Monday 6. December 2021

Diözese Linz verknüpft "Zukunftsweg" mit synodalem Prozess

Der Zukunftsweg der Diözese Linz wird mit synodalem Weg verbunden

Die erste dezentral beginnende Bischofssynode wurde am 9. und 10. Oktober 2021 vom Papst in Rom eröffnet; eine Woche später fiel in den Diözesen der Startschuss. Die Diözese Linz wird ihren mehrjährigen Reformprozess mit dem weltweiten synodalen Vorgang verknüpfen.

Die ursprünglich für Oktober 2022 geplante Bischofssynode in Rom ist von Papst Franziskus zu einem zweijährigen synodalen Weg ausgebaut worden. Im Zeitraum von Herbst 2021 bis Oktober 2023 sind nun drei Phasen für die Synode zum Thema Synodalität der Kirche vorgesehen: eine diözesane, eine kontinentale und eine weltkirchliche. Ziel sei es, allen Gläubigen Gelegenheit zu bieten, "aufeinander und auf den Heiligen Geist zu hören", wie es Franziskus einmal formulierte.

Die inhaltlichen Vorgaben für den Prozess sind sehr weit und im Vorbereitungsdokument für die Synode dargelegt, das am 7. September 2021 im Vatikan präsentiert wurde. Wesentliche Elemente aller Versammlungen sollen Gespräche und Reflexionen sein, bei denen Teilnehmende vor allem aufeinander hören. Dazu kommen gemeinsame Gebete und Messfeiern. Koordiniert wird das Projekt vom vatikanischen Synodensekretariat in Rom unter Kardinal Mario Grech.

Eröffnet wurde die erste dezentral beginnende Bischofssynode am 9. und 10. Oktober 2021 vom Papst in Rom; eine Woche später, am 17. Oktober 2021, fiel in den Diözesen der Startschuss. Anhand eines Fragebogens und Leitfadens wird nun unter Leitung des Ortsbischofs bis März 2022 beraten und gebetet. Auch Ordensgemeinschaften, Kurienbehörden, katholische Vereinigungen, Gemeinschaften und katholische Fakultäten sollen für sich einen solchen synodalen Prozess unternehmen.

Alle Ergebnisse gehen an das Synodensekretariat in Rom. Dieses erstellt daraus ein erstes Arbeitsdokument, das ab Herbst 2022 auf kontinentaler Ebene beraten wird. Auch die Früchte dieser synodalen Beratungen und Gebete gehen zurück nach Rom und werden dort zu einem zweiten Arbeitsdokument destilliert. Es bildet dann die Grundlage für die Beratungen der Vollversammlung der Bischofssynode, die im Oktober 2023 in Rom tagt.

 

 

Katholische Kirche in Oberösterreich: Verbindung des Reformprozesses mit dem synodalen Weg

 

Die Diözese Linz wird ihren mehrjährigen Reformprozess mit dem weltweiten synodalen Vorgang verknüpfen und daraufhin auswerten: "In unserer Diözese sind wir bereits lange, auf jeden Fall seit 2017 auf dem Zukunftsweg, wie vom Papst gewünscht und beschrieben, unterwegs." Das betonte die Leiterin des Linzer Pastoralamts, Gabriele Eder-Cakl, in einem Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diözese am 14. Oktober 2021. Papst Franziskus rate den Diözesen, die bereits Synoden und synodale Prozesse hinter sich haben, dass sie "die Früchte sammeln und teilen". "Das werden wir tun und all unsere Erfahrungen, Erkenntnisse und Beteiligungsformen in den 'weltweiten Weg für eine synodalere Kirche' einbringen", so Eder-Cakl, die in der Diözese die Ansprechpartnerin für den weltweiten Prozess ist.

Getreu dem Motto "Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung" möchte Papst Franziskus das ganze Volk Gottes an einem synodalen Weg beteiligen und die gesamte weltweite katholische Kirche solle das Miteinander – die Synodalität – einüben und "gemeinsam gehen". "Hinhören, Dinge ansprechen, Mitverantwortung geben, gemeinsam als Volk Gottes auf dem Weg sein - das sind die Inhalte bis zur weltweiten Bischofssynode 2023", so Eder-Cakl, die erklärte: "Die zehn Themenfelder der ersten Phase der Weltsynode sind wir bereits zu einem guten Teil gegangen."

"Wir haben die Zeichen der Zeit erforscht, tausende Menschen beteiligt, uns auf Pastorale Leitlinien und die Schwerpunkte Spiritualität – Solidarität – Qualität geeinigt, einen Brief mit unseren Anliegen nach Rom geschickt, die Taufbeauftragung für Seelsorger und Seelsorgerinnen ausgeweitet, ein 'Grüß Gott!'-Magazin für die Oberösterreicher und eine zukunftsweisende neue Pfarrstruktur auf den Weg geschickt", erinnerte die Pastoralamtsleiterin an die vielen Initiativen, die bereits während der vergangenen Jahre in der Linzer Diözese gesetzt wurden.

 

In Berufsgemeinschaften, Pfarren, pastoralen Orten und Gemeinschaften sei der Wunsch geäußert worden, dass es noch einmal die Möglichkeit geben solle, sich inhaltlich am Prozess zu beteiligen. Dies sei, so Eder-Cakl, per E-Mail unter zukunftsweg@dioezese-linz.at möglich. 

 

Gabriele Eder-Cakl ist die diözesane Ansprechperson für den synodalen Prozess.

Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl ist die diözesane Verantwortliche für den synodalen Prozess. © Violetta Wakolbinger

 

Scheuer: Papst will "neuen Stil"


Auch in Linz war am Sonntag im Mariendom die Synode das Thema. Papst Franziskus wolle mit dem von ihm gestarteten Prozess kein "Zusammen-Sitzen", sondern den Wegcharakter der Kirche unterstützen, sagte Diözesanbischof Manfred Scheuer bei einem Gottesdienst mit Religionslehrerinnen und -lehrern. Worum es dem Pontifex gehe, sei ein "neuer Stil kirchlichen Lebens und des Zugehens auf die Menschen in der Welt". Der Dialog in Kirche und Gesellschaft müsse dabei stärker gesucht werden, mit der Zivilgesellschaft und mit anderen Konfessionen und Religionen.

Für diesen neuen Stil habe der Papst zahlreiche Gesprächsimpulse geliefert, hielt Scheuer fest. Die Art des Redens, die Vorurteile und zugelegten Argumentationsmuster gelte es zu hinterfragen und Kritik stärker als bisher zuzulassen, "sogar von 'Fernstehenden'", so der Bischof. Das Auftreten und die Wahrnehmung von Kirche in den Medien, in der Öffentlichkeit und am Stammtisch sollten geprüft werden - auch mit der Frage: "Treten wir für den Glauben ein und bekräftigen wir das auch durch glaubwürdiges Handeln?"

Besonders im Zuge der Corona-Maßnahmen seien auch die Feste und das gemeinsame Feiern des Glaubens im Gottesdienst Thema geworden, so Scheuer weiter. Auch das Zusammenspiel von Pfarren, Religionsunterricht und diözesanen Einrichtungen, Formen der Unterstützung wie Aus- und Fortbildung, damit Gläubige mehr Verantwortung übernehmen können, sowie die Formen von Entscheidungsfindung in "Klarheit, Transparenz und Partizipation" sollten im Synodalen Prozess untersucht und besprochen werden.

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer

Bischof Manfred Scheuer sprach in seiner Predigt am 17. Oktober zum synodalen Prozess. © Jack Haijes

 

Einladendes Wort der österreichischen Bischöfe zu Beginn des synodalen Prozesses


Die österreichischen Bischöfe haben am 11. Oktober ein "einladendes Wort" zum Beginn des synodalen Prozesses veröffentlicht. Hier das Dokument im Wortlaut:


Liebe Schwestern und Brüder!

Papst Franziskus hat uns wieder überrascht: Im Jahr 2023 wird in Rom eine Bischofssynode zum Thema "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung" stattfinden. Was beim ersten Hören wie eine Veranstaltung ausschließlich für Bischöfe klingt, ist vom Heiligen Vater anders gedacht: Er möchte, dass sich das gesamte Volk Gottes an der Synode beteiligt. Daher schickt er die ganze katholische Kirche auf einen zweijährigen Weg. Diesen beginnen wir heute, im Gebet mit allen Diözesen weltweit verbunden.


Worum es auf diesem Weg geht

Das Wesentliche ist bereits in dem Wort "Synode" enthalten. Es kommt aus dem Griechischen und heißt: gemeinsam gehen. Kirche-sein bedeutet nichts anderes als das gemeinsame Unterwegssein aller Getauften unter der Führung des Heiligen Geistes - eine Weg-Gemeinschaft in zweifacher Verbundenheit. Wir sind unterwegs mit Jesus, der von sich sagte: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6). Zugleich sind wir als Kirche verbunden mit allen Menschen, die Gott uns inmitten einer pluralen Gesellschaft mit auf den Weg schickt, ob gläubig oder nicht. In den nächsten beiden Jahren wollen wir intensiver auf diese Weg-Gemeinschaft achten, sie erlebbar machen und gleichzeitig über sie ernsthaft nachdenken: Sind wir tatsächlich als Gemeinschaft von Jung und Alt, von Frauen und Männern, von Klerikern und Laien im Sinne des Evangeliums gemeinsam unterwegs? Dabei helfen uns die drei Leitworte, die dem Titel der Synode beigestellt sind: Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung. Sie benennen drei Themenbereiche und führen zu folgenden Fragen: Wie gelingt es uns, Gemeinschaft in Unterschiedlichkeit zu leben und Menschen Beheimatung zu bieten? Wie können wir Kirche leben, damit sich viele Menschen beteiligen können? Und: Wie können wir die Hoffnungsbotschaft Jesu Christi heute leben, dass sie als Licht für unsere Welt wahrgenommen wird?

Der Weg beginnt mit dem Zuhören

Im ersten Jahr soll auf der Ebene der Diözesen und innerhalb jedes Landes ein breiter Prozess des Zuhörens stattfinden. Papst Franziskus bringt ihn so auf den Punkt: "Mit Freimut sprechen und in Demut zuhören." Sprechen wir miteinander ehrlich über die Erfahrungen, die uns innerlich berühren. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, einander aufrichtig zuzuhören. In den Worten des hl. Ignatius: Wir müssen bereitwilliger sein, die Aussage des Nächsten zu retten, als sie zu verurteilen. (vgl. Exerzitienbuch, Nr.22). Hören wir dabei nicht nur auf jene, die mit uns als Kirche ohnehin schon unterwegs sind, sondern vor allem auf jene, die uns sympathisch und kritisch beobachtend gegenüberstehen. Die vielen Stimmen, Wortmeldungen, Lebens- und Glaubenserfahrungen, die wir in der ersten Wegetappe hören, werden gesammelt und in der Form eines gemeinsamen Textes in die Weltkirche eingebracht. Wir dürfen auf die Inspiration und Wegbegleitung des Heiligen Geistes vertrauen und ihn insbesondere um den "Geist der Unterscheidung" bitten. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied beispielsweise zur politischen Meinungsbildung: Das Ziel unseres Weges besteht darin, im Hören aufeinander die Stimme Gottes wahrzunehmen. Am Ende kommt, so hoffen wir, "nicht ein politischer Kompromiss heraus, [...] sondern ein 'Mehr-Wert', den der Heilige Geist schenkt".

Einladung zum Mitgehen

Liebe Schwestern und Brüder, als katholische Bischöfe Österreichs bitten wir Sie, den soeben beschriebenen Weg, zu dem uns Papst Franziskus einlädt, mitzugehen. Seine konkrete Form wird in den einzelnen Diözesen festgelegt. Lassen wir uns weder lähmen noch hetzen, sondern machen wir uns gemeinsam auf den Weg! Das Ziel ist eine Kirche, die innerhalb einer verunsicherten, vielfach verwundeten Zeit und Gesellschaft besser als bisher Gemeinschaft aufbauen kann, Teilhabe ermöglicht und ihre Sendung im Sinne der Frohbotschaft Jesu mit neuer Freude lebt. Wir danken jetzt schon allen, die sich mit uns auf den Synodalen Prozess mit Gebet und konkretem Mittun einlassen, und erbitten dafür Gottes Segen.

Die katholischen Bischöfe Österreichs


Synodengebet (Anhang)

Wir stehen vor dir, Heiliger Geist, in deinem Namen sind wir versammelt.
Du, unser wahrer Ratgeber: komm zu uns, steh uns bei, kehre ein in unsere Herzen.
Lehre uns, wohin wir gehen sollen; zeige uns, wie wir das Ziel erreichen können.
Bewahre uns davor, als schwache und sündige Menschen die Orientierung zu verlieren.
Lass nicht zu, dass Unwissenheit uns auf falsche Wege führt.
Gib uns die Gabe der Unterscheidung, dass wir unser Handeln nicht von Vorurteilen und falschen Rücksichten leiten lassen.
Führe uns in dir zur Einheit, damit wir nicht vom Weg der Wahrheit und der Gerechtigkeit abkommen, sondern auf unserer Pilgerschaft dem ewigen Leben entgegenstreben.

Das erbitten wir von Dir, der du zu allen Zeiten und an allen Orten wirkst, in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

"Einladendes Wort der österreichischen Bischöfe zum Download

 

 

Vatikan-Handbuch für Weltsynode nun auch auf Deutsch

 

Das Anfang September vom Vatikan veröffentlichte Handbuch zur beginnenden Weltsynode der katholischen Kirche liegt nun auch in deutscher Sprache vor. Das 44 Seiten umfassende Vademecum steht auf der Website des Generalsekretariats der Bischofssynode unter ww.synod.va zum Download bereit. Der Leitfaden ergänzt das bereits auf Deutsch verfügbare offizielle Vorbereitungsdokument für die Synode unter dem Titel "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung". Er enthält unter anderem Hinweise zu den Grundsätzen des Synodalen Prozesses sowie Impulse zum Ablauf der Beratungen auf Ebene der Ortskirchen.

Papst Franziskus wird den zweijährigen synodalen Prozess am 10. Oktober mit einem Gottesdienst im Petersdom eröffnen. Damit starten auch die in der ersten Phase der Weltsynode vorgesehenen Beratungen in den Diözesen. Nach diesem halbjährigen Teil auf Ebene der Ortskirchen folgt 2022/2023 ein synodaler Prozess auf Kontinentalebene, der wiederum in die Generalversammlung der Bischofssynode im Oktober 2023 in Rom mündet.

Der auf zunächst gut zwei Jahre angelegte synodale Prozess soll weltweit das synodale Selbstverständnis der katholischen Kirche stärken und regional wie international wichtige Zukunftsthemen erarbeiten.

 

Handbuch in deutscher Sprache

 

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