Zulassungsfeier für erwachsene Taufkandidat:innen im Linzer Mariendom
Jedes Jahr findet an einem Freitagabend in der Fastenzeit – rechtzeitig vor dem Osterfest – ein besonderer Gottesdienst statt. So kamen auch heuer am 13. März 2026 18 Personen aus ganz Oberösterreich in den Linzer Mariendom, um dort von Bischof Manfred Scheuer die Zulassung zur Taufe bzw. zu den Initiationssakramenten Taufe, Firmung und Eucharistie zu erbitten. Begleitet wurden sie dabei von ihren Angehörigen, von ihren Seelsorger:innen und Katechet:innen sowie von ihren zukünftigen Taufpat:innen. In der Diözese Linz – so wie in allen anderen österreichischen Diözesen – dauert die Vorbereitung auf die Erwachsenentaufe in der Regel ein Jahr. In dieser Zeit sollen die Interessierten gemeinsam mit ihren Begleiter:innen – und eingebettet in ihre Pfarrgemeinde bzw. in der diözesanen Gruppe – die Grundlagen des Christentums kennenlernen: Basisinhalte der christlichen Religion, christliche Spiritualität sowie eine christliche Lebensgestaltung. Während die Aufnahme in den sogenannten Katechumenat (= Taufvorbereitung) wie auch die Feier der drei Initiationssakramente in den jeweiligen Pfarrgemeinden selbst stattfinden, hat die Feier der Zulassung ihren Ort in der Bischofskirche.

Zulassungsfeier für erwachsene Taufkandidat:innen in der Krypta des Mariendoms. / © Diözese Linz / Johannes Kienberger
Beeindruckende Glaubenszeugnisse
Im Rahmen der Zulassungsfeier wurden von allen Taufwerber:innen Glaubenszeugnisse vorgelesen.
Zwei erwachsene Taufwerber, die sich in diesem Jahr auf die Taufe vorbereiten, schilderten ihren persönlichen Weg zum Glauben als eine Entwicklung, die über Jahre gewachsen ist. Einer von ihnen erzählte in seinem Glaubenszeugnis davon, dass er ohne religiöses Bekenntnis aufgewachsen sei, der Glaube aber dennoch „irgendwie immer ein Teil meines Lebens“ gewesen sei. Vor allem seine Großmutter habe ihn früh geprägt: An ihr habe er erlebt, „wie wichtig Vertrauen, Gebet und Gott im Alltag sein können“. Auch wenn er lange nicht getauft gewesen sei, habe ihn die Frage nach dem Glauben nie ganz losgelassen. In den vergangenen Jahren sei der Wunsch stärker geworden, diesen Schritt bewusst zu gehen. Einen wichtigen Impuls habe auch seine Partnerin gegeben, die ihren Glauben aktiv lebe und ihn ermutigt habe, sich intensiver mit dem Christentum auseinanderzusetzen. Mit dem Erwachsenwerden sei ihm schließlich klar geworden, dass er die Taufe aus eigener Überzeugung empfangen wolle: „Die Taufe ist für mich ein bewusstes Ja zum Glauben und ein Schritt, der sich richtig anfühlt.“

Angelika Danner, Katechumenatsverantwortliche der Diözese Linz verlaß die Glaubenszeugnisse der Taufwerber:innen. / © Diözese Linz / Johannes Kienberger
Auch eine zweite Taufwerberin beschreibt ihren Weg zum Glauben als einen Prozess des Suchens und Fragens. Da sie nicht in eine Religion hineingewachsen sei, habe sie die Möglichkeit gehabt, sich bewusst mit verschiedenen Glaubensrichtungen auseinanderzusetzen und für sich zu prüfen, womit sie sich identifizieren könne. Dabei seien viele Fragen entstanden, auf die es nicht immer eindeutige Antworten gebe. Dennoch sei ihr in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden, dass der Glaube an Gott und an das Gute in der Welt Hoffnung und Halt schenken könne. Der Glaube helfe ihr, die kleinen Momente des Alltags bewusster wahrzunehmen und auch Herausforderungen anders anzunehmen, „weil ich spüre, dass ich nicht allein bin“. Gleichzeitig habe sie den Wunsch verspürt, diesen Glauben nicht nur für sich zu leben, sondern auch Teil einer Gemeinschaft zu sein. Zwar könne man an Gott glauben, ohne einer Kirche anzugehören, doch habe sie sich dabei oft noch orientierungslos gefühlt. In Gesprächen und in der Vorbereitung auf die Taufe seien viele Fragen verständlich erklärt worden, sodass sie heute sagen könne: „Ich versuche nicht mehr nur, an Gott zu glauben – ich glaube an Gott und will diesen Glauben bewusst leben.“ Die Entscheidung zur Taufe sei deshalb weniger das Ergebnis eines einzelnen Moments gewesen, sondern Ausdruck einer Lebenshaltung: Sie wolle nach christlichen Grundsätzen leben, „weil sie meinem Leben Freude, Liebe und Leichtigkeit schenken“ und ihr zeigten, auf welchem Weg sie sich am meisten aufgehoben fühle.
Bischof Manfred Scheuer: Gott kennt jeden Menschen beim Namen
Bischof Manfred Scheuer stellte in seiner Predigt die Bedeutung des eigenen Namens und die persönliche Beziehung zwischen Gott und dem Menschen in den Mittelpunkt. Ein Name sei weit mehr als eine bloße Bezeichnung, betonte er: „Der Name ersetzt den Fingerabdruck, er ist unsere Visitenkarte und zeichnet uns aus.“ Im Namen spiegelten sich Herkunft, Erwartungen an die Zukunft und Vorbilder im Glauben wider. Zugleich ermögliche er es, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Der Name mache jeden Menschen unverwechselbar und einmalig.

Predigt Bischof Manfred Scheuer: „Gott kennt jeden Menschen beim Namen“. / © Diözese Linz / Johannes Kienberger
Zugleich erinnerte Bischof Scheuer daran, dass auch Gott sich den Menschen mit einem Namen offenbart habe. In der Begegnung mit Mose im brennenden Dornbusch nenne sich Gott „Ich-bin-da“ – ein Name, der Gottes verlässliche Nähe ausdrücke. „Wir sind keine Zahl, keine Nummer in einer göttlichen Bürokratie. Er kennt unseren Namen, er kennt unser Innerstes, er weiß um unsere Schwächen und Stärken. ‚Du gehörst mir‘, sagt Gott: nicht im Sinne einer Versklavung, sondern im Sinne einer lebenslangen, liebenden Bindung. Es ist wie eine Liebesbeziehung, wie eine große Freundschaft“, so Scheuer.

Bischof Manfred Scheuer segnete alle Taufwerber:innen. / © Diözese Linz / Johannes Kienberger
Der Bischof ermutigte die Taufwerber:innen dazu, sich wie die Jünger im Evangelium immer wieder neu auf die Suche nach Gott zu machen und Fragen nach dem Glauben zu stellen. „Wer ist dieser Gott Jesu und wie ist er? Wie lautet seine Botschaft? Wie begegnet er uns in der heutigen Zeit? Wie wird der Glaube hier in Österreich gelebt? Ihr stellt den Christen in eurer Pfarre die Frage: Woran glaubt ihr? Was zeichnet euren Glauben aus? Diese Fragen werden uns immer beschäftigen. Wir werden nie alle Antworten kennen, wir werden nicht immer Antwort geben können.“ Wer Jesus frage „Wo wohnst du?“, erhalte auch heute die Einladung: „Komm und sieh – ich bin hier in der Welt, bei den Menschen, gerade bei denen, die in irgendeiner Weise von materieller und seelischer Not betroffen sind. Komm und sieh: Ich bin hier in der Welt, bei dir.“ Geistliches Leben erwachse daher aus dem Hören auf Gottes Wort, das Jesus in Person sei, betonte Scheuer.








