4 Jahre Ukraine-Krieg: Ökumenisches Friedensgebet mit Bischof Manfred Scheuer
Anlässlich des 4. Jahrestags des russischen Überfalls auf die Ukraine fanden in mehreren österreichischen Städten kirchliche Gedenkveranstaltungen und Friedensgebete statt. In Linz wurde am Dienstag, 24. Februar 2026 um 17.30 Uhr im Alten Dom / Ignatiuskirche ein ökumenisches Friedensgebet mit Bischof Manfred Scheuer abgehalten. Gestaltet wurde es von der Gemeinde der Seelsorgestelle "Hl. Josaphat" der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche im Gebiet der Diözese Linz. Die musikalische Gestaltung übernahm der Pfarrchor unter der Leitung von Andrii Opamashchuk. Seelsorger Andrii Kityk dankte allen Menschen guten Willens für ihre Anwesenheit, ihre Solidarität und ihre Unterstützung.
Das Friedensgebet feierten Bischof Manfred Scheuer, der Pfarrer von Linz-Mitte Martin Füreder, Pastoralvorständin Monika Weilguni und Verwaltungsvorstand Robert Janschek und der Kirchenrektor der Ignatiuskirche / Alter Dom Slawomir Dadas mit. Unter den Mitfeiernden waren auch der Vorsitzende von Pro Oriente Sektion Linz LH a. D. Josef Pühringer, der Gouverneur der Region Odessa Oleh Kiper und der Präsident des Oö. Landtags Max Hiegelsberger.
Im Rahmen des Abends wurde auch eine Sammlung für die Caritas Tscherkassy zur Unterstützung von Familien in Kiew durchgeführt, die besonders von der winterlichen Kälte betroffen sind.
© Ukrainische Gemeinde OÖ
Scheuer: Gebet als „stammelnder Ausdruck der Verbundenheit mit dem ukrainischen Volk“
Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt: „In das heutige Beten nehmen wir den absurden Wahnsinn des Krieges, den Terror und die Aggression seit dem brutalen russischen Angriff auf die Ukraine vor vier Jahren. Die Städte der Ukraine wurden und werden von Bomben getroffen, Raketen verursachen Tod, Zerstörung und Schmerz, Hunger, Durst und Kälte. Leichen tragen die Spuren von Folter. Viele, viel zu viele sind vom Krieg betroffen: Kinder, die getötet, verletzt oder zu Waisen gemacht wurden und den damit verbundenen unermesslichen Schmerz der Mütter. Hundertausende Soldaten sind gefallen.“ Bei den Opfern handle es sich nicht um Zahlen, sondern um „Personen, geliebte Menschen mit Namen, Gesichtern und konkreten Geschichten. Sie hatten und haben einen Platz im Herzen geliebter Menschen“, so Scheuer.
Trotz dieser unermesslichen Tragödie habe sich das ukrainische Volk nie entmutigen lassen. „Man muss es beim Namen nennen: Das ist gezielte Vernichtung! Vernichtung von Menschen, aber auch Vernichtung eines Volkes und einer Kultur. Es sind die größten Attacken auf die Gesundheitsversorgung auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Systematisch wird die Energieversorgung der Bevölkerung durch russische Raketen zerstört“, fand der Bischof klare Worte für die Situation in der Ukraine.
Scheuer erinnerte an die Zusage Jesu aus dem Johannesevangelium: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14,26). „In Jesu Gefolge, in seiner Hinterlassenschaft, in seiner seine Erbschaft ist Friede, weil er das Karussell der Gewalt, der Aggression, der Verachtung und des Krieges unterbrochen und Entfeindung und Versöhnungsbereitschaft gelebt hat.“ Es blühe hinter Jesus her, so Scheuer in Anlehnung an ein Wort von Hilde Domin, „weil nicht der Totenkopf sein Zeichen, sein Testament war, sondern die Hoffnung auf Leben und Auferstehung für alle“.
Dass Friede möglich und auch geboten sei, sei stets ein Grundsatz der Kirche gewesen. Johannes XXIII. habe in seiner Enzyklika Pacem in terris (Frieden auf Erden) im Jahr 1963 vier Säulen des Friedens genannt: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit. „Grundlagen für einen nachhaltigen Frieden sind die Einhaltung der Menschenrechte und die Suche nach Gerechtigkeit. Es geht darum, das Recht des Stärkeren durch die Stärke des Rechts zu ersetzen. Zu den schwerwiegenden Verstößen von Menschenrechten zählen Verstöße gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die Menschenrechte wiederum müssen das Fundament des Völkerrechts sein. Friede geht – so Papst Franziskus – einher mit einer Kultur der Solidarität und des Mitgefühls, die die Religion in die Gesellschaft einbringen muss“ erinnerte Scheuer.
Gebet habe etwas Widerständiges an sich, es gebe sich nicht zufrieden mit dem Ist-Zustand und arbeite an einer Welt, die anders und besser sein solle. „Beten ist der Testfall der Hoffnung, dass Gewalt und Tod nicht das letzte Wort haben. Und Beten ist ein Protest gegen die Resignation und Gleichgültigkeit. Unser Gebet kann heute nur ein stammelnder Ausdruck der Verbundenheit mit dem ukrainischen Volk sein. In den letzten Jahren haben sich zu viele an den Krieg gewöhnt, ihn auf die Seite gedrängt oder gar vergessen. Das ukrainische Volk fühlte sich vergessen, allein gelassen, im Stich gelassen. Unser Friedensgebet: ein stotterndes Zeichen dafür, dass wir in Österreich und in der Kirche die Ukraine nicht vergessen und nicht im Stich lassen wollen“, betonte Scheuer, der meinte, das gemeinsame Gebet solle zur Tat und zu konkreter Hilfe führen.
Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

Bischof Manfred Scheuer: „Beten ist der Testfall der Hoffnung, dass Gewalt und Tod nicht das letzte Wort haben.“ © Ukrainische Gemeinde OÖ
Huber: „Als Caritas werden wir weiter helfen, wo wir können“
Marion Huber, Vorstandsmitglied der Caritas OÖ, wies beim Friedensgebet auf die weiterhin schwierige Situation der Zivilbevölkerung hin – sowohl in der Ukraine als auch in Österreich, wo viele Vertriebene Schutz gefunden haben. Die Flüchtlingshilfe der Caritas OÖ betreut aktuell rund 550 Menschen aus der Ukraine. Im Vergleich zu den Monaten unmittelbar nach Kriegsausbruch ist diese Zahl deutlich gesunken, damals waren es mehr als 2000 Menschen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt im raschen Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt, der den Vertriebenen bereits wenige Monate nach ihrer Ankunft eröffnet wurde.
Die aktuelle Betreuungssituation ist allerdings von neuen Herausforderungen geprägt. „Unter den Vertriebenen in Oberösterreich schwindet die anfängliche Hoffnung zunehmend, bald in die Ukraine zurückkehren zu können. Ein großer Teil der betreuten Personen sind außerdem ältere und chronisch kranke Menschen, die dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Der bürokratische Aufwand – etwa im Zusammenhang mit Pensionsbezügen aus der Ukraine – ist hoch“, weiß Marion Huber. Die Integration stellt außerdem laufend neue Anforderungen an die Gesellschaft in den verschiedensten Lebensbereichen. Dennoch lautet Hubers Appell: „Wenn Menschen, die auf der Suche nach Schutz und Sicherheit zu uns kommen, fordert das unsere Solidarität im Sinne der Menschlichkeit. Die Herausforderungen sind groß, aber als Caritas werden wir weiter helfen, wo wir können – bei uns ebenso wie in den Kriegsgebieten.“
Die Ukraine erlebt den bislang härtesten Kriegswinter. Aktuell sorgen die russischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur dafür, dass viele Menschen bei niedrigsten Temperaturen keine Heizung, kein Strom und kein Wasser zur Verfügung haben. Die Caritas hilft mit dem Notwendigsten: mit warmer Winterausstattung, Unterstützung fürs Heizen, Wärmepunkten und Generatoren. „Unser starkes Partnernetz ermöglicht es uns, rasch zu helfen. Wir stehen laufend im engen Austausch mit unseren Kolleg:innen vor Ort und in den Nachbarländern. Viele von ihnen riskieren ihr Leben im Einsatz für Menschen in Not“, so Marion Huber, die auch in diesem Zusammenhang zu Solidarität aufruft: „Spenden sind ein wichtiger Beitrag, um das Überleben der Menschen zu sichern.“
Weitere Informationen zur Situation in der Ukraine und Spendenmöglichkeit:
Spenden & Nothilfe Ukraine: Caritas Österreich

Ökumenisches Friedensgebet für die Ukraine in der Ignatiuskirche / Alter Dom Linz. © Ukrainische Gemeinde OÖ
Besuch des ukrainischen Bischofs Dmytro Hryhorak
Drei Wochen lang ist derzeit eine Delegation rund um Bischof Dmytro Hryhorak, den Ordinarius der Eparchie (Diözese) Buchach der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in Europa unterwegs. Ziel ist ein Austausch mit Partnern und Freunden über die Situation der Bevölkerung und der Kirche in der Ukraine, das seit dem Angriff durch Russland vor vier Jahren im Kriegszustand lebt. Bei einer Begegnung am Nachmittag 24. Februar 2026 mit Bischof Manfred Scheuer im Linzer Bischofshof berichteten Bischof Dmytro Hryhorak, Pfarrer Volodymyr Hrabyk Pfarrer Anton Krushelnytskyi von der verzweifelten Lage der Ukrainerinnen und Ukrainer. Bischof Manfred Scheuer sicherte seinem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Hryhorak die Solidarität, die Unterstützung und das Gebet der Katholischen Kirche in Oberösterreich zu.

V. l.: Pfarrer Volodymyr Hrabyk; Bischof Dmytro Hryhorak, Ordinarius der Eparchie (Diözese) Buchach der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche; Bischof Manfred Scheuer und Pfarrer Anton Krushelnytskyi.
Diözese Linz / Caritas OÖ








