Tag des Judentums und Gebetswoche für die Einheit der Christ:innen
Gebetswoche für die Einheit der Christ:innen
Die Anfänge der Gebetswoche für die Einheit der Christ:innen reichen bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Seit den 1960er Jahren werden liturgische Materialien zur Verfügung gestellt, die für ökumenische Feiern vor Ort als Vorbereitungshilfe dienen. Die Texte werden jährlich von einer ökumenisch zusammengesetzten Gruppe aus wechselnden Ländern vorgeschlagen und vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christ:innen adaptiert. Entsprechend der regionalen Vorbereitungsgruppe wird ein Thema und ein Schwerpunkt festgelegt. Das zur Verfügung gestellte Material enthält einen Entwurf für einen ökumenischen Gottesdienst, Bibeltexte und kurze Meditationen und Gebete für jeden der acht Tage. Weitere Informationen zur Geschichte der Gebetswoche.
Das Motto der Gebetswoche 2026 stammt aus dem biblischen Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus, in dem er sagt: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung“ (Eph 4,4). Dieser Bibelvers, der für dieses Jahr ausgewählt wurde, bringt die theologische Tiefe der christlichen Einheit auf den Punkt. Die Apostel greifen dieses Thema in ihrer Lehre auf. Die Briefe des Paulus betonen die Bedeutung der Einheit innerhalb der Kirche und fordern Christinnen und Christen auf, ihrer Berufung würdig zu leben, mit Demut, Sanftmut, Geduld und Liebe (Eph 4,1–3).
In vielen Teilen der Welt wird in der Woche zwischen 18. und 25. Jänner über alle Konfessionsgrenzen hinweg für die Einheit der Christ:innen sowie für Überwindung von Spaltung, Ungerechtigkeit und Ausgrenzung gebetet. Die Texte für die Gebetswoche für die Einheit der Christ:innen 2026 wurden von Christ:innen in Armenien vorbereitet.
In zahlreichen oberösterreichischen Pfarren finden in der Zeit von 18. bis 25. Jänner ökumenische Gebete, Gottesdienste und Veranstaltungen statt. Der diözesane ökumenische Gottesdienst in der Gebetswoche für die Einheit der Christ:innen wird am Freitag, 23. Jänner 2026 um 18.30 Uhr in der Baptistengemeinde Linz gefeiert (Adresse: Raimundstraße 20, 4020 Linz). Das Forum der christlichen Kirchen in OÖ bereitet den Gottesdienst vor, die Predigt hält Gernot Mischitz, Pfarrer der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Leonding. Der römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer sowie weitere Vertreter:innen christlicher Kirchen in OÖ werden am Gottesdienst mitwirken.
Download: Einladung Ökumenischer Gottesdienst
Weitere Informationen zum ökumenischen Gottesdienst.
Der traditionelle zentrale Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zur Gebetswoche findet am Dienstag, 20. Jänner 2026 um 18 Uhr in der Altkatholischen Kirche St. Salvator (1010 Wien, Wipplingerstraße 6) statt.
Tag des Judentums
Am Tag vor Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christ:innen – am 17. Jänner 2026 – begehen die christlichen Kirchen in Österreich seit vielen Jahren den Tag des Judentums. Dieser wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) als liturgischer Gedenktag eingeführt. Er soll alle Christ:innen an ihre Wurzeln im Judentum und die bleibende Bedeutung des Judentums und seiner heiligen Schriften erinnern. Es geht dabei auch um das Gedenken an das von Christ:innen an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangene Unrecht in der Geschichte.
In der Erklärung des ÖRKÖ zur Einführung des Tags des Judentums heißt es:
Das Motto für den „Tag des Judentums“ gibt der Apostel Paulus vor: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“ mahnt er im 11. Kapitel des Römerbriefs. Offensichtlich bestand schon in den ersten christlichen Gemeinden die Tendenz, sich über das Judentum erhaben zu fühlen. Später haben die Kirchen die Worte des Paulus vergessen. Anstatt ihre Wurzel, aus der sie leben und die sie trägt, zu pflegen, meinten sie, ohne sie auskommen zu können. Die theologische Verachtung des Judentums und in Folge die gesellschaftliche Abwertung seiner Gläubigen schuf über Jahrhunderte hinweg jenen Nährboden, auf dem das rassistische Gedankengut des Antisemitismus wachsen konnte. Erst seit der Katastrophe der Schoa (des Holocaust) hat in allen Kirchen ein Umdenken gegenüber dem Judentum begonnen. Seither werden wir uns der Schuld, die die Kirchen und ihre Vertreter auf sich geladen haben, immer deutlicher bewusst. Wir sind auf dem Weg, den spirituellen und theologischen Reichtum Israels als Fundament unseres eigenen Glaubens neu zu entdecken. Ein Beitrag dazu soll auch der „Tag des Judentums“ in unseren Kirchen sein, den wir in Zukunft jedes Jahr feiern wollen.
In Linz veranstaltet das Christlich-jüdische Komitee OÖ am 15. Jänner 2026 um 19 Uhr an der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz unter dem Titel „JUNG.engagiert.religiös. Glaubensidentitäten im Dialog“ einen Austausch mit jungen Vertreter:innen der Projekte Likrat und Dialog:Abraham. Im Rahmen des Dialogprogramms „Likrat – Lass uns reden“ der Israelitischen Kultusgemeinde Wien werden jüdische Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren ausgebildet und besuchen dann Schulen und andere Bildungseinrichtungen, um mit gleichaltrigen nichtjüdischen Schüler:innen ein offenes Gespräch auf Augenhöhe über ihr persönliches Judentum zu führen, kritische Fragen zu beantworten und möglichen Vorurteilen entgegenzuwirken.
In der Initiative „Dialog:Abraham“ wirken Studierende und junge Erwachsene mit jüdischem, christlichem oder muslimischem Hintergrund. Im Fokus steht der Austausch über theologische und gesellschaftsrelevante Themen, aber auch ein Kennenlernen von religiösen Bräuchen und die Förderung des Dialogs durch Materialien, wie einen interreligiösen
Feiertagskalender oder ein interreligiöses Kartenspiel.
Kooperationspartner: Katholische Privat-Universität Linz | Forum St. Severin | Bibelwerk Linz | Evangelisches Bildungswerk OÖ | Team Jugend und junge Erwachsene – Katholische Jugend OÖ | Evangelische Jugend OÖ | Evangelische Hochschulgemeinde OÖ
Informationen und Anmeldung: Ökumene-Website bzw. Veranstaltungs-Website
Download: Einladung Tag des Judentums
Das Christlich-jüdische Komitee OÖ
Das Christlich-jüdische Komitee OÖ engagiert sich seit 2001 im christlich-jüdischen Dialog, bemüht sich um kritische Reflexion aktueller Entwicklungen, bietet Begegnungs- und Lernmöglichkeiten an und ist Anlaufstelle für Fragen und Kontakte für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Insbesondere der Tag des Judentums, der als Lern- und Gedenktag begangen wird, ist ein fest verankerter Teil kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens in Linz. Darüber hinaus werden unterschiedliche weitere Angebote gesetzt, die auch mit externen Expert:innen und Kooperationspartner:innen durchgeführt werden.







