Dienstag 9. Juni 2026

Bischofskonferenz: Bischof Lackner bleibt Vorsitzender, Bischof Scheuer sein Stellvertreter

Die Österreichische Bischofskonferenz hat den Salzburger Erzbischof Franz Lackner (69) am 9. Juni 2026 erneut zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz wurde auch wieder der Linzer Bischof Manfred Scheuer (70) gewählt.

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner steht seit Juni 2020 an der Spitze der Bischofskonferenz, seine Wiederwahl erfolgte am 9. Juni 2026 turnusgemäß im Rahmen der Sommervollversammlung der Bischöfe in Mariazell.

 

Auch Manfred Scheuer, Bischof der Diözese Linz, wurde als Stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz erneut gewählt. Das wiedergewählte Führungsduo Lackner/Scheuer steht somit für die nächsten sechs Jahre an der Spitze des heimischen Episkopats.

 

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist kirchenrechtlich gesehen kein "Oberbischof" und hat daher auch keine Befugnisse, in die vom Kirchenrecht klar geregelten und sehr umfassenden Kompetenz der Diözesanbischöfe einzugreifen. Formal ist er nur ein auf sechs Jahre gewählter Vorsitzender eines Gremiums, das relativ wenige Eigenkompetenzen hat. Freiwillig und somit einstimmig können die Diözesanbischöfe jedoch die Themenbereiche ausdehnen, die sie österreichweit verbindlich regeln wollen, was auch immer wieder geschieht.

 

Der Vorsitzende leitet laut Statut die Vollversammlung der Bischofskonferenz, die er zuvor einberufen und mit Unterstützung des Generalsekretärs vorbereitet hat. Seine Aufgabe ist nach innen mehr die eines Moderators unter den Bischöfen, gleichzeitig ist er nach außen Stimme und Gesicht des österreichischen Episkopats. Weil zu seinen Kompetenzen auch die Beziehungen zwischen Kirche und Staat gehören, hat der jeweilige Vorsitzende der Bischofskonferenz real ein großes Gewicht in der österreichischen Kirche.

 

Erzbischof Franz Lackner (l.) wurde als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz wiedergewählt, Bischof Manfred Scheuer als sein Stellvertreter.

Erzbischof Franz Lackner (l.) wurde als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz wiedergewählt, Bischof Manfred Scheuer als sein Stellvertreter. © Kathpress / Paul Wuthe

 

Unmittelbar nach der Wahl betonten die beiden im Gespräch mit Kathpress und weiteren Medien, dass sie innerkirchlich den Weg der Synodalität nach Kräften beibehalten und die Stimme der Katholische Kirche im gesellschaftspolitischen Diskurs zur Geltung bringen wollen. Beide sprachen sich dafür aus, das Gespräch mit allen politischen Parteien zu suchen, und unterstrichen die gesellschaftliche Bedeutung des ORF. Eine Frau als Generalsekretärin der Bischofskonferenz ist für Lackner künftig vorstellbar.

 

Aufgabe der Kirche sei es, die Gottesfrage zu stellen, die Menschen von heute mit Gott in Verbindung zu bringen und Orientierung zu bieten. Ein gesellschaftspolitisches Thema, das Lackner besonders am Herzen liegt, ist neben dem Einsatz für die Armen und Ausgegrenzten und den Frieden auch der Schutz des Lebens vom Anfang bis zum Ende.

 

Scheuer betonte u.a. die besorgniserregende Entwicklung, dass immer mehr Menschen - jung und alt - unter Einsamkeit leiden würden. Auch psychische Erkrankungen seien im Steigen, warnte der Linzer Bischof.

 

Das Gespräch mit den politischen Parteien wollen die beiden Vorsitzenden auch in Zukunft pflegen. Grundsätzlich mit allen Parteien, wie sie auf Anfrage betonten; auch mit der FPÖ. Nachsatz von Lackner: "Gespräche haben aber auch Grenzen."

 

Übereinstimmend unterstrichen Lackner und Scheuer die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Für die Gesellschaft und eine funktionierende Demokratie sei dies essenziell, zeigte sich die beiden Bischöfe überzeugt. Von einem öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen wie dem ORF sei vor allem Neutralität und Parteilosigkeit zu erwarten, so Lackner. Scheuer sprach etwa von "Fakten statt Fake", brach eine Lanze für einen Journalismus, der der Suche nach der Wahrheit verpflichtet und auf das Gemeinwohl ausgerichtet sei.

 

 

Karfreitag als Feiertag

 

Angesprochen auf das anstehende Volksbegehren, das den Karfreitag als Feiertag für alle fordert, zeigte Bischof Scheuer Verständnis und sagte: "Grundsätzlich unterstützen wir dieses Anliegen eines gemeinsamen Feiertages für alle." Er habe in den vergangenen Jahren nur allzu deutlich mitbekommen, wie sehr die Abschaffung des Karfreitags als Feiertag die evangelischen Christinnen und Christen in Österreich schmerzt. Scheuer sprach von einer "tiefen Wunde", er könne das Anliegen hinter dem Volksbegehren nur unterstützen. Freilich sei die Frage äußerst komplex und betreffe viele Akteure der Gesellschaft wie auch die Politik.

 

Wichtig sei ihm jedenfalls, dass die Debatte sich nicht nur auf den Karfreitag als einen freien Tag beschränken dürfe. Es komme vor allem auf den religiösen Inhalt an. Ostern und die Auferstehung seien ohne den Karfreitag nicht denkbar, "in dem Gott sich als Liebe erweist". Gott schenke gerade auch den Leidenden Würde, Leben, Zukunft und Hoffnung.

 

 

Synodalität bleibt Hauptaufgabe

 

Den von Papst Franziskus (2013-2025) angestoßenen Weg der verstärkten Synodalität in der Katholischen Kirche wollen die beiden Bischöfe unvermindert weitergehen. Synodalität sei bisher "erstaunlich gut in der Kirche in Österreich angekommen", resümierte Erzbischof Lackner den bisherigen Prozess. Die Phase der Unterscheidung stehe noch an, räumte Lackner ein. Auch auf Österreichebene wollen sich die Bischöfe dem Thema weiter annehmen, kündigte der Bischofskonferenz-Vorsitzende an; u.a. mit einem Studientag bei der Sommervollversammlung im Frühjahr 2027 in Mariazell und einer größeren Versammlung bei der Herbstvollversammlung 2027 in Wien.

 

Am Montag war die Bischofskonferenz in Mariazell zu einem Austausch mit den Spitzenvertreterinnen und -vertretern der Österreichischen Ordenskonferenz zusammengetroffen. Lackner bilanzierte sehr positiv zu den vielen gemeinsamen Themen und Anliegen. Zugleich wolle man die Zusammenarbeit noch intensivieren.

 

Darauf angesprochen, dass es in einigen Bischofskonferenzen auch Frauen als Generalsekretärinnen gibt bzw. männliche Laien das Amt ausüben, hielt Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka fest, dass dies auch in Österreich grundsätzlich möglich wäre. Notwendig wäre aber eine Änderung des Statuts der österreichischen Bischofskonferenz, wonach derzeit nur ein Priester dieses Amt ausüben kann. Auf die Frage, ob etwas gegen eine Statutenänderung spreche, antwortete der Salzburger Erzbischof schlicht mit "Nein".

 

 

Biografie Erzbischof Franz Lackner

 

Als Metropolit steht Erzbischof Franz Lackner an der Spitze der Salzburger Kirchenprovinz, zu der die westösterreichischen Diözesen Feldkirch, Innsbruck, Gurk-Klagenfurt, Graz-Seckau und die Erzdiözese Salzburg gehören. Im März 2015 wurde er zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt, am 16. Juni 2020 erfolgte seine Wahl zum Vorsitzenden als Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn, der dieses Amt 22 Jahre lang ausgeübt hatte. In der Bischofskonferenz ist Lackner derzeit zusätzlich für die Bereiche Medien, Synodalität und für die Universitäten sowie Theologischen Fakultäten und Hochschulen zuständig. Er ist auch Mitglied der Glaubenskommission und der Finanzkommission der Bischofskonferenz sowie der Bischöflichen Kommission Gesellschaft und Soziales

 

"Wir halten die Frage nach Gott wach. Ihn ständig neu zu entdecken, ihm eine Chance zu geben, dazu sind wir da." - So lautet der Kernsatz des neuen Leitbilds der Erzdiözese Salzburg, den man durchaus auch als das Hauptanliegen von Erzbischof Lackner bezeichnen kann. Demnach sei es Aufgabe der Kirche, die Menschen von heute mit Gott in Verbindung zu bringen. Die Gottesfrage gehört für den Erzbischof zur wesentlichen Identität der Kirche in der Welt. Kirche biete Orientierung. Sie gleiche einem Leuchtturm, dieser sei nicht selbst das Ziel, doch er vermag den Weg zu weisen.

 

Franz Lackner wurde am 14. Juli 1956 als Anton Lackner in Feldbach geboren und stammt aus dem südoststeirischen Dorf St. Anna am Aigen. Lackner wuchs in kleinbäuerlichen Verhältnissen auf und begann nach der Pflichtschule eine Lehre als Elektriker. In Zypern, wo er von 1978 bis 1979 als UNO-Soldat diente, erwuchs in ihm die Entscheidung, Priester zu werden. Lackner trat daraufhin 1979 in das Aufbaugymnasium Horn ein.

 

1984 folgte der Eintritt in den Franziskanerorden. Er nahm den Ordensnamen seines Ordensgründers (Franz von Assisi) an und legte 1989 als Franz Lackner die Ewige Profess ab. 1991 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Theologiestudium in Wien und dem philosophischen Doktorat an der päpstlichen Universität Antonianium des Franziskanerordens in Rom unterrichtete der Steirer dort Metaphysik, bis er 1999 zum Provinzial der Franziskanerprovinz von Wien berufen wurde. Im selben Jahr erfolgte der Lehrauftrag in Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Heiligenkreuz.

 

Im Oktober 2002 wurde Franz Lackner zum Weihbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und am 8. Dezember 2002 zum Bischof geweiht. Am 10. November 2013 wählte das Salzburger Dom- und Metropolitankapitel Lackner zum Erzbischof von Salzburg; Papst Franziskus bestätigte am 18. November die Wahl. Am 12. Jänner 2014 wurde Lackner in das Amt des 91. Bischofs von Salzburg eingeführt.

 

 

Lebenslauf Bischof Manfred Scheuer

 

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer (70) wurde erstmals am 16. Juni 2020 zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt. In der Bischofskonferenz war Scheuer lange für die Ökumene und die Kontakte zum Judentum verantwortlich. Seit März ist er für den Bereich Weltkirche und die zahlreichen Organisationen in der Entwicklungszusammenarbeit zuständig. Er ist Mitglied der Glaubenskommission der Bischofskonferenz, der Bischöfliche Kommission Ökumene und Weltkirche sowie für das Mauthausen Komitee und das Studentenförderungswerk "Pro Scientia" zuständig. Scheuer war von 2003 bis 2015 Bischof von Innsbruck, seither ist er Bischof der Diözese Linz.

 

In einem Interview zu seinem 70. Geburtstag bezeichnete Scheuer sich selbst als "Mischung aus Wanderer, Vagabund und Pilger." Ein besonderes Anliegen ist ihm die Vertiefung des Glaubens. Die Kirche darf nicht bei Struktur- und Machtfragen stecken bleiben". Entscheidend ist für den Bischof die Frage:  "Wie können wir Gott lieben? Wie kommt mehr Liebe und Freude in die Welt?"

 

Manfred Scheuer wurde am 10. August 1955 in Haibach ob der Donau in Oberösterreich geboren. Nach der Matura am Bischöflichen Gymnasium Petrinum Linz studierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Linz Theologie und trat in das Linzer Priesterseminar ein. Von 1976 bis 1981 setzte er seine Studien an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom fort. Am 10. Oktober 1980 wurde Scheuer in Rom zum Priester geweiht.

 

Zusammen mit Aufgaben in der Seelsorge begann seine akademische Laufbahn. Neben Lehraufträgen in Linz, St. Pölten und Salzburg wirkte er auch in Deutschland an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg und schließlich von 2000 bis 2003 an der Theologischen Fakultät Trier als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte. Am 21. Oktober 2003 ernannte Papst Johannes Paul II. Manfred Scheuer zum Bischof der Diözese Innsbruck, wo er am 14. Dezember 2003 die Bischofsweihe empfing. Am 18. November 2015 wurde Scheuer schließlich von Papst Franziskus zum neuen Bischof der Diözese Linz ernannt, deren Leitung er am 17. Jänner 2016 übernahm.

 

Kathpress

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