Montag 25. März 2019

Opferschutz: Bischofskonferenz verstärkt ihre Aktivitäten

Die Österreichische Bischofskonferenz verstärkt ihren Fokus auf den Opferschutz und hat damit zwei Bischöfe sowie einen aus unabhängigen ExpertInnen zusammengesetzten Beirat beauftragt.

So wurde bei der letzten Vollversammlung der Bischofskonferenz beschlossen, dass der Feldkircher Bischof Benno Elbs für die Gesamtthematik "Opferschutz" zuständig ist und auch den Vorsitz im neu geschaffenen Beirat der Bischofskonferenz für diesen Bereich hat. Das erklärte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, am 20. Februar 2019 im Interview mit "Kathpress". Dem Beirat gehört auch der Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer an, der die Bischofskonferenz in der kirchlichen "Stiftung Opferschutz" vertritt , wo die Entscheidungen der unabhängigen "Klasnic-Kommission" umgesetzt werden.

 

Bei der weiteren Zusammensetzung des Beirats setzt die Bischofskonferenz auf kompetente Frauen und Männer aus dem Laienstand, die größtenteils auch in den bereits von der Kirche etablierten Strukturen gegen Missbrauch und Gewalt engagiert sind. Bekanntestes Mitglied ist der renommierte Psychiater Prof. Reinhard Haller, der seit 2010 auch der Unabhängige Opferschutzkommission unter Vorsitz von Waltraud Klasnic angehört. Mit dem Psychiater Prof. Johannes Wancata und der Psychotherapeutin Christiane Sauer sind zwei Leiter der Ombudstellen der Diözesen Wien bzw. Linz im Beirat vertreten. Weitere Mitglieder sind die Leiterin der Stabsstelle für Prävention gegen Missbrauch und Gewalt in der Diözese Gurk, Melanie Bartoloth-Dauschan, die Familienberaterin und Psychotherapeutin Elisabeth Wieser-Hörmann und Rita Kupka-Baier von der kirchlichen "Stiftung Opferschutz".

 

Aufgabe des neuen Beirats ist es, die Bischofskonferenz in Fragen der Prävention, Maßnahmen und Regelungen gegen Missbrauch und Gewalt zu beraten. "Wir stehen auf der Seite der Opfer. Das ist der Weg, den die katholische Kirche in Österreich beim Umgang mit Missbrauch in den eigenen Reihen seit 2010 konsequent eingeschlagen hat und auch weiter gehen wird. Dabei setzt die Kirche bewusst auf unabhängige Expertinnen und Experten," erklärte Bischofskonferenz-Generalsekretär Schipka im Blick auf den neuen Beirat.

 

Rahmenordnung und Richtlinien

 

Grundlage für den Beirat sind die seit 2010 österreichweit geltenden Regelungen der Bischofskonferenz gegen Missbrauch und Gewalt. Sie wurden inzwischen überarbeitet, nachgeschärft und 2016 von der vatikanischen Glaubenskongregation als zuständiger Stelle bestätigt. Die Rahmenordnung unter dem Titel "Die Wahrheit wird euch frei machen" enthält im rechtlichen Teil die Strukturen und Verfahrensabläufe, die den Umgang mit Betroffenen sowie Beschuldigten regeln, sowie die Standards für die Prävention. Die Einführung enthält Basiswissen und ein Orientierung zu Themen wie der Umgang mit Nähe und Distanz sowie zu Fragen nach Täterprofilen, den strukturellen Bedingungen sexueller Gewalt und dem Umgang mit Opfern.

 

Erstanlaufstelle für Opfer von Gewalt oder sexuellem Missbrauch in kirchlichem Kontext sind die in jeder Diözese eingerichteten Ombudsstellen. In jeder Diözese gibt es weiters eine Diözesankommission, die ernsthaften Verdachtsfällen nachgeht, eine möglichst umfassende und objektive Beurteilung des Sachverhalts gewährleisten soll und in Folge den Bischof bei der Entscheidung über die weitere Vorgehensweise berät. Über finanzielle Hilfe und Therapiekosten entscheidet die "Unabhängige Opferschutzkommission" unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic. Die Auszahlung der Mittel erfolgt über die kirchliche "Stiftung Opferschutz".

 

Ziel der kirchlichen Maßnahmen ist es, erlittenes Unrecht so weit wie möglich anzuerkennen und Konsequenzen für die Täter festzulegen. Gleichzeitig gilt es Missbrauch und Gewalt bzw. deren Duldung durch Wegschauen mittels breiter Präventionsmaßnahmen zu verhindern. Die Regelungen gelten international als vorbildlich.

 

Eine Aufgabe des Beirats unter Vorsitz von Bischof Elbs ist es, darauf zu achten, dass die Regeln der Rahmenordnung eingehalten und gelebt werden. Dabei soll eine allgemeine Haltung des bewussten Hinschauens gestärkt werden, damit jedem Verdachtsfall konsequent nachgegangen wird. Der Beirat will sich auch verstärkt den Präventionsmaßnahmen widmen.

 

Informationen: www.ombudsstellen.at

 

Österreichische Bischofskonferenz

Die Österreichische Bischofskonferenz verstärkt ihren Fokus auf den Opferschutz. © Kathpress / Paul Wuthe

 

 

Fragen und Antworten zum Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan

 

Am Donnerstag, 21. Februar 2019 beginnt im Vatikan ein internationaler Gipfel von Kirchenoberen zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Papst Franziskus hat für das Kinderschutztreffen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt sowie Vertreter von Ordensgemeinschaften nach Rom gerufen. Vorgesehen sind neben Plenarrunden mit Vorträgen und Arbeitsgruppen auch eine Bußfeier und Berichte von Betroffenen von Missbrauch. Der Papst nimmt an der gesamten Konferenz teil. Unter den insgesamt 190 Kirchenvertretern bei der Konferenz ist auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Es ist das erste Mal, dass der Papst die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema Missbrauch in der Kirche versammelt.

 

1. Was hat der Vatikan bislang gegen sexuellen Missbrauch unternommen?

 

Seit 2001 hat die Römische Glaubenskongregation die kirchlichen Strafverfahren bei Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche an sich gezogen und die Verjährungsfristen verlängert. Die Normen wurden 2010 nochmals verschärft. Seither greift das Kirchenrecht auch in vielen Fällen, die vor weltlichen Gerichten verjährt sind oder nicht als Straftaten gelten. Nach 2001 sind bei der Glaubenskongregation mehrere tausend Anzeigen zu Vorfällen aus den vergangenen 70 Jahren eingegangen.

 

2. Warum hat Papst Franziskus den Gipfel einberufen?

 

Auslöser waren Berichte über zahlreiche Missbrauchsfälle in den vergangenen Jahrzehnten, unter anderem in den USA, Chile, Deutschland und Österreich. Papst Franziskus musste eigene Fehler beim Umgang mit Fällen in Chile einräumen. Zudem wurde ihm vorgeworfen, der Vatikan habe den langjährigen Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick (88) trotz zahlreicher sexueller Übergriffe gedeckt. Hinzu kamen Forderungen, die Ehelosigkeit der Priester zu lockern und die Sexualmoral der Kirche zu ändern.

 

3. Wer nimmt teil?

 

Unter den 190 Teilnehmern bilden die Vorsitzenden aller nationalen Bischofskonferenzen (einschließlich der Leiter der Ostkirchen) mit rund 140 die größte Gruppe. Hinzu kommen 12 männliche und 10 weibliche Ordensobere. Ferner nehmen die Chefs von 14 Vatikanbehörden, die verbliebenen Mitglieder des Kardinalsrates sowie einige Kinderschutzexperten, Missbrauchsopfer und Referenten teil.

 

4. Wie läuft das Treffen ab?

 

Anders als bei einer Synode wird es keine Schlussabstimmung über ein Dokument geben. Die Bischöfe und Oberen sollen vor allem zuhören und verstehen. Im Zentrum stehen die Themen Verantwortlichkeit und Transparenz. Missbrauchsopfer werden - auch per Videoaufzeichnung - von ihren Leiden berichten. An drei Tagen sprechen je drei Redner über die Themen "Verantwortung", "Rechenschaft" und "Transparenz" . Sechs der Referenten sind Erzbischöfe, drei sind Frauen. Der Papst fasst, nach einem Bußgottesdienst am Samstag und einer Heiligen Messe am Sonntag, die Ergebnisse in einer Grundsatzrede zusammen.

 

5. Welche Konsequenzen wird der Gipfel haben?

 

Franziskus wird in der Woche danach mit den Organisatoren über die Konsequenzen beraten. Geplant sind kurzfristige wie auch mittel- und langfristige Schritte. Auswirkungen wird es voraussichtlich bei der Priesterausbildung und im kirchlichen Strafrecht geben. Insbesondere soll kirchenrechtlich verbindlich festgelegt werden, wie künftig Bischöfe und Obere für Verbrechen oder das Vertuschen von Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden. Um darüber hinaus grundlegende Änderungen in der Moraltheologie oder bei der Zölibatsvorschrift zu beschließen, wäre ein allgemeines Konzil notwendig.

 

Kathpress

 

Lesen Sie auch: "Das Bischofsamt ist Teil des Problems" (KirchenZeitung online)

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