Thursday 1. October 2020

Papst-Gebetsanliegen für September: Gegen Raubbau an der Erde

Spätere Historiker werden vielleicht sagen: Das war das Vermächtnis des Papstes aus Argentinien. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts trieb ihn – noch vor allen Kirchensorgen – „die Sorge für das gemeinsame Haus“, die Zukunft unserer Erde!

Zu Pfingsten 2015, vor fünf Jahren, unterzeichnete Franziskus sein weltweit beachtetes Rundschreiben „Laudato si“, das diesen Untertitel trug.

Bereits im Vorjahr hatte Franziskus anlässlich der „Schöpfungszeit“ ab 1. September für die Bewahrung der Artenvielfalt in den Oezanen gebetet.

 

Auf alten „Missionskreuzen“ lesen wir „Rette deine Seele“. Dieser Papst sagt unermüdlich: „Rettet unseren Planeten!“ In seinem aktuellen Gebetsanliegen für den Monat September findet sich außer dem ersten kein frommes Wort. Oder ist gerade solches Beten entscheidend für die Frömmigkeit unserer Zeit? Vielleicht müssen wir uns durchbeten zu einem rettenden, neuen Lebensstil, über alle Religionsgrenzen hinweg.

 

Unser Planet – winzig im unermesslichen Weltall – bietet uns, so weit wir heute sehen können, keine Umzugsmöglichkeit. Wenn wir ihn weiterhin rücksichtslos ausbeuten, wird das vermutlich für uns Menschen der Anfang vom Ende sein. Mit „Raubbau“ wählt der Papst ein hartes, aber wahres Wort. Denn jene, die unsere einzigartige, gemeinsame Heimat derart ausbeuten, sind Räuber, also Verbrecher - spätestens aus der Sicht der Nachkommen.

 

Güter „gerecht und nachhaltig verteilen“

 

„Gerecht und nachhaltig verteilt“ werden sollen die „Rohstoffe unseres Planeten“ sagt der Papst. Ölmagnaten, Bergbaubosse und politische Machthaber scheint das – noch – wenig zu interessieren. Aber sie werden scheitern, wenn Kunden, Verbraucher und Wähler nicht mehr mitmachen; wenn sie stattdessen nachhaltige Waren bevorzugen und jenen ihre Stimme geben, die wie Franziskus das große Ganze im Blick haben.

 

Wie in der kleinsten Familie müssen nun alle Beteiligten ihr Verhalten zur gerechten Verteilung der vorhandenen Güter ändern: Sie müssen ganz konkret an die Anderen denken, an den Erhalt der Schöpfung und an morgen – und übermorgen.

 

Aber hier liegt das Problem: Unser Denken ist weitgehend noch von gestern und vorgestern. Das „Lehrstück Corona“ führt – kaum übersehbar – vor: Wir leben inzwischen in einem globalen Dorf. Die Probleme einer Stadt in China oder Lateinamerika werden in Überschallgeschwindigkeit auch unsere hier. Und umgekehrt.

 

Es braucht den „Rohstoff“ Solidarität

 

Der „Rohstoff“ Solidarität aber ist noch vorhanden. Das wird in diesem Schicksalsjahr der Welt zur großen Entdeckung. Es besteht noch Hoffnung, wie zahllose Taten selbstloser Liebe in den vergangenen Wochen und Monaten – im Verborgenen, aber auch öffentlich geteilt – eindrucksvoll gezeigt haben. Und: Solidarität gibt nicht nur beiden Seiten ein gutes Gefühl; sie ist auch schlicht vernünftig. Denn Unvernunft schlägt früher oder später zurück.

 

Die Rohstoffe dieses Planeten sind für die jetzigen und zukünftigen Generationen aller Geschöpfe da. Durch unseren Verbrauch verrohen wir nicht nur; wir entziehen auch den nach uns Folgenden jede Lebensgrundlage. Viele fragen sich inzwischen, warum die „Nebenwirkungen“ dieses unersättlichen Verbrauchs – Klimawandel, globales Artensterben, menschengemachte Umweltkatastrophen – uns nicht heftiger aufschrecken. Haben wir schon resigniert, nach dem Motto: nach uns die Sintflut?

 

Trotzdem: Panik ist (noch) nicht angebracht. „Laudato si“ – mit diesen Worten beginnt der „Sonnengesang“ des heiligen Franziskus, dessen Namen sich unser jetziger Papst bei seiner Wahl 2013 gegeben hat. In diesem Hymnus verdichtet der bereits schwerkranke Arme in Assisi seine Bewunderung für die Schöpfung: Sonne, Wind und Wasser sind uns gegeben als starke Zeichen, ja geradezu als „Sakramente“ der unerschöpflichen Energie, der wir diese Erde verdanken. Außer den Rohstoffen, die wir in der Erde finden, haben wir inzwischen auch die nachhaltigen Energien über der Erde – Sonne und Wind – neu entdeckt. In Zukunft können wir uns diese endlosen, natürlichen Ressourcen immer mehr erschließen und nutzbar machen.

 

Wir dürfen also vertrauen auf den Einen, der das Fundament gelegt hat für unser „gemeinsames Haus“. Er will und wird bei uns bleiben, wenn wir es renovieren und wohnlich halten für kommende Generationen.

 

Text: Gerhard Dane | Quelle: kathpress

 

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