Wednesday 21. August 2019

Pilgern in Oberösterreich: Heilsames Gehen, das verwandelt

Pilgern ist für viele Menschen heilsames Gehen

„Was das Herz bewegt, setzt die Füße in Bewegung“: Davon ist die Pilgerbeauftragte der Diözese Linz Christine Dittlbacher überzeugt. Sie begleitet seit mehr als 20 Jahren Pilgergruppen auf ihren Sehnsuchtswegen.

Auch rund um den Weltpilgertag am 25. Juli bietet sie begleitetes Pilgern im Mühlviertel an – Besuch der Landesgartenschau inklusive.

 

Mit dem „Pilgervirus“ infiziert hat sie sich 1979 „durch Zufall: auf irischen Wanderwegen, die an sogenannten Patways an Klöstern und alten Spuren früher Christianisierung vorbeiführten“. Seit 1995 ist sie als Pilgerbegleiterin mit PilgerInnen unterwegs und begleitet etwa 35 Gruppen im Jahr: Christine Dittlbacher, MAS, Pilgerbeauftragte der Diözese Linz und ausgebildete Pilgerbegleiterin. Ursprünglich stammt die Pädagogin, Kommunikationstrainerin und Ausbildungsleiterin, die ein Studium der Spirituellen Theologie absolviert hat, aus dem Salzkammergut („Ich bin am oö. Jakobsweg aufgewachsen“) und lebt seit einigen Jahren in der BIO-Heilkräutergemeinde Klaffer am Hochficht.

 

Für sie ist Pilgern „ein tiefes Gefühl des Einsseins mit mir und mit der gesamten Schöpfung. Ich erfahre mein eigenes Schritttempo, meinen eigenen Rhythmus, mein Tempo und bin langsam und achtsam mit offenen Sinnen unterwegs. Ich liebe es, die Natur zu jeder Tages- und Jahreszeit und bei jeder Witterung hautnah zu spüren. Und ein bisschen Abenteuerlust ist auch dabei“, schmunzelt die Pilgerbegeisterte. Sie pilgert am liebsten „auf möglichst naturbelassenen Wegen, auf denen ich Ruhe und Ursprünglichkeit erleben kann“.

 

Pilgerbeauftragte Christine Dittlbacher

Eine Pilgerbegeisterte seit vielen Jahren: die diözesane Pilgerbeauftragte Christine Dittlbacher. © Christine Dittlbacher

 

Weg zur Entschleunigung mit spirituellen Erfahrungen

 

„Pilgern ist in allen Religionen und Kulturen ein heilsames Gehen beziehungsweise ein Gehen, um wieder Heilung zu erlangen – etwa nach einem Berufswechsel, nach einem Burn-out oder zur Bewältigung einer persönlichen Krise“, erläutert die diözesane Pilgerbeauftragte. Ihre Erfahrung: Der Trend zum Pilgern ist ungebrochen. „Immer mehr Menschen nehmen sich eine mehrtägige oder mehrwöchige Auszeit – sie möchten aussteigen aus dem Hamsterrad oder einfach einmal Zeit haben, um zu sich zu kommen, um Lebensthemen im Gehen zu bearbeiten und um sich Zeit für ihre Gottesbeziehung zu nehmen, besonders bei wichtigen Lebensübergängen. Pilgern ist eine Form, die eigene Spiritualität, die innere Lebensmission wieder oder neu zu entdecken“, weiß die Expertin. Manche würden zunächst einfach dem Trend folgen und pilgern gehen, weil Freunde es auch tun. „Die spirituelle Erfahrung ergibt sich dann oft erst auf dem Weg, wenn man Zeit hat zum Nachspüren, Nachdenken und Nachsinnen“, so Dittlbacher.

 

Als Pilgerbegleiterin erlebt sie immer wieder, wie Pilgern Menschen verwandelt. „Pilgern gibt die Möglichkeit eines Richtungswechsels im Leben: Man hat Zeit zum Pläneschmieden, kann nach dem Verlust eines geliebten Menschen aus der Trauer im wahrsten Sinn des Wortes ‚herausgehen‘ oder den Entschluss fassen, sich aus ungesunden Lebensumständen zu lösen. Pilgern entschleunigt und reduziert das Lebenstempo. Durch die Faszination der Natur lernen viele wieder zu staunen, Achtsamkeit zu entwickeln.“ Pilgern trage durch die Begegnung mit Menschen anderer Kulturen auch zum Weltfrieden bei, ist Dittlbacher überzeugt.

 

Pilgern lässt staunen und macht achtsam.
Pilgern entschleunigt.

© Christine Dittlbacher

 

 

Pilgerangebote in Oberösterreich rund um den Weltpilgertag

 

Am 25. Juli ist Weltpilgertag. Die Kirche begeht ihn am Gedenktag des Pilger-Apostels Jakobus des Älteren. Rund um diesen Tag bietet auch Christine Dittlbacher im Mühlviertel zwei begleitete Pilgerungen an. Am 24. Juli ist „Pilgern zur Landesgartenschau“ angesagt: Interessierte können auf dem „Jakobsweg Mühlviertel West“ und auf dem „Weg der Entschleunigung“ von 9.00 bis 17.00 Uhr pilgern, anschließend ist der Besuch der Landesgartenschau „Bio.Garten.Eden“ in Aigen-Schlägl möglich. „Dem Leben entgegengehen – Sommerfrische: Pilgern im Böhmerwald“ heißt es von 24. bis 26. Juli. Tägliche Pilgerwanderungen von 10 bis 15 Kilometern Länge führen von Dittlbachers Heimat Klaffer am Hochficht aus zu besonderen Kraftquellen des Böhmerwaldes und zu atemberaubenden Aussichtspunkten. Besuche auf der Kräuteralm, auf dem Permakulturhof und im Heilkräutergarten zeigen Wege auf, wie man mit der Natur im Einklang leben kann.

 

Infos zu diesen und anderen sommerlichen Pilgerangeboten 

 

Pilgern ist für viele Menschen heilsames Gehen

Pilgern verwandelt. © Christine Dittlbacher

 

Pilgerbroschüre „Pilgern in Oberösterreich“

 

Pilgern und spirituelles Wandern sind ein Trend der heutigen Zeit. Mit diesem Trend entsteht eine neue Form des Tourismus, die gleichzeitig zu den ältesten Formen des Reisens gehört. Österreich ist aufgrund seiner zentralen Lage in Europa ein „Pilgerland“. Es weist ein Netz von über 20.000 Kilometern an Pilgerwegen auf. 42 größere Pilgerstrecken bzw. -Ziele gibt es, nicht wenige davon sind grenzüberschreitend wie etwa die Jakobswege oder auch die Pilgerwege nach Mariazell zur "Magna Mater Austriae". (Pilgern in Österreich: www.pilgerwege.at). Auch Oberösterreich hat für PilgerInnen viel zu bieten: Auf 3.215 Kilometern laden 13 Pilgerwege und 11 spirituelle Wanderwege zum (In-sich-)Gehen ein.

 

Auf Initiative des Netzwerks Pilgerwege & Spirituelle Wege in Oberösterreich, dessen Koordinatorin Christine Dittlbacher ist, der Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich und des Oberösterreich Tourismus wurden die Pilgerwege in Oberösterreich erstmals kompakt in einer Broschüre zusammengefasst, die im März 2019 veröffentlicht wurde. 24 Wege und Wegvarianten sind darin beschrieben und online auf www.oberoesterreich.at/pilgern dargestellt. Jeder dieser Wege eignet sich auch als „Anfängerweg“, wie Christine Dittlbacher meint. „Für AnfängerInnen empfiehlt es sich, kurze und ebene Etappen auszuwählen. Infos zu den jeweiligen Wegen und deren Beschaffenheit kann man bei den angegebenen Adressen in der Broschüre bekommen.“

 

Die Broschüre ist erhältlich beim Oberösterreich Tourismus (Freistädter Straße 119, 4040 Linz, kann auch online bestellt werden), im Behelfsdienst der Diözese Linz (Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, www.behelfsdienst.at) und bei allen einzelnen Pilgerwegen.

 

 

Pilgern mit ausgebildeten PilgerbegleiterInnen

 

Interessierten, die die Sehnsucht nach Pilgern in sich spüren, sich aber nicht „drübertrauen“, empfiehlt Pilgerbeauftragte Christine Dittlbacher, sich einer geführten Pilgerwanderung anzuschließen. Immer mehr PilgerInnen haben den Wunsch, in einer Gemeinschaft und mit ausgebildeten PilgerbegleiterInnen unterwegs zu sein. In der Diözese Linz gibt es derzeit 86 PilgerbegleiterInnen im Netzwerk der Spirituellen WegbegleiterInnen, die in der Diözese eine professionelle Ausbildung absolviert haben. Sie unterstützen beim Entschleunigen, geben den PilgerInnen Struktur und Impulse zur ganzheitlichen Wegerfahrung und eröffnen Räume zur Gottbegegnung. Ihre Tätigkeit umfasst das Führen von Einzelpersonen und Gruppen, die kompetente Begleitung auf verschiedensten Themen-, Besinnungs- und Pilgerwegen und das Anbieten von spirituellen Impulsen.

 

Zu den PilgerbegleiterInnen in Oberösterreich

 

Und für jene, die selbst erfahrene PilgerInnen sind und Lust bekommen haben, Pilgergruppen zu begleiten: Der nächste Ausbildungslehrgang für PilgerbegleiterInnen nach christlich-spirituellen Grundlagen findet von Dezember 2019 bis Oktober 2020 statt. Einen unverbindlichen Infoabend gibt es am 25. Oktober 2019 von 19.00 bis 20.30 Uhr. (Kontakt, Info und Anmeldung: Ausbildungsleiterin Christine Dittlbacher: 0676 87 76 31 71, christine.dittlbacher@dioezese-linz.at)

 

Alle Infos zum Lehrgang

 

Pilgern, Beten mit den Füßen.

Pilgernd zu sich finden. © Christine Dittlbacher

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