Sunday 20. October 2019

Mariendom Linz: Jubiläumskonzert zur Weihe der Votivkapelle vor 150 Jahren

150 Jahre nach ihrer Uraufführung zur festlichen Einweihung der Votivkapelle des Mariendoms am 29. September 1869 berührte Anton Bruckners e-Moll-Messe am 28. und 29. September 2019 zahlreiche ZuhörerInnen im Linzer Mariendom.

Sie ist untrennbar mit dem Bau des Linzer Mariendoms verbunden: die Messe in e-Moll von Anton Bruckner. Am 1. Mai 1862 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, der offizielle Dombau begann. Während der ersten Bauphase des Doms erhielt Anton Bruckner von Bischof Franz Joseph Rudigier im Sommer 1866 den Auftrag, eine Messe zu komponieren. Bruckner vollendete die erste Fassung dieser Messe noch im selben Jahr. Sie wurde aber erst am 29. September 1869 zur Einweihung der Votivkapelle uraufgeführt. Da die neue Votivkapelle nicht abgemauert war, fand die Aufführung zum Teil im Freien, zum Teil im Innern des Doms statt. Aus diesem Grund komponierte Bruckner die Messe ohne Solisten und ohne Streicher, also nur für 15 Holz- und Blechbläser und achtstimmigen Doppelchor. Bruckner selbst dirigierte die Uraufführung und erinnerte sich daran noch 1885 als an den „herrlichsten meiner Lebenstage“.

 

Auf den Tag genau 150 Jahre nach ihrer Uraufführung zur festlichen Einweihung der Votivkapelle des Mariendoms am 29. September 1869 erklang im Rahmen des Brucknerfestes in konzertanter Form die Erstfassung von Bruckners Messe Nr. 2 in e-Moll (WAB 27) an jenem Ort, für den sie im Auftrag von Bischof Rudigier 1866 komponiert worden war. Beim Jubiläumskonzert am 29. September 2019 wurde sie mit Schuberts populärer „Deutscher Messe“ für gemischten Chor mit Blasinstrumenten und Orgelbegleitung (D 872, 1827) kombiniert. Am Abend des 28. September erklang Bruckners bewegendes Werk beim Abendgottesdienst. An beiden Abenden musizierten der Domchor Linz, der Hard-Chor Linz (Leitung: Alexander Koller) und ein Bläserensemble der Linzer Dommusik unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Josef Habringer. Die Orgel spielte Domorganist Wolfgang Kreuzhuber.

 

© Brucknerhaus / Reinhard Winkler

 

„Ein Stück Himmel“

 

Für Domkapellmeister Josef Habringer war es eine bewegende Erfahrung, 150 Jahre nach der Uraufführung dieses große Werk gleich zweimal hintereinander, liturgisch und konzertant, dirigieren zu dürfen. Habringer: „Ich habe mit größter Hochachtung vor der gewaltigen Komposition und auch ein wenig mit Bangen bezüglich des hohen Schwierigkeitsgrades die Messe einstudiert – und ich darf jetzt mit großem Stolz sagen, dass wir das Werk im Mariendom überzeugend verwirklicht haben. Diese Komposition ist ganz und gar mit der Architektur, dem Raum und der Akustik des Mariendoms verbunden. Die gotische Bauweise des Doms ist auch in der Komposition Bruckners hörbar. Ich bin glücklich, dass ich mit den Mitgliedern des Bläserensembles der Dommusik, die ich als meine Freunde bezeichnen darf, mit dem Domchor und mit der jugendlichen Unterstützung durch den Hard-Chor unter der Leitung von Alexander Koller dieses großartige Werk für die GottesdienstbesucherInnen am Samstag und für die KonzertbesucherInnen am Sonntag zum Erlebnis werden lassen konnte – im Sinne einer spirituellen Feierstunde, in der Kunst, Architektur und Musik zu einer Einheit verschmolzen sind und uns ein Stück Himmel offenbart haben. Dank sei Gott und auch dem Meister Anton Bruckner.“

 

© Brucknerhaus / Reinhard Winkler

 

 

„Bruckner hat gedanklich konzipierte Räume beseelt und mit Musik gefüllt“

 

Bischof Manfred Scheuer stellte in seiner Predigt bei der Abendmesse am 28. September die Komposition Bruckners eindrücklich dar und schuf damit den spirituellen Hintergrund für deren musikalische Interpretation. „Der Gedenktag an die Weihe der Votivkapelle des Linzer Mariendoms mit der Uraufführung der e-Moll-Messe von Anton Bruckner am 29. September 1869 lässt uns die Kultur schaffende Kraft des Christentums bedenken: Glaube, Spiritualität und Liturgie einerseits sowie Kunst, Architektur und Musik andererseits befruchten einander“, so der Bischof. Bruckner habe sich durchaus als Handwerker verstanden, der eine große Affinität zur handwerklichen Gediegenheit der mittelalterlichen Baumeister und Steinmetze hatte: Er habe über lange Strecken zuerst die Dimensionen und Architekturen eines neuen Werkes entworfen, bevor er die so gedanklich konzipierten Räume gleichsam mit Musik füllte, sie beseelte, seinem Inneren Ausdruck verlieh, schilderte Scheuer die Herangehensweise Bruckners. Bei der Komposition der e-Moll-Messe habe sich Bruckner auf den Raum eingestellt: Da die Aufführung zum Teil im Freien, zum Teil im Inneren des Doms stattgefunden habe, seien keine Solisten und keine Streicher vorgesehen, sondern 15 Bläser und ein achtstimmiger Doppelchor.

 

Der Bischof zur Besonderheit der e-Moll-Messe: „Bruckner, der in seiner innigen Religiosität eine genaue Kenntnis der liturgischen Texte und ein sehr persönliches Verhältnis zu den Aussagen des Messordinariums hatte, hat die einzelnen Passagen intensiv musikalisch abgebildet und zum Klingen gebracht. Große Demut und höchste Jubelausbrüche wechseln einander ab, ebenso zaghaftes Zweifeln und tiefste Gläubigkeit. In der Rückschau ragt die e-Moll-Messe durch ihre expressive Modernität als ein einsamer Gipfel der geistlichen Vokalmusik des 19. Jahrhunderts weit heraus.“ In der e-Moll-Messe habe Bruckner die unterschiedlichen musikalischen Welten, die ihn in Bann zogen, vereint: die Welt Palestrinas und der alten Vokalpolyphonie mit der Musiksprache des mittleren 19. Jahrhunderts. Diese beiden stilistischen Sphären stünden in der e-Moll-Messe nicht einfach nebeneinander, sondern seien „verschlungen in einer durch und durch eigenen Musik, die in mal asketischen, mal süßen Klängen, mal monumentalen, mal sehr intimen Stimmungen, mit zum Teil traditionellen, dann aber wiederum ganz und gar neuartigen Harmonien eine einzigartige Wirkung entfaltet“, zeigte sich Scheuer begeistert.

 

Wie der monumentale Bau flöße die „kontrapunktische Kühnheit“ der Messe Respekt ein, so Scheuer: „Im Kyrie und im Agnus Dei herrsche eine Stimmung vor, die für Bruckners geistliche Musik und vermutlich auch für seine von der Karwoche her geprägte Gebetshaltung insgesamt charakteristisch ist: die Gemütslage der zerknirschten Seele zwischen Verlassenheit, Klage, Todesangst und Hoffnung. Und dann gibt es jubelnde Momente im Gloria und im Sanctus. Höhen und Tiefen, Gipfel und Abgründe der Seele werden ausgelotet und vor Gott hingetragen.“

 

Bruckners Musik sei Ausdruck seiner Spiritualität und seiner inneren Welt, und dies nicht nur in seinen kirchenmusikalischen Werken. Scheuer wörtlich: „Die Sehnsucht nach Beziehung und Freundschaft findet ihre letzte Erfüllung in der Begegnung mit dem Du Gottes, auf das Bruckner in seinen Kompositionen hinweist. Die ganze Lebensmelodie Bruckners ist dem höchsten Ziel gewidmet: ‚Mein Lied ist der Herr‘, wie es in Psalm 118 heißt.“

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Es musizierten der Domchor Linz, der Hard-Chor Linz (Leitung: Alexander Koller) und ein Bläserensemble der Linzer Dommusik unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Josef Habringer.

Kam im Domraum voll zur Geltung: die e-Moll-Messe von Anton Bruckner. © Brucknerhaus / Reinhard Winkler

 

150 Jahre Votivkapelle im Linzer Mariendom

 

Die Votivkapelle entstammt der ersten Bauetappe des Linzer Mariendoms. Zuerst wurden die Fundamente des Doms gelegt und die Erde für den Unterbau der Kirche ausgehoben. Am 1. Mai 1862 fand die feierliche Grundsteinlegung statt und der offizielle Dombau begann. Der Grundstein befindet sich in der Krypta an der Wand direkt hinter dem Altar und dem Taufbecken.

 

Direkt über der Krypta befindet sich der Kapellenkranz hinter dem Hochaltar, mit der großen Votivkapelle und den sechs weiteren Kapellen. Die Votivkapelle wurde am 29. September 1869 von Bischof Franz Joseph Rudigier eingeweiht. Anton Bruckner (1824–1896) komponierte hierfür die berühmte e-Moll-Messe, die er bei der Uraufführung auch selbst dirigierte. Anschließend wurde die Votivkapelle mit einer provisorischen Wand abgeschlossen und als gottesdienstlicher Feierraum genutzt.

 

Die Votivkapelle ist die mittlere, größte, zweischiffige Kapelle im Kapellenkranz. Seit 1983 befindet sich hier ein hölzerner Zelebrationsaltar, da die Kapelle auch als Wochentagskapelle genutzt wird. Der Hauptaltar in der Mitte ist großteils aus Marmor gearbeitet, die Tabernakeltüre wurde nach Plänen des Dombaumeisters Vinzenz Statz von Gabriel Hermeling aus Köln mit silbernen Schmuckgegenständen, die zum Dombau gespendet worden waren, gefertigt. Darauf sind in Emaille Alpha und Omega (Christus als Anfang und Ende), die Taube des Heiligen Geistes mit Hostie und drei Cherubim (Anbetung des Allerheiligsten) und der Pelikan, der seine Jungen mit dem Blut nährt (Sinnbild für Christus), zu sehen. Darüber steht ein bronzenes Altarkreuz, ebenfalls in Köln gefertigt. Der Corpus aus Elfenbein wurde vom Kloster Niederaltaich/Bayern dem Dom geschenkt.

 

Votivkapelle im Linzer Mariendom

Die Votivkapelle im Linzer Mariendom wurde vor 150 Jahren geweiht. © www.kunstverlag-peda.de

 

An der Wand hinter dem Altar steht unter einem Baldachin auf einem Postament die Immaculata-Statue aus weißem Sandstein umgeben von sieben Engeln. Sie ist am 7. Jänner 1869 in Linz eingetroffen. Diese Figur, ebenso die sieben Engeln, wurden von Josef Gasser von Valhorn aus Wien geschaffen und von Karl Jobst 1890 gefasst. Die feierliche Krönung der Immaculata durch Fürstbischof Johannes Kardinal Katschthaler aus Salzburg, dem Legaten Papst Pius X., fand am 1. Mai 1905 statt. Die goldene Krone der Madonna ist ein Geschenk von Papst Leo XIII., gefertigt nach einem Entwurf von Franz Statz.

 

Unter den Fenstern in der Kapelle befinden sich 24 Mosaikbilder, ausgeführt von Antonio Salviati aus Venedig nach einem Entwurf von Johann Ev. Klein. Sie zeigen Heilige aus verschiedenen Zeitaltern.

 

Zwei Fenster in der Votivkapelle erinnern an die Widmung des Doms und die Einbindung der Diözese Linz in dieses gesamtkirchliche Geschehen (die übrigen sind nach einem Bombenschaden modern ergänzt): Auf einem sieht man unter einem großen Marienbild Papst Pius IX., der das Immaculata-Dogma verkündete, im Kreis von Bischöfen und Beratern. Auf dem anderen gegenüber sieht man unter einem Marienbild neben vielen anderen Würdenträgern Bischof Rudigier mit einem Modell des Linzer Domes knien. Er weiht diesen Maria. Neben ihm kniet der Dombaumeister, in der Hand den Plan.

 

Details zur Votivkapelle und zum Kapellenkranz

Linzer Mariendom

Getauft und Gesandt
Stefanie Hinterleitner

Stefanie Hinterleitner

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