Am Puls der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sein...
Wolfgang Kreuzhuber. Die meisten kennen ihn vermutlich in seiner Funktion als Domorganist am Linzer Mariendom, wo er seit 1982 auf "einer der schönsten Orgeln der Welt" (Gaston Litaize) – der Rudigierorgel – Sonntag für Sonntag seinen Dienst versieht. Seit 1992 ist er außerdem Direktor des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz, das er damals ins Leben rief, um Interessierten eine entsprechende, zielorientierte und kontinuierliche kirchenmusikalische Ausbildung zu bieten.

Nahe am Puls der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker
Oft rutschen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker nämlich "zufällig" in diese Tätigkeit hinein. Und um für die äußerst vielseitigen kirchenmusikalischen Aufgaben gerüstet zu sein, gibt es seit 1992 das Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese Linz. Direktor Wolfgang Kreuzhuber schuf damit erstmals eine Bildungseinrichtung für Kirchenmusik in Oberösterreich, die angehenden und aktiven (nebenamtlichen) Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern neben Familie und Beruf eine fundierte Aus- und Weiterbildung in Chorleitung, Orgel und Stimmbildung (Kantorengesang) ermöglicht.
Kreuzhubers Anliegen ist es, stets "nahe am Puls der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker" zu sein und diesen neue und für ihre Praxis direkt anwendbare Hilfestellungen zu vermitteln – gerade angesichts der pastoralen Veränderungen wie schrumpfenden Pfarrgemeinden oder fortschreitendem Priestermangel, die Auswirkungen auf Liturgie und Kirchenmusik haben.
Stolz ist Kreuzhuber, dass die Studierenden seit Gründung des Konservatoriums stets die Möglichkeit hatten, im Rahmen von liturgischen und konzertanten Auftritten (zum Beispiel bei Messen – sogar einer Rundfunkmesse – im Linzer Mariendom oder bei Advents- und Passionskonzerten im Rahmen der Konzertreihe "musica sacra - musik in linzer kirchen") das Erlernte gemeinsam praktisch umzusetzen. Seitens der Studierenden wird nicht nur geschätzt, dass sich die Lehre an den neuesten fachlichen und pädagogischen Erkenntnissen orientiert und auf individuelle Bedürfnisse des oder der Einzelnen eingeht, sondern auch, dass der Umgang miteinander wertschätzend, humorvoll und unkompliziert ist.
Kirchenmusikalische Nährböden
Kreuzhuber stammt selbst aus einer alteingesessenen Musikerfamilie in Hohenzell, die durch viele Generationen hindurch das musikalische Leben seines Heimatortes wesentlich mitgeprägt hat. Der Kirchenmusik galt die besondere Liebe seiner Eltern. Ein kirchenmusikalischer Nährboden also. Und der Innviertler ist sich auch heute sicher, dass das familiäre und soziale Umfeld eine entscheidende Rolle spielt, ob Kinder und Jugendliche den Weg zur (Kirchen-)Musik finden: "Singt beispielsweise ein Elternteil (oder sogar beide Eltern) gerne in einem Chor oder Kirchenchor, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit sehr, dass der Nachwuchs selbst einmal singen oder sogar sehr gerne singen wird."
Der Schritt zum Erlernen eines Instruments kann dann oft eine selbstverständliche Folge des Singens sein. Bei ihm selbst war das allerdings etwas anders: Denn der Wunsch, Orgelspielen zu lernen, entstand bei ihm bereits im frühen Volksschulalter – der Klang der "Königin der Instrumente" faszinierte ihn von klein an. Blickt Kreuzhuber heut auf den Nachwuchs an Organistinnen und Organisten, so erklärt er: "Orgelspielen lernen ist sicher eine Besonderheit in der musikalischen Ausbildung von Kinder und Jugendlichen. Wesentlich getragen von der Faszination des Instruments selbst ist es ein durchaus längerer Weg, bis die Koordination von Händen und Füßen soweit gediehen ist, dass ein öffentliches Musizieren vonstatten gehen kann." Orgelspielen lernt man also nicht von heute auf morgen. "Doch hat man einmal Feuer gefangen, kann man sich den vielen unterschiedlichen Klangfarben und dem Instrument für alle Sinne kaum mehr entziehen", verrät der Lehrer für Literaturspiel und Orgelimprovisation.
Musik als Vorspiel des ewigen Lebens
Für Kreuzhuber steht die Verkündigung mit und durch Musik in der Liturgie an oberster Stelle. Als Organist übersetzt er die Worte Gottes in Klänge und Harmonien. Besonders gerne tut er das immer wieder in Form von Improvisationen zu den Perikopen des Sonntags – für ihn "ein Höhepunkt der Improvisationskunst" und immer auch eine Herausforderung. Dankbar und glücklich ist er, dass es ihm – unterstützt von einer (wie nicht nur er selbst sagt) "traumhaften Orgel" im Linzer Mariendom – durch sein Orgelspiel gelingen kann, anderen "musikalisch eine Vorahnung von dem zu ermöglichen, was uns einmal erwarten wird, ganz im Sinne der aus dem Mittelalter stammenden Orgelinschrift 'musica praeludium vitae aeternae'". Die Musik als Vorspiel des ewigen Lebens.

Darum versucht Kreuzhuber auch stets zu vermitteln, dass der Dienst als Organistin oder Organist eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Tätigkeit ist. Mit ihrem Orgelspiel, dessen Bedeutung in der Liturgiekonstitution des II. Vatikanums gewürdigt wurde, ersetzen die Organistinnen und Organisten Sonntag für Sonntag nahezu ein ganzes Orchester: "Qualität und Präzision des Spiels hat entscheidenden Einfluss auf die Feier bzw. Feierlichkeit der Liturgie", erklärt Kreuzhuber. Und er weiß, dass es für jeden Organisten und jede Organistin ein ganz besonderes Gefühl ist, zum ersten Mal eine Gemeinde zu begleiten, durch ein geeignetes Vorspiel auf das Lied hinzuführen oder einen Solisten oder eine Solistin zu unterstützen: "Einem Nicht-Organisten wird das wohl schwer zu vermitteln sein, welche Gefühle da hochkommen."
Blühendes Orgel-Oberösterreich
Kreuzhubers Begeisterung und Passion gilt nicht nur dem Orgelspiel, sondern auch dem – wie Michael Praetorius es nannte – "Instrument aller Instrumenten". Als Vorsitzender der Orgelkommission der Diözese Linz sowie als Leiter der Orgelforschung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien kennt sich Kreuzhuber in der Orgellandschaft Oberösterreich bestens aus: "Die Orgellandschaft Oberösterreich ist die blühendste und bunteste von Österreich." Und das hat auch einen Grund: Bereits in den 1960er-Jahren wurde in Oberösterreich der Weg zu qualitätsvollem Orgelbau eingeschlagen, der von der Orgelkommission der Diözese Linz seit ihrer Gründung 1984 konsequent fortgesetzt wird. Kreuzhuber ergänzt: "Nicht umsonst gilt die Rudigierorgel sogar als Höhepunkt der Orgelneubauten Österreichs nach 1945."
Zur Person:
Prof. Mag. Dr. Wolfgang Kreuzhuber studierte Musikpädagogik und Orgel bei Anton Heiller und Michael Radulescu an der Musikhochschule in Wien. Seit 1982 ist er Domorganist am Mariendom Linz. 1992 gründete er das Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese Linz, dem er bis heute als Direktor vorsteht. Seit 2003 ist Kreuzhuber außerdem Leiter der Orgelforschung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Seine Liebe gilt dem Spielen und Improvisieren, dem Komponieren und Arrangieren, aber auch dem Forschen und Lehren widmet er sich mit großer Leidenschaft. Seiner Promotion an der Universität Salzburg folgten mehrere Lehraufträge. Orgelkonzerttätigkeit im In- und Ausland, Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen und Einladungen als Referent in Sachen Orgelspiel, Orgelimprovisation und Orgelbau runden sein Schaffen ab. Außerdem ist Kreuzhuber Mitglied der Kirchenmusikkommission der Diözese Linz, Vorsitzender der Orgelkommission der Diözese Linz sowie der Österreichischen Kirchenmusikkommission. Daneben engagiert sich Kreuzhuber in anderen Vereinen wie dem Österreichischen OrgelForum oder dem Dommusikverein Linz.





















