Tuesday 12. November 2019

Das war meine Vision, meine Berufung!

Im Ziel angekommen. Nach Stationen im Bankwesen und als Catering-Unternehmerin ist Barbara Rödleitner nun Religionspädagogin mit Schilehrerqualitäten.

Nach zehn Jahren als Bankangestellte übernahm Barbara Rödleitner mit ihrem Mann einen Fleischerbetrieb. Nebenbei bauten sie ein Catering-Service auf. 20 Jahren später sollte eine Veränderung her. Ein Gespräch mit einer Freundin brachte Klarheit: „Religionspädagogin – das war nun meine Vision, meine Berufung!“

Wie erging es Ihnen als „spätberufene“ Studentin?

Rödleitner: Die Studienzeit (einschl. Studienberechtigung) war rückblickend einer der schönsten Abschnitte meines bisherigen Lebens. Wir waren eine Seminargruppe, die sich immer wieder gegenseitig gestärkt hat, auch in den schwierigen Zeiten der Prüfungen. Als „spätberufene“ Studentin hab ich viel von meinen jüngeren KollegInnen lernen können und diese haben wiederum von meiner Lebenserfahrung profitiert. Unsere ProfessorenInnen haben den Unterricht in unserer Klasse geschätzt, da sich durch die verschiedenen Sichtweisen turbulente Gespräche entwickelten.

Wie sieht Ihre berufliche Praxis als Religionslehrerin aus?

Rödleitner: Seit September unterrichte ich an der Berufsschule Mattighofen (KFZ-TechnikerInnen) und an der NMS Friedburg. Ich fühle mich an beiden Schulen sehr angenommen und will­kommen. Der Altersunterschied meiner SchülerInnen − zwischen zehn und neunzehn Jahren − macht das Unterrichten sehr interessant und spannend. Das Interesse der BerufsschülerInnen am Religionsunterricht hab ich unterschätzt – sie sind wirklich intelligent und arbeiten mit großer Aufmerk­samkeit mit, außerdem sind sie so diszipliniert, dass es eine Freude ist.

Wie gefällt es Ihnen im neuen Beruf?

Rödleitner: Mir gefällt mein neuer Beruf sehr. Das Zusammensein mit den Kindern und Jugendl­­ichen gibt mir selbst frischen Schwung. Ich hab mit meinen ersten Klassen einen Advent­kranz gebunden – die strahlenden Augen und das begeisterte Mittun waren Glücksmomente für mich. Da ich an der Hochschule die „Begleit­schilehrer-Ausbildung“ absolviert habe, durfte ich heuer sogar am Schulschikurs der NMS Friedburg in Mautern­dorf teilnehmen. Speziell in der NMS ist es aber unbedingt notwendig, vereinbarte Verhaltensregeln auch einzufordern. Nur so kann der Unterricht gut gelingen.

Wie wichtig schätzen Sie den Religionsunterricht in der heutigen Zeit ein?

Rödleitner: Für mich ist der Religionsunterricht nicht zu ersetzen. Jedes Kind, jeder Jugendliche hat das Recht, von Gott bzw. von seinem Glauben etwas zu erfahren − es ist ein Grundbedürfnis jedes Einzelnen. Wer die wesentlichen Grundzüge seiner Religion kennt, ist auch nicht so leicht manipulierbar.

Wie wurde Ihre Entscheidung, Religionslehrerin zu werden, von Ihrem privaten Umfeld aufgenommen?

Rödleitner: Viele staunten über meinen Entschluss. Dann kamen die Fragen: „Wieso ausgerechnet Religion? Warum tust du dir das noch an – ein Studium und drei Jahre nach Linz pendeln?“ Mit viel Willenskraft, Freude und dank Gottes Hilfe habe ich mein Bachelorstudium der Religionspädagogik im Juni 2014 abgeschlossen. Mein Beweggrund: „Ich möchte einen kleinen Beitrag leisten, damit das Leben mancher Jugendlicher besser gelingen kann, und vor allem möchte ich ihnen Werte vermitteln, für die es sich lohnt, sich auch manchmal anzustrengen.“

 

Im Ziel angekommen. Nach Stationen im Bankwesen und als Catering-Unternehmerin ist Barbara Rödleitner nun Religionspädagogin mit Schilehrerqualitäten.

Im Ziel angekommen. Nach Stationen im Bankwesen und als Catering-Unternehmerin ist Barbara Rödleitner nun Religionspädagogin mit Schilehrerqualitäten. © privat

 


Das Interview führte Michael Kraml. Erschienen ist es in der MitarbeiterInnen-Zeitung "informiert" der Diözese Linz; Ausgabe 03/15. (ma)

 


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