Freitag 2. Oktober 2026

Bischof Scheuer zu 80 Jahre Kriegsende: „Friede ist kein Selbstläufer"

Das offizielles Oberösterreich gedachte am 2. Oktober 2025 in Linz dem Kriegsende vor 80 Jahren, dem Wiederaufbau und der Unterzeichnung des Staatsvertrags vor 70 Jahren sowie dem EU-Beitritt Österreichs vor 30 Jahren.

Mit einem eindringlichen Appell zum Erinnern und zur Verantwortung für kommende Generationen hat Bischof Manfred Scheuer am 2. Oktober 2025 im Linzer Landhaus der Opfer von Krieg und NS-Terror gedacht. Den Anlass des Gedenkaktes boten 80 Jahre Kriegsende, 70 Jahre Staatsvertrag und 30 Jahre EU-Beitritt.  „Alle drei Jahrestage sind Teile unserer Identität. Als modernes und weltoffenes Oberösterreich, als ein Land des Miteinanders, als ein Land der Möglichkeiten“, erklärte Landeshauptmann Thomas Stelzer.

 

Bischof Scheuer zu 80 Jahre Kriegsende: „Friede ist kein Selbstläufer'

Festakt vor dem Linzer Landhaus (v. l.): Bischof Manfred Scheuer, Superintendent Gerold Lehner, LH Thomas Stelzer, LH-Stv. Manfred Haimbuchner, LR Günther Steinkellner, LH-Stv.in Christine Haberlander, LR Christian Dörfel, LR Markus Achleitner und LR Stefan Kaineder  Foto: Land OÖ/Peter Mayr

 

„Wir erinnern uns, damit die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihre mahnende Kraft behalten, damit wir uns über die Verführbarkeit des Menschen, seine Fähigkeit zu unmenschlichen Taten und seinen Mangel an Mut nicht täuschen", sagte Scheuer. Der 6. Mai 1945 sei für Oberösterreich ein „Tag der Befreiung" gewesen. Zugleich erinnerte der Bischof an Widerstand, Solidarität und Gastfreundschaft, warnte aber: „Der Friede ist kein Selbstläufer."

 

Neben Scheuer und Landeshauptmann Thomas Stelzer sprachen vor dem Linzer Landhaus bzw. im Steinernen Saal auch der evangelische Superintendent Gerold Lehner sowie Landtagspräsident Max Hiegelsberger. Stelzer und Hiegelsberger lobten die „Bereitschaft zum Miteinander und einem grundsätzlichen Zusammenhalt". Die Gedenkenfeier galt als Höhepunkt des Gedenkjahres.

 

Bischof Scheuer zu 80 Jahre Kriegsende: „Friede ist kein Selbstläufer'

Bischof Manfred Scheuer (r.) und Superintendent Gerold Lehner vor dem Linzer Landhaus  © Land OÖ / Peter C. Mayr

 

Erinnerung an Opfer und Widerständler

 

Bischof Scheuer erinnerte in seinen Worten besonders an die Opfer von Terror, Krieg, Verfolgung und Deportation sowie an jene, „die der Barbarei standgehalten haben, das Unrecht nicht mitmachen wollten, ihm Widerstand leisteten und die unschuldig Verfolgten geholfen haben". Zur Erinnerungskultur in Oberösterreich gehören laut dem Bischof auch Orte wie der Steinbruch und die Todesstiege im KZ Mauthausen, die zahlreichen Nebenlager wie Gusen und Aigen sowie das Schloss Hartheim. Zur Geschichte zähle auch die „Mühlviertler Hasenjagd" vom Februar 1945. Diese Ereignisse hätten gezeigt, dass der Terror nicht „importiert" war: „Die Grenze zwischen denen, die Häftlinge versteckten (...) und denen, die mit auf der Jagd waren, ging durch Dörfer, Verwandtschaften oder auch Familien hindurch." Besonders strich der Linzer Bischof jene Menschen heraus, die in der NS-Zeit ihr Leben für die Rettung anderer riskierten oder „in Zeiten der großen Not und des Hungers" konkrete Solidarität und Gastfreundschaft gezeigt hatten.

 

Dankbarkeit sei angebracht für die Befreiung Österreichs 1945, für die Friedenszeit seither sowie für den Aufbau von Demokratie, Rechtsstaat und sozialer Partnerschaft. Diese Errungenschaften seien „ganz und gar keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen täglich verteidigt werden". Und weiter: „Wir sollten nicht zu denen zählen, die dem Faszinosum des Gegeneinanders, des Konfliktes und des Krieges nachtrauern. Ich sehe in der Versöhnung der Gegner eine große Lernbereitschaft und in der Fähigkeit zum Kompromiss, der damit auch verbunden ist, einen großen Fortschritt. Kompromisse sind nicht nur faul oder feige, sondern Ausdruck des Willens zum Miteinander und zur Versöhnung", so Bischof Scheuer.

 

Auch 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibe es Aufgabe, den Frieden zu sichern und zu fördern, so der Bischof. „Wir wissen: Es gibt keinen dauerhaften Frieden ohne Gerechtigkeit, ohne den Schutz der Menschenrechte, ohne Freiheit und ohne die Achtung des Rechts."

 

Ansprache von Bischof Manfred Scheuer bei der Gedenkveranstaltung anlässlich 80 Jahre Kriegsende, 70 Jahre Staatsvertrag, 30 Jahre EU-Beitritt

 

 

(Kathpress)

 

 

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