Hilfswerk ICO setzte im Vorjahr 73 Projekte im Nahen Osten um
Wie die ICO im Rahmen ihrer Jahrestagung in Salzburg veröffentlichte, wurden 39 Projekte in Syrien (ca. 570.000 Euro), 15 im Libanon (ca. 202.000 Euro), zwölf im Irak (ca. 118.000 Euro), vier in Palästina (ca. 47.000 Euro) und drei in der Türkei (ca. 14.000 Euro) verwirklicht. Neben der Hilfe vor Ort ist die Information über den Nahen Osten und die Christ:innen vor Ort die zweite Hauptaufgabe der ICO. Diesem Zweck dient auch die traditionelle Jahrestagung, die diesmal von 21. bis 22. September 2026 unter dem Titel „Armenisches Christentum im Nahen Osten – Geschichte, Gegenwart, Zukunft“ stattfand.

Bischof Tiran Petrosyan rief zu Solidarität auf. © Kathpress / Georg Pulling
Der Wiener armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan rief zum Auftakt in seinem Grußwort eindringlich zur vielfältigen Solidarität mit den Christ:innen im Nahen Osten auf. Die Kirchen im Orient, darunter auch die Armenische Kirche, könnten auf ein Jahrtausendealtes christliches Erbe verweisen, doch darüber hinaus müssten alle Anstrengungen unternommen werden, dass die Christ:innen vor Ort eine Zukunft haben. „Wenn eine christliche Gemeinde im Nahen Osten verschwindet, geht nicht nur eine einzelne Gemeinschaft verloren. Es geht ein Stück einer jahrtausendealten christlichen Präsenz verloren. Es geht um Zeugnisse, Traditionen, Sprachen, Gebete und um eine besondere Form des Zusammenlebens", so der Bischof.
Im Blick auf seine eigenen Armenische Kirche sagte der Bischof: „Wenn wir über das armenische Christentum im Nahen Osten sprechen, sprechen wir nicht nur über Geschichte. Wir sprechen über Menschen, über lebendige Gemeinden, über Kirchen, Klöster und Schulen – und vor allem über eine christliche Tradition, die seit vielen Jahrhunderten Teil der Geschichte und der kulturellen Vielfalt des Nahen Ostens ist."
Die Armenische Kirche sei präsent in Syrien, im Heiligen Land, im Libanon, in der Türkei, im Irak und in vielen anderen Ländern, so der Bischof, „und sie lebt auch hier in Österreich".
Bischof Petrosyan rief dazu auf, die Stimme für die Glaubensgeschwister im Nahen Osten zu erheben, im Westen über diese Kirchen und ihre Situation zu informieren und mit ihnen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. „Aus Information wird Begegnung, aus Begegnung wird Verständnis und aus Verständnis wird Solidarität", brachte es der Bischof auf den Punkt.
Die Jahrestagung der ICO, die gemeinsam mit der Salzburger Pro Oriente-Sektion und dem Zentrum zur Erforschung des christlichen Ostens an der Universität Salzburg (ZECO) veranstaltet wird und bis Dienstag anberaumt ist, steht unter dem Generalthema „Armenisches Christentum im Nahen Osten – Geschichte, Gegenwart, Zukunft". Prominentester Gast und Vortragender ist der armenisch-apostolische Bischof von Damaskus, Armash Nalbandian, der Montagabend über die aktuelle Lage in Syrien berichtet. Weitere Vortragende sind die Salzburger Armenien-Expertin Jasmine Dum-Tragut, der deutsche Orientalist und Historiker Hayk Martirosyan sowie die Wiener Musikwissenschaftlerin Jeanette Kilicci. Informationen über die aktuelle der Arbeit der ICO in den Ländern des Nahen Ostens, ein Bericht von Vertretern des französischen Hilfswerks Oeuvre d'Orient sowie Gottesdienste runden das Programm ab.
Die „Initiative Christlicher Orient" unterstützt seit mehr als 30 Jahren die Christen im Orient. Zahlreiche Hilfsprojekte werden jedes Jahr in Syrien, im Irak, im Libanon, in Palästina und in Jordanien umgesetzt. 2025 flossen 28 Prozent der ICO-Hilfsmittel in Schul- und Bildungsprojekte, 18 Prozent in Sozialprojekte, 14 Prozent in Nahrungsmittelhilfe, 11 Prozent in Winternothilfe, 7 Prozent in weitere Nothilfe-Projekte, der Rest u. a. in medizinische Hilfe, Infrastrukturprojekte oder seelsorgliche Initiativen. Die Hilfe kommt – je nach Projekt – Christen und/oder Muslimen zugute. Die Projektpartner sind stets christliche Einrichtungen oder Kirchen.
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