Sunday 18. August 2019

PädagogInnen: Religionsunterricht wichtige Stütze für das Gemeinwohl

Religionsunterricht als Inspiration

Der Religionsunterricht ist kein "Auslaufmodell", sondern ein zeitgemäßes, dem Gemeinwohl dienendes Unterrichtsfach: Darauf wiesen katholische, evangelische und muslimische ReligionspädagogInnen bei einem interreligiösen Arbeitstreffen in Wien hin.

Religionsunterricht "lehrt Positionalität, Selbstreflexivität und schafft so die Grundlagen der Dialog- und Demokratiefähigkeit", hieß es in einer Stellungnahme der Wiener katholischen Religionspädagogin Prof. Andrea Lehner-Hartmann, ihres Wiener evangelischen Kollegen Prof. Robert Schelander, der Innsbrucker Religionspädagogin Prof. Martina Kraml sowie des muslimischen Religionspädagogen Prof. Ednan Aslan gegenüber Kathpress Mitte Juli 2019.

 

Anlass der Wortmeldung der ReligionspädagogInnen ist die aktuelle Debatte über die Einführung des Ethikunterrichtes – ein Vorhaben, das zwar von der letzten Regierung beschlossen, aber aufgrund der aktuellen politischen Übergangssituation noch nicht in die gesetzliche Umsetzung überführt wurde. Man begrüße die Einführung des Ethikunterrichts in der beschlossenen Form prinzipiell; es irritiere jedoch, wenn der Ethikunterricht in der öffentlichen Debatte in Konkurrenz zum Religionsunterricht gesehen bzw. als der bessere Religionsunterricht dargestellt werde. Dies übersehe die unterschiedlichen unterrichtlichen Möglichkeiten, die ein Ethik- und ein Religionsunterricht bieten. So biete der konfessionelle Religionsunterricht u. a. die Möglichkeit, gezielt von einem klaren eigenen Standpunkt aus mit anderen Religionen und Weltanschauungen in den Dialog zu treten.

 

Potenzial zur besseren Kooperation und Weiterentwicklung orten die ReligionspädagogInnen in den jeweiligen Fachdidaktiken: So sollte nicht nur die Religionsdidaktik untereinander stärker in den Dialog treten, sondern auch der Austausch mit einer forschungsgleiteten Ethikdidaktik gesucht werden. "Wir als Religionspädagoginnen und Religionspädagogen freuen uns auf die Kooperation mit den Verantwortlichen für den Ethikunterricht" so die einhellige Meinung der ReligionspädagogInnen bei dem Arbeitstreffen.

 

Korrekturbedarf orteten die ReligionspädagogInnen indes beim Bild eines "konfessionellen Religionsunterrichts": Dieser dürfe nicht auf einen "Konfessionalismus" eng geführt werden, in dem es darum geht, die Besonderheiten der je eigenen Konfession aufzuzeigen, um sich vom anderen abzugrenzen. Vielmehr würde der Religionsunterricht heute bereits konfessionsübergreifende Elemente beinhalten oder gar – wie in Wien in einzelnen Schulen – "kooperativ" geführt. "Der Religionsunterricht hat sich stark weiterentwickelt und entspricht ganz den staatlichen Bildungsziel-Vorgaben, denen zufolge zu einer umfassenden Bildung auch eine 'religiös-ethisch-philosophische' Bildungsdimension zählt", hieß es.

 

Leerstellen orteten die ReligionspädagogInnen bei der Lehrerfortbildung und der Begleitung von LehrerInnen. So brauche es nicht nur eine jeweils fachspezifische Lehrerfortbildung, sondern auch eine bessere "Sensibilisierung für die Qualitäten und Kompetenzen anderer Fächer". Eine Zusammenarbeit über die Fächergrenzen hinweg sei vom Bildungsauftrag der Schule her gesehen notwendig.

 

Derzeit besuchen österreichweit rund 593.000 SchülerInnen den katholischen Religionsunterricht. Unterrichtet werden sie dabei von 6.941 ReligionslehrerInnen. Den evangelischen Religionsunterricht besuchen rund 40.000 SchülerInnen; sie werden von rund 600 LehrerInnen unterrichtet. Den orthodoxen Religionsunterricht besuchen rund 13.600 und den islamischen Religionsunterricht rund 76.000 SchülerInnen. An staatlichen Universitäten sowie an Pädagogischen Hochschulen in Österreich sind aktuell über 1.000 Studierende in Ausbildungen für den schulischen Religionsunterricht.

 

Kathpress

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