Saturday 7. February 2026

„Geweihtes LEBEN – ein Widerspruch zum Geschäft mit der WARE MENSCH“

Etwa 80 Ordensfrauen und -männer sowie Mitglieder von Säkularinstituten der Diözese Linz begingen am 31. Jänner 2026 den „Tag des geweihten Lebens" im Konvent der Kreuzschwestern in Linz.

In ihren Grußworten erinnerte Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl, Marienschwester vom Karmel und stv. Vorsitzende der Ordenskonferenz der Diözese Linz, an das nachsynodale Schreiben „Vita consecrata“, welches vor genau 30 Jahren – im Jahr 1996 – herausgekommen ist und machte bewusst, dass auch der „Tag des geweihten Lebens“ heuer zum 30. Mal gefeiert wird.

 

„Geweihtes LEBEN – ein Widerspruch zum Geschäft mit der WARE MENSCH“

Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl. © Sr. Anna Pointinger / Marienschwestern vom Karmel

 

 

Prophetische Präsenz gegen Menschenhandel

 

In einem eindringlichen Vortrag gaben Sr. Maria Schlackl SDS und P. Hans Eidenberger SM Einblick in das Geschäft mit der „WARE MENSCH" und ihr Engagement: Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde. Sie beleuteten die Realität von Menschenhandel und Zwangsprostitution in Österreich, eingebettet in den kirchlichen Kontext des geweihten Lebens.

 

P. Hans Eidenberger, Sr. Maria Schlackl

P. Hans Eidenberger und Sr. Maria Schlackl berichteten von ihrem Einsatz gegen Menschenhandel und Prostitution. © Sr. Anna Pointinger

 

Passend zu diesem Thema kam unmittelbar davor  ein aktuelles Schreiben des Dikasteriums für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens mit dem Titel: „Prophetische Präsenz: Geweihtes Leben dort, wo die Würde verletzt und der Glaube geprüft wird" heraus.

 

Anhand konkreter Lebensgeschichten von betroffenen Frauen aus Osteuropa und Afrika wurde deutlich, wie Armut, Täuschung und kriminelle Netzwerke Menschenhandel ermöglichen. Thematisiert wurden Methoden wie die sogenannte „Loverboy-Masche“ sowie die massive Ausbeutung Minderjähriger. Menschenhandel gilt laut internationalen Organisationen als einer der am schnellsten wachsenden kriminellen Wirtschaftszweige weltweit – auch in Österreich ist das Dunkelfeld enorm.

 

Prostitution als strukturelles Gewaltproblem erkannt


Der Vortrag stellte klar: Prostitution ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Gewaltproblem, das durch Nachfrage entsteht. Die Verantwortung liege nicht nur bei Täternetzwerken, sondern auch im Zielland und bei den Sexkäufern, die den Markt aufrechterhalten. Gewalt an Frauen müsse daher klar als Männergewalt benannt werden.

 

Im theologischen Teil wurde der Opferbegriff differenziert: Zwischen „Victim“ (Opfer von Gewalt) und „Sacrificium“ (hingegebene Gabe). Geweihtes Leben wurde als Berufung verstanden, das Geschenk der Würde Gottes zu jenen zu bringen, die zu Opfern gemacht wurden. Ordensgeschichtliche Beispiele der Marianisten zeigten, dass dieses Engagement tief in der Tradition verwurzelt ist.


Die konkrete Realität von Prostitution, Menschenhandel und sexualisierter Gewalt sowie der gesellschaftliche und politische Umgang zeigten auf, wo der Weg zu Hilfen bereit oder (noch) geschlossen ist. Anhand von Beispielen aus Österreich und Deutschland wurde deutlich gemacht, dass die Legalisierung von Prostitution keine Würde schafft, sondern Ausbeutung lediglich sichtbarer macht.


Hervorgehoben wurde, dass es keinen „typischen Sexkäufer“ gibt: Der Begriff  wurde bewusst verwendet, um klar zu benennen, dass es dabei nicht um Beziehung, sondern um den Kauf sexueller Handlungen geht. Ein zentrales Argument war, dass rund 95 Prozent der in der Prostitution tätigen Frauen aus dem Ausland stammen, oft ohne ausreichende Sprachkenntnisse oder Wissen über ihre Rechte – ein deutlicher Hinweis auf strukturelle Ungleichheit und Zwang.


Der Vortrag thematisierte die systematische Entmenschlichung der Frauen, etwa durch Besitzmarkierungen wie Tätowierungen durch Zuhälter, sowie die langfristigen psychischen Folgen wie Dissoziation, Traumatisierung und Suizidgefahr. Auch aktuelle Fälle aus Österreich zeigten, dass Menschenhandel kein fernes Problem ist, sondern mitten in unserer Gesellschaft stattfindet.

 

Männer zur Verantwortung ziehen


Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Männer: Nicht Frauen müssten besser geschützt werden, sondern Männer müssten andere Männer klar zur Verantwortung ziehen. Bewusstseinsbildung müsse dort ansetzen, wo Gewalt oft toleriert oder verharmlost wird – auch im Sport, bei Großveranstaltungen und durch sexistische Werbung.
Als politische Alternative wurde das "nordische Modell" vorgestellt, welches auf   Entkriminalisierung der prostituierten Menschen, konsequente Unterstützung beim Ausstieg,   Kriminalisierung von Sexkäufern und Profiteuren und der Beweislastumkehr zugunsten der Betroffenen setzt.

 

SOLWODI bietet Frauen Schutz und Würde


Abschließend wurde die Arbeit von SOLWODI vorgestellt: Schutzwohnungen, Beratung, Begleitung bei Behördenwegen, Traumaarbeit sowie umfassende Präventions- und Bildungsarbeit. Ziel ist es, Frauen Schutz, Würde und eine Perspektive zu geben und gleichzeitig gesellschaftliche und politische Veränderungen einzufordern. SOLWODI Österreich begleitet seit über zehn Jahren Frauen aus Menschenhandel. 


Der Vortrag endete mit einem klaren Appell zu Zivilcourage, Bewusstseinsbildung und politischem Handeln, um Menschenhandel und sexualisierte Ausbeutung wirksam zu bekämpfen. Hinschauen, benennen, betroffen werden – und Verantwortung übernehmen.

 

https://www.solwodi.at/solwodi-linz/

 

Um 16.00 Uhr feierten die Ordenschrist:innen gemeinsam die Vesper, danach war Zeit für Begegnung und Stärkung. 

 

„Geweihtes LEBEN – ein Widerspruch zum Geschäft mit der WARE MENSCH“
„Geweihtes LEBEN – ein Widerspruch zum Geschäft mit der WARE MENSCH“
„Geweihtes LEBEN – ein Widerspruch zum Geschäft mit der WARE MENSCH“

© Sr. Anna Pointinger / Marienschwestern vom Karmel

 

 

Gottesdienste und Begegnungen in ganz Österreich

 

Weltweit begeht die Kirche am 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn, den „Tag des geweihten Lebens", der 1997 von Papst Johannes Paul II. eingeführt worden war. Er soll die Wertschätzung von Orden und anderen Gemeinschaften geistlichen Lebens fördern. „An diesem ‚Tag des geweihten Lebens‘ wollen wir im Namen der Österreichischen Ordenskonferenz Ihnen und euch allen Danke sagen, die ihr jeden Tag neu versucht, diese Berufung, euer geistliches Leben, zu leben und mit Leben zu erfüllen, die ihr versucht, durch diese Gelübde in der Freiheit und in der Liebe zu Gott und den Menschen immer zu wachsen“, richtet die ÖOK-Vorsitzende Sr. Franziska Madl ihren Dank an alle Ordensleute.

 

Rund um den „Tag des geweihten Lebens" finden jedes Jahr Ende Jänner und Anfang Februar in mehreren österreichischen Diözesen Gottesdienste und Begegnungen statt. Ordensleute und Mitglieder geistlicher Gemeinschaften kommen dabei zu Vespern, Impulsen und gemeinsamen Feiern zusammen.

 

Sr. Anna Pointinger, Marienschwestern / Ordensgemeinschaften Österreich

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