Thursday 24. October 2019

Symposion: Grundüberzeugungen Kardinal Königs bleibend aktuell

Die Grundüberzeugungen Kardinal Franz Königs sind auch 15 Jahre nach seinem Tod bleibend aktuell. Das war der Tenor eines Symposions, zu dem die Kardinal-König-Stiftung am 13. März 2019 in das Lainzer Kardinal-König-Haus geladen hatte.

An diesem Tag jährte sich zum 15. Mal der Todestag des Wiener Erzbischofs und Konzilsvaters Kardinal Franz König (1905-2004). Zugleich war dieser Tag auch der sechste Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus.

 

 

Bischof em. Aichern: Kardinal König war  "unangefochtene Autorität"

 

Eröffnet wurde der Abend mit einem Gedenk- und Dankgottesdienst in der Lainzer Konzilsgedächtniskirche, dem Kardinal Christoph Schönborn vorstand. Mit dem Wiener Erzbischof standen auch die beiden emeritierten Linzer Bischöfe Maximilian Aichern und Ludwig Schwarz sowie Priester, die von Kardinal König geweiht wurden am Altar. Aichern hob in seiner Predigt einmal mehr die Bedeutung Königs als Brückenbauer hervor, sowohl innerhalb der Kirche und der christlichen Ökumene als auch zu vielen außerhalb der Kirche. Er würdigte u. a. Königs Verdienste um den Dialog mit den Kirchen, Religionen, Weltanschauungen, Wissenschaften und politischen Parteien sowie seinen Einsatz für die Menschenrechte.

 

Als "unangefochtene Autorität" sei es Kardinal König um eine zeitgemäße Entwicklung der Kirche und um ihren Einsatz für die Menschen gegangen. Dies sei auch die große Übereinstimmung zwischen König und Papst Franziskus, so Aichern. König sei zudem stets ein überzeugter Europäer gewesen. Auch noch als emeritierter Erzbischof habe er sehr rege am Geschehen in Kirche und Welt teilgenommen. So habe sich König sowohl bei der Erarbeitung des Sozialhirtenbriefs der österreichischen Bischöfe 1990 wie auch beim Ökumenische Sozialwort 2003 eingebracht, erinnerte Aichern.

 

Der Linzer Altbischof ging in seiner Predigt auch auf das sechsjährige Amtsjubiläum von Papst Franziskus ein. Der Papst habe neue Bewegung in die Kirche gebracht, so Aichern. Seine Maxime: "So vielen Menschen wie Möglich die Liebe Gottes spüren lassen." Das sei Franziskus' Anspruch an die Kirche. Große Hoffnungen zur Erneuerung der Kirche setzte Aichern sowohl in den jüngsten vatikanischen Kinderschutzgipfel wie auch in die kommenden Amazoniensynode.

 

 

Brennende Osterkerze

 

In der Mitte der Konzilsgedächtniskirche brannte beim Gottesdienst die Osterkerze von Kardinal König, die aus diesem Anlass von seinem Grab in der Gruft des Stephansdoms geholt worden war. König hatte in seinem Testament verfügt, dass man bei seinem Begräbnis die Osterkerze auf seinem Sarg nicht vergessen möge. Daher entzündete Kardinal Schönborn beim Gottesdienst an dieser Osterkerze das Licht, das dann an die Teilnehmer des Gottesdienstes verteilt wurde.

 

An dem Gottesdienst bzw. dem folgenden Symposion nahmen u. a. auch der St. Pöltner emeritierte Bischof Klaus Küng und der frühere Wiener Weihbischof Helmut Krätzl teil. Von Seiten der Ökumene waren der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, P. Athanasius Buk von der griechisch-orthodoxen Kirche und der altkatholische Altbischof Bernhard Heitz gekommen. Von politischer Seite nahm Finanzminister Hartwig Löger teil, der auch Grüße von Bundeskanzler Sebastian Kurz übermittelte.

 

Ökumene und Auferstehung

 

Bischof Manfred Scheuer erinnerte in einem Grußwort an Königs letztes Gespräch in dieser Welt mit dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos, in der Wohnung Königs zwei Tage vor seinem Tod. Diese Gespräch hatte die Auferstehung zum Thema wie auch die Ökumene. Der Kardinal habe Staikos mit Überzeugung vorgetragen, dass die Ökumene weitergehen muss.

 

Die Generalsekretärin der Kardinal-König-Stiftung und langjährige Büroleiterin des Kardinals, Annemarie Fenzl, hob in ihren Ausführungen einige Grundüberzeugung des Kardinals hervor: Religion gehört zum Wesen des Menschen und das Gebet ist die Grundnahrung des Menschen. Daran habe der Kardinal immer festgehalten, wie auch an vielen anderen Überzeugungen. So blieb beispielsweise die Fristenregelung für König immer eine "offene Wunde". Und hinsichtlich der Euthanasie habe der Kardinal noch kurz vor seinem Tod das Wort geprägt: Menschen sollten an der Hand eines anderen Menschen sterben dürfen und nicht durch die Hand eines anderen.

 

Das Missionsverständnis von Kardinal König brachte Fenzl so auf den Punkt: "Die schönsten Worte nützen nichts, wenn ihnen nicht die praktischen Beispiele der Tat folgen." Ein feiner Humor und pastorale Klugheit hätten ihn weiters ausgezeichnet, so Fenzl weiter. König habe den Tod nicht gefürchtet, sondern in sein Leben integriert und aus diesem Bewusstsein heraus stets intensiv gelebt. Seine drei Fragen "Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Welchen Sinn hat mein Leben?" wurden zum Markenzeichen seiner besonderen Lebenshaltung.

 

"Du lebst mitten unter uns"

 

Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl stellte die Wiener Diözesansynode (1969-71) in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Auf der Synode sollten die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) umgesetzt werden, an denen König so maßgeblich mitgewirkt hatte. Die Vorbereitungen auf die Synode seien höchst intensiv gewesen. Eine Million Briefe an Haushalte wurden damals verschickt. Die Synode sollte Angelegenheit des ganzen Gottesvolkes sein, so Krätzl. 100.000 Antworten kamen zurück. Krätzl: " Alle Fragen, die heute noch aktuell sind, wurden damals auch schon beraten." Der Erzbischof nannte als Beispiele die Liturgie, die Einstellung zu wiederverheirateten Geschiedenen und den Zölibat.

 

"Gerade auch in der heutigen schwierigen Zeit hat uns Kardinal König noch so viel zu sagen", zeigte sich Krätzl abschließend überzeugt. Und mit den Worten "Herr Kardinal, Du lebst mitten unter uns", schloss der 88-jährige Bischof seinen Vortrag.

 

"An der Transzendenz festhalten"

 

Der Mediziner und Theologe Johannes Huber – er war langjähriger Sekretär von Kardinal König – fasst unter dem Titel "Woher wir kommen, wohin wir gehen" seine Erfahrungen aus dem Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft zusammen. Jeder Mensch habe wohl Momente transzendentaler Erfahrung, zeigte sich Huber überzeugt. Und: "Es ist weiterhin redlich, an der Transzendenz festzuhalten."

 

Gott brauche keinen Beweis, die Naturwissenschaft könne aber Indizien dafür geben, "dass es eine Wirklichkeit bzw. Wahrheit hinter der Osterkerze gibt", so Huber: "Die Schöpfung bzw. die Naturgesetze sind nicht nur hochintelligent sondern auch schön". Er bezeichnete sie als "Verlautbarung eines Absenders des Transzendenten". Huber plädierte zudem für eine "unschlagbare Koalition von Naturwissenschaft und Religion". Der 72-jährige Theologe und Gynäkologe war von 1973 bis 1983 persönlicher Sekretär von Kardinal König.

 

Caritas-Arbeit in den Pfarren

 

Rainald Tippow von der Caritas der Erzdiözese Wien konkretisiert in seinen Ausführungen Kardinal Königs Frage "Welchen Sinn hat unser Leben?" mit Informationen über die Caritas-Arbeit in den Pfarrgemeinden. Es sei eigentlich erstaunlich, so Tippow: "In einer Zeit, wo es eine vermeintliche Kirchenkrise gibt, nimmt in den Pfarrgemeinden die Zahl der Menschen deutlich zu, die sich in verschiedenen sozialen Aktivitäten engagieren. Waren es in der Erzdiözese Wien 2011 noch 7.500 Mitarbeiter, so seien es aktuell bereits mehr als 12.000. Viele von ihnen seien sogenannte "Fernstehende", die Kardinal König bei vielen Gelegenheiten als "wärmenden Mantel für die Kirche" bezeichnet hat.

 

Tippow wies in seinen Ausführungen u. a. auf das Caritas-Projekt Le+O ("Lebensmittel und Orientierung") hin. Dieses wurde gemeinsam mit Wiener Pfarren 2009 ins Leben gerufen. Das Angebot kombiniert die Ausgabe von hochwertigen Lebensmitteln an armutsbetroffene Menschen mit einem individuellen, kostenlosen Beratungs- und Orientierungsangebot. Pro Woche würden inzwischen 16 Millionen Tonnen Lebensmittel ausgegeben, so Tippow.

 

Ein weiteres Erfolgsprojekt: die Wärmestuben. In den Wärmestuben in Pfarren und Vereinen bieten freiwillige Helfer den Besuchern einen Platz zum Aufwärmen, eine Kleinigkeit zum Essen und auch ein offenes Ohr für deren Sorgen und Nöte. Von Dezember bis einschließlich März hat täglich zumindest eine Wärmestuben für Frierende und Hungrige geöffnet. Wie Tippow berichtete, kamen im ersten Jahr der Aktion insgesamt nur 400 Gäste, im Winter 2017/18 konnten die 24 teilnehmenden Pfarren bereits 11.000 Gäste begrüßen. Für den heurigen Winter gebe es noch keine Gästezahl, aber 30 teilnehmende Pfarren, darunter auch evangelische und orthodoxe und eine muslimische Gemeinschaft.

 

Den Blick auf den Papstwahltag lenkte schließlich der Direktor des Kardinal-König-Hauses, P. Friedrich Prassl SJ. Er nannte Barmherzigkeit und die Nähe zu den Menschen als "Kennmelodie" des Ponifikats von Franziskus.

 

Sowohl beim Gottesdienst in der Konzilsgedächtniskirche als auch im Bildungszentrum der Jesuiten und der Caritas wurde als "posthumes Geschenk von Kardinal König" für die Caritas-Inlandshilfe in den Pfarren gesammelt.

 

P. Friedrich Prassl SJ, Bischof Maximilian Aichern, Weihbischof Helmut Krätzl, Reinold Tippow (Caritas), Annemarie Fenzl (Generalsekretärin Kardinal-König-Stiftung), Prof. Johannes Huber, Erich Leitenberger, Bischof Ludwig Schwarz

V. l.: P. Friedrich Prassl SJ, Bischof em. Maximilian Aichern, Weihbischof Helmut Krätzl, Reinold Tippow (Caritas), Annemarie Fenzl (Generalsekretärin Kardinal-König-Stiftung), Prof. Johannes Huber, Erich Leitenberger (Vize-Präsident Kardinal-König-Stiftung), Bischof em. Ludwig Schwarz. © Kathpress / Georg Pulling

 

 

Pühringer: König bleibt "starke Stimme in der Kirche Österreichs"

 

Als "eine der größten österreichischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts" hat auch der frühere oberösterreichische Landeshauptmann und nunmehrige "Pro Oriente Linz"-Vorsitzende Josef Pühringer Kardinal Franz König an dessen 15. Todestag gewürdigt.

 

Obwohl nun bereits vor 15 Jahren verstorben, "ist er noch immer eine starke Stimme in der Kirche Österreichs und weit darüber hinaus", so Pühringer wörtlich in einem Gastkommentar im "Oberösterreichischen Volksblatt" (13. März 2019). König ((1905–2004) war vor 15 Jahren, am 13. März 2004, verstorben.

 

König habe das 20. Jahrhundert "gestaltet und alle Höhen und Tiefen, alle Wirrungen und Katastrophen, aber auch alle großartigen Entwicklungen dieses Jahrhunderts durchlebt". Er habe dabei nicht nur als Beobachter, sondern vor allem als "Zeichensetzer", als Vordenker, als Mahner und Gestalter gelebt, so Pühringer. Er würdigte u. a. Königs Verdienste um den Dialog mit den Kirchen, Religionen, Weltanschauungen, Wissenschaften und politischen Parteien.

 

Auch innerhalb der eigenen Kirche habe der Kardinal auf den Dialog gesetzt: "Gerade nach dem Zweiten Vatikanum war es ihm wichtig in einem großen Dialogprozess die Ergebnisse auch in der eigenen Diözese in Wien und in der Kirche in Österreich umzusetzen."

 

"Mann für heikle Missionen"

 

Der Pro Oriente-Vorsitzende würdigt König als "Mann für heikle Missionen im Auftrag des Vatikans: So hat ihn schon Papst Johannes XXIII. in die Ostländer geschickt, als noch der Eiserne Vorhang bestand; um auszuloten wie es der Kirche dort geht, um Gespräche und Hilfen anzubieten." Von 1962 bis 1965 sei König einer der bedeutendsten Konzilsväter des Zweiten Vatikanums gewesen. Sein Engagement habe vor allem den Fragen der Religionsfreiheit und der Menschenrechte gegolten. Er habe sich gleichermaßen mit dem Verhältnis zum Judentum wie auch mit dem Gespräch unter den Weltreligionen befasst.

 

Pühringer: "Zurecht wird Kardinal Franz König als der Pontifex Österreichs bezeichnet, da er unter allen Bischöfen eine herausragende Position hatte, und er wird weit über die Grenzen Österreichs hinaus als der 'Weltreisende im Dialog' genannt."

 

Dialog mit der orthodoxen Kirche

 

Von höchster Bedeutung war u. a. der von König forcierte Dialog mit der orthodoxen Kirche: Als erster Kardinal der römisch-katholischen Kirche besuchte er den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Athenagoras I., erinnert Pühringer: "Dieser Besuch war wegbahnend und hatte eine ganz große Nachhaltigkeit für die Beziehung der katholischen Kirche zur Orthodoxie und zur altorientalischen Kirche." 1964 gründete König die Stiftung "Pro Oriente" und institutionalisierte den ständigen Dialog mit diesen Kirchen, die hinter dem Eisernen Vorhang und im Nahen Osten zu Hause waren.

 

 

 

Wie Kardinal König sich auf den Tod vorbereitete und starb

 

Annemarie Fenzl, die langjährige Leiterin seines Sekretariats, schilderte am 18. Februar 2019 im Wiener Kardinal König Haus bei einem Symposion die "letzte Zeit" des Kardinals. Für den Kardinal sei eines seiner "Lebensrituale" gewesen, zumindest einmal am Tag an den eigenen Tod zu denken, berichtete Fenzl. Es sei die Überzeugung des Kardinals gewesen, dass der Gedanke an die Endlichkeit des Lebens jeden Augenblick, jede Begegnung erst kostbar macht. 

 

Als König im Sommer 2003 in Mariazell einen Oberschenkelhalsbruch erlitt, habe er gemeint, am Ende seines Weges angelangt zu sein. Aber es kam anders: "Nach einem Hubschraubertransport von Mariazell nach Wien, mit einer Bronchitis behaftet, in die hinein nun plötzlich operiert werden musste, wollte er eineinhalb Tage nicht aufwachen, was die behandelnden Ärzte in eine ziemliche Stress-Situation versetzte, eine Verlegung ins AKH stand schon im Raum. Aber plötzlich schlug er, wie durch ein Wunder, die Augen auf und war wieder ganz da", so Fenzl. Seinen 98. Geburtstag feierte er am 3. August im Spital und trank mit Kardinal Christoph Schönborn schon wieder ein Glas Sekt. Ausgewählte Gratulanten kamen und er fasste langsam wieder Mut.

 

Annemarie Fenzl zitierte ein Wort Kardinal Königs von damals: "Ich habe mir gedacht, ich darf nicht hadern und fragen: Warum ist mir das passiert? Das passiert so vielen alten Leuten. Warum soll es mir nicht passieren? Ich muss die Frage anders stellen, ich muss fragen: Wozu ist mir das passiert? Was ist der Sinn dahinter? Dann habe ich eine Antwort: Ich kann anderen alten Leuten Mut machen und ihnen zeigen, dass man nicht aufgeben darf, dass man es, auch wenn man alt ist, noch schaffen kann."

 

Damals habe der Kardinal allein durch sein Beispiel vielen Menschen in ähnlicher Lage Mut gemacht, "einfach, indem er zeigte, dass es möglich war". Aber kaum ging es ihm einigermaßen besser, wollte er das Spital verlassen. Die Ärzte hatten damit gar keine Freude, er ließ aber nicht locker und durfte am 15. August, am Marienfeiertag, nach Hause gehen. Und er erholte sich zum Erstaunen vieler auf fast wunderbare Weise: Mit großer Disziplin trainierte er täglich und konnte bald wieder langsam alleine gehen, zuerst noch mit einem Rollator, dann mit und bald ohne Krücken, zuerst noch ein bisschen hinkend und dann ohne merkbare äußere Zeichen irgendeiner Behinderung.

 

Im Herbst 2003 nahm König seine seelsorglichen Aufgaben wieder auf, fast so, als ob nichts geschehen wäre. Er stand im November einem feierlichen Hochamt aus Anlass der 175. Wiederkehr des Todestages von Franz Schubert im Stephansdom vor und konnte auch die schon im Frühjahr ausgemachten Pfarrbesuche einhalten. Anlässlich einer Firmung in St. Elisabeth im 4. Bezirk im Oktober 2003 sagte er am Ende der doch anstrengenden Feier mit fröhlicher Selbstironie: "Heute habe ich gelernt, wozu ein Bischofsstab auch gut ist, er ersetzt die Krücke und ist doch viel eleganter."

 

Anfang Jänner 2004 fuhr er, auch wie jedes Jahr, nach Mariazell. Täglich konnte er hier wieder die Heilige Messe feiern, ohne Hilfe und ohne Stock und abends, wenn die Basilika geschlossen war, ging er zur Gnadenkapelle, um in der dunklen Stille zu beten und zu danken.

 

Die letzten Tage des Kardinals

 

Annemarie Fenzl schilderte auch die letzten Tage des Kardinals: Am 11. Februar 2004 begleitete König seinen Freund, den Altbischof von St. Pölten, Franz Zak, zur letzten Ruhe. Kardinal Schönborn war zu diesem Zeitpunkt in Amerika und der amtierende Diözesanbischof, Kurt Krenn, befand sich selbst im Spital. Der feierliche und daher für ihn sehr anstrengende Begräbnisgottesdienst im St. Pöltner Dom, wo er selbst 52 Jahre zuvor die Bischofsweihe empfangen hatte, dauerte an die zweieinhalb Stunden. Eine Woche danach, am 18. Februar 2004, nahm er noch ein Ehrendoktorat der rumänischen Universität von Cluj im großen Festsaal der Wiener Universität entgegen. Einwänden aus seiner Umgebung, ob im Hinblick auf seinen bereits geschwächten Gesamtzustand, diese – letztlich anstrengende – Ehrung an der Universität unbedingt notwendig sei, sei er mit dem einfachen Argument begegnet: "Es ist eine Universität aus dem Osten und es geht um Europa." Von dieser Strapaze sollte sich der Kardinal nicht mehr erholen können, so Fenzl: "Gott hätte ihm keinen schöneren Schlussakkord schenken können."

 

Unmittelbar darauf verließen König endgültig die Kräfte und er musste ins Spital. Nach vier Tagen setzte er bei seinen Ärzten seine Rückkehr nach Hause in seine Wohnung im Altenheim der Barmherzigen Schwestern durch. Fenzl: "Obwohl er zunehmend schwächer wurde, blieb sein Interesse am Leben ungebrochen. Freunde kamen zu Besuch, Priester seiner Diözese feierten mit ihm in seinem Wohnzimmer Gottesdienst." Als die Tage mühsamer wurden, wurde es immer deutlicher, woher der Kardinal seine Kraft holte, so Fenzl: "Nach einer Messe, die ein junger Priester mit ihm und für ihn in seinem Wohnzimmer feierte, sagte der Kardinal: Daraus lebe ich!"

 

Noch im Spital habe sich König ganz bewusst u. a. von seinem Nachnachfolger, Kardinal Schönborn, von Weihbischof Helmut Krätzl, von Metropolit Michael Staikos und Oberin Christine Gleixner verabschiedet. Sein letztes Gespräch in dieser Welt mit dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos, in der Wohnung zwei Tage vor seinem Tod, hatte die Auferstehung zum Thema. Sinngemäß habe Kardinal König damals gesagt, die Kirche solle - anstatt den Menschen allzu viele moralische Ge- und Verbote aufzuerlegen, mehr von der Auferstehung zu ihnen sprechen, die ja das Wichtigste, das Entscheidende ist, so Fenzl: "Und obwohl in diesen letzten zwei Wochen alle wussten, spürten, dass seine Lebenszeit langsam zu Ende ging, war da übereinstimmend das Gefühl, dass es eine schöne und wichtige Zeit, nicht nur für ihn, sondern für uns alle war."

 

Fenzl weiter: "Am letzten Morgen seines Lebens, am 12. März, wollte er nach der Morgentoilette im Bad in sein Schlafzimmer vor das Fenster gerollt werden, um sich dann lange und sorgfältig zu rasieren, so, als ob er ganz fein vor den Herrgott treten wollte. Am Abend dieses 12. März schneite es. Wir erzählten ihm davon und dass wir alle hier wären und dass alles in Ordnung sei. Er erwiderte: 'Wie schön.' Wir haben die letzten Nächte zu Hause immer bei ihm durchgewacht - aber als er heimging, da haben wir alle geschlafen. Er wollte wohl alleine gehen und uns die Aufregung ersparen, die sich unweigerlich ergeben hätte. Um Mitternacht schlief er noch ruhig und als wir gegen 3 Uhr früh nach ihm schauten, hatte er sich schon auf den Weg gemacht. Er ist am Samstagmorgen, dem 13. März 2004, am Muttergottes- und Fatimatag, in seiner Wohnung im Altenheim der Barmherzigen Schwestern – im wahrsten Sinn des Wortes, wie man früher sagte – 'selig im Herrn entschlafen'.

 

Wir zündeten seine kleine Bischofskerze an und öffneten nach altem Brauch das Fenster, damit 'die Seele hinausfliegen' konnte. Wir legten ihm seine wichtigsten 'Lebensbegleiter' auf die Bettdecke: sein Johanneskreuz, seinen Konzilsring und sein Brevier. Eine halbe Stunde danach war schon Kardinal Schönborn eingetroffen. Er war ganz still und tat dann, wie selbstverständlich, das Richtige. Er setzte sich an das Fußende des Bettes, nahm das Brevier, das auf der Decke lag und sagte zu seinem soeben verstorbenen Mitbruder: 'Ich bete jetzt mit dir die Laudes (das Morgengebet der Kirche)'. Vielleicht hat Kardinal König ihn noch gehört. Den ganzen Morgen kamen Menschen, Schwestern, Mitarbeiter, Freunde, die alle mit uns beteten. So hoffen wir, dass wir ihn gut hinüberbegleitet haben auf seinem Weg in sein neues Leben."

 

Kathpress

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Melanie Wurzer

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