PRO ORIENTE: 350 Millionen Christ:innen von Verfolgung betroffen
„Es ist ein Skandal, dass im 21. Jahrhundert Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt werden", betonte der Vorsitzende von PRO ORIENTE Sektion Linz, LH a. D. Josef Pühringer anlässlich einer Pressekonferenz am 17. März 2026 im Linzer Bischofshof. Und dieser Skandal schaffe es nur selten in die Schlagzeilen, weil er kaum eine Stimme habe und das Thema nicht berühre. Umso wichtiger sei es, so Pühringer, Christenverfolgung sichtbar zu machen. Denn: „Christ sein war noch nie so gefährlich wie heute."

V. l.: KonsR Dr. Slawomir Dadas (Bischofsvikar für Soziales und Weltkirche, Rektor im Mariendom, Regens des Priesterseminars, Obmann der Initiative Christlicher Orient) , Bischof Manfred Scheuer und LH a. D. Josef Pühringer (Vorsitzender von PRO ORIENTE Sektion Linz) © Diözese Linz / Johannes Kienberger
Feindlichkeit gegenüber Christ:innen steigt
Schätzungen zufolge leben weltweit rund 2,3 Milliarden Christ:innen. Davon sind mehr als 350 Millionen Menschen in einem extremen oder sehr hohen Maß daran gehindert, ihren Glauben frei auszuüben. Sei es durch konstanten gesellschaftlichen Druck oder durch Gewalt. Um die 5000 Christ:innen wurden im Jahr 2025 wegen ihres Glaubens getötet. Laut PRO ORIENTE findet Christ:innenverfolgung in 11 Ländern in extremem Ausmaß statt, in weiteren 44 Ländern liegt ein hohes Maß an Einschränkungen vor – besonders in Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Und nach aktuellen Berichten steige die Feindlichkeit gegenüber Christ:innen weltweit weiter an, sagte Pühringer. NGOs würden vor zunehmenden Hassverbrechen gegen Christen warnen – nicht nur in anderen Teilen der Welt, sondern auch innerhalb Europas.
Bischof Scheuer fordert Solidarität ein
Angesichts der weltweit zunehmenden Christ:innenverfolgung mahnte Bischof Manfred Scheuer zu größerer Aufmerksamkeit und rief zu Solidarität auf. Er betonte, dass das Christentum die am stärksten verfolgte Religion der Welt sei. Christ:innenverfolgung zeige sich nicht nur in offener Gewalt wie Mord, Entführungen oder Anschlägen, betonte Bischof Scheuer: „Sie äußert sich auch in einem dauerhaften Druck auf das alltägliche Leben von Gläubigen – etwa durch Diskriminierung im gesellschaftlichen Leben, Einschränkungen der Religionsfreiheit oder staatliche Kontrolle kirchlicher Aktivitäten.“

Bischof Manfred Scheuer rief zu größerer Solidarität und zu einem entschiedenen Einsatz für Religionsfreiheit weltweit auf: „Religionsfreiheit ist ein fundamentales Menschenrecht. Wer für seinen Glauben verfolgt wird, darf nicht vergessen werden.“ © Diözese Linz / Johannes Kienberger
Besonders dramatisch sei die Lage in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens. In Ländern wie Nigeria, Somalia oder Afghanistan seien Christ:innen massiver Gewalt und Verfolgung ausgesetzt. Auch in Staaten wie Iran, Pakistan oder Indien komme es immer wieder zu Diskriminierung, Angriffen auf Kirchen oder Gewalt gegen christliche Gemeinschaften. Bischof Scheuer wies zudem darauf hin, dass Christ:innenverfolgung kein ausschließlich religiös motiviertes Phänomen sei. „Oft spielen politische Konflikte, ideologische Radikalisierung oder autoritäre Regime eine entscheidende Rolle“, erklärt der Bischof. Auch in Lateinamerika gerieten kirchliche Vertreter immer wieder ins Visier krimineller Organisationen, wenn sie sich gegen Korruption, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen engagieren.
Neu: Digitale Überwachung
Eine relativ neue neue Form der Unterdrückung zeige sich insbesondere im Nahen Osten und in Nordafrika. Personen, die zum Christentum konvertieren oder sich dafür interessieren – häufig Frauen – werden zunehmend digital überwacht. Familienmitglieder kontrollieren Smartphones oder Tablets, verfolgen Bewegungsprofile über GPS oder blockieren den Zugang zu religiösen Inhalten. Dadurch wird nicht nur der Zugang zu Kirchen erschwert, sondern auch der Austausch mit anderen Gläubigen verhindert.
Besorgniserregend sei auch für ihn, dass das Thema international häufig zu wenig Aufmerksamkeit erhalte. „Die Not vieler Christinnen und Christen bleibt oft im Schatten der weltpolitischen Debatten“, so Scheuer.
Mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für den Christlichen Orient
Die Initiative Christlicher Orient (ICO) wies erneut auf die schwierige Situation vieler christlicher Gemeinschaften im Nahen Osten hin. Seit Jahrzehnten setzt sich die Organisation dafür ein, die Lebensrealität von Christen in Ländern wie der Südosttürkei, dem Irak, Syrien, dem Libanon sowie in Israel und Palästina sichtbar zu machen und konkrete Hilfe zu leisten. „In vielen Ländern des Nahen Ostens leben Christen als Minderheit. Je nach politischer Lage erleben sie Benachteiligung, Diskriminierung oder in extremen Fällen sogar Verfolgung“, erklärte ICO-Generalsekretär Slawomir Dadas.

„Wir möchten möglichst viele Menschen motivieren, unsere Schwestern und Brüder im Glauben zu unterstützen und ihnen eine faire Lebenschance zu ermöglichen“, betonte ICO-Generalsekretär Slawomir Dadas.
Auch nach Einschätzung der Initiative wird das Thema in Europa bislang zu wenig wahrgenommen. „Leider unternimmt Europa insgesamt noch immer zu wenig, um angemessen auf diese Situation zu reagieren. Wenn Unterstützung erfolgt, dann meist durch zivilgesellschaftliche Initiativen oder einzelne politische Gruppen“, so Dadas. Nachholbedarf sieht er auch in der medialen Berichterstattung: „Gerade in Österreich wäre eine stärkere öffentliche Aufmerksamkeit für die Lage der Christen im Nahen Osten wünschenswert.“
Dadas rief ebenfalls zu mehr Solidarität auf: „Wir laden alle Menschen guten Willens ein, die Augen vor der Not der Christen im Orient nicht zu verschließen und unsere Arbeit zu unterstützen.“ Das Thema der Christenverfolgung dürfe nicht rechtspopulistischer Angstmacherei überlassen werden.







