Wednesday 13. November 2019

Literarische Begegnung: Franziska Jägerstätter und Freya von Moltke

Franziska Jägerstätter 2010 © Diözese Linz

Eine literarische Begegnung zwischen Franziska Jägerstätter und Freya von Moltke findet am Sonntag, 9. November 2014 um 18.00 Uhr in der Evang. Auferstehungskirche Gmunden (Georgstraße 9) statt. „Was wichtig ist, bleibt. Liebe durch Gefängnismauern". Gelesen wird aus den Briefwechseln von Helmuth James und Freya von Moltke und Franz und Franziska Jägerstätter. Es lesen Erna Putz und Karina Willam.

Freya von Moltke - Franziska Jägerstätter

 

Helmuth James von Moltke und Franz Jägerstätter gehören, obwohl sie aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten stammen, zu den großen Gestalten des 20. Jahrhunderts. Der junge Graf Moltke traf sich mit Gleichgesinnten auf seinem Gut Kreisau in Schlesien um einen Aufbau Deutschlands nach der Niederlege Hitlers zu planen. Er wurde vom berüchtigten Freisler wegen Hochverrats zum Tod verurteilt und am 23. Jänner 1945 in Berlin/Plötzensee hingerichtet. Seine Frau Freya Deichmann hat Moltke im Salzkammergut, am Grundlsee, kennengelernt.
Franz Jägerstätter, Bauer und Mesner aus St. Radegund im Bezirk Braunau, verweigerte den Dienst mit der Waffe in der Deutschen Wehrmacht; er sah den Krieg als ungerechten Raubkrieg. Er wurde wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt und am 9. August 1943in Brandenburg/Havel enthauptet.
Bei beiden Männern vertiefte sich im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus der christliche Glaube. Die Bibel ist für beide Orientierung und Halt. Beide Paare waren überaus glücklich verheiratet, blieben immer Verliebte.
Die Frauen Freya und Franziska sind den Männern ebenbürtig.  Sie haben das Wachsen und Werden der Männer begleitet, die Entscheidung mitgetragen, mitgelitten, mit - geglaubt  und die Frauen haben das Zeugnis bewahrt und weitergeben:
So wie schon in rund um Tod und Auferstehung Jesu, sind die Frauen die ersten Boten.

 

Beide Frauen prägen ihre Männer

 

Freya steckt Helmuth James mit ihrer Lebensfreude an, will Kinder trotz der schwierigen politischen Situation. Freya geht den politischen Weg mit und dann den inneren, den Glaubensweg.
In der Justizvollzugsanstalt Tegel konnten sich die Gefängnispfarrer relativ ungehindert und unkontrolliert bewegen. Franz Jägerstätter wurde durch den katholischen Anstaltspfarrer Heinrich Kreutzberg in seiner Entscheidung gestärkt. Die ausführlichen Aufzeichnungen und die Briefe Franziskas konnten vom Pfarrer aus dem Gefängnis geschmuggelt werden. Kreutzberg war es auch, der Franz Jägerstätter angeregt hat, seine Gedanken niederzuschreiben.

Der evangelische Anstaltspfarrer Harald Poelchau nahm ein enormes Risiko auf sich und schmuggelte täglich Briefe. Er ermöglichte die umfangreiche Korrespondenz zwischen Helmuth James und Freya und versorgte zudem den Häftling mit Lebensmitteln aus deren Gut Kreisau.
In dem mehr als 500 Seiten umfassenden Briefwechsel der Moltkes geht es um Familie, die Söhne Caspar und Konrad, die Bewirtschaftung des Gutes, um die Vorbereitung auf den V.G.H. Prozess (vor allem auf Freisler) und immer wieder ausführlich um religiöse Fragen. Die beiden lesen täglich die selben Kapitel der Bibel. Moltke mahnt seine Frau, sich an schwierigen Stellen nicht vorbeizuschwindeln: „Nur keine bequeme Auswahl!“  Unbegrenztes Vertrauen auf Gott und die Bereitschaft seinem Willen anzunehmen sprechen Helmuth James und Freya aus und halten einander in dieser Bereitschaft. Gethsemane ist monatelang die

geistige Heimat.

 

Glaubensbriefe und Liebesbriefe

 

Die Briefe sind aber nicht nur Glaubensbriefe, sondern sie sind wunderbare Liebesbriefe und gehören für mich zu den großartigsten, die überhaupt zugänglich sind.

Franz Jägerstätter schreibt am 1. März 1943, unmittelbar vor seiner Kriegsdienstverweigerung, - er rechnet nicht mit einem Prozess, sondern dass er sofort umgebracht wird, -  an seine Frau Franziska: „Du weißt wenigstens, wem du deine Schmerzen anvertrauen darfst, die auch Verständnis dafür haben und dir auch helfen können, auch Christus hat am Ölberg zum himmlischen Vater gebetet Er möge den Leidenskelch an Ihm vorübergehen lassen, aber nie dürfen wir dabei vergessen bei diesen Bitten: Herr nicht mein Wille geschehe, sondern der deine. Hilf auch noch den Armen solange Du kannst. Und ersetze den Kindern jetzt auch den Vater. Zürne auch der Mutter nicht, wenn sie uns auch nicht versteht.“  
Franziska ist in dieser Hinsicht so wie Freya in Übereinstimmung mit ihrem Mann.

 

Im Leben beider Paare spielen Briefe eine wichtige Rolle

 

Diese Briefe sind für uns Nachgeborene eine unersetzliche Informationsquelle.
Die Briefe waren für beide Witwen der kostbare „Schatz“, der Kraft für den Alltag gab. Freya schrieb die etwa 1600 Stück ihres Mannes ab. Franziska las an den Sonntag – Nachmittagen in den Schriften ihres Mannes; auf manchen Briefen finden sich Tränenspuren. Mit der Zustimmung zur Publikation aller Briefe, ließen die beiden Frauen ein in den kostbaren Raum Ihrer Beziehung zu Gott und zum geliebten Ehemann.
Beide Frauen waren von Anfang an bemüht, die Vermächtnisse ihrer Männer zugänglich zu machen. Relativ spät zeigte sich Interesse an den Frauen selbst. Glücklicherweise erreichten Freya und Franziska ein hohes Alter.

 

Plakat zur Veranstaltung am 9. November 2014


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Erna Putz, gec

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