Monday 16. May 2022

Bischof Scheuer: „Auferstehung ist der entscheidende Durchbruch zum Leben und zur Freiheit“

Osternachtsfeier mit Bischof Scheuer im Linzer Mariendom

Die Auferstehung Jesu ist der große Wendepunkt unseres Lebens, Ostern ist der entscheidende Durchbruch von der Resignation zur Hoffnung – und er kann sich mitten im Alltag ereignen: So Bischof Dr. Manfred Scheuer am Ostersonntag, 17. April 2022 im Linzer Mariendom.

Was dürfen wir hoffen? Welche Hoffnung hat Bestand? Was bringt wirklich Leben und nachhaltiges Glück? Diese Fragen stellte Bischof Manfred Scheuer ins Zentrum seiner Predigt beim Festgottesdienst am Ostersonntag, 17. April 2022 im Linzer Mariendom. Grund der christlichen Hoffnung sei Gott selbst als Herr und Freund des Lebens. Das zeige er zu Ostern durch die Auferweckung Jesu. „Leben im Sinne Jesu meint nicht das bloße Dasein oder die nackte Existenz, Leben im biblischen Sinn meint immer ‚Leben in Fülle‘, erfüllt mit Liebe, Glück, Frieden, Gesundheit, Heil. Im Unterschied zum vergänglichen irdischen Leben währt dieses verheißene Leben in Fülle ‚ewig‘, grenzenlos, ohne Abbruch und damit auch ohne die Furcht, dieser Zustand könnte einmal enden“, so Scheuer. Christliche Zukunftshoffnung sei immer wieder dem Grundverdacht ausgesetzt gewesen, sie sei nichts anderes als eine bloße Vertröstung der Menschen aufs Jenseits, ohne Konsequenzen und ohne gestaltende Kraft für das Hier und Jetzt. Scheuer wörtlich: „Setzen wir uns als Christen zu wenig für Frieden, Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung ein? Gerade weil wir das Leben lieben, lassen wir uns die Hoffnung nicht nehmen, dass all das Gute, all das Leben und Lieben nicht in eine letzte Vergeblichkeit versinken. Wir lieben also das Leben auch nach dem Tod, denn Liebe zum Leben ist unteilbar. Weil wir das Leben vor dem Tod lieben, hoffen wir auf ein Leben nach dem Tod. Weil wir das Leben bejahen, lassen wir uns die Hoffnung auf ein ewiges Leben nicht nehmen. Verzweiflung darf nicht rational, Hoffnung nicht irrational sein.“

 

Christliche Hoffnung sei Trost für die Opfer, für diejenigen, die im Leben zu kurz kämen, die sich in ihren angelegten Möglichkeiten nicht entfalten könnten. Christliche Hoffnung, die größer sei als dieses Leben, schenke Kraft zum Weitermachen, zum Aushalten und Durchhalten und verhinderte die Haltung, alles aus dem Leben „herauspressen“ zu wollen. Natürlich müsse das Mögliche getan werden, um Leid zu mindern: das Leid der Unschuldigen zu verhindern, so gut es geht; Schmerzen zu lindern; in seelischem Leid zur Überwindung zu helfen; Frieden und Versöhnung stiften. Aber, so der Bischof: „Das Leid können wir versuchen zu begrenzen, zu bekämpfen, aber wir können es nicht aus der Welt schaffen. Nicht die Vermeidung des Leidens, nicht die Flucht vor dem Leiden heilt den Menschen, sondern die Fähigkeit, das Leiden anzunehmen und in ihm zu reifen, in ihm Sinn zu finden durch die Vereinigung mit Christus, der mit unendlicher Liebe gelitten hat.“

 

Bischof Scheuer bei seiner Predigt.

Bischof Scheuer: „Auferstehung ist der entscheidende Durchbruch zum Leben und zur Freiheit“. 
© Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

 

Österliche Spurenelemente suchen und finden

 

Im Leben von ChristInnen gehe es darum, „österliche Spurenelemente“ zu suchen und zu finden: in der Natur, im Samenkorn, in den je neuen Beziehungen der Liebe, in der Solidarität. Vielen Menschen seien die Osterbräuche und -rituale wichtig. Ostereier etwa seien ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol, Symbol des Lebens und Werdens. Der Brauch der Speisensegnung könne heute den Sinn haben, „die Brücke zwischen dem Altar und dem häuslichen Tisch zu schlagen“, so Scheuer. Der Bischof wörtlich: „Die Bräuche sollen nicht mehr oder weniger sagen: Die Auferstehung Jesu ist der große Wendepunkt unseres Lebens, ist der entscheidende Durchbruch vom Tod zum Leben, von der Resignation zur Hoffnung, von der Gewalt zum Frieden, von der Knechtschaft zur Freiheit.“ Der große Durchbruch, die Auferstehung Jesu, ereigne sich mitten im Alltag, ist Scheuer überzeugt: „Wenn nach Konflikten und Streit Anzeichen von Verständigung und Versöhnung auftauchen. Wenn in einer Atmosphäre des Neides und der Verachtung Wohlwollen spürbar wird, wenn nicht grundsätzlich gleich das Schlechtere angenommen wird. Wenn es bei großem Druck und bei Belastungen – und das spüren viele – eine Zeit des Aufatmens gibt. Wenn der Glaube nach einer Phase der Orientierungslosigkeit neu in den Herzen der Menschen Wurzeln schlägt. Wenn Menschen frei werden von Konsum- und Erfolgszwängen, die eine anonyme Gesellschaft auferlegt. Wenn Menschen frei werden von Süchten, von Eifersucht, Arbeitssucht, auch von Alkohol- und Drogensucht. Wenn sie sich nicht besetzen lassen von den Erwartungen anderer.“

 

Auferstehung ereigne sich, wenn sich Menschen beim Namen angesprochen und angenommen wüssten. Der Durchbruch des Lebens ereigne sich, wenn Menschen, die in die Enge getrieben und von Angst besetzt seien, Raum und Zeit gegeben werde, wenn sich Fremden eine Zugehörigkeit und Heimat auftue. Scheuer abschließend: „Ostern, Auferstehung ist der große Durchbruch zum Leben und zur Freiheit.“

 

Predigt zum Ostersonntag zum Nachlesen

 

 

Osternacht: Tauferneuerung und Erwachsenentaufe

 

Der Zusammenhang von Taufe und Ostern wird bei jeder Tauffeier deutlich. Der Täufling wird auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi getauft, die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet. Ursprünglich war die Osternacht der einzige Tauftermin der Kirche. Zu Ostern wird die Auferstehung Christi gefeiert; darum wurden auch an diesem Tag bzw. in dieser Nacht die (erwachsenen) Taufbewerber – die Katechumenen – die sich in der Fastenzeit intensiv auf ihre Taufe vorbereitet haben, getauft. Da die Täuflinge in den Tagen danach ihr weißes Taufkleid anbehielten, heißt der Sonntag nach Ostern bis heute „Weißer Sonntag”. Erst später wurde die Taufe von Kindern und Säuglingen in familiären liturgischen Feiern kirchliche Praxis. Die Osternacht ist aber weiterhin ein möglicher Tauftermin. So wurde auch im Linzer Mariendom bei der heurigen Feier der Osternacht am Samstag, 16. April 2022 eine Erwachsene durch die Taufe in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen. Teil der Osternachtsliturgie ist auch, dass alle Mitfeiernden nach der Segnung des Taufwassers ihr Taufversprechen erneuern. Danach werden sie vom Vorsteher der Feier mit dem Wasser besprengt.

 

Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt: „Beim Taufversprechen heißt es: ‚Ich glaube, ich widersage‘. Sowohl beim Glauben als auch beim Widersagen haben viele Zeitgenossen ihre Schwierigkeiten bzw. zeigen ihr Unverständnis. Ich möchte die Grundstruktur des Taufversprechens verbinden mit Grundworten unseres Lebens: Ja und Nein.“ Der Bischof skizzierte drei Typen: die Nein-Sager, die Wendehälse und die Ja-Sager. Viele Nein-Sager hätten keinen Humor, könnten nicht über sich selbst lachen und seien „kampfwütig verbissen“, so Scheuer. Vom „Prinzip Nein“, vom grundsätzlichen Verdacht gehe keine Solidarität mit den Leidenden aus. „Ein Nein ohne Ja treibt in die Bitterkeit, in den Hochmut, in die Isolation, in den Rigorismus“, betonte der Bischof. Die Wendehälse wiederum seien überall dabei, die Widersprüche gehörten bei ihnen zum System. „Ja und Nein verkommen zu einer Frage des Geschmacks und der Laune, Leben oder Tod wird zur Frage des besseren Durchsetzungsvermögens, Wahrheit oder Lüge eine Frage der besseren Taktik, Liebe oder Hass eine Frage der Hormone, Friede oder Krieg eine Frage der Konjunktur“, so Scheuer. Den Ja-Sagern schließlich fiele das Nein-Sagen schwer – sie wollten es sich mit keinem vertun, hätten Angst vor Liebes- und Sympathieentzug, getrauten sich nicht, jemandem zu widersprechen, und würden in ihrer Suche nach Harmonie jeden eigenen Standpunkt vermeiden. Scheuer: „Ein Ja ohne Nein bleibt kontur- und profillos, verwaschen und ohne Spannung. Wer nicht Nein sagen kann, sagt implizit Nein zu vielem.“ Die voll entwickelte Fähigkeit zum Nein-Sagen sei der einzig gültige Hintergrund des Ja, beide würden realer Freiheit erst ihr Profi geben, zeigte sich Scheuer überzeugt.

 

Glaube als freies Antwortgeschehen auf die Selbstmitteilung Gottes schließe eine Option und eine Lebenswahl ein, so Scheuer: „Es bedeutet – um des Ja willen – auch Abschied und Absage. Man kann nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon, wie es im Matthäus-Evangelium heißt. Die Kraft der Entscheidung für das Reich Gottes zeigt sich im Mut zum Nein gegenüber Götzen, dem Mammon, gegenüber kollektiven Egoismen, zerstörenden Mächten, Ungerechtigkeit und Unterdrückung.“ Biblisch gesehen sei die lauwarme Unentschiedenheit am schlimmsten, denn: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ (Mt 5,37)

 

Predigt zur Osternacht zum Nachlesen

 

Musikalisch gestaltet wurde die Osternacht im Mariendom vom Vokal- und Bläserensemble der Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Josef Habringer und Dommusikassistent Gerhard Raab an der Rudigierorgel. Beim Festgottesdienst am Ostersonntag wurde die „Missa in honorem beatissmae virginis Mariae“ („Große Orgelsolomesse“) von Joseph Haydn von Domchor, Orchester und SolistInnen der Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Josef Habringer musiziert. Die Orgel spielte Dommusikassistent Gerhard Raab.

 

Bischof Manfred Scheuer entzündet am Osterfeuer die Osterkerze.
Lichtfeier in der Osternacht
Lichtfeier in der Osternacht
Bischof Scheuer bei seiner Predigt.
Weihe des Taufwassers
Erwachsenentaufe in der Osternacht
Erwachsenentaufe in der Osternacht
Bischof Scheuer besprengt die Gläubigen nach der Erneuerung des Taufversprechens mit Weihwasser.
Bischof Scheuer segnet die Osterspeisen
Feierlicher Schlusssegen

© Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

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