Mittwoch 20. März 2019

Jubilar Haidinger "voller Zuversicht" über Zukunft der Orden

Der Blick in die Geschichte mache gelassen in Bezug auf den gegenwärtigen Mangel an Berufungen: So der Vorsitzende der Superiorenkonferenz Christian Haidinger im "Kathpress"-Interview zu seinem 75. Geburtstag.

Abt emeritus Christian Haidinger, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Orden Österreichs, hat von seinen nunmehr 75 Lebensjahren 55 "hinter Klostermauern" verbracht, wie er schmunzelnd sagt. Und obwohl er bei seinem Ordenseintritt in das oberösterreichische Stift Kremsmünster der 93. dort beheimatete Benediktiner war – doppelt so viele wie heute –, äußerte sich der jetzt im Stift Altenburg mit nur acht älteren Mitbrüdern lebende Haidinger optimistisch und "voll Zuversicht" über die Zukunft der Ordensgemeinschaften. In einem "Kathpress"-Interview anlässlich seines 75. Geburtstages am 12. März 2019 meinte er, "ein Blick in die Geschichte macht gelassen" in Bezug auf den gegenwärtigen Mangel an Berufungen.

 

Sein bereits im Jahr 777 gegründetes "Stammkloster" Kremsmünster, das seit damals bis auf eine kurze Phase während der NS-Zeit durchgehend besteht, hatte als Folge der Reformation Mitte des 17. Jahrhunderte gar nur drei Mönche, wies der vielfach engagierte frühere Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation hin. Zum 1.000-Jahr-Jubiläum im Jahr 1777 habe es dann mit 113 Konventsmitgliedern den historischen Höchststand gegeben.

 

Bei den Männerorden, deren Repräsentant Haidinger als Vorsitzender der Superiorenkonferenz ist, "schaut's nicht so schlecht aus", sagte er. Bei der traditionellen Novizenwoche, die den Mitgliedern der insgesamt 85 Männerorden in Österreich dazu dienen sollen, die Ordenswelt in Österreich kennenzulernen, hätten sich vor vier Jahren nur drei Männer angemeldet. Es sei damals überlegt worden, diese Kontaktwoche in dieser Form zu beenden; Haidinger wollte aber nicht aufgeben, um ein Jahr später kamen sieben, danach 13 und heuer 23 junge Ordensangehörige als Teilnehmende.

 

Bei den Ordensfrauen dagegen – zwischen der Superiorenkonferenz und der Vereinigung der Frauenorden mit ihrer Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer wird eine strukturelle  "Fusion" vorbereitet – kam es nach den Worten Haidingers in den vergangenen Jahrzehnten zu einem kontinuierlichen Mitgliederschwund. 1970 gab es in Österreich noch 14.000 Schwestern, nur mehr 3.353 lautet die letzte vorliegende Zahl.

 

Aber auch hier belege die Kirchengeschichte ein Auf und Ab: Mitte des 19. Jahrhunderts habe es im Bereich der Habsburger Monarchie nur rund 700 Ordensleute gegeben. Nach den beiden Weltkriegen entstand ein enormer Frauenüberschuss, viele davon nützten danach die Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in den Frauenorden. Aus manchen Familien seien sogar mehrere Schwestern und auch noch die Mutter eingetreten, weiß der Altabt.

 

 

Ordensgelübde in heutiger Sprache

 

"Rezepte" für eine Trendumkehr hin zu den geistlichen Gemeinschaften gebe es keine, sagte Haidinger, wohl aber Versuche, sich potenziell Interessierten in einer neuen Weise zuzuwenden. Ein Beispiel: Die Adjektiva "wach – einfach – gemeinsam" stünden für das Bemühen, die den Ordensgelübden zugrunde liegenden "Evangelischen Räte" Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit in heutiger Sprache zu vermitteln, etwa in Form von vielfach angeklickten Videos im Internet. Auch das Modell "Orden auf Zeit", bei dem Männer oder Frauen mindestens drei Monate in Gemeinschaft mit Ordensleuten in einem Kloster zusammenleben, finde großen Zuspruch, berichtete Haidinger. Es gebe immer mehr InteressentInnen als Angebote – vielleicht ein Hinweis darauf, dass das Ordensleben in einer von Konsumismus und Zweckrationalität geprägten Zeit eine attraktive Alternative sein könnte.

 

Über seine ganz persönlichen Projekte nach seinem 75er teilte Haidinger mit, er wolle sich mehr Zeit für seine Gemeinschaft im Stift Altenburg nehmen, in Ordenskommunitäten Exerzitien anbieten, Vorträge halten – und auch ein weiteres Buch nach dem 2015 erschienenen Styria-Band "Geh, wohin ich dich sende!" hat er schon im Hinterkopf. Ein Grund zum Leisetreten sei sein runder Geburtstag nicht, betonte er. In all seinen Jahrzehnten als Ordensmann und Priester habe sich der 1944 in Siezenheim/Salzburg geborene Haidinger auch nie gescheut, kontroversielle Themen aufzugreifen und anzusprechen. Diesem Wesenszug werde er auch in Zukunft treu bleiben. „Geblieben ist eine große Dankbarkeit, dass ich diesen Weg gehen darf, bis heute in großer Freude und tiefer Erfüllung“, so Christian Haidinger.

 

Abt em. Christian Haidinger

Der rüstige Jubilar Abt em. Christian Haidinger. © Ordensgemeinschaften / Katrin Bruder

 

Der 1944 in Siezenheim/Salzburg geborene Haidinger trat 1964 nach seiner Matura am Stiftsgymnasium Kremsmünster in die Ordensgemeinschaft der Benediktiner ein. Ein Jahr später legte er die zeitliche und drei Jahre später die ewige Profess ab. Von 1966 bis 1970 studierte Haidinger Theologie am Päpstlichen Athenaeum Sant’ Anselmo; am 6. Juli 1969 wurde er zum Priester geweiht. Er war Pfarrer von Buchkirchen, seit 2000 Dechant des Dekanats Wels-Land und seit 2004 Generaldechant der Diözese Linz. Lange Jahre blieb Haidinger dem Stift Kremsmünster verbunden; unter anderem fast drei Jahrzehnte als Religionslehrer im Stiftsgymnasium. Doch nach dem Tod von Bernhard Naber, Abt des Stifts Altenburg, wählte ihn der Konvent zu seinem Nachfolger. Der Ordensmann blieb bis zum 12. März 2014, seinem 70. Geburtstag, im Amt. 2006 wurde er zum Präsidenten von Klösterreich, einem Interessenverbund der Stifte, Klöster und Orden Österreichs, gewählt. Am 18. November 2009 wurde Christian Haidinger im Generalkapitel zum Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation gewählt; dieses Amt hatte der Ordensmann bis 25. Oktober 2017 inne; sein Nachfolger ist Abt Johannes Perkmann von der Benediktinerabtei Michaelbeuern. Am 25. November 2013 wurde Haidinger als Nachfolger von Propst Maximilian Fürnsinn zum Ersten Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs gewählt; in dieser Funktion wurde er am 21. November 2016 erneut bestätigt.

 

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