Wednesday 30. November 2022

Intensive Suche nach geeigneten Flüchtlingsquartieren

V. l.: Prior Johannes Mülleder und Abt Reinhold Dessl führten durch die Räumlichkeiten des Stiftes. © Diözese Linz

Der Katholischen Kirche in OÖ ist die Arbeit für Menschen in Not seit jeher ein zentrales Anliegen und in vielen Einrichtungen von Caritas und anderen kirchlichen Trägern werden bedürftige Menschen betreut und aufgenommen. Ganz selbstverständlich wird derzeit auch von Seiten der Orden und Pfarren überall geprüft, ob Möglichkeiten zur Bereitstellung von Quartieren für Flüchtlinge da sind. Es sind allerdings nicht alle Gebäude zur Unterbringung geeignet.

Aktuell stellt die Pfarre Linz St. Michael 15 Plätze für AsylwerberInnen zur Verfügung. Von 12 weiteren Pfarren wurden Einzelwohnungen angeboten, die noch auf ihre Eignung geprüft werden. 13 AsylwerberInnen wurden im Kloster der Benediktinerinnen in Steinerkirchen aufgenommen. 10 Flüchtlinge wohnen in Räumlichkeiten des Klosters Kremsmünster. Vom Stift Schlägl sowie St. Florian wurden ebenso Wohnungen angeboten.

 

Von Seiten der Caritas, die vom Land OÖ auch mit der Betreuung von Quartieren beauftragt ist, werden in erster Linie Quartiere benötigt, die Platz für mindestens 15 Personen bieten, damit die Betreuung wirtschaftlich sinnvoll geführt werden kann. Darüber hinaus muss eine gute Infrastruktur (Geschäft, Arzt, öffentliche Verkehrsmittel, Kindergarten) vor Ort gegeben sein, weil AsylwerberInnen kein Auto besitzen. Entscheidend ist weiters, ob eine entsprechende Ausstattung der Räumlichkeiten gegeben ist – es müssen eine intakte Heizung, Bad und Sanitäranlagen sowie eine Küche vorhanden sein.

 

„Klöster sind ganz sicher nicht in jedem Fall geeignet für eine Unterbringung. Wenn im Klosterareal zum Beispiel mögliche Räume nicht beheizbar sind oder keine entsprechende Infrastruktur da ist, dann ist der wirtschaftliche Aufwand zum Betrieb als Quartier einfach nicht vertretbar“, sagt Franz Wall, Referatsleiter Grundversorgung des Landes OÖ.

 

 

Raumsituation im Stift Wilhering: ein Lokalaugenschein

 

Dass leerstehende Gebäude und Räumlichkeiten in Klöstern und Stiften in den seltensten Fällen als Unterkünfte zumutbar sind, zeigt sich auch beim Lokalaugenschein im Stift Wilhering bei Linz, zu dem Abt Dr. P. Reinhold Dessl und Prior P. Johannes Mülleder einluden.

 

V. l.: Prior Johannes Mülleder und Abt Reinhold Dessl führten durch die Räumlichkeiten des Stiftes. © Diözese Linz

 

Im Zisterzienserstift Wilhering leben derzeit 27 Mönche, die die Räumlichkeiten der Klausur (abgegrenzter, den Ordensangehörigen vorbehaltener Rückzugsbereich) vollständig nutzen. Darüber hinaus gibt es in diesem Bereich des Klosters Büroräume, Depoträume und ein Archiv. 5 Gästezimmer stehen für private BesucherInnen oder PilgerInnen zur Verfügung.

 

Die Schwerpunkte des Stifts liegen in den Bereichen Seelsorge und Bildung. Zum Stift gehören 13 Stiftspfarren, außerdem werden Eidenberg, Dörnbach, Kirchberg-Thening, Linz-St. Leopold und Waxenberg von Ordenspriestern des Stiftes mitbetreut.

 

 Stift Wilhering von außen. © Diözese Linz

 

Gymnasium

Die Zisterzienser von Wilhering als Schulerhalter betreiben ein Gymnasium, in dem über 500 junge Menschen in 23 Klassen von über 50 PädagogInnen unterrichtet werden. Die Räumlichkeiten des ehemaligen Internats werden jetzt von der Schule genutzt, etwa als EDV-Räume, Bibliothek, Turnsäle oder Klassenzimmer. Einige Räume (Mansarde) sind feuerpolizeilich gesperrt.

 

Gymnasium außen. © Diözese Linz
Gymnasium innen. © Diözese Linz

 

Wirtschaftsbetriebe

Auch eine Stiftsgärtnerei, Land- und Forstwirtschaft gehören zum Zisterzienserkloster. Die Räumlichkeiten neben der Biomasse-Heizungsanlage werden als landwirtschaftliche Lagerräume genutzt. Der ehemalige Meierhof mit ehemaligem Pferdestall und Schmiede steht zwar leer, er ist aber nicht einmal ans Kanalnetz angeschlossen und daher als Quartier unzumutbar.

 

Stiftsgärtnerei. © Diözese Linz
Biomasse-Heizungsanlage mit landwirtschaftlichen Lagerräumen. © Diözese Linz
Ehemaliger Pferdestall. © Diözese Linz
Ehemalige Schmiede. © Diözese Linz

 

Spirituelles Zentrum „Aufbruch“

Die Räumlichkeiten des spirituellen Zentrums „Aufbruch“ werden von der Schule mitbenützt und für spirituelle Angebote wie Orientierungstage für Jugendliche, Einkehrtage, Tage für Firmlinge etc. zur Verfügung gestellt.

 

Spirituelles Zentrum Aufbruch. © Diözese Linz
Spirituelles Zentrum Aufbruch. © Diözese Linz
 

 

Kultur

Die ehemalige Stiftsscheune wird im Sommer für Kulturveranstaltungen genutzt. Im Winter ist sie nicht benutzbar, weil sie nicht beheizbar ist. Im ehemaligen Stall, der ebenfalls nicht beheizt werden kann, erfolgt im Sommer die Bewirtung der Veranstaltungs-Gäste. In weiteren Räumen sind die Fritz-Fröhlich-Sammlung und eine dauerhafte Stiftsausstellung untergebracht. Auch in diese Räume kann keine Zuweisung erfolgen.

 

Stiftsscheune. © Diözese Linz
Ehemaliger Stall_außen. © Diözese Linz
Ehemaliger Stall_innen. © Diözese Linz
Fritz-Fröhlich-Sammlung. © Diözese Linz

 

Personal

Insgesamt sind etwa 50 Personen vom Stift angestellt. Einige Facharbeiter kümmern sich um den laufenden Betrieb, um anfallende Restaurierungen und um das klaglose Funktionieren der Anlagen. Auch für die Küche und für die Reinigung des umfangreichen Gebäudes braucht es Personal. Teilweise sind die Angestellten in noch benützbaren Wohnungen untergebracht.

 

Wohnungen

Das ehemalige Stiftsgasthaus steht leer, weil es aus Substandard-Räumlichkeiten (keine Sanitäranlagen etc.) besteht. Im ehemaligen Bräuhaus befinden sich Wohnungen, von denen ein Teil nicht bewohnbar ist; ein Umbau ist in Planung. Die übrigen sind sozial vermietete Wohnungen. In den 1990er-Jahren fanden während des Bosnienkrieges einige Flüchtlingsfamilien (etwa 15 Personen, vorübergehend auch 60 – 70 Personen) Zuflucht im Stift Wilhering. Vier Familien wohnen noch in Wohnungen des Stifts, einige sind Angestellte des Stifts und arbeiten in der Küche und in der Reinigung.

 

Altes Bräuhaus. © Diözese Linz
Vermietete Wohnungen. © Diözese Linz

 

 

Perspektiven für Flüchtlingsquartiere im Stift Wilhering

 

Im Stift sind alle Wohnungen, die herkömmlichen Standards und behördlichen Auflagen (sanitäre Anlagen, Heizung, Küche) entsprechen, bereits vermietet. Einzige vorstellbare und zumutbare Möglichkeit sind Räumlichkeiten in den ehemaligen Jugendräumen der Pfarre Wilhering, die Abt Dessl und Prior Mülleder der Caritas anbieten möchten. Dort gibt es einen eigenen Zugang, was die Privatsphäre der BewohnerInnen gewährleisten würde. Auch eine Küche und ein WC sind vorhanden. Dusche/Bad fehlen und müssten eingebaut werden. „Darüber hinaus möchten wir – nach Rücksprache mit der Pfarrbevölkerung – mögliche Wohnungen in Pfarrhöfen der Stiftspfarren als Quartiere anbieten“, so Abt Dessl.

 

Ehemalige Jugendräume Pfarre Wilhering_mögliches Quartier. © Diözese Linz
Ehemalige Jugendräume Pfarre Wilhering_mögliches Quartier. © Diözese Linz
Ehemalige Jugendräume Pfarre Wilhering_mögliches Quartier. © Diözese Linz

 

 

Stift Wilhering

 

Caritas in Oberösterreich

 

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