Monday 16. December 2019

8. Dezember: Sternenkinder-Gedenken zum Worldwide Candle Lighting Day

Rund um den zweiten Sonntag im Dezember werden weltweit Gedenkfeiern für „Sternenkinder“ abgehalten. In Linz findet am 8. Dezember 2019 ein Gedenkgottesdienst im Mariendom und am 9. Dezember eine musikalische Lesung im Ursulinenhof statt.

Worldwide Candle Lighting Day: Ein Licht geht um die Welt

 

Viele Familien gedenken jährlich weltweit am zweiten Sonntag im Dezember (heuer ist das der 8. Dezember) ihrer (Sternen-)Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind, indem sie um 19.00 Uhr eine Kerze ans Fenster stellen („Worldwide Candle Lighting“).

 

Durch die Zeitverschiebung entsteht eine Lichterwelle, die innerhalb von 24 Stunden einmal um die gesamte Erde wandert: Nachdem in einer Zeitzone die Kerzen ein paar Stunden gebrannt haben, erlöschen sie und werden in der nächsten Zeitzone wieder angezündet.

 

„Möge ihr Licht für immer scheinen“, so ist die Grundidee hinter dieser Lichterwelle. Jede Kerze brennt zum Gedenken an eine Kinderseele, die Spuren auf dieser Welt hinterlassen hat. Hinter der Bezeichnung „Sternenkinder“ steht die Vorstellung, dass frühverstorbene Kinder als Sterne am Himmel funkeln. Sie haben den Himmel erreicht, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften.

 

Für Eltern von Sternenkindern ist der Schein einer Kerze Erinnerung und Hoffnung zugleich. Erinnerung an eine viel zu kurze Zeit mit ihrem Kind, und Hoffnung, dass sich das Dunkel der Trauer wandelt. Das Licht steht auch für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Der Weltgedenktag zeigt betroffenen Frauen, Paaren und Familien: „Ihr seid nicht allein – eure Kinder sind nicht vergessen.“

 

Kerzen im Gedenken an Sternenkinder entzünden

Lichter im Gedenken an Sternenkinder entzünden. © Krankenhausseelsorge KUK, MC IV

 

Der Trauer um Sternenkinder Raum geben: Veranstaltungen in Linz und ganz Oberösterreich

 

Der Katholischen Kirche in Oberösterreich ist es ein Anliegen, betroffenen Menschen einen Raum für ihre Trauer zu eröffnen und sie in Seelsorge und Beratung zu begleiten. In ganz Oberösterreich gibt es in Kirchen, Kapellen, Krankenhäusern und auf Friedhöfen Gedenkorte für Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Rund um den 8. Dezember, aber auch an anderen Terminen werden zahlreiche Gedenkfeiern abgehalten.

 

Mag.a Christiane Roser, Leiterin der Abteilung für spezifische Lebenssituationen und der Krankenhausseelsorge der Diözese Linz, schildert die Situation betroffener Eltern: „Der frühe Tod eines Kindes trifft Eltern völlig unvorbereitet. Waren sie gerade noch voller Freude, sind sie nun mit dem unfassbaren Tod konfrontiert. Die Eltern sind gezwungen, sich von einer Zukunft mit ihrem Kind zu verabschieden. Die Folge: Trauer, Scham, Schuldgefühle und eine große Leere. Außenstehende können sich meist nur schwer einfühlen und sehen den Verlust oft eher rational, was Betroffene zusätzlich verletzt – sie erfahren sich mit ihrem Schmerz alleingelassen. Sie fühlen sich als Eltern, werden aber von ihrem Umfeld nicht als Eltern wahrgenommen.“ SeelsorgerInnen ist es wichtig, betroffenen Eltern Zeit und Raum für Trauer zu eröffnen, damit diese ihren Weg zurück in den Alltag finden können. Denn, so Roser: Trauer sei ein Heilungsprozess und brauche Zeit; jeder Mensch trauere anders und auf seine Weise. Rosers Anliegen: „Wir möchten mit zwei Gedenkveranstaltungen in Linz ein Zeichen dafür setzen, dass wir betroffene Menschen in ihrer Trauer sehen und ernstnehmen. Vielleicht kann durch das gemeinsame Beten wieder Hoffnung wachsen.“

 

Auch Mag.a Andrea Holzer-Breid, Diplomierte Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei BEZIEHUNGLEBEN.AT, der Abteilung Beziehung, Ehe und Familie im Pastoralamt der Diözese Linz, weiß aus ihrer Beratungserfahrung: „Der Tod eines Kindes in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt kann für die Beziehung eines Paares eine große Belastung darstellen, weil der Umgang der beiden Partner mit der Trauer meist sehr unterschiedlich ist. Manche Menschen trauern aktiv, lassen ihre Gefühle zu und möchten darüber sprechen, andere können nicht darüber reden.“ Wenn ein Kind nicht leben konnte oder durfte, könne es auch sein, dass dieses Thema zur Gänze tabuisiert und die Trauer unterdrückt werde. Manchmal komme diese Trauer erst nach Jahren wieder hoch und könne dann erst bearbeitet werden, erklärt Holzer-Breid. Es brauche daher Angebote, in der diese Trauer behutsam zur Sprache komme, wie die Beraterin betont: „Meine Erfahrung ist, dass es allen Menschen sehr wohltut, in der Familienberatung einen Schutz-Raum und eine Sprache für ihre Trauer zu bekommen, damit die Seele wieder leichter werden kann. Die BeraterInnen unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Feiern und Gottesdienste zum Gedenken an Sternenkinder bieten Eltern eine gute Möglichkeit, der Trauer Zeit und Raum zu geben.“

 

Am 8. Dezember um 15.00 Uhr findet im Linzer Mariendom ein Gedenkgottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer statt. Im gemeinsamen Erinnern, Schweigen, Beten und Singen soll erfahrbar werden, dass Trauernde nicht allein sind und dass im Miteinander Hoffnung, vielleicht auch Trost entstehen kann. Im Anschluss an den Gottesdienst besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit SeelsorgerInnen und BeraterInnen bei Tee und Keksen. Für Kinder steht eine Spielecke zur Verfügung. Gestaltung des Gottesdienstes: MitarbeiterInnen der Krankenhausseelsorge der Diözese Linz, von BEZIEHUNGLEBEN.AT und der Katholischen Frauenbewegung in Oberösterreich.

 

Am 9. Dezember um 19.00 Uhr findet in der Linzer Ursulinenkirche eine musikalische Lesung zum Thema „Die Abwesenheit des Glücks – die Geschichte eines Sternenkindes“ statt. Erzähler ist Autor Rainer Juriatti, es musizieren Arnold Meusburger (Orgel) und Philipp Lingg (Akkordeon und Gitarre). Gestaltung der Lesung: BEZIEHUNGLEBEN.AT und Citypastoral.

 

Rainer Juriattis Erzählung „Die Abwesenheit des Glücks – die Geschichte eines Sternenkindes“ handelt von Liebe und Trauer, von Schmerz und Verzweiflung – und am Ende: vom Glück seines Lebens. Vera und Rainer Juriatti haben einen Sohn, eine Tochter und fünf Sternenkinder. Juriatti hat in den Krisenzeiten mit Gott gehadert, aber nie den Glauben an ihn verloren. Im Gespräch mit der Kirchenzeitung der Erzdiözese Wien „Der Sonntag“ sagte Juriatti im April 2019: „Bitte glaubt daran, es gibt einen Gott, ja. Und er ist ja die Hoffnung am Ende. Ich glaube auch, dass Gott die Hoffnung in unserer Beziehung war, über zwanzig Jahre hinweg – und über die Krisenjahre der Fehlgeburten.“

 

Nach der Veranstaltung stehen Vera Juriatti sowie BeraterInnen von BEZIEHUNGLEBEN.AT und SeelsorgerInnen der Krankenhausseelsorge in der Sakristei für Gespräche zur Verfügung. Der Eintritt ist frei, es ist keine Anmeldung nötig.

 

Rainer Juriatti:
Die Abwesenheit des Glücks
150 Seiten
Limbus Verlag Innsbruck
ISBN 978-3-99039-127-3

 

Am Tag der Veranstaltung wird eine Sonderedition aufgelegt.

 

 

Alle Gedenkorte und Gedenkfeiern für Sternenkinder in Oberösterreich

 

www.dioezese-linz.at/sternenkinder

 

Flyer Gedenkveranstaltungen Linz zum Download (PDF)

Plakat Gedenkveranstaltungen Linz zum Download (PDF)

 

Lesen Sie auch: Sternenkindern einen Namen geben (KirchenZeitung online)

Katholische Kirche in Oberösterreich
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