Weltkrebstag 2019: Ordensklinikum Linz Studienzentrum bei innovativer Form der Krebs-Therapie
In Kürze ist das Ordensklinikum Linz Studienzentrum in der CAR-T-Zell-Therapie, die als entwicklungsfähigste Therapiemethode im Kampf gegen Krebs gilt.
4. Februar ist Weltkrebstag. Am Stammzelltransplantationszentrum am Ordensklinikum Linz Elisabethinen wurden in den vergangenen 25 Jahren mehr als 1.100 Stammzelltransplantationen (SZT) durchgeführt. Allein im Jahr 2017 waren dies mit 121 autologen (körpereigenen) und allogenen (körperfremden) Stammzelltransplantationen die meisten an einem einzelnen Zentrum österreichweit. Im Vorjahr belief sich diese Zahl auf 130 (Vergleichszahlen liegen derzeit noch nicht vor). „Allogene Stammzelltransplantationen werden in Oberösterreich ausschließlich bei den Elisabethinen durchgeführt und sind eine der Kernkompetenzen des Krankenhauses. Die Entwicklung auf diesem komplexen Gebiet der Hämato-Onkologie ist innovativ und fordernd. Wir sind glücklich, in unserem Haus diese spitzenmedizinische Leistung anbieten zu können. Die mehr als 1.100 Stammzelltransplantationen dokumentieren die hohe Expertise in diesem medizinischen Hightech-Bereich, die natürlich den PatientInnen zu Gute kommt“, sagt Geschäftsführer Dr. Stefan Meusburger MSc.

Medizinischer Geschäftsführer Dr. Stefan Meusburger, MSc. © Ordensklinikum Linz
Das Feld rund um die SZT gehört zu einem der komplexesten und hoch spezialisiertesten Bereiche der Medizin. Mit der Transplantation eines fremden Blut- und Immunsystems lassen sich bösartige Bluterkrankungen heilen, die ansonsten als unheilbar gelten. Sprechen bestimmte Formen von akuter oder chronischer Leukämie, Lymphknotenkrebs oder ein multiples Myelom (Krebserkrankung des Knochenmarks) nicht ausreichend auf die medikamentöse Tumortherapie an, oder kommt der Krebs nach der Behandlung wieder, kann oftmals nur eine intensive Chemotherapie mit anschließender Blut-Stammzelltransplantation den Krebs besiegen.
„Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung bieten wir unseren Patientinnen und Patienten die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung bei bösartigen Bluterkrankungen. Daher freut es mich besonders, dass wir bei einem neuen Verfahren, der CAR-T-Zell-Therapie, als Studienzentrum ausgewählt wurden. Diese neue Form der Therapie werden wir ergänzend zu unseren sehr erfolgreichen Stammzelltransplantationen bei Patienten mit einer speziellen Form von therapierefraktärem Lymphdrüsenkrebs im Rahmen einer Studie einsetzen“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Petzer, Leiter der Abteilungen Interne I für Hämatologie mit Stammzelltransplantation, Hämostaseologie und medizinische Onkologie am Ordensklinikum Linz.
Was ist die CAR-T-Zell-Therapie? CAR steht für Chimeric Antigen Receptor. Dabei handelt es sich um eine neuartige Krebsimmuntherapie, bei der gentechnologisch veränderte T-Zellen, die vom Patienten selbst gewonnen werden, mit synthetischen antigenspezifischen Rezeptoren zur Anwendung kommen. Krebszellen sind in der Lage, aktive Abwehrzellen aus dem Tumorbereich auszuschließen, sich den Erkennungsmechanismen der Immunabwehr zu entziehen und das Immunsystem aktiv zu erschöpfen. CAR-T-Zellen sind genetisch modifizierte Abwehrzellen, die in der Lage sind, einen Teil dieser Verteidigungslinien des Tumors zu durchbrechen, Krebszellen zu erkennen und zu beseitigen. Die CAR-T-Zell-Therapie zählt heute zu einer der entwicklungsfähigsten zellulären Therapiemethode im Kampf gegen Krebs.

Univ.-Doz. Dr. Johannes Clausen, Hämato-Onkologe, Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Petzer, Leiter der Abteilung für Hämatologie mit Stammzellentransplantation, Hämostaseologie und medizinische Onkologie am Ordensklinikum Linz mit der ehemaligen Patientin Dr.in Michaela Herzog. © Ordensklinikum Linz
Wichtige Fortschritte in der Stammzelltransplantation am Ordensklinikum Linz
Vor allem in den vergangenen Jahren konnten am Ordensklinikum Linz Elisabethinen große Fortschritte in der SZT erzielt und somit die Überlebenschancen der Patientinnen deutlich erhöht werden.
• Haploidente Stammzelltransplantation:
Seit 2014 wird die haploidente Stammzelltransplantation sehr erfolgreich angewandt. Dies bedeutet, dass ein verwandter Spender auch dann für eine allogene Stammzelltransplantation in Frage kommt, wenn die HLA-Übereinstimmung (HLA - Human Leukocyte Antigen) nicht zu 100, sondern nur zu 50 Prozent passend ist. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Stammzellenspender innerhalb der Verwandtschaft zu finden. „Die haploidente Stammzelltransplantation stellt vor allem für Patienten mit Hochrisiko-Leukämie, die rasch einen Spender brauchen, eine gut etablierte therapeutische Option dar. Wir gewinnen damit die für die Behandlung sehr wichtige zeitliche Flexibilität“, sagt OA Univ.-Doz. Dr. Johannes Clausen, Hämato-Onkologe, Leiter der Stammzelltransplantationseinheit am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.
• Wichtige Erkenntnisse in der GVH-Reaktion (Graft-versus-Host - Spender gegen Empfänger-Reaktion):
Diese Reaktion des gesunden Spenderimmunsystems gegen die Organe des Empfängers kann tödlich verlaufen. „Diese Komplikation konnte deutlich verringert wer-den. Hier setzen wir als intensive und effektive Vorbeugung eine Serumtherapie ein, die früher nur bei unverwandten und nun auch bei allogen-verwandten Stammzell-transplantationen sehr erfolgreich eingesetzt wird. Zudem nehmen wir an zahlrei-chen, international durchgeführten klinischen Studien zu neuen Ansätzen der Vor-beugung und der Therapie der GVHD teil“, so Doz. Clausen.
• Molekulare Diagnostik:
Drohende Krankheitsrückfälle können mit Hilfe der sehr sensitiven molekularen Diagnostik früh erkannt und somit rechtzeitig behandelt werden. Diese Art von medikamentöser Behandlung erspart in vielen Fällen dem Patienten eine weitere Chemotherapie und kann großteils ambulant verordnet werden.
Auf der Spezialabteilung arbeiten ÄrztInnen, Krankenpflegepersonal, PhysiotherapeutInnen, ErnährungsberaterInnen, Biomedizinische AnalytikerInnen, MolekularbiologInnen, ApothekerInnen, SozialarbeiterInnen, SeelsorgerInnen und PsychologInnen zusammen, um den PatientInnen den wochen- bis monatelangen Aufenthalt so angenehm und fürsorglich wie möglich zu gestalten. Die Station hat sieben Betten, und die Transplantation wird in so genannten Reinluftzimmern durchgeführt, das sind Einzelzimmer mit gefilterter Luft und strengen Hygienebestimmungen, weil das Immunsystem der PatientInnen extrem geschwächt ist.








