KIRCH'KLANG Festival mit Bach am Attersee
Das Festivalwochenende richtet den Blick auf eine Epoche, die von Kriegen, konfessionellen Spannungen und gesellschaftlichen Erschütterungen geprägt war – und auf Musik, die Klage und Hoffnung, Bedrohung und festliche Zuversicht in eindringliche Klänge fasst. Im Zentrum steht dabei die Musik Johann Sebastian Bachs; Werke von Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Beer eröffnen zusätzliche historische und regionale Perspektiven.
Den Auftakt bildet am 7. August 2026 um 18.00 Uhr im Heimathaus Attersee eine Begegnung mit dem in St. Georgen/Attergau geborenen Johann Beer (1655–1700). Er wuchs in einer Region auf, die noch von den Nachwirkungen der Bauernkriege geprägt war. Als scharfsinniger Beobachter seiner Zeit schilderte er eine Welt zwischen konfessionellen Spannungen, gesellschaftlichen Umbrüchen und barocker Lebenslust.
Der Musikwissenschaftler Klaus Petermayr führ in der Veranstaltung „Wer war Johann Beer? – Musik und Geschichten eines barocken Abenteurers" in Leben und Werk des Komponisten, Schriftstellers und aufmerksamen Chronisten seiner Zeit ein.
Anschließend – um 19.00 Uhr – verbindet die Austrian Baroque Company unter der Leitung von Michael Oman in der Pfarrkirche Maria Attersee unter dem Titel „Barocke Klangwelten – Johann Beer und seine Zeit" Musik des 16. und 17. Jahrhunderts mit Beers autobiographischen und literarischen Texten – gelesen von Burgschauspieler Michael Maertens, der Beers Sprache mit großer Präsenz und Ausdruckskraft hörbar macht.

Burgschauspieler Michael Martens liest im Heimathaus Attersee. © Irina Gavrich
Am 8. August 2026 ist KIRCH'KLANG ab 10.00 Uhr Gastgeber des live übertragenen Ö1 Klassik-Treffpunkts im Schloss Kammer in Schörfling. Festivalleiter Martin Haselböck, Sopranistin Johanna Rosa Falkinger und Tenor Daniel Johannsen sind Gesprächspartner von Moderator Helmut Jasbar.
Festkonzert als Höhepunkt
Am Abend folgt ab 19.00 Uhr im Schloss Kammer der Höhepunkt des Wochenendes: das Festkonzert „Pauken und Pracht“ mit dem Orchester Wiener Akademie auf historischen Instrumenten unter der Leitung von Martin Haselböck sowie Johanna Rosa Falkinger, Alois Mühlbacher, Daniel Johannsen und Stefan Zenkl.
Das Programm spannt einen eindringlichen Bogen von Krieg und Klage bis zu festlicher Hoffnung. Heinrich Ignaz Franz Bibers berühmte Battalia à 10 zeichnet das verstörende Klangbild einer Schlacht; Johann Beers Soldatenklage „Nulla salus bello“ spricht von der Ausweglosigkeit des Krieges. Im Zentrum des Programms stehen zwei große weltliche Kantaten Johann Sebastian Bachs, die zur Huldigung des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III. sowie seiner Gemahlin Maria Josepha entstanden. Die Musik zu „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!“ verwendete Bach später zu großen Teilen im Weihnachtsoratorium wieder.

Orchester Wiener Akademie © Andrej Grilc
Im Dramma per musica „Schleicht, spielende Wellen, und murmelt gelinde“ besingen vier Flüsse – darunter auch die Donau – den Ruhm des Herrscherpaares. Eine ebenso ungewöhnliche wie poetische Idee des anonym überlieferten Librettos.
Den Abschluss bildet am 9. August 2026 um 18.00 Uhr der Klavierabend „Vom Klang der Stille – Bach & Kurtág“ in der Pfarrkirche Nußdorf am Attersee. Michael Schöch und Keiko Hattori spüren den Nachwirkungen Bachs bis in die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts nach. Werke und Bearbeitungen von Franz Liszt und Max Reger treffen auf die konzentrierten Miniaturen und Bach-Übertragungen György Kurtágs, dessen 100. Geburtstag 2026 gefeiert wird. Ein stiller Ausklang, der zeigt, wie Bachs Musik über Jahrhunderte hinweg weitergedacht und immer wieder neu gehört wird.
Bach am Attersee führt damit den Friedensgedanken des Festivals weiter, ohne die Geschichte vorschnell zu glätten: Musik bewahrt die Erinnerung an Gewalt und Verlust vermag aber zugleich Räume für Hoffnung, Verständigung und gemeinsames Hören zu öffnen.







