Samstag 21. Februar 2026

Universale Versöhnung statt imperialer Macht

Am 13. November 2025 hielt Universitätsprofessorin Andrea Taschl-Erber ihre Antrittsvorlesung an der Katholischen Privat-Universität Linz. Der Titel: „Zerbrochene Mauern. Friede und Versöhnung in Eph 2,11–22“.

In ihrer Antrittsvorlesung führte die neue Professorin für neutestamentliche Bibelwissenschaft mitten hinein in die Zeit des Wandels vom jüdischen Jesusglauben zum entstehenden Christentum und die damit verbundenen Identitätsdiskurse und Diskussionsprozesse. 

Sie zeigte, welche Konzepte von Einheit und Versöhnung der Epheserbrief zur Überwindung herkömmlicher Stereotypisierungen und der daraus resultierenden Konflikte entwickelt und welches Friedensmodell er im Kontrast zu imperialistischer Machtpolitik bietet.

 

Rektor Michael Fuchs würdigte eingangs die wissenschaftliche Laufbahn Taschl-Erbers, die bereits in ihren ersten Monaten an der KU Linz wichtige Impulse gesetzt hat. Ihre mehrfach ausgezeichnete Dissertation über Maria von Magdala (2006) und die Habilitationsschrift zur Rezeption alttestamentlicher Traditionen im Neuen Testament, mit der sie 2018 die venia docendi erhielt, markieren zentrale Stationen ihres Profils.

 

In ihrem Vortrag analysierte Andrea Taschl-Erber den deuteropaulinischen Epheserbrief. Der Text strebt die „Entgrenzung“ des jüdischen Jesusglaubens an und entwirft eine inklusive universale Vision, in der vorher „Fremde“ zu „Mitbürgern und Mitbürgerinnen“ werden: Wie kann für eine divers zusammengesetzte Gemeinschaft eine tragfähige Einheit jenseits ethnisch-kultureller und sozialer Grenzziehungen erreicht werden? Vor dem Hintergrund der „Pax Romana“ und den traumatischen Erfahrungen des jüdisch-römischen Krieges formuliert der Brief ein Gegenmodell zur Friedenspropaganda des Imperiums: Nicht militärische Macht, sondern die Selbsthingabe Jesu, der gewaltlos den Weg der leidenden Opfer (mit)geht, eröffnet umfassende Versöhnung.

 

Taschl-Erber betonte, dass diese Botschaft bis heute aktuell bleibt – trotz der Grenzen des Textes, etwa die fehlende interreligiöse Offenheit in der universalen Identitätsstiftung über Christus und Aussagen, die – etwa in Bezug auf das „Gesetz“ – antijüdisch gelesen wurden. „Die universale Friedensvision bildet eine Heterotopie, die weiterhin zur Realisierung aufgetragen ist“, so die Professorin.

 

Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber

Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber. © KU Linz / Hermine Eder

 

Zur Person

 

Andrea Taschl-Erber studierte Katholische Theologie und Klassische Philologie in Wien, promovierte 2006 und habilitierte 2018 in Graz. Sie war Vizerektorin an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems und Professorin an der Universität Paderborn. Seit April 2025 leitet sie den Lehrstuhl für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der KU Linz. Ihre Forschungsschwerpunkte reichen von den Deuteropaulinen über die Verortung neutestamentlicher Texte im antiken Judentum bis hin zu Frauen- und Geschlechterforschung sowie interreligiösem Dialog.

 

Zum ausführlichen Bericht auf der Website der KU

 

V. l.: Generalvikar Severin Lederhilger, Vizerektorin Klara A. Csiszar, Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber, Rektor Michael Fuchs, Bischofsvikar Johann Hintermaier.

Von links: Generalvikar Univ.-Prof. em. DDr. Severin Lederhilger OPraem, Vizerektorin Dekanin Univ.-Prof.in Dr.in Klara A. Csiszar, Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber, Rektor Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchs, Bischofsvikar Dr. Johann Hintermaier. © KU Linz / Hermine Eder

 

KU Linz / Hermine Eder

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