Gemeinsam Kirche gestalten: Europäische Synodaltagung in Puchberg
Von 14. bis 17. September 2026 berieten in Puchberg bei Wels 187 Kirchenvertreter aus 31 Ländern über die weitere Umsetzung der Weltsynode. Vertreten waren 29 Bischofskonferenzen und CCEE-Mitgliedskirchen, darunter 21 Bischöfe sowie Theologen, pastorale Verantwortliche, Ordensleute und Studierende. Die Organisation der Tagung lag bei der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz. Zu den Teilnehmern zählten die Kardinäle Jean-Claude Hollerich und Ladislav Nemet sowie CCEE-Präsident Gintaras Grusas.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der europäischen Synodaltagung diskutieren über die weitere Umsetzung der Weltsynode.© kathpress / Pernsteiner
Im Mittelpunkt der drei Arbeitstage standen die Liturgie, gesellschaftliche Entwicklungen in Europa sowie Strukturen, Ämter und Entscheidungsprozesse in der Kirche. Die Beratungen erfolgten in international und generationenübergreifend zusammengesetzten Tischgruppen. Die dabei erarbeiteten Ergebnisse sollen in eine „Roadmap“ für die weitere Umsetzung der Weltsynode einfließen und in die Vorbereitungen für die gesamtkirchliche Versammlung 2028 eingebracht werden.
Theologin Klara Csiszar: Idee eines regelmäßigen "Europäischen Kirchenforums" weiter verfolgen
Die katholischen Ortskirchen Europas befinden sich dank des kirchlichen Fokus auf Synodalität auf einem Weg der Annäherung, ohne dass die Unterschiede zwischen Ost und West verschwunden wären: Das ist für die Linzer Theologin Klara A. Csiszar eine zentrale Erkenntnis des am Donnerstag zu Ende gegangenen Symposiums "Shaping Synodality in Europe" in Puchberg bei Wels. Gegenüber früheren Delegiertentreffen sei das Vertrauen spürbar gewachsen und das Klima für kontinentale Beratungen sei besser geworden. Eine Fortsetzung und regelmäßige synodale Treffen auf europäischer Ebene seien bereits angedacht, so die Tagungsleiterin und Vizerektorin der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz.
In der Begegnung sei deutlich geworden, dass es im Dialog nicht darum gehen könne, die Kirchen Osteuropas an westliche Vorstellungen anzupassen, sagte die selbst aus Rumänien stammende Theologin. Es gebe unterschiedliche Möglichkeiten und auch unterschiedliche Vorstellungen davon, was die Kirchen in Osteuropa wollten. "Das können wir von hier aus nicht bestimmen."
Linzer Theologin Klara A. Csiszar, Tagungsleiterin und Vizerektorin der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz / © MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil
Dass in Puchberg "viel mehr Vertrauen, Freude und Hoffnung" spürbar gewesen sei als etwa 2023 in Prag, als das Klima noch stärker von Angst und Misstrauen geprägt war, führte Csiszar einerseits auf die persönlichen Begegnungen zurück, andererseits aber auch auf veränderte Methoden. So wurde diesmal bewusst darauf geachtet, sprachliche Asymmetrien zu vermeiden, damit nicht einige Teilnehmer stets in ihrer Muttersprache und andere in einer Fremdsprache sprechen mussten: "Jeder war gezwungen, in seiner Zweit- oder Drittsprache zu reden."
Besonders prägend sei zudem die Erfahrung von Beziehung und Vertrauen gewesen. Diese würden nicht dort wachsen, wo man gleicher Meinung sei, sondern dort, "wo wir trotz Meinungsunterschieden in Verbindung bleiben." Neugier und "Bereitschaft, sich selbst durch die Begegnung verändern zu lassen", seien dafür nötig.
Csiszar deutete den synodalen Prozess als weiteren Lernweg, der "sehr mühsam" sei. Entscheidungen seien derzeit nicht für alle Kirchen gleichermaßen zufriedenstellend möglich. Deshalb gelte es zunächst, weiter an den Beziehungen zu arbeiten, mehr Subsidiarität und auch mehr Kompetenzen für die Bischofskonferenzen zu entwickeln. "Die Beziehungen müssen so weit reifen, dass es nicht zum Schisma kommt oder zur Trennung, sondern dass ein gemeinsamer Weg gefunden wird."
Europäisches Kirchenforum
Gerade das Erkennen der Unterschiede habe bei der Tagung einen Wunsch nach einem europäischen Kirchenforum zur gemeinsamen "Deutung der Zeichen der Zeit" entstehen lassen. Ein solches Forum könne zunächst informell sein und der gemeinsamen Beratung und dem Austausch dienen. "Es soll von der Erfahrung gewachsen und gedacht sein", sagte Csiszar. Für eine nachhaltige Arbeit auf kontinentaler Ebene brauche es aber eine Form - auch wenn daraus zunächst kein Gremium oder keine feste Struktur entstehen müsse.
Als nächster Schritt sollen die Berichte aus den Beratungen - gesprochen wurde in 21 Tischgruppen - weiter analysiert und thematisch gebündelt werden. Dabei gehe es auch um die Frage, welche Verantwortung auf welcher Ebene liege. Auf europäischer Ebene müsse das Prinzip der Subsidiarität gelten: Impulse sollten in den jeweiligen Ortskirchen "mit Kreativität und Kontexttreue" übersetzt werden. Zugleich werde bereits über eine weitere Versammlung im belgischen Louvain-la-Neuve im kommenden Jahr nachgedacht. Die Umsetzung hänge allerdings noch von der Finanzierung und von der Zustimmung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) ab.
Mit Spannungen umgehen lernen
Auch viele der Teilnehmenden bestätigten eine Annäherung zwischen Ost und West. Sr. Anna Mirijam Kaschner von der Nordischen Bischofskonferenz sprach im Rückblick von einem deutlichen Wandel seit Prag. Damals hätten sich die Seiten gegenseitig unterstellt, die einen wollten "alles und jedes verändern", die anderen "sich überhaupt nicht verändern". Durch die "Gespräche im Geist" sei stärker die Frage in den Mittelpunkt gerückt: "Warum denkst du so, warum denken wir so?"
Die Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens verwies auf die tiefen Nachwirkungen der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa. Westliche Teilnehmer hätten in Puchberg neu wahrgenommen, "welche tiefen Wunden da sind". Jahrzehntelange Erfahrungen von Angst und Rückzug in katholische Binnenräume wirkten nach: "Sie haben überlebt, indem sie sich nur unter sich getroffen haben."

Gruppenbild der 187 Teilnehmenden des Internationalen Symposiums / © MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil
Der albanische Bischof Gjergj Meta sprach von einer weiterhin bestehenden Spannung zwischen Ost und West, die jedoch auch zum gegenseitigen Lernen beitragen könne. Er bezeichnete das Treffen zudem als eine "Synode der Gesichter": Die Teilnehmer hätten sich aufgrund der Anordnung der Tische gegenseitig in die Augen gesehen und einander nicht mehr nur als Vertreter unterschiedlicher Positionen, sondern als konkrete Menschen kennengelernt.
Für Bischofsvikar Francis Higgins aus Großbritannien lag eine wesentliche Botschaft des Symposiums darin, dass die Kirche in Europa über politische Grenzen hinweg verbunden bleibt. Er habe als ein vom "Brexit" Betroffener eine "große Liebe für Europa" verspürt. Wichtig sei zudem die persönliche Dimension des Prozesses hervor. Freundschaften seien zwar nicht der Grund, warum Menschen zu einer Synode kämen, doch könnten sie die Beteiligten verändern. Die Gespräche an den Tischen hätten einen "intimen Raum des Zuhörens" geschaffen.
Synodalität als gemeinsamer Weg
Synodalität bezeichnet einen gemeinsamen Weg der Kirche, bei dem Zuhören, Beteiligung und gemeinsames Unterscheiden im Mittelpunkt stehen. Dabei sollen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven einbezogen werden. Ziel ist kein einheitliches Modell für alle Ortskirchen, sondern die Entwicklung von Wegen, wie Gläubige unter unterschiedlichen Bedingungen stärker beteiligt und Verantwortung in der Kirche breiter geteilt werden können.
© MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil







