Dienstag 31. März 2026

Fastenkrippen, Heilige Gräber: Bildhafte Darstellungen der Leidensgeschichte Jesu

Zu den besonderen Bräuchen und Traditionen in der Karwoche gehören die Fastenkrippen und Heiligen Gräber. Sie veranschaulichen seit dem Mittelalter die Leidensgeschichte Jesu und sind auch in oberösterreichischen Kirchen zu finden.

Seit jeher ist es das Bedürfnis gläubiger Menschen, die Stationen des Leidens und Sterbens Jesu sinnenhaft nachvollziehen zu können. Heilige Gräber und Fastenkrippen vermitteln auf eindrückliche Weise das biblische Geschehen.  

 

Heilige Gräber – ein Stück Jerusalem für „zu Hause“

 

Dem Grab Jesu in Jerusalem als Ort des österlichen Geheimnisses galt stets besondere Aufmerksamkeit. Im Tempelchen über der Grabstätte Jesu, das inmitten der Grabeskirche von Jerusalem liegt, konnte man durch Öffnungen in die kleine Grabkammer blicken. „Um auch jenen Menschen, die nicht ins Heilige Land pilgern konnten, einen möglichst echten Eindruck zu vermitteln, wurde diese kleine Kapelle seit dem frühen Mittelalter vielfach kopiert“, sagt Judith Wimmer, Referentin im Fachbereich Kunst. Derartige Nachbauten sind in ganz Europa zu finden. In Linz ist hoch über der Donau neben der Kirche von St. Margarethen ein solches Abbild der Heilig-Grab-Ädikula mit der Grabgrotte im Inneren aus dem Jahr 1659 zu sehen.

 

In Linz ist hoch über der Donau neben der Kirche von St. Margarethen ein  Abbild der Heilig-Grab-Ädikula mit der Grabgrotte im Inneren aus dem Jahr 1659 zu sehen.

Abbild der Heilig-Grab-Ädikula mit der Grabgrotte im Inneren aus dem Jahr 1659 © Pfarrgemeinde Linz-St. Margarethen / Nicole Oertl

 

Nicht überall war Platz für eine große Anlage eines Kalvarienbergs. Daher löste man in späteren Zeiten die Grabgrotte aus ihrem architektonischen Umfeld und gestaltete sie so, dass sie für einige Tage im Kirchenraum aufgestellt werden konnte: im Sockel eines Altars oder mit zerlegbaren Kulissen, welche die Grabeshöhle imitierten. Darin war während der Kartage eine Figur des toten Christus zu sehen. Mitunter wurde mit Grabwächtern, den Frauen am Grabe oder trauernden Engeln eine umfangreichere Szenerie arrangiert. Auch die Eucharistie wurde hier zur Anbetung ausgesetzt. Besonders in der Barockzeit mit ihrer Vorliebe für bühnenhafte Aufbauten waren derartige Anlagen beliebt.

 

Neuanfertigungen, dem Verbot zum Trotz

 

Kaiser Joseph II. (1770–1790) hätte im Zuge seiner kirchlichen Reformen die Heiligen Gräber gerne als Ausdruck der Volksfrömmigkeit aus den Kirchen verbannt. Vielerorts setzte man sich jedoch darüber hinweg.

 

Im Lauf des 19. Jahrhunderts ließ man sogar neue Stücke anfertigen. Diese Heiligen Gräber waren oft stimmungsvolle Inszenierungen mit bunten, beleuchteten Gläsern, wie beispielsweise das Heilige Grab von 1889 in der Basilika Mondsee (in den Kartagen zu besichtigen). Diese Anlagen waren nicht mehr individuell erstellte Kunstwerke, sondern Katalogware, die in unterschiedlichen Größen bestellt werden konnte.

 

Im 20. Jahrhundert brachte das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) wiederum einen Einbruch der Tradition. Heilige Gräber wurden nicht mehr in der Kirche aufgestellt, weil sich der Fokus in der Liturgie veränderte und die Aufbauten oft als zu volkstümlich betrachtet wurden.

 

Seit Beginn dieses Jahrtausends erfährt der jahrhundertealte Brauch aber wieder verstärkte Aufmerksamkeit und Kunstgüter werden aus Kellern oder Dachböden geholt und restauriert.

„In Oberösterreich sind in unserem Kunstinventar rund 250 Figuren des Christus im Grab verzeichnet“, sagt Wimmer. Viele davon sind auch heute noch während der Kartage in den Kirchen oder Kalvarienbergkapellen zu sehen, unter anderem in Bad Ischl, Bad Leonfelden, Freistadt, Kremsmünster, Neustift im Mühlkreis, Sarleinsbach u.v.m.

 

In Bad Hall wird das Heilige Grab am Karfreitag beim Gottesdienst der im ORF-Radio (Ö2) und Fernsehen (ORF III) ab 19.00 Uhr übertragen wird, eine bedeutende Rolle spielen.

 

Eine außergewöhnliche Bühne für das Heilige Grab

 

Einzigartig in Österreich ist das Heilige Grab des Hofmalers Johann Baptist Wenzel Bergl (1719–1789) in der ehem. Stiftskirche Garsten, ein beeindruckendes Beispiel barocker Illusionsmalerei, das 1777/78 geschaffen wurde. Kulissen in vier hintereinander liegenden Ebenen setzen in gemalter Scheinarchitektur die tatsächliche Architektur der Losensteinerkapelle fort. „Glücklicherweise blieben die empfindlichen Kulissen in einem Depot erhalten“, ist Wimmer erleichtert. Sie wurden durch die Inventarisierung des Fachbereichs Kunst wieder in den Blick genommen und in den Werkstätten des Bundesdenkmalamts sorgfältig renoviert. Seit 2015 wird das ca. 8 Meter hohe und 7 Meter breite Berglgrab alle zwei Jahre in der Fastenzeit in der Losensteinerkapelle aufgestellt. 2027 ist es wieder zu besichtigen.

 

Einzigartig in Österreich ist das Heilige Grab des Hofmalers Johann Baptist Wenzel Bergl (1719–1789) in der ehem. Stiftskirche Garsten, ein beeindruckendes Beispiel barocker Illusionsmalerei, das 1777/78 geschaffen wurde. Kulissen in vier hintereinan

Berglgrab in der ehemaligen Stiftskirche Garsten © Diözese Linz / Judith Wimmer

 

Fastenkrippen – die Leidensgeschichte im Kleinformat

 

Fastenkrippen (auch Passions- oder Osterkrippen genannt) sind im Gegensatz zu den Weihnachtskrippen heute meist in Vergessenheit geraten. Dargestellt werden verschiedene Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu, etwa der Einzug in Jerusalem, das Letzte Abendmahl, die Kreuzigung und schließlich die Auferstehung. In Österreich wurden Fastenkrippen im 17. Jahrhundert zur Zeit der Gegenreformation populär. Insbesondere Jesuiten und Franziskaner förderten das Brauchtum, um die Vermittlung von religiösen Inhalten anschaulich für das einfache Kirchenvolk zu gestalten. Wie auch die Weihnachtskrippe war die Fastenkrippe aber nicht nur in der Kirche beheimatet, sondern häufig auch im privaten, bäuerlichen Umfeld.

 

Ebenso wie die Heiligen Gräber wurden auch Fastenkrippen durch Kaiser Joseph II. verboten, erst in den letzten Jahren erwachte vermehrt wieder das Bewusstsein für dieses Brauchtum. Im Fachbereich Kunst der Diözese Linz weiß man von einigen Exemplaren, die in Pfarrdepots auf ihre Wiederverwendung warten. Andere Pfarren und Pfarrgemeinden pflegen diese Tradition inzwischen wieder ganz bewusst.

 

Die einzige mechanische Fastenkrippe

 

Eine außergewöhnliche, weil bewegliche Fastenkrippe ist in der Philippsbergkirche in Schlatt bei Schwanenstadt zu finden. „Es ist die einzige mechanische Fastenkrippe im mitteleuropäischen Raum“, sagt Wimmer. Auf einer Drehbühne ziehen in zwei Ebenen bemalte Figuren aus Holz oder Blech an den Betrachter:innen vorbei, angetrieben von einem Uhrwerk aus dem Jahr 1712. Sie zeigen die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes. Die Fastenkrippe kann am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr besichtigt werden.

 

Eine außergewöhnliche, weil bewegliche Fastenkrippe ist in der Philippsbergkirche in Schlatt bei Schwanenstadt zu finden. Es ist die einzige mechanische Fastenkrippe im mitteleuropäischen Raum. Auf einer Drehbühne ziehen in zwei Ebenen bemalte Figure

Bewegliche Fastenkrippe mit Heiligem Grad n der Philippsbergkirche in Schlatt bei Schwanenstadt © Pfarrgemeinde Schwanenstadt / Johann Neuhuber

 

Die jüngsten Fastenkrippen

 

Erst 2019 wurde eine Fastenkrippe für die Pfarrkirche Eberstalzell angefertigt (zu besichtigen von Aschermittwoch bis Pfingsten), zwei Jahre später entstand jene der Pfarrgemeinde Oftering (75 Figuren in 15 Stationen, in der Kirche aufgestellt). Zu besichtigen sind weitere in der Pfarrkirche Buchkirchen bei Wels, sowie in der Kirche der Pfarrgemeinde Traun/St. Martin (nach den Gottesdiensten im Vorraum der Sakristei). Junge Anfertigungen gibt es auch in Regau und in Form einer Kastenkrippe in Oberneukirchen. Im Pfarrhof Linz-Ebelsberg sind Weihnachts- und Fastenkrippe in einer Kastenkrippe zusammengefasst.

 

1500 Stunden Arbeit: Die Osterkrippe von Timelkam

 

Seit dem Palmsonntag ist die Pfarrkirche von Timelkam um ein Highlight reicher: Am 29. März 2026 wurde die neue, 4,5 Meter breite und 1,5 Meter tiefe Osterkrippe eingeweiht. Um die 50 Krippenbauer:innen haben sie in 1500 ehrenamtlichen Stunden gefertigt, unterstützt von Krippenbaumeister Hans-Peter Kastinger und seiner Frau Petra.

 

Die Initialzündung für das Projekt hatte Kastinger bereits im Jahr 2018, er wollte für seine Pfarrgemeinde eine Osterkrippe bauen. Schon früh war klar, dass der Bau ein echtes Gemeinschaftsprojekt werden sollte: von Timelkamern für Timelkam. Nach der Planung und der Erstellung der Bauskizzen begann 2019 die Umsetzung, die jedoch 2020 durch die Corona-Pandemie jäh ausgebremst wurde. 

 

Erst im Herbst 2025 wurde wieder Hand angelegt. Sämtliche Arbeiten erfolgten zu 100 Prozent ehrenamtlich. Lediglich die Ausstattung mit Figuren wurden über Spenden finanziert. Etwa 100 Figuren konnten damit von der Firma Heide aus Südtirol angeschafft werden. Im März 2026 wurde das Projekt schlussendlich mit dem Unterbau, der Beleuchtung und dem Hintergrund finalisiert.

 

Die Krippe kann bis zum 14. Mai 2026 in der Pfarrkirche besucht werden.

 

 

© Erasmus Gruenbacher
 

 

 

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