Mittwoch 10. Juni 2026

Bischofskonferenz: Künstliche Intelligenz, Ordensleben, Vorsitzendenwahl

Von 8. bis 10. Juni 22026 fand die Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Mariazell statt. Dabei wurde auch Erzbischof Lackner als Vorsitzender und Bischof Scheuer als sein Stellvertreter wiedergewählt. Hier die Erklärungen im Wortlaut.

Kathpress dokumentiert im Folgenden im Wortlaut die Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz zum Abschluss der Sommervollversammlung der Bischöfe:

 

 

1. KI entwaffnen und das Menschliche stärken

 

Papst Leo XIV. hat mit seiner Sozialenzyklika "Magnifica humanitas" eine dringend benötigte Orientierung zur "Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" vorgelegt, die weltweit Beachtung und Zustimmung erfahren hat. Die österreichischen Bischöfe unterstützen dankbar die Inhalte der Enzyklika. Sie aktualisiert und vertieft die seit 1891 mit "Rerum novarum" bestehende Soziallehre der Katholischen Kirche, die zum Besten gehört, was die Kirche in den vergangenen 135 Jahren hervorgebracht hat.

 

Wir Bischöfe legen allen in Kirche und Welt die Sozialenzyklika ans Herz, die durch ihren positiven Ansatz überzeugt: Papst Leo fordert uns auf, auch angesichts der Versprechungen der KI die Größe der menschlichen Person, ja die "Schönheit des Menschseins" als Korrektiv und Maßstab zu bewahren. Diese neue Enzyklika ist stark an prophetischer Warnung, bleibt aber dennoch anwaltschaftlich auf der Seite der Hoffnung. Papst Leo vermittelt die Gewissheit, dass wir Wege und Werkzeuge finden werden, um mit den "neuen Realitäten" verantwortungsvoll umzugehen.

 

In einem einprägsamen Bild macht der Papst auf die Dramatik der Lage aufmerksam, wenn er gleich zu Beginn festhält: "Die von Gott geschaffene GROSSARTIGE MENSCHHEIT steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen." Im Zusammenhang mit KI warnt der Papst vor einem immer stärker werdenden "technokratischen Paradigma", durch das Effizienz, Kontrolle und Profit zur dominierenden gesellschaftlichen Logik werden und stellt dem die Idee einer "Zivilisation der Liebe" entgegen. Wörtlich heißt es dazu: "Es reicht nicht aus, dass KI uns effizienter oder vernetzter macht; sie muss dazu dienen, jene universale Menschheitsfamilie mit gemeinsamen Rechten und Pflichten aufzubauen, in der digitale Nähe zu einer echten Chance für Begegnung und gegenseitige Fürsorge wird."

 

Eindringlich appelliert der Papst daher dafür, dass die Künstliche Intelligenz entwaffnet werden muss. "Entwaffnen" bedeutet für den Papst: "befreit von Logiken, die sie zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und des Todes machen. Entscheidungen über Technologie dürfen niemals von Gewissen und Verantwortung getrennt werden." Und entwaffnen reicht ihm nicht: "Wir müssen aufbauen."

 

Über dem gesamten Dokument steht ein Leitwort, das alles zusammenfasst: In der Zeit der Künstlichen Intelligenz haben wir die "dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben" (Nr. 15). Gerade weil es die Reichen und Mächtigen sind, die KI-Systeme entwickeln und zu ihrem Vorteil einsetzen, braucht es die vom Papst eingemahnte Perspektive der Armen, Schwachen und Benachteiligten. So wird "Magnifica humanitas" zu einem geistlichen und kulturellen Weckruf. Die Zukunft entscheidet sich nicht an der Leistungsfähigkeit unserer Systeme, sondern daran, ob wir Verantwortung übernehmen - für den Menschen und für eine Kultur der Begegnung, der Liebe und des Friedens.

 

Die Bischöfe laden alle, die in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Verantwortung tragen, dazu ein, gemeinsam mit Betroffenen und Interessierten die Inhalte der Enzyklika zu reflektieren und umzusetzen. Aus Worten müssen Taten erwachsen, die auf das weltweite Wohl aller gerichtet sind. So hat die Bischofskonferenz bereits im November letzten Jahres eine Arbeitsgruppe zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz im kirchlichen Bereich eingesetzt. Geleitet wird die interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe vom Innsbrucker Bischof Hermann Glettler. Sie soll juristische wie ethische Fragestellungen sowie praktische Anwendungsperspektiven für die Kirche bearbeiten und erste Ergebnisse schon bei der nächsten Vollversammlung der Bischofskonferenz vorlegen.

 

 

2. Orden und Diözesen: Gemeinsamer Dienst an den Menschen

 

Im Rahmen eines Studiennachmittags zum Auftakt der Sommer-Vollversammlung der Bischofskonferenz haben sich die österreichischen Bischöfe mit den Spitzenvertreterinnen und -vertretern der heimischen Orden über aktuelle Fragen und Themen ausgetauscht. Deutlich wurde bei dem offenen und sehr wertschätzenden Gespräch, dass Diözesen und Orden künftig noch besser zusammenarbeiten bzw. sich intensiver austauschen wollen.

 

Es war die erste Zusammenkunft von Bischöfen und Ordensvertretern seit der Gründung der Österreichischen Ordenskonferenz 2019. Seitens der Ordensgemeinschaften nahmen die beiden Vorsitzenden der Österreichischen Ordenskonferenz, Generalpriorin Franziska Madl und Propst Anton Höslinger, sowie die Generalsekretärin Sr. Christine Rod und der Geschäftsführer Peter Bohynik an dem Gespräch teil. Die Konferenz der Säkularinstitute Österreichs war durch ihre Vorsitzende Maria Lukas vertreten.

 

Die Österreichische Ordenskonferenz ist die gemeinsame Vertretung der katholischen Männer- und Frauenorden Österreichs. Insgesamt sind 192 Ordensgemeinschaften Mitglieder der Ordenskonferenz, davon 103 Frauenorden und 89 Männerorden. 3.668 Ordensfrauen und Ordensmänner wirken in Österreich laut der aktuellen Statistik von 2025 in einer Vielzahl gesellschaftlich relevanter Bereiche: in Gesundheit und Sozialem, in Kultur und Bildung, in der Schöpfungsverantwortung, Mission sowie in Seelsorge, Wertearbeit und pastoralen Anlaufstellen sowie im ständigen Gebet. Die Männerorden sind zudem ein zentraler Faktor der Pfarrseelsorge in Österreich. Klöster und Ordenshäuser sind bedeutende spirituelle Zentren. So gibt es etwa 23 Gäste-, Bildungs- und Exerzitienhäuser.

 

Ein beträchtlicher Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung der Katholischen Kirche in Österreich basiert auf den Orden und ihren vielen Einrichtungen. Die Leistungsbilanz der Orden ist beeindruckend: So betreuen etwa die 23 Ordensspitäler im Land jedes Jahr rund zwei Millionen Patientinnen und Patienten. Sie beschäftigen zudem rund 20.000 Mitarbeitende und sind damit auch ein wesentlicher Arbeitgeber. Zu den Spitälern kommen auch noch 39 Alten- und Pflegeheime.

 

Eindrucksvoll sind auch die Kennzahlen im Bereich der Bildung: In 184 Ordensschulen werden rund 50.000 Schülerinnen und Schüler an 111 Schulstandorten in 249 Ausbildungsformen unterrichtet. Auf kulturellem Gebiet beinhalten die 220 Ordensbibliotheken etwa 4,5 Mio. Bücher. Dazu kommen 22 Ordensarchive und rund 115 Museen, Schatzkammern und Sammlungen in Klöstern und Ordensgemeinschaften.

 

Zur Sprache kamen beim Studientag u.a. Initiativen, in denen Ordensgemeinschaften auf aktuelle Nöte der Gegenwart reagieren und neue Akzente setzten. Ein Beispiel ist "Solwodi", wo sich Ordensfrauen für Opfer von Menschenhandel und sexueller Gewalt einsetzen. Weitere Beispiele sind das Behindertenzentrum in Kainbach der Barmherzigen Brüder oder das Hospiz für Obdachlose der Elisabethinen in Graz. Die Elisabethinen haben auch mit einem eigenen Positionspapier in der Debatte rund um den assistierten Suizid klar Stellung dagegen bezogen.

 

Ebenso angesprochen wurden das Salzburger Stift St. Peter mit dem spirituellen Projekt "Sonntagszeit", die Jugendangebote der Salesianer oder jene im Stift Kremsmünster. Als Beispiel für Bildung und Spiritualität wurde u.a. das Kardinal König Haus der Jesuiten in Wien erwähnt. Das Stift Klosterneuburg hat sich mit einer neuen Veranstaltungsreihe dem Dialog Kirche-Gesellschaft verschrieben, während die Benediktiner vom Kloster Georgenberg ihr Stift Fiecht aufgegeben und den Aufbruch zurück zu ihrem Ursprungsort gewagt haben.

 

Herausforderungen bestehen durch mitunter fehlende Ansprechpartner für die Diözesen bei länderübergreifenden Organisationsstrukturen von Ordensgemeinschaften oder bei Nachnutzungen von aufgelassenen Klöstern. Intensive Kommunikation braucht es im Rahmen von Strukturreformen in den Diözesen, die nur gemeinsam mit den Orden umgesetzt werden können.

 

Auch der Einsatz von Ordensleuten aus anderen Teilen der Weltkirche in Österreich kam zur Sprache. Die zunehmende Internationalisierung der Kirche bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. Ein weiteres Thema war das Aufkommen neuer Ordensgemeinschaften mit ihren besonderen Charismen. Thematisiert wurde etwa auch eine stärkere Zusammenarbeit von Klöstern und Diözesen bei der Etablierung von geistlichen Zentren, die es in der Gesellschaft so dringend braucht.

 

Über die Säkularinstitute in Österreich berichtete Maria Lukas. Ihre Mitglieder - in Österreich handelt es sich dabei ausschließlich um Frauen - legen, wie die Ordensleute, die drei Gelübde Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam ab, leben aber nicht in Klöstern oder anderen Formen von größeren Gemeinschaften, sondern in den eigenen vier Wänden und gehen einem Beruf nach. Jedes Mitglied bestreitet selbst seinen Lebensaufwand, regelmäßig gibt es Austausch- und Gebetstreffen. Die Konferenz der Säkularinstitute Österreichs zählt sieben Säkularinstitute mit insgesamt 77 Mitgliedern. Die Säkularinstitute stehen in besonderer Weise für die Synthese von Weihe und Dienst in der Welt.

 

 

3. Bischofskonferenz wählt Vorsitzenden und Stellvertreter

 

Die Österreichische Bischofskonferenz hat Erzbischof Franz Lackner erneut zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Der Salzburger Erzbischof steht seit Juni 2020 an der Spitze der Bischofskonferenz, seine Wiederwahl erfolgte turnusgemäß im Rahmen der Vollversammlung der Bischöfe in Mariazell. Zum stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz wurde auch wieder der Linzer Bischof Manfred Scheuer gewählt. Die Amtszeit des Vorsitzenden und seines Stellvertreters ist im Statut der Bischofskonferenz mit sechs Jahren festgelegt.

 

Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz zum Download

 

 

Sommervollversammlung der Bischofskonferenz in Mariazell

Die Österreichische Bischofskonferenz bei ihrer Sommervollversammlung in Mariazell. © Foto Kuss, Mariazell
 

(Kathpress)

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