Mittwoch 25. März 2026

PRO ORIENTE Sektion Linz: Einsatz für den Frieden ist Kernaufgabe der Ökumene

Die PRO ORIENTE Sektion Linz hielt am 24. März 2026 bei den Elisabethinen in Linz ihre Komitee-Sitzung (Jahreshauptversammlung) ab. Zum Treffen war Botschafter Dr. Emil Brix, Direktor der Diplomatischen Akademie Wien von 2017 – 2025, als Referent geladen. 

Dr. Josef Pühringer, Landeshauptmann a. D. und Vorsitzender von PRO ORIENTE Sektion Linz wies, in seiner Einleitung darauf hin, dass „der Einsatz für den Frieden eine Kernaufgabe der Ökumene ist. Für die christlichen Kirchen kann und darf es kein Vorbei an diesem Thema geben.“ Unbestritten seien die Päpste eine wichtige, unverzichtbare Stimmen für den Frieden, aber „noch wichtiger ist, dass die christlichen Kirchen gemeinsam glaubwürdige Zeichen für den Frieden setzen. Im Einsatz für den Frieden dürfen die Unterschiede zwischen den Kirchen keine Rolle spielen.“ Die Kirchen müssen sich in der Friedensfrage positionieren und Verantwortung übernehmen, wenn sie relevant bleiben wollen, betonte Pühringer und griff die Ansprache von Papst Leo XIV. beim Angelusgebet am 1. März 2025 auf. Der Papst betonte, dass Frieden und Stabilität nicht durch Waffen, sondern nur durch Dialog zu erreichen seien. 

 

Die mehr als 110 Besucher:innen des Vortrags zeigten das Interesse an der Frage, welchen Beitrag Kirchen für den Frieden leisten können.

Die mehr als 110 Besucher:innen des Vortrags zeigten das Interesse an der Frage, welchen Beitrag Kirchen für den Frieden leisten können. / © Kirchenzeitung Diözese Linz / Josef Wallner

 

Bischof Dr. Manfred Scheuer, Gesamtverantwortlicher von PRO ORIENTE Sektion Linz leitete in seinem Grußwort mit einem Friedensgebet, das anlässlich des Heiligen Jahres 2025 formuliert wurde, auf den Vortrag von Botschafter Emil Brix über.


Botschafter Dr. Emil Brix ging in seinen Ausführungen über „Die Rolle der Kirchen in der diplomatischen Friedensarbeit“ einleitend der Frage nach, warum nach dem Ende des „Kalten Kriegs“ vor 35 Jahren sich keine stabile Weltordnung etabliert hat. Er sieht den Grund dafür in der fehlenden Gerechtigkeit, die sich in der stets größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich zeigt – in Europa und ganz besonders in den Ländern des Globalen Südens. Überdies haben sich die Machtverhältnisse und -ansprüche zwischen USA, China und Russland verschoben, was an den derzeitigen Kriegen und globalen Auseinandersetzungen sichtbar werde.


„Nur durch die Diplomatie werden wir keine vernünftigen Wege zu Gerechtigkeit und Friede finden“, betont Botschafter Brix. Es brauche dazu Partner. Die Kirchen sind aus seiner Sicht zu einer solchen Partnerschaft prädestiniert, weil sie einen klaren Friedsauftrag haben: „Warum verzichten wir in der Außenpolitik auf die Erfahrung der Kirchen, die selbst einen Weg von einer Gewalt ausübenden Rolle zum Frieden gegangen sind?“ Er stellte natürlich außer Diskussion, dass der Einsatz der Kirchen für den Frieden weder in der Geschichte noch heute ungebrochen ist. So hat die serbisch-orthodoxe Kirche in den Jugoslawien-Kriegen zu Gewalt aufgerufen und das jüngste Beispiel ist die bedingungslose Unterstützung des Angriffskriegs auf die Ukraine durch die russisch-orthodoxe Kirche. Im Blick auf diese Verfehlung des kirchlichen Friedenauftrags sagt Brix: „Keine Kirche der Welt kann allein einen Krieg beenden, aber es sollte keine beitragen, dass Kriege begonnen werden.“


Obwohl Kirchen ihren Friedensauftrag „das ein- oder andere Mal“ pervertiert haben, hält Brix an der Bedeutung des Friedenspotentials der Kirchen fest, das er in der Erfahrung für Geopolitik sieht: „Wir müssen uns mit denen verbünden, die immer geopolitisch tätig waren: das sind die Kirchen.“ Überdies können Kirchen „diskrete Räume des Dialogs schaffen“, betont Brix, die für Friedensgespräche unverzichtbar sind.


Der Botschafter rät den Kirchen, dass „sie sich offensiver für den Frieden einsetzen“. Der Schlüssel dabei ist „den Frieden als gerechten Frieden zu unterstützen.“


„Das 21. Jahrhundert verlangt nach mehr Dialogbereitschaft, nach mehr Friedenswillen, nach mehr Gerechtigkeit und – was zunehmend mehr außenpolitisches Thema wird – nach mehr Bewahrung der Schöpfung“, resümiert Botschafter Brix: „Diese Herausforderungen dürfe man nicht ausschließlich bei der Diplomatie lassen, sondern es braucht auch die Friedenskompetenz von Religionen.“ 

 

Dr. Josef Pühringer, Landeshauptmann a. D. und Vorsitzender von PRO ORIENTE Sektion Linz gab bei der Komitee-Sitzung auch einen Überblick über die PRO ORIENTE Aktivitäten in Oberösterreich im Jahr 2025. Zu den zehn öffentlichen Veranstaltungen (Vorträge, Ausstellung, Symposium, Begegnungen) kamen an die 1800 Teilnehmer:innen. Daraus ragt der Vortrag von Kardinal Reinhard Marx aus München, gemeinsam veranstaltet mit der Oberbank, hervor, zu dem allein 800 Besucher:innen kamen. Der Kardinal sprach über „Gesellschaft und Kirche im Wandel – Warum die Zukunft des Christentums uns alle betrifft“. Zu den besonderen Aufgaben der PRO ORIENTE Sektion Linz gehört die Begegnung mit den orthodoxen Gemeinden in Oberösterreich. Im Jahr 2025 haben sich Vertreter von PRO ORIENTE mit den rumänisch-orthodoxen Gemeinden in Braunau und Vöcklabruck zum Gebet, Kennenlernen und Erfahrungsaustausch getroffen

 

Gruppenfoto
v.l.: Dipl.-Theol. Bernd A. Mussinghoff, Generalsekretär PRO ORIENTE, Botschafter Dr. Clemens KOJA, Präsident PRO ORIENTE, Bischof Dr. Manfred Scheuer, Botschafter Dr. Emil Brix, Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Pühringer, Vorsitzender der Sektion und Leiter des Arbeitsausschusses PRO ORIENTE Sektion Linz, Sr. Barbara Lehner, Generaloberin der Elisabethinen, Prof. Dr. Florian Wegscheider, Sekretär des Arbeitsausschusses PRO ORIENTE Sektion Linz. / © Kirchenzeitung Diözese Linz / Josef Wallner

 

 

PRO ORIENTE - Josef Wallner

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