Freitag 5. Juni 2026

So tickt das Spanien, das Papst Leo XIV. besucht

Papst Leo XIV. reist im Juni 2026 für eine Woche nach Spanien.

15 Jahre nach dem bislang letzten Papstbesuch in Spanien von Benedikt XVI. wird Papst Leo XIV. am 6. Juni 2026 in Madrid erwartet. Fast eine Woche lang will er bis 12. Juni das Land bereisen. Ein zentrales Thema sind Migration und Flüchtlinge.

Zudem stehen unter anderem Gottesdienste und Treffen mit König Felipe VI. und Regierungschef Pedro Sánchez in Madrid an. In Barcelona weiht Papst Leo zum 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) den Christus-Turm der Sagrada Família; den nun höchsten Kirchturm der Welt.

 

Doch seit Benedikt XVI. 2011 in Madrid den Weltjugendtag feierte, hat sich Spanien mit Blick auf den Glauben sehr gewandelt. Der Anteil der Spanier, die sich als katholisch bezeichnen, ist um knapp 20 Prozent gesunken. Laut dem staatlichen Meinungsforschungsinstitut CIS gaben damals noch 73 Prozent an, Katholiken zu sein. Aktuell sind es noch 54 Prozent.

 

Vor kurzem teilte die Bischofskonferenz auch einen deutlichen Rückgang bei Taufen und Erstkommunionen mit; ein Fall unter die 50-Prozent-Marke. Kirchliche Eheschließungen sind auf einem historischen Tiefstand: Einer kirchlichen stehen inzwischen mehr als vier standesamtliche gegenüber. Hinzu kommt der auch in Spanien immer größere Priestermangel. Spaniens Status als Hochburg des Katholizismus bröckelt.

 

 

Zaghafte Rückkehr der Jugend zum Christentum

 

Das Land ist dabei aber nicht atheistischer geworden, sondern spirituell hybrider. Experten sprechen von einem "verwässerten Katholizismus", bei dem sich die Menschen das herausziehen, was sie möchten. Das zeigt sich besonders deutlich bei den jüngeren Generationen. Junge Menschen sind zwar nach wie vor die Gruppe, die der Religion am fernsten steht. Doch ein Vergleich über die Zeit deutet auf einen Trendwechsel hin.

 

Laut einer jüngsten Studie der iberoamerikanischen Stiftung SM über Spaniens Jugend und Religion hat sich bei den unter 30-Jährigen der Schwund an katholischen Gläubigen verlangsamt. Es sei sogar eine zaghafte Rückkehr zum Christentum zu beobachten. Bezeichneten sich 2020 noch 31,6 Prozent der befragten Jugendlichen als katholisch, waren es 2025 bereits 45 Prozent. Zugleich nahm die Zahl erklärter Agnostiker ab.

 

"Dabei handelt es sich eher um einen Mittelweg zwischen einer echten Rückkehr zum Glauben und einer spirituellen Suche", erklärte der Soziologe Juan María González und Autor der Stiftungs-Studie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bei der Rückkehr zu "Spiritualität" gebe es einen wichtigen Zusammenhang zwischen Gefühlen von Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit und der Frage von Religion.

 

 

Wachsendes Bedürfnis nach Halt im Leben

 

Der Soziologe sieht bei jungen Menschen allgemein ein wachsendes Bedürfnis nach etwas, woran sie sich festhalten können, um Sinn zu finden angesichts schwieriger Fragen: von der Geopolitik bis hin zu Themen, die jungen Menschen am nächsten stehen - wie die Zukunft ihrer ohnehin schon prekären Arbeitsplätze, die durch Robotik und KI bedroht werden.

 

"Der Boden unter ihren Füßen bricht weg; und wenn sie zum Himmel aufblicken, sehen sie nur dunkle Wolken, die eine Sintflut ankündigen. Mit anderen Worten: ein fruchtbarer Boden für Spiritualität und Religion als Suche nach Antworten, nach einer Art Sicherheit", verdeutlicht Juan María González die Gründe für den neuen Trend hin zu einem "personalisierten Glauben". Dieser Trend sei zwar in vielen Ländern zu finden; in Spanien sei er aber besonders ausgeprägt.

 

Obwohl die Kirche auch in Spanien schrumpft: Sie bleibt ein Leuchtturm, der weiter Millionen Menschen mobilisieren kann - wie auch der bevorstehende Papstbesuch zeigt. Zu seinen Andachtsmessen mit Jugendlichen auf dem Madrider Lima-Platz vor dem Fußballstadion von Real Madrid und im Olympiastadion in Barcelona werden viele tausend Jugendliche erwartet.

 

Kathpress

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