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Sommerausflugstipp

Die Pfarrkirche Schenkenfelden – 500 Jahre Geschichte und lebendige Gegenwart

Wer im Mühlviertel auf Entdeckungsreise geht, sollte einen Halt in Schenkenfelden einplanen. Die dem Heiligen Ägidius geweihte spätgotische Pfarrkirche prägt seit rund 500 Jahren einen der schönsten Marktplätze Oberösterreichs. Sie verbindet eindrucksvoll Geschichte und Gegenwart und lädt Besucher:innen dazu ein, innezuhalten und auf den Spuren vergangener Jahrhunderte zu wandeln.

 

Eine Kirche mit bewegter Geschichte

Bereits das spätgotische Südportal erzählt von den Herausforderungen seiner Entstehungszeit. Die Inschrift im Türsturz erinnert an den Bauernkrieg des Jahres 1525:

„Das GEPAU ist gemacht in der Pauren Krieg – 1525 W.H.“

Die Bronzereliefs der Türflügel stammen vom kürzlich verstorbenen Bildhauer Peter Dimmel. In den vier Bildfelder zeigt er Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons, des Heiligen Ägidius, der vom Kaufmann zum Einsiedler und späteren Abt in Südfrankreich wurde und heute als einer der Vierzehn Nothelfer verehrt wird.

Die Jahrhunderte haben ihre Spuren an der Kirche hinterlassen. Besonders einschneidend war der Marktbrand von 1951, bei dem Turm und Dachstuhl zerstört wurden. Auch die Erweiterung nach Norden Ende der 1960er-Jahre veränderte das äußere Erscheinungsbild.

 

Gotische Schätze und neue Akzente

Im Inneren beeindruckt das spätgotische Kreuzrippengewölbe mit seinen kunstvollen Schlusssteinen. Stern, Sonne, Mann im Mond und florale Motive zeugen von der reichen Bildsprache der Gotik.

Ein Blickfang ist die farbintensive Rankenmalerei im Chorgewölbe, die einen Eindruck von der ursprünglichen Farbigkeit mittelalterlicher Kirchenräume vermittelt.

 

Renovierung und Neugestaltung 2025

Im Zuge der Renovierung ergänzte das Künstlerduo Thomas Kluckner und Sarah Decristoforo die bestehende Ausstattung durch zeitgenössische Gestaltungselemente und Interventionen.

Unter der Orgelempore entstanden zwei besondere Orte des Erinnerns: ein Gedenkort für Verstorbene sowie ein Bereich für Täuflinge unterhalb des spätgotischen Anna-Selbdritt-Reliefs. Die ehemalige Turmkapelle wurde zudem zu einem würdevollen Aufbahrungsraum umgestaltet und ist durch ein Portal direkt mit dem Kirchenraum verbunden.

Auch der nördliche Anbau wurde neu gestaltet. Dort befinden sich der Beichtort, der Weihwasserkessel sowie eine Kinderecke. Die Ölberggruppe erhielt an der Wand des nördlichen Choranbau einen neuen Aufstellungsort.

 

Wiederentdeckter Kirchenpatron

Vor einigen Jahren wurde auf dem Dachboden der Kirche die Figur des Heiligen Ägidius aus dem Jahr neugotischen Hochaltar von 1904 wiederentdeckt. Nach rund sechs Jahrzehnten Abwesenheit fand sie ihren Platz in der ehemaligen Sakristei, dem heutigen südlichen Querschiff.

 

Sommerausflug mit Genuss

Ein Besuch der Pfarrkirche lässt sich ideal mit einem Spaziergang durch den Marktplatz verbinden. Seit Ende Mai 2026 belebt auch wieder ein Wirtshaus das Ortszentrum. Die „Marktschank“, die von einer Bürgergenossenschaft gegründet wurde, befindet sich im generalsanierten Gemeindeamt und lädt Gäste zum Verweilen und Genießen regionaler Gastfreundschaft ein.

 

Martina Gelsinger

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