Mittwoch 24. Juni 2026

Lieven Boeve: Katholische Schulidentität im postchristlichen Europa

In seinem Vortrag „Katholische Schulidentität im postchristlichen Europa: Von der Theorie zur Praxis", präsentierte der belgische Theologie-Professor Lieven Boeve am 26. März 2026 an der KU Linz ein bildungstheologisches Konzept, das in Flandern breite Rezeption gefunden hat.

Gemeinsam mit dem Institut für Katechetik, Religionspädagogik und Pädagogik hatte das Institut für Fundamentaltheologie und Dogmatik der Katholischen Privatuniversität (KU) Linz zum Gastvortrag von Professor Dr. Lieven Boeve von der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien geladen.

 

Lieven Boeve: Katholische Schulidentität im postchristlichen Europa

V. l.: Ass.-Prof. Dr. Martin Koci, Univ.-Prof.in Dr.in Isabella Guanzini, Ass.-Prof. Dr. Bernd Ziegler, Prof. Dr. Lieven Boeve. © KU Linz / Anna Bachofner-Mayr

Lieven Boeve ist Professor für Systematische Theologie an der KU Leuven und einer der profiliertesten Vertreter einer kontextuell-fundamentaltheologischen Reflexion über die Situation des christlichen Glaubens in der postsäkularen Gegenwartsgesellschaft. Von 2014 bis 2024 leitete er als Generaldirektor von Katholiek Onderwijs Vlaanderen das Netzwerk von über 2.000 katholischen Schulen in Belgien und sammelte dabei einzigartige Erfahrungen an der Schnittstelle von Theologie und Bildungspraxis. Sein jüngst erschienenes Buch „The Catholic Dialogue School: From Theory to Practice and Back" (T&T Clark, 2026), das er im Rahmen des Linzer Abends vorstellte, verarbeitet eben diese Erfahrungen.

 

Pluralität als Ressource für Bildingsprozesse


In seinem Vortrag unter dem Titel „Katholische Schulidentität im postchristlichen Europa: Von der Theorie zur Praxis" zeigte Boeve ausgehend von seiner Diagnose der gegenwärtigen europäischen Gesellschaft – geprägt durch Enttraditionalisierung, Individualisierung und Pluralisierung –, warum sowohl das Projekt der christlichen Werte-Erziehung als auch die Alternativen der institutionellen Säkularisierung und der Rekonfessionalisierung als Antworten auf die veränderte Lage unzureichend bleiben. Das Projekt der Katholischen Dialogschule, das er theologisch in seiner Methode der Rekontextualisierung und seiner Theologie der Unterbrechung verankert, zielt hingegen bewusst darauf, Identität und Pluralität nicht gegeneinander auszuspielen, sondern beides im Dialog zusammenzuhalten. Pluralität erscheint dabei nicht als Bedrohung, sondern als Ressource für echte Bildungsprozesse. Boeve veranschaulichte diesen Ansatz durch konkrete Umsetzungsbeispiele aus dem flämischen Schulalltag: vom schulischen Leitbild über den Religionsunterricht bis hin zu besonderen Anlässen im Schulleben.
 
Im Anschluss an den Vortrag lieferte Ass.-Prof. Bernd Ziegler (KU Linz) eine Antwort, in der er die flämischen Erfahrungen Boeves in einen fruchtbaren Dialog mit aktuellen Debatten der deutschsprachigen Religionspädagogik brachte. Dabei zeigte er, wo das Konzept der Dialogschule anschlussfähig ist und wo Fragen offen bleiben.
 
Die anschließende Diskussion zielte besonders auf die Frage der Partikularität der katholischen Schule – also der Frage, wie ein dezidiert christliches Profil in einem Kontext aufrechterhalten werden kann. Das breite Interesse am Abend belegte die Aktualität und Dringlichkeit des Themas für Theologie, Religionspädagogik und kirchliche Praxis gleichermaßen.
 
Der Vortragsbeitrag von Lieven Boeve sowie die kritische Reflexion von Bernd Ziegler werden in der Theologisch-Praktischen Quartalschrift (ThPQ) zur Publikation vorbereitet.

 

KU Linz

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