Samstag 17. November 2018

Was ist "guter Religionsunterricht"?

Geschichtliche Entwicklung und aktuelle Herausforderung.
Univ. Prof.in Dr.in Ilse Kögler. © Ilse Kögler

Univ. Profin Dr.in Ilse Kögler, Vorstand des Instituts für Katechetik, Religionspädagogik und Pädagogik an der KTU Linz.

Was guten Religionsunterricht in der Schule ausmacht, wurde in seiner Geschichte mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen ausgedrückt. Vor dem II. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) standen das Glaubenswissen (Katechismusunterricht) und die Verkündigung der Heilsbotschaft (kerygmatischer RU) im Vordergrund. Der Religionsunterricht war ähnlich wie die Katechese in der Gemeinde zielgerichtete Unterweisung im christlichen Glauben und eine Einführung in die gelebte Glaubenspraxis, war „Kirche in der Schule“.

 

Schülerorientiert

Das zunehmende Desinteresse der Schüler und Schülerinnen am überwiegend an Glaubenslehre und biblischen Texten bestehenden Stoff des Religionsunterrichts spielte in der Religionspädagogik ab Mitte der Sechzigerjahre  eine nicht unwesentliche Rolle, die alten Entwürfe grundlegend zu überarbeiten. In den Jahren 1965 bis 1974, dem „Jahrzehnt des religionspädagogischen Umbruchs“ (Ulrich Hemel), jagte förmlich ein neues religionsdidaktisches Konzept das andere (u. a. problemorientierter RU; lernzielorientierter RU). Gemeinsam war allen, dass sie erfahrungsorientiert und biografisch-lebensgeschichtlich ausgerichtet waren. In der Begeisterung über die nun zentrale Schülerorientiertheit konnte die christliche Überlieferung schon mal ins Abseits geraten.

 

Leben und Glauben im Dialog

Seit der Würzburger Synode (1971 – 1975), welche die Ergebnisse des Konzils auch für den Religionsunterricht fruchtbar machen wollte, gilt das Korrelationsprinzip als Standard einer „guten“ Religionsdidaktik, als goldener Weg zwischen einer einseitigen Sachorientierung und einer ebenso einseitigen Schüler- und Schülerinnenorientierung: Leben und Glauben sollen in einen produktiven und wechselseitigen Dialog kommen.

 

Leben und Glaube driften auseinander

Heute können im Unterricht Lebens- und Glaubensfragen oft gar nicht mehr in eine kritische Wechselbeziehung gebracht werden, weil für immer mehr Kinder und Jugendliche die christliche Religion zur Fremdreligion geworden ist. Nicht selten muss sie in Bildungsprozessen in ihren konkreten Ausdrucksgestalten erst erlebbar gemacht werden, damit in Folge darüber reflektiert werden kann. Oft stehen einander nicht mehr „Glauben“ und „Leben“ gegenüber, sondern vielfältige mögliche Glaubensformen, auch weil junge Menschen selbstverständlich in Kontakt mit anderen kulturellen und religiösen Traditionen kommen. Im Unterricht prallen traditionell gemeinschaftsbezogene und individuell disparate Deutungen von Wirklichkeit aufeinander.

 

In Sachen Religion kompetent

Angesichts der Pluralität von Lebensentwürfen und der komplexen religiösen Gegenwartssituation kann es keine religionsdidaktische Konzeption mehr geben, die für jedes Klassenzimmer gilt.

Ein religionspädagogisches Anliegen heutigen Religionsunterrichts ist es, dass Kinder und Jugendliche „in Sachen Religion“ kompetent werden. Sie sollen die christliche und andere religiöse Traditionen verstehen wie auch eigene Positionierungen in Fragen von Religion und Glauben vornehmen können und somit auch dialogfähig im Austausch mit anderen Haltungen und Religionen werden (Hans Mendl).

 

Profis sind gefragt

Dafür braucht es fachkundige Religionslehrer und Religionslehrerinnen mit reflektierten religiösen Überzeugungen, die ebenso über didaktische wie soziale Kompetenz verfügen. Sie werden bereits in der Planung des Unterrichts auf eine ausgewogene Sach- wie Subjekt- und Lerngruppenorientierung zu achten versuchen und ebenso die Rahmenbedingungen, unter denen eine Schulstunde stattfindet, nicht aus den Augen verlieren. „Reli“ soll weder nur in „Informationshappen“ angeboten werden, noch zur bloßen „Laberstunde“ degradiert werden.

 

Religionsunterricht im schulischen Kontext

Viele Aspekte eines guten Religionsunterrichtes unterscheiden sich nicht von jenen anderer Schulfächer, wie z. B. eine klare Strukturierung des Unterrichts, ein von Respekt und Fürsorge getragenes lernförderliches Klima oder eine Vielfalt der Methoden und Zugänge.

 

Einladende und kritische Auseinandersetzung

Aus theologischer und religionspädagogischer Perspektive bemisst sich die Qualität des Religionsunterrichts danach, inwieweit es gelingt, Essenzielles der christlichen Botschaft und Praxis wie Konvergenzen und Divergenzen mit anderen religiösen Traditionen in eine lebendige Kommunikation zu bringen. Auch durch einladende und zur kritischen Auseinandersetzung animierende Instruktionen, welche „die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die SchülerInnen selbst entdecken, selbst verstehen, sich selbst einen Reim machen können“ (Rudolf Englert). Letztlich geht es, wie dies mein Innsbrucker Kollege Matthias Scharer einmal treffend formulierte, „um eine Anteil nehmende und Anteil gebende Begegnung mit den uralten und dennoch hochaktuellen Fragen nach Liebe und Gerechtigkeit, nach Sinn und Zukunft, nach Krankheit, Tod und Leben; im Letzten also um Fragen nach dem ,ganz Anderen‘, um Fragen nach Gott“. 

 

Univ. Prof.in Dr.in Ilse Kögler

Bildung heisst ...
Johann Hintermaier - Bischofsvikar für Bildung. © Johann Hintermaier

Bildung heißt ermöglichen - Bildung in der Diözese Linz

Die Diözese Linz hat eine Vielzahl von Einrichtungen und Institution, von Pfarren und Gruppen, in denen wir ein...

Mag. Franz Asanger - Direktor des Schulamtes der Diözese Linz. © Franz Asanger

Bilden heißt, denken lehren!

Bildung hat viele Gesichter!Ob es um Inhalte, Methoden oderLernorte geht, ob um Schülerinnen und Schüler, ob umLehrer...
Bildungs - Blogs
Michael Haderer
01.08.2018

Der Freinberg: Abschied von einem Stück Zuhause.

Ich war sehr gerne Lehrer am Kollegium Aloisianum. Zumindest für einige Jahre geht mein beruflicher Weg nun anders...
Michael Haderer Geteilte Gedanken
Beratung für LehrerInnen und Schulen
Beratungszentrum für LehrerInnen und Schulen - Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
Bildung & Gesellschaft
Z.I.M.T.
Deradikalisierung an Schulen
Deradikalisierung an Schulen
Durchgängige Sprachbildung
Durchgängige Sprachbildung
Ist Allah auch der liebe Gott?
Ist Allah auch der liebe Gott?
Mein Religionsunterricht - Zeit für Wesentliches
Religionsunterricht ist für Michaela Mitter Lebensunterricht.

Religionsunterricht als Lebensunterricht

Michaela Mitter unterrichtet gerne Religion, weil sie den Religionsunterricht als Lebensunterricht in dreierlei Hinsicht versteht: persönlich, gesellschaftlich, religiös.

8ma - BORG Honauerstraße

Das hat schon was!

Die 8ma aus dem BORG Linz Honauerstraße sieht im Religionsunterricht einen hohen Bezug auf aktuelle Themen und einen Ruhepol.

Nina Steinbinder

Mit dem Alltag verknüpft

Nina Steinbinder beschreibt, was den Religionsunterricht von anderen Fächern abhebt und welche Möglichkeiten guter Religionsunterricht den SchülerInnen bietet.

Vielfältig, wie wir es sind
Unser Leitbild

Handelsakademie Lambach

„Wir verstehen Schule als familiären, partnerschaftlichen Rahmen für gemeinsames Arbeiten, wir leben christliche...

Ebensee

Schulzentrum Josee

Sozialbetreuungsberufe.Job mit Chancen –Ausbildung mit Zukunft!

Netz

Brucknerschule Linz

Volksschule, Neue Mittelschule und Hort unter einem Dach, wertschätzendes Miteinander, Dialogbereitschaft, förderndes...
Rollstuhlfahrer Hans-Peter Zunk tanzt bei der Volkstanzgruppe Sonnberg mit

„Ich bin die Sonne und strahle überall“

Mehr als 300 Menschen erlebten am 17. Oktober 2017 einen beeindruckenden Abend der Integration von Menschen mit...

Dr. Thomas Schlager-Weidinger, Mag. Kevin Mowlaei, Dr. Stefan Schlager, Daniel Kazemi.

Aja mitavânid be fârsi harf bezanid? – Sprechen Sie Fârsi?

Erste Small-Talk-Versuche auf Fârsi wagten 35 Personen am 5. Oktober 2016 an der Pädagogischen Hochschule der Diözese...

Fernkurs-AbsolventInnen mit Bischof Manfred Scheuer und Verantwortlichen der Theologischen Kurse

75 Jahre THEOLOGISCHE KURSE: Feierliche Zeugnisverleihung mit Bischof Manfred Scheuer

Ein Festtag bei Kaiserwetter im Bildungshaus Schloss Puchberg: 43 AbsolventInnen des Theologischen Fernkurses, 38...
KU Linz
PH Linz
Titel des Kurzfilms Fachbereich Kunstwissenschaft

Kurzfilme präsentieren die KU-Fachbereiche

Mit drei Kurzvideos, die die Fachbereiche Theologie, Philosophie und Kunstwissenschaft vorstellen, präsentiert sich...

Ergreif deine Chance!

KUL-Preis 2016 für SchülerInnen

Am 2. Juli 2016 wurden erstmals die KUL-Preise in drei Kategorien an SchülerInnen für hervorragende...

V.l.: Sabine Feichtner MSc, Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, Martina Resch, Univ.-Prof. DDr. Urban Wiesing, OA Dr. Johann Zoidl

Dies Academicus zum Thema Sterbe-Hilfe

Je mehr Möglichkeiten die Medizin besitzt, Leben zu verlängern, umso drängender wird die Frage gestellt, wie der...
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
TEL: 0732 / 7610 - 1170
FAX: 0732 / 7610 - 1175

DVR: 0029874(117)

www.dioezese-linz.at
post@dioezese-linz.at
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: