Wednesday 20. November 2019

Diakonenweihe im Linzer Mariendom

Am 9. November 2019 um 10 Uhr wurden Franziskus Schachreiter und H. Hermann Josef Hehenberger OPraem von Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom zu Diakonen geweiht.

Wer Priester werden will, geht einen längeren Weg: Er absolviert als Seminarist zunächst das sogenannte Propädeutikum, das Einführungsjahr für Priesterkandidaten oder als Ordensmann das Noviziat. Danach studiert er katholische Theologie. In dieser Zeit lebt er mit anderen Priesteramtskandidaten im Priesterseminar bzw. als angehender Ordenspriester in der eigenen Ordensgemeinschaft. Es folgt das pastorale Einführungsjahr in einer Pfarre, wo der Kandidat erste seelsorgliche Erfahrungen sammelt. Begleitend besucht er den Pastorallehrgang. Die Weihe zum Diakon kann während oder nach diesem Jahr erfolgen. Danach ist der Diakon mindestens ein halbes Jahr in einer Pfarre tätig, bevor er zum Priester geweiht werden kann.

 

Zwei Priesterkandidaten, MMag. Franziskus Schachreiter MA und H. MMag. Hermann Josef Hehenberger OPraem vom Stift Schlägl, wurden am 9. November 2019 um 10 Uhr im Linzer Mariendom von Bischof Dr. Manfred Scheuer zu Diakonen geweiht. Der 9. November wird in der katholischen Kirche als Weihetag der Lateranbasilika gefeiert. Sie ist die älteste und eigentliche Kathedrale des Papstes und führt den Titel „Mutter und Haupt aller Kirchen des Erdkreises”.

 

MMag. Franziskus Schachreiter MA wurde 1980 in Haag am Hausruck geboren und wuchs mit fünf Geschwistern in Atzbach auf. Nach der Matura in Vöcklabruck absolvierte er an der Universität Salzburg das Studium katholische Fachtheologie (2000 – 2009) sowie das Lehramtsstudium Katholische Religion und Geografie & Wirtschaftskunde (2000 – 2009). Ebenso studierte er Gesang am Mozarteum Salzburg (Abschluss mit „Master of arts“ 2010) und absolvierte die landwirtschaftliche Facharbeiterprüfung am Agrarbildungszentrum Lambach (2012). Seit 2016 ist er Seminarist in der Diözese Linz und absolvierte zunächst das Propädeutikum in Linz. Anschließend sammelte er im pastoralen Einführungsjahr 2017/18 in der Pfarre Ostermiething erste pastorale Erfahrungen. Seit September 2018 ist Franziskus Schachreiter pastoraler Mitarbeiter in der Pfarre Ostermiething und arbeitet auch in den Pfarren Tarsdorf und St. Radegund mit. Hier wird er auch als Diakon tätig sein. Seit September 2019 unterrichtet er darüber hinaus an der Volksschule Haigermoos.

 

H. Mag. iur. Mag. theol. Hermann Josef Hehenberger OPraem wurde 1989 in Linz geboren und wuchs mit zwei Geschwistern in Rohrbach auf. Nach der Matura am BRG Rohrbach (Matura 2007) absolvierte er das Studium der Rechtswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz (2007 – 2012). Am 8. Dezember 2012 trat er in das Stift Schlägl ein und studierte von 2014 bis 2019 Theologie an der Universität Innsbruck. Die feierliche Profess legte er am 27. August 2017 ab. Seit 1. September 2019 absolviert Hehenberger sein pastorales Einführungsjahr in den Pfarren Sarleinsbach und Putzleinsdorf, wo er auch als Diakon im Einsatz sein wird.

 

H. Hermann Josef Hehenberger OPraem (l.) und Franziskus Schachreiter

H. Hermann Josef Hehenberger OPraem (l.) und Franziskus Schachreiter. © Siegfried Holzner

 

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer feierte mit etwa 400 Gläubigen im Linzer Mariendom den Festgottesdienst mit der Diakonenweihe. Mit ihm feierten Bischof em. Dr. Maximilian Aichern, Generalvikar DDr. Severin Lederhilger OPraem, der Regens des Priesterseminars der Diözese Linz Mag. Michael Münzner, der Spiritual des Priesterseminars der Diözese Linz Mag. Johann Karner, der Leiter der Abteilung Priester und Diakone der Diözese Linz Dr. Martin Füreder, der Bischofsvikar für Erwachsenenbildung und pastorale Fortbildung Dr. Johann Hintermaier, der Bischofsvikar für pastorale Aufgaben Msgr. Willi Vieböck, Diakon Mag. Anton Birngruber und weitere Diakone, Mitglieder des Domkapitels, der Abt von Stift Schlägl Mag. Lukas Dikany OPraem, dessen Vorgänger Abt em. Mag. Martin Felhofer OPraem und Mitbrüder aus dem Stift Schlägl, Priester und Pfarrangehörige aus den Heimat- und Bezugspfarren der Weihekandidaten sowie Angehörige, Freunde, Wegbegleiter und Priesterseminar-Kollegen.

 

Musikalisch gestaltet wurde der festliche Gottesdienst im Linzer Mariendom von einer Gruppe des „Treffpunkt Benedikt“, von Familie Schachreiter, von H. Jeremia Mayr OPraem, fr. Ewald Nathanael Donhoffer OPraem (Gesang & Orgel), sowie Konstantin Schrempf und Markus Höftberger an der Orgel.

 

Gottesdienst zur Diakonenweihe im Linzer Mariendom

Festlicher Gottesdienst zur Diakonenweihe m Linzer Mariendom. © Hannes Hohengassner

 

Als Diakone in vierfacher Weise Kirche bauen

 

Am Beginn des Gottesdienstes bekräftigten die Weihekandidaten ihre Bereitschaft zum Dienst als Diakon mit den Worten: „Hier bin ich“.

 

Der Regens des Priesterseminars Mag. Michael Münzner und Abt Mag. Lukas Dikany OPraem bezeugten, dass die Weihekandidaten gut vorbereitet sind, dass das Volk Gottes ihre Weihe unterstützt und dass sie für würdig gehalten werden, die Weihe zum Diakon zu empfangen. Hierauf wurden Franziskus Schachreiter und Hermann Josef Hehenberger OPraem von Bischof Scheuer zu Diakonen erwählt.

 

In seiner Predigt betonte Bischof Manfred Scheuer, die beiden Weihekandidaten seien als Diakone dazu berufen, Kirche zu bauen. Scheuer nannte in diesem Zusammenhang die vier Grundvollzüge von Kirche: Diakonie, Verkündigung, Liturgie und Gemeinschaft.


Zur Diakonie wies der Bischof darauf hin, dass der Diakon „im Dienst des Wortes, im Dienst am Altar und im Dienst der helfenden Liebe Diener für alle“ sein solle – nach dem Vorbild Jesu, der nicht gekommen sei, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen. „Die Verwirklichung der Liebe, der Diakonie ist die konsequente Folge und somit auch das Kriterium für die Echtheit des Glaubenszeugnisses und die Feier der Liturgie, der Eucharistie. Dieser innere Zusammenhang ist grundgelegt durch Jesus selbst, in seiner Botschaft und in seinem Verhalten. Glaube ohne Diakonie ist kein christlicher Glaube. Verkündigung des Evangeliums ohne Diakonie ist keine christliche Verkündigung. Eine Eucharistie feiernde Kirche, die nicht diakonisch ausgerichtet ist, drückt zwar ihren Glauben aus, aber ihr Glaube bleibt tot“, so Scheuer.


In der Verkündigung sollten Diakone zum Glauben anstiften, sich verschenken und Zeugen sein, führte der Bischof weiter aus. „In der Etymologie des Wortes ‚Zeugen‘ stecken die drei Worte ‚zeigen‘, ‚ziehen‘ und ‚zeugen‘: anderen den Weg zum Leben und zum Glauben zeigen, ziehen im Sinne von Mitnehmen und zeugen im Sinn eines schöpferischen Tuns. Darum geht es beim Zeugnis und bei der Verkündigung der Diakone: Mitwirken am Werk der Erlösung“, so Scheuer wörtlich.


Beide Weihekandidaten hätten einen inneren Bezug zu schöner Liturgie, zur Musik, zum Gottesdienstraum und zum Feiern, hob der Diözesanbischof hervor. Scheuer: „Für die Zukunft der Kirche und der Pfarre, für die Weitergabe des Glaubens an kommende Generationen ist es wichtig, dass das Evangelium als eine Botschaft der Freude, der Glaube als schön erfahren wird.“


Darüber hinaus hätten Diakone den Auftrag, Gemeinschaft zu stiften. Denn wer glaube, dürfe kein Eigenbrötler sein, nicht selbstgefällig, nicht verliebt in das eigene Spiegelbild. Scheuer: „Ein Christ ist kein Christ. Wir glauben nicht als Single, sondern in Gemeinschaft, denn Glaube kommt vom Hören. Unser Glaube kann nicht abgelöst werden von der Gemeinschaft der Zeugen, der Heiligen, von der Gemeinschaft und Solidarität mit den Menschen.“

 

Predigtgedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Manfred Scheuer bei seiner Predigt.

Bischof Manfred Scheuer bei seiner Predigt. © Hannes Hohengassner

 

Bereitschaft zum Dienst an den Menschen

 

Nach der Predigt von Bischof Manfred Scheuer erfolgte die Weihezeremonie. Nach der Anrufung des Heiligen Geistes in einem gemeinsamen Lied fragte Bischof Scheuer die Weihekandidaten nach ihrer Bereitschaft, den Glauben in Wort und Tat zu verkünden, um des Himmelreiches willen ehelos zu leben, das Stundengebet der Kirche zu pflegen, sich für Arme und Kranke einzusetzen, Heimatlosen und Notleidenden zu helfen und so sein Leben nach dem Beispiel Christi zu gestalten. Die persönliche Antwort der Kandidaten: „Ich bin bereit“. Danach legten Franziskus Schachreiter und H. Hermann Josef Hehenberger OPraem ihr Gehorsamsversprechen gegenüber dem Bischof und seinen Nachfolgern bzw. dem Abt ab.

 

Gehorsamsversprechen gegenüber dem Bischof und seinen Nachfolgern
Gehorsamsversprechen gegenüber dem Bischof und seinen Nachfolgern

© Hannes Hohengassner

 

Während der Heiligenlitanei, in der die Heiligen von der Gottesdienstgemeinde als Fürsprecher und Helfer angerufen wurden, lagen die Weihekandidaten ausgestreckt auf dem Boden der Altarinsel – als Zeichen der Hingabe, Bereitschaft und Demut vor Gott.

 

Die Weihekandidaten liegt ausgestreckt auf dem Boden der Altarinsel – als Zeichen der Hingabe, Bereitschaft und Demut vor Gott. Gegenüber: Bischof Manfred Scheuer und Diakon Anton Birngruber.

Die Weihekandidaten liegt ausgestreckt auf dem Boden der Altarinsel – als Zeichen der Hingabe, Bereitschaft und Demut vor Gott. Gegenüber: Bischof Manfred Scheuer und Diakon Anton Birngruber. © Hannes Hohengassner

 

Danach empfingen Franziskus Schachreiter und H. Hermann Josef Hehenberger OPraem kniend die Weihe durch Handauflegung und Gebet von Bischof Manfred Scheuer. Im Weihegebet heißt es: „Sende auf sie herab, o Herr, den Heiligen Geist. Seine siebenfältige Gnade möge sie stärken, ihren Dienst getreu zu erfüllen. Das Evangelium Christi durchdringe ihr Leben. Selbstlose Liebe sei ihnen eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und Armen. Mit Würde und Bescheidenheit sollen sie allen begegnen, lauter im Wesen und treu im geistlichen Dienste. In ihrem Wirken sollen deine Weisungen aufleuchten; das Beispiel ihres Lebens soll die Gemeinde auf den Weg der Nachfolge führen. So bezeugen sie wahrhaft den Glauben und bleiben bis ans Ende fest in Christus verwurzelt.“

 

Bischof Manfred Scheuer spendet H. Hermann Josef Hehenberger OPraem die Diakonweihe durch Handauflegung und Gebet.
Bischof Manfred Scheuer spendet Franziskus Schachreiter die Diakonweihe durch Handauflegung und Gebet

© Siegfried Holzner

 

Anschließend halfen die Pfarrer der Dienstpfarren den neugeweihten Diakonen beim Anlegen der liturgischen Kleidung des Diakons: der Dalmatik und der Stola, die von Diakonen quer über der Brust getragen wird. Danach überreichte Bischof Manfred Scheuer den neugeweihten Diakonen das Evangeliar mit den Worten: „Empfange das Evangelium Christi: Zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben, was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben.“

 

Überreichung des Evangeliars
Überreichung des Evangeliars

© Hannes Hohengassner

 

Mit dem Friedensgruß und einer herzlichen Umarmung besiegelte Bischof Manfred Scheuer die Aufnahme der Diakone in ihr neues Amt. Auch die anderen Diakone umarmten und beglückwünschten den Neugeweihten als Zeichen der Verbundenheit im gemeinsamen Dienst.

 

Mit dem Friedensgruß und einer herzlichen Umarmung besiegelte Bischof Manfred Scheuer die Aufnahme der Diakone in ihr neues Amt.

© Siegfried Holzner

 

Nach dem festlichen Gottesdienst waren alle Mitfeiernden zu einer Agape in das Linzer Priesterseminar eingeladen.

 

 

Diakone, die Priester werden, und Ständige Diakone

 

Es gibt zwei Formen des Diakonats: Für Priesterkandidaten ist der Diakonat eine Weihestufe auf dem Weg zur Priesterweihe, daneben gibt es sogenannte Ständige Diakone. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) ist das Diakonenamt nicht mehr vorwiegend eine Station auf dem Weg zum Priesteramt, sondern steht auch (verheirateten) Männern offen, die „ständig“ Diakone bleiben wollen – daher die Bezeichnung „Ständige Diakone“. Die Aufgaben sind die gleichen: Diakone assistieren dem Priester in der Messe, verkünden das Evangelium und dürfen predigen. Sie können die Taufe spenden, Trauungen und Begräbnisfeiern leiten, Wortgottesdienste feiern und Segnungen spenden. In der Liturgie sind Diakone an der quer über der Brust getragenen Stola zu erkennen.

 

Zum spezifischen Profil eines Diakons gehört der Dienst an den Armen und Benachteiligten. Die soziale Dimension von Kirche ist somit stark mit dem Dienen und Helfen – dem diakonalen Amt – verbunden. In diesem Dienst liegt auch der Ursprung des Diakonats: In der Apostelgeschichte der Bibel ist nachzulesen, dass sieben Diakone, unter ihnen Stephanus, ausgewählt wurden, um für die benachteiligten Witwen der Gemeinde zu sorgen.

 

V. l.: Abt Lukas Dikany OPraem, Regens Mag. Michael Münzner, Diakon H. Hermann Josef Hehenberger OPraem, Bischof Manfred Scheuer, Diakon Franziskus Schachreiter, Spiritual Johann Karner und Generalvikar Severin Lederhilger OPraem

V. l.: Der Abt von Stift Schlägl Lukas Dikany OPraem, der Regens des Priesterseminars der Diözese Linz Mag. Michael Münzner, Diakon H. Hermann Josef Hehenberger OPraem, Bischof Manfred Scheuer, Diakon Franziskus Schachreiter, der Spiritual des Priesterseminars der Diözese Linz Mag. Johann Karner, Markus Menner (Pfarrer von Ostermiething), Novizenmeister Jakob Eckerstorfer OPraem, Generalvikar Severin Lederhilger OPraem und Franz Lindorfer OPraem (Pfarrer von Sarleinsbach und Putzleinsdorf). © Siegfried Holzner

 

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