Pastoraltagung 2026: Perspektiven der Verwundbarkeit
Die Tagung unter dem Generalthema „Verletzlich. Berührbar. Christliche Perspektiven zur Verwundbarkeit" griff inhaltlich politische, soziale, theologische und spirituelle Perspektiven auf. Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland und Schweiz referierten vor etwa 400 Teilnehmenden, darunter Kardinal Timothy Radcliffe, die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger sowie der bekannte Ordensmann und Aktivist P. Jörg Alt und die Pionierin der Spiritual-Care-Bewegung, die Schweizer Psychoonkologin Monika Renz. „Verwundbarkeit gehört zum Menschsein" und sei angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen ein zentrales pastorales Thema, erklärte der Kärntner Bischof Josef Marketz, in der Österreichischen Bischofskonferenz für Pastoral sowie für das Österreichische Pastoralinstitut (ÖPI) zuständig, in seiner Eröffnungsrede die Relevanz des Themas.
Theologe Franz Gruber: Liebe als Gegenkraft zu Angst, Gewalt und Tod

Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber referierte über "die erlösende macht der Liebe in systemisch-theologischer Perspektive. © MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil
Der Linzer Dogmatiker Prof. Franz Gruber näherte sich dem Thema Verwundbarkeit aus einer systematisch-theologischen Perspektive. Verwundbarkeit, Empathie und „Berührbarkeit" seien Grundbedingungen von Leben, Beziehung und Komplexität und damit nicht nur anthropologisch, sondern auch kosmologisch relevant. Der Mensch sei jenes Wesen, das Empfindsamkeit nicht nur für sich selbst, sondern auch für Mitmenschen, Tiere und die Umwelt trage, so der emeritierte Dogmatikprofessor.
Ausgehend von einem schöpfungstheologischen Zugang betonte Gruber, dass Jesus zu einer „Lebensschule" einlade, in der Angst, Verletzlichkeit und Sorge nicht verdrängt, sondern im Vertrauen auf Gott überschritten würden. Im Kreuzestod Jesu werde ein Ort radikaler Verletzlichkeit zugleich zum Ort einer neuen Gotteserfahrung.
Erlösung bedeute nach Gruber nicht die Abwesenheit von Leid oder Gewalt, sondern die Zusage von Vergebung und Heilung - für Opfer wie Täter. Trotz fortbestehender Verletzungen bleibe Liebe jene Kraft, die Angst, Tod und Gewalt durchbrechen könne. In der bedingungslosen Anerkennung des Menschen werde eine Dimension des Unbedingten erfahrbar, die den Kern der christlichen Hoffnung bilde, schloss Gruber seinen Vortrag.
Auch in diesem Jahr war die Diözese Linz mit Vortragenden wieder stark vertreten. Neben Franz Gruber referierte Dipl.-PAss. Florian Baumgartner (Regenbogenpastoral) über „Erfahrungen mit Verwundbarkeit: Beispiele aus dem Leben". MMMag. Hubert Nitsch, Referent für Kunstpastoral, begleitet die Teilnehmenden bei der Mitarbeit an einem Fastentuch, entworfen von der Künstlerin Annelies Senfter.

Michaela Helletzgruber berichtete über die Notfallseelsorge und Krisenbegleitung in der Diözese Linz © MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil
Am „Marktplatz" waren Dipl.-Päd. Michaela Helletzgruber (Referentin der Notfallseelsorge und Krisenbegleitung), Dr. Helmut Eder (Seelsorger im forensisch-therapeutischen Zentrum Garsten), Mag. Dagmar Hörmandinger-Chusin (Leiterin der Stabsstelle für Prävention von Missbrauch und Gewalt), Pastoralvorstand Willi Seufer-Wasserthal und Mag. Melanie Wurzer (Leiterin Katholisches Bildungswerk) vertreten. Zu den Moderator:innen zählte die aus Enns stammende Theologiestudentin an der Universität Gregoriana in Rom, Marlies Prinz.

Open Space/Marktplatz: Dr. Helmut Eder sprach über die Gefängisseelsorge im forensisch-therapeutischen
Zentrum Garsten © MIG-Pictures e.U. / Michaela Greil
Nächste Tagung über Frieden
Die Österreichische Pastoraltagung gibt es bereits seit 1931 als Fixpunkt in der kirchlichen Erwachsenenbildung. Jeweils zu Jahresbeginn von der Österreichischen Pastoralkommission und dem Österreichischen Pastoralinstitut (ÖPI) organisiert, handelt es sich mit mehreren hundert Teilnehmenden aus Seelsorge, Religionspädagogik und weiteren kirchlichen Diensten aus dem In- und Ausland um die größte Seelsorge-Fachtagung des Landes.
Die Tagung richtet sich an pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der österreichischen Kirche und bietet spezielle Vernetzungsmöglichkeiten, darunter ein „Come Together" für Unter-40-Jährige sowie berufsspezifische Austauschformate.
Die nächste Pastoraltagung widmet sich von 7. bis 9. Jänner 2027 dem Thema Frieden. (Infos: www.pastoral.at/pastoraltagung)








