Donnerstag 2. April 2026

Wenn das Leben leiser wird: Suizidgefahr im Alter erkennen und handeln 

Bei einer Pressekonferenz am 31. März 2026 in Wien wiesen LAbg. Ingrid Korosec, Birgit Gerstorfer, Thomas Kapitany und Silvia Breitwieser darauf hin, dass Suizidprävention ein Thema von höchster gesellschaftlicher Relevanz ist – besonders in der Generation 65+.

Korosec: „Es gilt: Hinschauen, nicht wegschauen!“

 

Landtagsabgeordnete Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates: „Die Zahlen sind alarmierend. 2023 nahmen sich in Österreich 1.212 Menschen das Leben – die Hälfte davon über 60 Jahre alt. Besonders gefährdet sind ältere Männer.“ Die Ursachen: Der Übergang in den Ruhestand werde als Verlust von Struktur, Sinn und sozialer Anerkennung erlebt und gehe mit dem Gefühl einher, nicht mehr gebraucht zu sein. Weitere Gründe: Erkrankungen, chronische Schmerzen, eingeschränkte Mobilität, Verlust von Partner:innen und/oder Freundinnen und Freunden, Einsamkeit. 

 

Die Folge sind häufig Depression und/oder Angstzustände. Korosec: „Wichtig für Menschen im Umfeld ist, Warnsignale für Lebensmüdigkeit zu erkennen: Verhaltensänderungen wie Rückzug und Abschottung. Besonders bei Männern kann die Verzweiflung auch in aggressives Verhalten münden. Es gilt: Hinschauen, nicht wegschauen! Aktives, aber sensibles und behutsames Thematisieren ist gefragt. Mit der Botschaft, dass es nicht um persönliches Versagen geht.“ Wichtig sei, durch Hinhören und Zuhören zu unterstützen und auch auf professionelle Beratungsangebote hinzuweisen: auf die TelefonSeelsorge (142), den Ärztenotruf (141), die Rettung (144), weiters auf spezialisierte Stellen wie das Kriseninterventionszentrum in Wien und psychosoziale Dienste in den Bundesländern. „Psychische Probleme sind kein Grund für Scham, sondern einer, sich Hilfe zu suchen!“, so Korosec.

 

 

Gerstorfer: Aktiv Räume der Begegnung schaffen, in denen Gemeinschaft erlebbar wird


Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates, betonte, Suizidprävention im Alter sei für sie ein zentrales Anliegen. Besonders ältere Menschen würden häufig unter Einsamkeit, gesundheitlichen Einschränkungen, unerwarteten medizinischen Diagnosen oder dem Verlust nahestehender Personen leiden. Diese Belastungen seien für die Betroffenen oft alleine nicht mehr bewältigbar. In diesem Fall brauche es ein starkes soziales Netz da sein, das hinsehe, auffange, zuhöre und unterstütze. „Wir müssen Alterseinsamkeit verhindern, indem wir aktiv Räume der Begegnung schaffen, in denen sich Menschen austauschen und Gemeinschaft erleben können. Ebenso wichtig ist ein niederschwelliger und flächendeckender Zugang zu psychosozialer Beratung und professioneller Hilfe, auch anonym. Niemand darf sich scheuen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen – und niemand darf damit allein gelassen werden“, betonte Gerstorfer. 

 

Ein Altern in Würde bedeute auch, Lebensfreude, Sinn und Teilhabe zu erleben. Dazu gehöre, ältere Menschen ernst zu nehmen, ihre Erfahrungen wertzuschätzen und sie aktiv in die Gesellschaft einzubinden. „Suizidprävention beginnt mit Aufmerksamkeit, Respekt und Mitmenschlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass ältere Menschen Hoffnung, Halt und Perspektiven finden“, so Gerstorfers Appell. 

 

Pressekonferenz in Wien zum Thema Suizidprävention im Alter

Pressekonferenz in Wien zum Thema "Suizidprävention im Alter" (v. l.): Thomas Kapitany, Birgit Gerstorfer, Ingrid Korosec und Silvia Breitwieser. © W. Braumandl / Seniorenrat

 

Kapitany: Bewusstsein für das erhöhte Risiko für Krisen  bei alternden Menschen schaffen

 

Primar Dr. Thomas Kapitany ist Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des Kriseninterventionszentrums Wien. Das Kriseninterventionszentrum in Wien ist eine Anlaufstelle bei persönlichen Krisen, Lebensüberdruss und Suizidgefährdung und hilft am Telefon (01/406 95 95), online (www.kriseninterventionszentrum.at/emailberatung), und bietet persönliche Gespräche und Krisenbetreuung vor Ort - auch anonym.

 

Kapitany betonte ebenfalls die gesellschaftliche Brisanz des Themas: „In Österreich sterben jährlich rund 1.200 Menschen durch Suizid, knapp die Hälfte dieser Personen war zum Zeitpunkt ihres Todes über 60 Jahre alt. Das Suizidrisiko verdoppelt sich bei den Senioren und steigt mit höherem Alter an. Auch wenn viele Menschen in dieser Altersgruppe ein glückliches und zufriedenes Leben führen, gibt es vulnerable Gruppen im Alter, auf die wir achten müssen."


Im Alter verändere sich die Lebenssituation, es komme häufiger zu Verlusterfahrungen, etwa durch den Übergang in den Ruhestand, schmerzliche Verluste nahestehender Menschen, Krankheit, Einschränkungen von Mobilität und anderer Fähigkeiten. Hinzu komme, dass auch Depressionen bei Menschen über 65 häufig vorkämen, dabei aber oft unerkannt blieben.
Zunehmende soziale Isolation und Einsamkeit, Angst vor der Abhängigkeit von anderen und Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht könnten zur Entwicklung von Suizidgedanken und -absichten führen, so der Experte. Entscheidend sei, dass Betroffene Hilfe erhalten sowie Gesprächsangebote und Verständnis finden.

Bewusstsein für das erhöhte Risiko für Krisen und Suizidalität bei alternden Menschen zu schaffen, sei ein dringliches Anliegen des Kriseninterventionszentrums Wien. „Suizidpräventives Handeln muss umfassend in unserer Gesellschaft gestärkt werden. Die Broschüre des Kriseninterventionszentrums zeigt sowohl für Betroffene als auch deren Angehörige und professionelle Helfer in der Altenbetreuung leicht verständlich Risiken und Warnsignale auf und stellt Hilfsmöglichkeiten vor. Dank der Unterstützung des Seniorenrats und der Telefonseelsorge wurde die Broschüre aktualisiert und ist österreichweit verfügbar“, so Kapitany.

 

 

Breitwieser: Als ersten wichtigen Schritt über die Ausweglosigkeit sprechen


Auch Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ, weiß, welche Verlusterfahrungen das Älterwerden mit sich bringt: „Geliebte Menschen sterben, der Körper verliert an Vitalität, der Geist wird langsamer. Die Erwerbsarbeit ist Vergangenheit, die Mobilität zunehmend eingeschränkt. Das soziale Netz wird durchlässig. Eine leistbare Pflege erscheint für viele fraglich. Groß ist die Angst davor, nicht mehr selbstbestimmt handeln zu können. Hinzu kommen manch unerfüllte Lebenspläne sowie existenzielle Fragen am Lebensende.
Das kann zu Einsamkeit, Traurigkeit, Wut, Angst, Wertlosigkeit und in letzter Konsequenz zu dem Wunsch führen, aus dem Leben zu scheiden.“


Es sei ein erster wichtiger Schritt, über die eigene Ausweglosigkeit und Verzweiflung zu sprechen. Eine Kontaktaufnahme mit der TelefonSeelsorge stehte meist ein Stück weit im Widerspruch zur Selbsttötungsabsicht. „Suizidgedanken können offen thematisiert werden. Unsere Mitarbeiter:innen stellen ausreichend Zeit zur Verfügung, hören zu und vermitteln den Ratsuchenden haltgebende, akzeptierende und unerschütterliche Zugewandtheit sowie das Gefühl, mit ihren Problemen nicht allein zu sein.“


Der vertrauliche Charakter des Notrufdienstes 142 ermögliche es Menschen, über ihre Hoffnungslosigkeit reden, die sonst aus Scham oder Angst vor Unverständnis nicht angesprochen werden, obwohl sie den Betroffenen große Probleme bereiten.
Die Beratungsangebote der TelefonSeelsorge sind vertraulich, kostenlos, ohne Terminvereinbarung und aus den eigenen vier Wänden zu erreichen: unter der Telefonnummer 142 täglich rund um die Uhr, im Chat täglich von 16.00 bis 23.00 Uhr (www.onlineberatung-telefonseelsorge.at).

Die Broschüre „Ich will so nicht mehr weiterleben! – Die Herausforderungen des Älterwerdens meistern“ steht hier zum Download bereit oder kann in Papierform per E-Mail an leitung@kriseninterventionszentrum.at bestellt werden.

 

www.telefonseelsorge.at

www.seniorenrat.at

www.kriseninterventionszentrum.at

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