Sunday 25. August 2019

„Genug für alle!“

Genug für alle. Vortrag von Barbara Rauchwarter. Foto: Pax Christi_Pühringer.

Die evangelische Theologin Barbara Rauchwarter stellt unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung die Vision einer biblischen Ökonomie gegenüber. Am 13. Juni 2014 war Rauchwarter auf Einladung von Pax Christi, KAB und Evangelischem Bildungswerk in Linz. Eine Zusammenfassung.

„TINA – there is no alternative“: Das behauptete die britische Premierministerin Margret Thatcher und meinte damit, dass man sich der Logik der kapitalistischen Entwicklung nicht entgegen stellen könne. Für Barbara Rauchwarter ist eine solche Aussage gottlos, denn Gott stünde an die Seite der Armen. Gott sorge dafür, dass jede/r so viel erhält, wie er oder sie braucht. Das sei u.a. Thema der Mannageschichte:

 

Brot fällt vom Himmel. Es ist lausiges Brot, das nahrhafte Produkt der Schildlaus und der Tamariske. Dies Brot ernährt das Wüstenvolk. Es ist genug vorhanden – man kann genug davon haben, sich satt essen – jeder nach seinem Essbedarf. Nicht: jeder erhält den gleichen Anteil, sondern: jeder nach seinem Essbedarf. Jeder genug. Dieser fürsorgende Gott hat seinem Volk die Tora hinterlassen. Sie enthält 613 Ge- und Verbote und regelt die Gottesbeziehung und die Beziehung der Menschen untereinander.

 

Genug für alle. Vortrag von Barbara Rauchwarter. Foto: Pax Christi_Schneckenleithner.

 

Für Rauchwarter ist klar: „Grundthema der Tora ist die Frage, wie man solidarisch leben kann und Menschen zu ihrem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit verhelfen kann.“ Folglich mische sich die Tora radikal in ökonomische Belange ein:


•    Sabbatjahr: Alle sieben Jahre sind sämtliche Schulden zu erlassen. Ja, die Tora schreibt vor, dass der Entschuldete auch noch gut versorgt werden solle, um ein neues Leben beginnen zu können.


•    Erlassjahr (Jobeljahr): Alle sieben mal sieben Jahre sollen die alten Grundbesitzverhältnisse wieder hergestellt werden. Denn das Land gehört schlussendlich Gott, der es den Menschen zum Nutzen gerecht zur Verfügung stellt.


•    Zinsverbot: Das Zinsverbot der Tora ist genuiner Bestandteil einer solidarischen Gerechtigkeit, die Leben ermöglicht, erhält und fördert. „Sind also Sabbatjahr und Erlassjahr Einrichtungen, die die Überschuldung begrenzen sollen, so dient das Zinsverbot dazu, die Verschuldung an sich möglichst gering zu halten.“, erklärt Rauchwarter.


•    Sabbatruhe: Der wöchentliche Sabbat verschafft auch einen anderen Umgang mit Zeit: Er setzt Grenzen zwischen Arbeit und Ruhe, die durch die Diskussion um die Flexibilisierung der Arbeitszeit heute überwunden werden sollen. Der Sabbat befreit vom Zwang zur Arbeit.
Jesu Selbstverständnis war das eines Toralehrers. Wie die Rabbis seiner Zeit rang er um eine Sabbatpraxis, die dem Sabbat gerecht wird. Er kannte das Sabbatjahr und wusste um die Hoffnung der Menschen auf ein Erlassjahr, in dem sie endlich von der Schuldenlast befreit in Ruhe den Boden bestellen und die Früchte ihrer Arbeit genießen konnten – so Jesus Predigt in Nazareth.


Also meint Rauchwarter, dass es heute engagierte ChristInnen brauche, die von einer „anderen möglichen Welt“ träumen und der kapitalistischen Logik die biblische Logik gegenüber stellen: „Diese Welt ist zu gestalten; dazu braucht es Handelnde, „menschliche Subjekte“, die sehen-hören-fühlen, urteilen und Handlungsmöglichkeiten erwägen, realisieren und korrigieren können.“

 

Genug für alle. Vortrag von Barbara Rauchwarter. Foto: Pax Christi_Pühringer.


Pax Christi (ma)

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