem Jahrestag der großen Verhaftungsaktion unter der armenischen Elite Konstantinopel/Istanbuls, mit der im Jahr 1915 der Genozid begann - Solidaritätsmärsche zum Gedenken an die "verschwundenen" armenischen Mitbürger stattfinden.

Die Leugnung des Völkermords an den Armeniern - und den syrischen Christen - hat bis heute dramatische Auswirkungen. Es soll nicht vergessen werden, dass die Begrifflichkeit und juristische Definition des Völkermords auf das tragische Geschick des armenischen Volkes ab 1915 zurückgeht; der polnisch-jüdische Jurist Rafael Lemkin beschäftigte sich bereits in der Zwischenkriegszeit mit dieser Frage, interessierte den damaligen Völkerbund dafür und war dann federführend beteiligt an der von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 9. Dezember 1948 beschlossenen Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes. Aber man darf auch nicht übersehen, dass Zeitgenossen von Rafael Lemkin - die nationalsozialistischen Machthaber in Deutschland - bei ihren Plänen zur Vernichtung des jüdischen Volkes in Europa bewusst auf die Vergesslichkeit der Weltmeinung spekulierten. Das zynische Wort eines nationalsozialistischen Machthabers im August 1939 "Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier" ist überliefert. Es stellt sich die Frage, ob weitere Völkermorde hätten verhindert oder eingedämmt werden können, wenn nach Ende des Ersten Weltkriegs das Schicksal der armenischen und syrischen Christen nicht dem Vergessen anheimgegeben worden wäre, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Faktenlage noch im Bewusstsein jedes halbwegs interessierten Zeitungslesers war.

Als österreichische Christen haben wir ein dreifaches Motiv, mit den armenischen und syrischen Christen zu trauern und uns ihren Ruf nach Wahrheit und Gerechtigkeit anlässlich des 100-Jahr-Gedenkens der schrecklichen Ereignisse zu eigen zu machen. Da ist einerseits die Tatsache, dass es in Österreich seit Jahrhunderten eine starke armenische Präsenz gibt. Davon zeugt auch das mehr als 200 Jahre zurückreichende Wirken der armenisch-katholischen Mechitharistenmönche in Wien. Zudem haben seit 40 Jahren auch viele syrische Christen in unserem Land eine neue Heimat gefunden. Andererseits aber können wir auch nicht vergessen, dass das einstige Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg ein Verbündeter des Osmanischen Reiches war. Österreichische Funktionäre und Soldaten waren Augenzeugen der Vorgänge, viele berichteten nach Wien, andere versuchten, sich der Maschinerie entgegenzustellen, insgesamt waren wohl politisch-militärische Opportunitätserwägungen stärker als menschliche oder christliche Solidarität.

Es ist aber auch ein Faktum, dass ein österreichischer Schriftsteller jüdischer Konfession, Franz Werfel, mit seinem Roman "Die 40 Tage des Musa Dagh" eine als gültig angesehene literarische Bewältigung der armenischen Tragödie vorgelegt hat. Bis heute fehlt dieses Buch in keinem armenischen Haushalt. Der damalige armenisch-apostolische Patriarch von Jerusalem, Yegishe Tourian, war 1929 von den Recherchen Werfels so beeindruckt, dass er ihm ein jahrhundertealtes armenisches Kreuz schenkte. Dieses Kreuz wurde vor wenigen Jahren an den Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz übergeben. Es wird am 24. April beim ökumenischen Gottesdienst im Wiener Stephansdom zum Gedenken an den Opfergang der armenischen und syrischen Christen einen würdigen Platz finden.

Die katholische Kirche in Österreich neigt sich damit - gemeinsam mit allen anderen Kirchen - in Ehrfurcht vor dem Zeugnis der armenischen und syrischen Märtyrer. Die armenisch-apostolische Kirche spricht am 23. April in einem kirchengeschichtlich einmaligen Akt bei einer Versammlung der armenischen Bischöfe aus aller Welt in Etschmiadzin die 1,5 Millionen armenischen Genozidopfer kumulativ heilig. Dieser Akt nährt die Hoffnung, dass die Fürsprache der Märtyrer den Menschen des Orients - den Bekennern aller Religionen in dieser Urheimat sowohl der menschlichen Kultur als auch der Verehrung des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs - den langersehnten Frieden und die so notwendige Versöhnung bringen wird.

 

 

Ökumenischer Gottesdienst am 24. April im Stephansdom

 

Die christlichen Kirchen in Österreich gedenken am 24. April im Wiener Stephansdom gemeinsam der Opfer des Völkermords von vor 100 Jahren an den Armeniern, den Christen der syrischen Tradition sowie der Opfer der griechischen Christen des Pontus und Ioniens. Dem Gottesdienst werden Kardinal Christoph Schönborn, der armenisch-orthodoxe Patriarchaldelegat P. Tiran Petrosyan, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin und der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) vorstehen. Die Predigt hält der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der methodistische Superintendent Lothar Pöll. Der Gottesdienst beginnt um 17 Uhr.

Am 24. April 1915 hatten Einheiten der osmanischen Geheimpolizei in Istanbul hunderte armenische Intellektuelle verhaftet und nach Anatolien deportiert, wo die meisten den Tod fanden. Dies war der Startschuss für den Völkermord an den Armeniern und den Massakern an weiteren Christen syrischer und griechischer Tradition. Die Schätzungen reichen bis zu 1,5 Millionen armenische Todesopfer, sowie bis zu weiteren 500.000 Opfern unter Christen anderer Konfessionen.

Kardinal Schönborn und P. Petrosyan sprechen in ihrer gemeinsamen Einladung zum Gottesdienst von einem der schmerzlichsten Ereignisse des 20  Jahrhunderts. Hunderttausende Christen seien in den Jahren, die dem 24. April 1915 folgten, zu Märtyrern geworden, kostbare Schätze christlicher Kultur wurden vernichtet. Dieser vielfach vergessenen Katastrophe und ihrer Opfer solle im Dom ehrfurchtsvoll gedacht werden, so Schönborn und P. Petrosyan: "Die Fürbitte schließt die Täter und die Hoffnung ein, dass es gelingen möge, jede Wiederholung einer solchen Katastrophe zu verhindern.

Bei dem Gottesdienst soll auch das sogenannte "Werfel-Kreuz" eine Rolle spielen und im Altarraum Platz bekommen. Es war das Verdienst des jüdisch-böhmisch-österreichischen Schriftstellers Franz Werfel, mit seinem Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" (erschienen 1933) dem Armenier-Genozid ein literarisches Denkmal geschaffen zu haben.

Der damalige armenisch-apostolische Patriarch von Jerusalem, Yegishe Tourian, war so angetan von den Nachforschungen des großen österreichisch-jüdischen Schriftstellers über die Armenierverfolgung, dass er ihm ein armenisches Kreuz (mit einer Kreuzreliquie) schenkte. Werfel trug dieses Kreuz später auch während seiner Flucht vor den NS-Schergen immer bei sich. Das Kreuz gelangte schließlich in den Besitz von Erich Rietenauer, der als Kind im Haus der Mutter von Alma Mahler-Werfel oft zu Gast war. Vor wenigen Jahren übergab Rietenauer das Kreuz an Kardinal Schönborn.

 


Stephansdom © Max Pfandl / FlickR CC BY 2.0. Zur Lizenz

 


Kirchen für Völkermord-Anerkennung

Mit dem Ersuchen, dass die Republik Österreich den Völkermord am armenischen Volk anerkennen und "damit dem Beispiel vieler anderer Staaten folgen möge", hat sich vor Kurzem der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) in Briefen an Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz gewandt. Die Anerkennung dieses ersten Völkermords zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei von österreichischer Seite "längst überfällig", betont der ÖRKÖ-Vorstand.

Eine offizielle Anerkennung des Völkermords, wie sie von vielen Staaten und Institutionen auf europäischer wie weltweiter Ebene bereits erfolgt ist, könnte ein Zeichen der Wiedergutmachung und Versöhnung bedeuten, so der ÖRKO-Vorstand: "Dies gilt umso mehr, als es in der Türkei von heute auf zivilgesellschaftlicher Basis deutliche Anzeichen der Bereitschaft gibt, das schreiende Unrecht der Ereignisse nach dem 24. April 1915 anzuerkennen und zu bedauern".

Die Briefe wurden vom Vorsitzenden des ÖRKÖ, dem evangelisch-methodistischen Superintendenten Lothar Pöll, und seinen beiden Stellvertretern, dem katholischen Diözesanbischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, und dem evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker, unterzeichnet.

Wie die APA am Dienstag berichtete, haben sich alle sechs Nationalratsfraktionen zu einer gemeinsamen Erklärung zusammengefunden, die den vor 100 Jahren verbrochenen Massenmord an Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid verurteilt. Verwiesen wird in dem Papier auch auf die historische Verantwortung Österreichs, war die k.u.k.-Monarchie doch im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet. In der gemeinsamen Erklärung der Parlamentsparteien wird auch Zehntausender Angehöriger anderer christlicher Bevölkerungsgruppen im Osmanischen Reich, etwa der Aramäer, Assyrer, Chaldäer und der Pontos-Griechen gedacht, die ebenfalls vor 100 Jahren gewaltsam zu Tode kamen.

In der Erklärung heißt es, dass es Österreichs Pflicht sei, die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen. Ebenso sei es die Pflicht der Türkei, "sich der ehrlichen Aufarbeitung dunkler und schmerzhafter Kapitel ihrer Vergangenheit zu stellen und die im Osmanischen Reich begangenen Verbrechen an den Armeniern als Genozid anzuerkennen".

1,5 Millionen Heilige

Die Armenisch-apostolische Kirche wird am 23. April in einem historisch beispiellosen Akt die bis zu 1,5 Millionen Opfer heiligsprechen. Die Zeremonie findet in der Hauptkathedrale der armenisch-apostolischen Kirche in Etchmiadzin statt. Sie wird vom Oberhaupt der Kirche, Katholikos Karekin II., geleitet. So gut wie alle Bischöfe der armenischen Kirche, sowie viele weitere Geistliche und Gläubige aus aller Welt werden zu der Feier in Etschmiadzin erwartet. Es ist die erste Heiligsprechung in der armenisch-apostolischen Kirche seit dem 18. Jahrhundert.

Am Ende der Zeremonie sollen die Glocken aller armenischen Kirchen weltweit zum Gedenken an die Völkermord-Opfer läuten. Wobei laut Medienberichten dies gerade bei den armenischen Kirchen in der Türkei nicht der Fall sein wird. Das Armenische Patriarchat in Istanbul plant für den 24. April einen Gottesdienst mit Patriarchalvikar Erzbischof Aram Atesyan. Dabei soll die Betonung auf dem "gemeinsamen Schmerz" über die Ereignisse im Jahr 1915 liegen und das Wort "Völkermord" nicht verwendet werden, hieß es.

In der Michaelerkirche im ersten Wiener Bezirk wird die Heiligsprechungsfeier aus Armenien live übertragen (14.15 bis 17.15 Uhr).



Weitere Meldungen zum Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten sowie zur aktuellen politische Debatte und zu den Gedenkveranstaltungen sind im Internet unter www.kathpress.at/Armenier1915 abrufbar.

 

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